<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?><?xml-stylesheet href="http://www.blogger.com/styles/atom.css" type="text/css"?><feed xmlns='http://www.w3.org/2005/Atom' xmlns:openSearch='http://a9.com/-/spec/opensearchrss/1.0/' xmlns:georss='http://www.georss.org/georss' xmlns:gd='http://schemas.google.com/g/2005' xmlns:thr='http://purl.org/syndication/thread/1.0'><id>tag:blogger.com,1999:blog-6835589152084916324</id><updated>2012-02-16T02:13:44.046-08:00</updated><title type='text'>Baugeschichte</title><subtitle type='html'></subtitle><link rel='http://schemas.google.com/g/2005#feed' type='application/atom+xml' href='http://strukturellebaugeschichte.blogspot.com/feeds/posts/default'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6835589152084916324/posts/default?max-results=100'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://strukturellebaugeschichte.blogspot.com/'/><link rel='hub' href='http://pubsubhubbub.appspot.com/'/><author><name>Karl-Ludwig Diehl</name><uri>http://www.blogger.com/profile/11909949692992381573</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='31' height='32' src='http://3.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SOuBUB0BTyI/AAAAAAAAAAo/mQx-tvh1B6k/S220/Selbstporträt.jpg'/></author><generator version='7.00' uri='http://www.blogger.com'>Blogger</generator><openSearch:totalResults>52</openSearch:totalResults><openSearch:startIndex>1</openSearch:startIndex><openSearch:itemsPerPage>100</openSearch:itemsPerPage><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6835589152084916324.post-6404566032009885992</id><published>2010-06-17T05:04:00.000-07:00</published><updated>2010-06-17T06:10:32.241-07:00</updated><title type='text'>Romantik und Neugotik: ein Zusammenhang</title><content type='html'>Aus den romantischen Anfängen der Neugotik im 18.Jahrhundert wurde im Verlauf der Jahrzehnte des 19.Jahrhunderts eine aufgeklärte Baubewegung der Moderne dieser Zeit, die Rathausbauten und andere Profangebäude für die neuen angewachsenen Erfordernisse in den Städten und im ländlichen Raum schuf.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Diese Baubewegung trug dazu bei, demokratische Verhältnisse entstehen zu lassen, mußte sich aber im deutschen Kulturraum des Feudalwesens bedienen, um die kleinteiligen deutschen Herrschaftsräume zu vereinen. Dies geschah durch das aufgeklärte Preußen, wo sich ein gut Teil der Fortschrittskräfte an der Universität und in der Verwaltung tummelte. Die romantischen Anfänge liessen jedoch das gesamte darauf folgende Geschehen noch nicht erkennen. Dazu schrieb Hermann Schmitz im Jahre 1921:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Die tiefgreifende Umwälzung im architektonischen Empfinden, d.h. seine Unterordnung unter Momente geistig-seelischer Art, hängt zusammen mit der Umwandlung auf dem Gebiete des Denkens und Fühlens überhaupt mit der welthistorischen Erscheinung, die in der Literatur als Romantik bezeichnet wird" (1).&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Julius Fekete weist darauf hin, daß die Romantik eine Gegenbewegung gewesen ist gegen den rationalistischen und utilitaristischen Geist, der im 18.Jahrhundert verbreitet gewesen sein soll. Es wird also darum gegangen sein, die durch die Vernunft gefesselten Kräfte einer Epoche freizusetzen und der schöpferischen Phantasie freien Lauf zu lassen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Romantik und Gotik lassen sich jedoch nicht gleichsetzen, sondern zu den romantischen Bewegungen gehört u.a. die der Neugotiker, die spezielle Ideen an die Bevölkerung herantrugen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Immanuel Kant hatte bereits im Jahre 1781 "die Objektivität der Erkenntnis", diese der Vernunft ganz alleine zugeschriebene Fähigkeit, nicht mehr länger akzeptiert. Rationales Denken hänge von apriorischen Kategorien ab, folglich könne Natur nicht als objektive Wahrheit, sondern nur als Erscheinung erkannt werden. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Kunst als Erkenntnisweg wuchs nun eine neue Rolle zu, da in ihr die Natur ganz rein waltet.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Fekete erwähnt weiterhin:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Schelling übernahm von Kant die Ablehnung des Verstandes und der Vernunft als Legitimationen des künstlerischen Gegenstandes" (2).&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schelling habe sich "von der Vernunftgläubigkeit der Aufklärung" und genauso "von der Forderung der Nachahmung der Natur" gelöst, wie es als Idee von der hellenistischen Antike bis in diese Zeit tradiert worden ist. Daraus resultierte:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Nach Schelling steht der Künstler über dem Denker, da sein Werk das Sinnliche vergeistigt, das Geistige versinnlicht und damit den Schöpfungen "der Weltseele" am nächsten kommt." (3)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Natur ist bei Schelling "sichtbarer Geist" und Geist "unsichtbare Natur". Das gab viel Raum zum neuen Denken und schuf Kreativität. Im Künstler und in der Kunst liegt dann eine Kraft, die Natur als "idealische Schönheit" abzubilden und dem Genie, oder Künstler, wächst dann eine subjektive Fähigkeit zu neuer Kunst zu. Diese kann sich rückwärtsgewandt oder fortschrittlich entfalten. Auf jeden Fall schafft sie ein neues Raumdenken.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bester Ausdruck der Romantik sind die englischen Landschaftsparks, die wie ideale Szenen gemäß der romantischen Landschaftsmalerei gestaltet wurden. In solchen Parks wurden künstliche "gotische" Ruinen eingestreut, die sowohl schaudern lassen sollten, um auf das Vergängliche in der Natur zu zeigen, aber sie sollten auch Landschaftsräume romantisch verklären, da sie Kulissenzauber darstellten, dem man ausgesetzt werden sollte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Diese Architekturmode der frühen und romantischen Neugotik fand bald Anhänger im deutschen Kulturraum.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erst als die Altertumswisenschaft eine akribische Auseinandersetzung mit der mittelalterlichen Gotik anfing, reflektierte man die Neugotik ganz anders. Es ging zu dieser Zeit darum, an die Fähigkeiten anzuknüpfen, über die die gotischen Baumeister verfügt hatten. Das drängte in Deutschland zum Weiterbau des Kölner Doms, der im Mittelalter begonnen worden war und dessen Baustelle danach lange Jahre nicht mehr betrieben wurde. Es kam zur Zeit der Neugotik zu vielen hochwertigen Profan- und Sakralbauten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zu den führenden Architekturtheoretikern der wissenschaftlichen und demokratischen Phase der Neugotik gehörte Reichensperger. Er war von Hause aus Jurist, hatte sich aber durch Studien Kenntnisse erworben, die es ihm erlaubten, neugotische Ideen voranzutreiben. Auch er war zunächst romantisch bewegt und zugleich von dem Ideengut der Aufklärung, das mit der französischen Revolution aufgekommen war, erfaßt gewesen, das ein neues Staatswesen hervorbringen sollte. Er kämpfte für einen preußischen Zentralstaat, der die kleinteiligen deutschen Herrschaftsräume zusammenfaßt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In den 1830er Jahren war dieses widersprüchliche Denken, einerseits romantisch bewegt zu sein, und andererseits vom aufklärerischen Geist vorangetrieben zu werden, üblich und noch miteinander vereinbar. (4) Später trennte sich das Romantische ab.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im Architekturgeschehen macht sich dieser Vorgang im Aufkommen der hochstehenden Neugotik sehr deutlich bemerkbar. Die Bauwerke, die dann entstanden, gehören zum wertvollsten Kulturgut vieler Städte und geniessen Bewunderung. Viele von ihnen sind städtische Wahrzeichen geworden. Man kann sagen: Zu dieser Zeit war bereits überwunden, was früher von der Gotik gedacht worden war. Alfred Kamphausen schreibt in seinem Büchlein "Gotik ohne Gott" (1952):&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Gotik war für Vasari ungebändigt wuchernde, unförmige Kunst, dem dunkeln, noch vom Urwald bedrängten Norden eigen." (5)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die mit der Renaissance aufgekommene dunkle Sicht auf die Gotik hatte sich erst nach und nach, und eigentlich erst mit dem Ende der Zeit der Romantik, aufgelöst. Dazu beigetragen hatte auch der Goethe der Sturm und Drang-Zeit, der bei einem Besuch Straßburgs von der Außenwirkung des Straßburger Münsters im Stadtraum so angetan war, daß er begeistert darüber schrieb. Gotik geriet bald in große Wertschätzung und löste eine qualitativ hochwertige Neugotik auch in Deutschland aus. Engländer und Deutsche waren so stolz auf sie, daß sie meinten, die Gotik sei bei ihnen entstanden. Nur die Franzosen konnten es schließlich zurecht behaupten. Aber dazu mußte erst einmal gewußt werden, wo die Gotik entstanden war und was sie ausmacht. Dies war durchaus strittig. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das akribisch erarbeitete Wissen zur Gotik wurde in den relevanten beruflichen Kreisen der verschiedenen Nationalstaaten durchaus zu ganz unterschiedlichen Zeitpunkten akzeptiert. In Deutschland geschah dies sehr spät, erst dann, als herausgefunden wurde, daß der älteste Teil des Kölner Doms auf einer Planung beruhte, die direkt von den Planrissen der Kathedrale von Amiens übernommen worden war. In einem Text von Michael J.Lewis, der 1993 herausgegeben wurde, finden sich dazu hervorragende Hinweise. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neugotik war über Jahrzehnte zu bauen, da Gotikbegeisterung zum Ausdruck der Moderne des 19.Jahrhunderts gehörte. Daneben entwickelten sich andere Bauströmungen, die genauso interessant sind. Von den Bauhütten der mittelalterlichen Gotik schwärmte man noch am Bauhaus in Weimar und Dessau und anderswo. So kam es, daß sich das Gotische auch noch im 20.Jahrhundert deutlich bemerkbar machte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Karl-Ludwig Diehl&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Anmerkungen:&lt;br /&gt;(1)zit.aus H.Schmitz: Die Gotik im deutschen Kunst- und Geistesleben. Berlin, 1921. S.172, oder bei: Julius Fekete: Denkmalpflege und Neugotik im 19.Jahrhundert. München, 1981. S.1&lt;br /&gt;(2)-(3) zit.aus Julius Fekete, wie vor, S.5&lt;br /&gt;(4) siehe genauer bei: Michael J.Lewis: The politics of the German Gothic Revival. August Reichensperger. Bosten, etc., 1993. S.7ff.&lt;br /&gt;(5) zit.aus Alfred Kamphausen: Gotik ohne Gott (1952), S.17&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6835589152084916324-6404566032009885992?l=strukturellebaugeschichte.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://strukturellebaugeschichte.blogspot.com/feeds/6404566032009885992/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6835589152084916324&amp;postID=6404566032009885992' title='3 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6835589152084916324/posts/default/6404566032009885992'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6835589152084916324/posts/default/6404566032009885992'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://strukturellebaugeschichte.blogspot.com/2010/06/romantik-und-neugotik-ein-zusammenhang.html' title='Romantik und Neugotik: ein Zusammenhang'/><author><name>Karl-Ludwig Diehl</name><uri>http://www.blogger.com/profile/11909949692992381573</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='31' height='32' src='http://3.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SOuBUB0BTyI/AAAAAAAAAAo/mQx-tvh1B6k/S220/Selbstporträt.jpg'/></author><thr:total>3</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6835589152084916324.post-8909568267826146661</id><published>2009-12-02T12:07:00.000-08:00</published><updated>2009-12-02T12:16:22.827-08:00</updated><title type='text'>Über die verschiedenen Arten des römischen Kalkmörtels in der Biedermeierzeit</title><content type='html'>Der Architekt G.Engelhard hatte im Jahre 1839 aus Kassel einen Text an die Allgemeine Bauzeitung in Wien geschickt, der sich mit dem Bauwesen in Rom befaßt. Die Redaktion hatte dadurch die Möglichkeit erhalten, ihre Leserschaft über die Zubereitung des Kalkmörtels und den Mauerwerksbau in Italien zu informieren. (1)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Engelhard meint, die Art, wie in Rom Mörtel hergestellt werde, könne man in weiten Teilen Italiens antreffen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Die Materialien, welche man in dem größten Theile von Italien zum Bereiten des Mörtels gebraucht, sind in so fern von den unsrigen verschieden, als dort der Kalk ziemlich rein, d.h. mit geringer Beimischung von Thon- und Kieselerde vorkommt, und statt des Sandes die sogenannte Pozzolanerde angewendet wird. Letztere ist ein vulkanisches Produkt, das sich als lockere Masse vom feinsten Staube bis zu Stücken von der Dicke einer Faust findet und gewöhnlich von rothbrauner Farbe ist. Die Güte derselben ist sehr verschieden, und es kommt darauf mehr an, als auf die Güte des Kalkes." (2)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Engelhard beobachtete, daß an der Stelle des Sandes Pozzolanerde dem Kalk beigemischt wurde, um Mörtel zu erhalten. Die Qualität der Pozzolanerde sei sogar entscheidender für den Mörtel als der Kalk.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Während die Puzzolanerde eine lockere Masse von Staub bis hin zu größeren verfestigten Brocken daraus ist, erhalten wir von der Kalkmasse diese Beschreibung, nämlich:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"daß sie von scharfem glasigen Bruche sei (wie Bimsstein), und beim Reiben knirsche, sodann, daß sie Wasser nicht trübe, sondern darin schnell zu Boden falle, und daß sie von recht intensiver feuriger Farbe sei, was ein Zeichen ist, daß sie keine vegetabilischen Substanzen enthalte." (3)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es wird gesagt, der Mörtel unterstütze die Arbeit den Maurer, sodaß diese nicht unbedingt gezwungen sind, genau zu arbeiten. Der Kalkmörtel sei ihnen deshalb wichtiger als die Mauersteine. Sie würden sehr großen Wert auf die genaue Zubereitung des Mörtels legen. Wie sich Puzzolanerde und Kalk zum Mörtel binden, ist so beschrieben:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Die Puzzolanerde bildet mit dem Kalk eine an der Luft schnell erhärtende Masse, die sich hernach, selbst unter Wasser, nicht wieder auflöset." (4)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es handelt sich also um einen hydraulischen Mörtel, dem Wasser nichts mehr anhaben kann. Man wird im deutschsprachigen Kulturraum die Italiener um ihren Kalkmörtel beneidet haben. Wie werden die Mörtel angemischt?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Das Mischungsverhältniß derselben bestimmt sich nach der Güte der Materialien, gewöhnlich nimmt man 3 bis 3 1/2 mal soviel Pozzoloanerde als gelöschten Kalk (Grössentheile). Auch richtet sich die Mischung nach den verschiedenen Arten von Mauerwerk oder Verputz, wozu der Mörtel gebraucht werden soll; im Allgemeinen aber gilt, daß der Kalk so lange mit Pozzolanerde und Wasser versetzt wird, bis das Gemisch nicht mehr an der Schaufel hängen bleibt." (5)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es wird deutlich, daß die Baustoffe in unterschiedlicher Qualität vorliegen konnten, worauf bei dem Mischungsverhältnis Rücksicht zu nehmen war. Eine solche Mörtelmischung setzt also Erfahrung voraus, um im Ergebnis eine möglichst gleichbleibende Qualität des Mörtels zu erhalten. Neben der Qualität der Ausgangsstoffe war die Menge der Wasserbeigabe so zu organisieren, daß sich Mörtel ergab, der sich zum Mauern gut eignete. Als Kriterium der Maurer, ob er gute Konsistenz habe, wird im Text gesagt, er habe sie dann, wenn er an der Schaufel nicht mehr kleben bleibt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Engelhard führt sechs verschiedene Kalkmörtelarten an.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1. Calce da fondamenti&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er bestehe aus dem einfachen Gemisch von gelöschtem Kalk und Pozzolanerde, wobei er zur Pozzolanerde sagt, sie werde im rohen Zustande, also ungesiebt, verwendet.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Dieser Mörtel wird nur zu Mauerwerk unter der Erde und zu Füll- und Gußwerk in dicken Mauern gebraucht" (6)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man würde die gröberen Teile der Pozzolanerde, die beim Sieben durch ein Drahtsieb anfalle, in den Calce da fondamenti einmischen, was sagt, daß ein Bestreben bestand, alles angefahrene Baumaterial zu verbrauchen. Man würde diesen Mörtel mager und sehr flüssig anmachen. Der fein ausgesiebte Anteil der Pozzolanerde diente für den qualitativ anspruchvolleren Kalkmörtel.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;2. Calce di muratore&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er werde zu allen "reinen Mauern" verwendet und unterscheide sich vom vorherigen Mörtel für die Fundamente nur dadurch, daß ausschließlich fein gesiebte Pozzolanerde dem Mörtel beigemischt werde. Sowohl Backstein- wie Bruchsteinmauerwerk würde mit diesem Kalkmörtel gemauert. Auf gute und genaue Mörtelmischung sei zu achten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Der Kalk wird zuerst mit sehr wenig Pozzolanerde gemischt und durchgearbeitet, dann wird etwas mehr Pozzolanerde zugesetzt und von neuem durchgearbeitet, und so fort, bis das gehörige Verhältniß erreicht ist." (7)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man würde mit diesem Mörtel die Wände bewerfen, um sie roh zu verputzen. Die Bindekraft eines solchen Mörtels sei ungewöhnlich stark, was erfordere, ihn mit Wasser über etliche Tage zu nässen, damit kein zu schnelles Abbinden eintritt und Risse auftauchen. In feuchten Jahreszeiten würde dieser Mörtel am besten zu verwenden sein. Nach etwa 14 Tagen sei er so sehr gehärtet, daß ein Mauerwerksverband nur noch mit dem Meißel auseinander geschlagen werden könne.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;3. Calce passata&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Diese Mörtelart ist interessant. Man bereitete diesen Mörtel, wenn sehr sorgfältig zu mauern war. Verwendung fand er bei Pfeilern, sehr tragfähigen Mauern, Kaminen. Er würde auch beim Vermauern der Dachziegel genommen. Genauso sei der zweite Anwurf beim Mauerputz aus Calce passata. Woher der Name rührt, wird hierdurch deutlich:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Calce passata ist Calce di muratore, die noch durch ein großes Sieb geworfen wird, wodurch nicht nur die zu groben Stücke der Pozzolanerde abgesondert werden, sondern auch eine innigere und gleichförmigere Vermischung des Kalkes mit der Pozzolanerde erreicht wird." (8)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man nahm Drahtsiebe, die 1 Meter breit und 1.25 Meter hoch waren und schräg aufgestellt wurden. Es seien Drahtsiebe gewesen "mit 0,012 Met.großen Maschen". Großer Wert wurde also auf einen Kalkmörtel gelegt, der ein Sieb passierte und dadurch gleichförmigere Konsistenz annahm. Offensichtlich ließ sich damit haltbarer mauern.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;4. Calce ripassata&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auch hierfür war der Calce di muratore durch ein Sieb zu geben. Um den Mörtel "fetter" zu machen, wurde er "durch ein Handsieb" gedrückt, damit "alle nicht ganz feinen Theile der Pozzolanerde" im Sieb verblieben. Man nahm dazu ein rundes Drahsieb "mit 0,005 Met. großen Maschen".&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Man braucht ihn besonders bei vielen Ziegelsteinkonstrukzionen, z.B. bei Gewölben, Thür- und Fenstergewänden, Ecken von Gebäuden, Gesimsen, zum Einmauern von irdenen Röhren u.s.w. aber überall nur in sehr dünnen Lagen, da er wegen seiner größeren Fettigkeit leichter reißt als andere Mörtel." (9)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn große Werkstücke vermauert wurden oder "Ziegelsteinmauern von geschliffenen Steinen" herzustellen waren, benötigte man diesen fetten Kalkmörtel. Zum Verputzen durfte man ihn nicht nehmen, da er zu fett war. Im Mauerwerk mit sehr dünnen Fugen war er angebracht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;5. Colla&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Colla ist sehr magerer Kalkmörtel. Man beachte, wie er hergestellt wurde. Auch er wurde durch Sieben gewonnen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Colla ist Calce ripassata, noch einmal durch ein feines Haarsieb gelassen, und hernach mit eben so fein gesiebter Pozzolanerde gemischt, um den Mörtel wieder mager zu machen, da bei dem mehrmaligen Durchsieben immer weniger Pozzolanerde darin bleibt." (10)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Haarsieb wird als Werkzeug grivello genannt, hat runde Form, einen Durchmesser von einem halben Meter und wurde damals aus starken Pferdehaaren geflochten. Es wird gesagt, die Maschen wären vielleicht so eng, daß 25 Pferdehaare "auf 0,01 Quad.Met. zu stehen kommen".&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man habe die Colla "zum Ausputzen der Fugen" beim Ziegelmauerwerk verwendet, wenn darauf verzichtet werden sollte, solche Mauern zu tünchen. Genauso habe man damit Gesimsgliederungen fein verputzt und auch damit die letzten Feinheiten des Wandputzes angebracht. Er sei auch "bei manchen Konstrukzionen, z.B. bei weitgespannten horizontalen Ueberwölbungen aus Ziegelsteinen" (11) in Verwendung gekommen. Dieser Hinweis auf das Wölben dürfte sehr wichtig sein. Die letzte geschilderte Kalkmörtelart ist:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;6. Stucco&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er diente in der Biedermeierzeit zum Verputzen. Er wurde, "wie die Colla", einen "Messerrücken" dick aufgetragen. Unbedingt zu nehmen war er zum Glätten feiner Gliederungselemente, bei Ornamenten, usw.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Stucco ist wie Colla, nur mit dem Unterschiede, daß, statt der feinen Pozzolanerde, feiner Marmorstaub zugesetzt wird, wodurch der Mörtel eine sehr große Festigkeit und ein schönes Ansehen bekommt" (12)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sowohl die Colla wie der Stucco habe man mit einer sehr schmalen und kleinen Kelle aufgetragen, um den feinen Kalkmörtel "glänzend" zu verstreichen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es stellt sich nun die Frage, wie sich in Rom und Italien der Mörtel nach der Biedermeierzeit weiterentwickelte. Durch die Industrialisierung müssen andere Herstellungsverfahren für die Mörtel aufgekommen sein, trotzdem muß diese Tradition der Mörtelzubereitung Nachwirkungen gehabt haben, die dazu führte, daß sich das Mauern nördlich der Alpen und südlich der Alpen anders entwickelte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man hat vor und während der Biedermeierzeit sicherlich von der Zubereitung des hydraulischen Mörtels in Italien gelernt. Die italienischen Kalkmörtel dieser Mischung mit Puzzolanerde waren hydraulische, also wasserfeste Mörtel. Man holte sich auf Schiffen die Pozzolanerde nach Nordeuropa, wie aus biedermeierzeitlichen Texten hervorgeht. Ab wann man im nördlichen Europa von den Italienern den hydraulischen Mörtel übernahm, wäre herauszufinden. Die Geschichte der Herstellung und Verwendung von Mörteln ist wohl ein weites Feld, das wissenschaftlich zu erschliessen ist. Was davon schon durch die römischen Besatzer, also vor dem nordeuropäischen Mittelalter, nach Norden gelangte, bildet eine weitere Frage, die auf Antwort wartet.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Karl-Ludwig Diehl&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Anmerkungen:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;(1) G.Engelhard: Bauarbeiten in Rom. S.188-195 in: Allgemeine Bauzeitung. Wien, 1839&lt;br /&gt;(2)-(5) zitiert aus: G.Engelhard, wie vor, S.188&lt;br /&gt;(6)-(12) zitiert aus: G.Engelhard, wie vor, S.189&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6835589152084916324-8909568267826146661?l=strukturellebaugeschichte.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://strukturellebaugeschichte.blogspot.com/feeds/8909568267826146661/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6835589152084916324&amp;postID=8909568267826146661' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6835589152084916324/posts/default/8909568267826146661'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6835589152084916324/posts/default/8909568267826146661'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://strukturellebaugeschichte.blogspot.com/2009/12/uber-die-verschiedenen-arten-des.html' title='Über die verschiedenen Arten des römischen Kalkmörtels in der Biedermeierzeit'/><author><name>Karl-Ludwig Diehl</name><uri>http://www.blogger.com/profile/11909949692992381573</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='31' height='32' src='http://3.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SOuBUB0BTyI/AAAAAAAAAAo/mQx-tvh1B6k/S220/Selbstporträt.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6835589152084916324.post-1207097721963809578</id><published>2009-12-02T11:52:00.000-08:00</published><updated>2009-12-02T12:04:54.850-08:00</updated><title type='text'>Die Geschichte des Mauerziegels in deutschen Landen in einem Text aus der Biedermeierzeit</title><content type='html'>In einem im Jahre 1839 veröffentlichten Aufsatz wurde der Versuch unternommen, die Geschichte des Mauerziegels nachvollziehbar zu machen. Da sich der Aufsatz an ein deutschsprachiges Publikum richtete, endet die Aufeinanderfolge der geschichtlichen Abriße in Deutschland. Zuvor war nacheinander der Gebrauch des Mauerziegels in der traditionellen Reihenfolge der Kulturentwicklungsräume zur Darstellung gebracht worden. Es begann im Zweistromland, daraufhin folgte Aegypten, das antike Griechenland und Rom. Von den nördlicheren Regionen kamen dann Hinweise zu Britannien, um schließlich mit Deutschland zu enden. Eine solche Darstellung kann uns niemals das Aufkommen des Lehmziegels und Backsteines in seiner historischen Entfaltung wirklich erläutern wollen, sondern uns wird ein ungefährer Hinweis gegeben, wie der Mauerziegel zu uns nördlich der Alpen gelangte. Wir müssen uns mit diesem Text aus der Biedermeierzeit zunächst begnügen, weil er einen frühen Versuch darstellt, die Geschichte des Mauerziegels vor Augen zu führen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Auch in Deutschland finden sich Spuren von Mauerwerken aus den Zeiten der Römer in hinreichender Menge, um daraus beurtheilen zu können, daß die Form und Verfertigungsweise der Mauerziegel mit der oben beschriebenen vollkommen übereinstimmt, was um so eher vorauszusetzen war, da die Deutschen die Fabrikazionsweise von den Cohorten erlernen mußten, welche bei Gelegenheit der römischen Invasionen dorthin kamen und als Wachposten u. sich dort ansiedelten." (1)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mit den römischen Besatzungstruppen und was mit ihnen mitzog, um große Teile des nördlichen Europa unter Kultur zu nehmen, soll der Mauerziegel nach "Deutschland" gekommen sein. Die "Deutschen" hätten die "Fabrikazionsweise" der Mauerziegel von den römischen Cohorten erlernen müssen. Das kann natürlich so sein. Mit Lehm Bausteine zu formen, könnte jedoch auch schon älter sein, da Lehm beim Hausbau ein sehr lange verwendetes Material ist. Außerdem hatte das Brennen von Keramik eine sehr lange Tradition. Den Übergang vom luftgetrockneten zum gebrannten Lehmquader zu finden, könnte bereits vor der Zeit der römischen Besatzung stattgefunden haben. Es wird jedoch gemeint, der Backstein sei mit den Römern nach "Deutschland" gekommen. Aber nicht nur der:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Auch von Terrakotten finden sich aus jener Zeit noch höchst interessante Ueberreste. Namentlich besitzt das, durch den Herrn Präsidenten von Stichauer in Speyer gegründete Antiquarium in dieser Hinsicht sehr schätzbare Gegenstände, indem man bei den Nachgrabungen in Zabern so glücklich gewesen ist, die ganze Werkstatt, nebst dem Brennofen eines römischen Töpfers aufzufinden, in welcher sich nicht allein eine große Menge der verschiedenartigsten Gefäße für die Haushaltung, - gebrannt und ungebrannt, - sondern auch die Formen erhalten haben, in welchen dieselben mit den darauf befindlichen Reliefs und Ornamenten gepreßt worden sind." (2)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Automatisch von der Auffindung eines römischen Töpferofens darauf zu schließen, daß mit solchen das Terrakottabrennen nach "Deutschland" kam, dürfte wenig Sinn machen, da zugleich danach zu suchen ist, ob nicht schon zuvor Terrakotten in den römisch besetzten Gebieten gebrannt wurden. Die Textstelle sagt aber eindringlich, daß es in der Biedermeierzeit in Speyer ein Antiquarium gab und archäologische Ausgrabungen an der Tagesordnung waren. Diese frühe Archäologie kennen zu lernen, dürfte interessant sein, da sie auch viel zur Geschichte der Bautätigkeit beigetragen haben muß.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"In den nördlicheren Theilen Deutschlands finden wir, namentlich an den Gebäuden für den Kultus, ein Ziegelmaterial von der größten Vollkommenheit, dessen Spuren bis in das neunte Jahrhundert hinauf reichen. Die Form der Ziegel, welche sich durch viele Jahrhunderte erhalten hat, ist, mit wenigen Ausnahmen, eine Länge von 12 - 13 Zoll, eine Dicke von 4 Zoll und eine Breite von 6 Zoll, doch finden sich auch hier und da Steine von größeren Dimensionen, und man hat Beispiele von gut gebrannten Ziegelplatten von 18 Zoll im Quadrate, bei einer Dicke von vier Zoll, welche sich in den Umfassungsmauern einer im eilften Jahrhunderte erbaueten Kirche befanden. Zu Gewölben bediente man sich der Ziegel von 8 Zoll im Quadrate und 3 1/2 Zoll Dicke." (3)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es werden hier Maßangaben von Backsteinen gegeben, ohne darauf deutlich zu verweisen, daß es sich um gebrannte Lehmziegel handelt. Außerdem fehlen die genauen Hinweise darauf, wo sich solche Steine auffanden. Das trifft auch für die Backsteine zu, die für den Gewölbebau genommen wurden. Immerhin lassen sich damit erste Ideen entwickeln davon, was sich vorfand.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Der Verband, den man zu jenen Zeiten anwendete, war keineswegs musterhaft, und beschränkte sich darauf, daß man z.B. für eine vierfüßige Mauer, die beiden Außenflächen einen Stein stark in einem, unserem jetzigen Blockverbande ähnlichen Verbande aufführte, den Zwischenraum mit Steintrümmern, großen Feldsteinen u. ausfüllte und das Ganze dann mit Kalkmörtel ausgoß." (4)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als Zeitangaben waren bis jetzt "bis ins neunte Jahrhundert hinauf" und "zu jenen Zeiten" zu lesen. Zuvor war die römische Besatzungszeit als ungefährer Zeitrahmen genannt. Das sind sehr undeutliche Angaben, die zusammen mit den fehlenden Angaben zu den Orten, wo die Ziegel anzutreffen waren, kaum ein gutes Bild zeigen können.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als Verband des Mauerwerkes mit Backsteinen wird eine Art Blockverband genannt, der als Backsteinmauerwerk einen Zwischenraum aus Steintrümmern umschloß, die mit Kalkmörtel vergossen waren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Eine sehr angenehm ins Auge fallende Mosaik bildete man in jenen Zeiten dadurch, daß man eine gewisse Anzahl von Ziegeln im Brande verschiedenfarbig glasirte, und mit der rothen Waare zugleich nach bestimmten Mustern vermauerte. Auch Dachziegel wurden so glasirt, und Ulm hat deren sehr schöne Ueberreste aus dem Mittelalter, namentlich in der Deckung eines alten Thurmes an der Donau." (5)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der mittelalterliche Backsteingebrauch ist hier für Ulm und irgendwo anders nachgewiesen. Es wird bereits vielfarbig vermauert, um Musterungen an den Fassaden sehen zu können. Glasierungen, die von der Töpferei her bekannt waren, finden Eingang in die Backsteinproduktion. Sie fanden sich schon im frühen Zweistromland in Gebrauch. Was mit den Mauerziegeln gemacht werden konnte, fand Ausweitung auf den gebrannten Dachziegel.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Der Gebrauch der Terrakotten im südlichen Deutschlande scheint sich in ziemlich frühe Zeiten zurück zu erstrecken, indem vor Kurzem in Wien, als, bei Gelegenheit eines unterirdischen Baues in der Nazionalbank, der Boden auf eine bedeutende Tiefe ausgehoben wurde, ein Sarg gefunden worden ist, der ganz aus diesem Materiale zusammengesetzt war, leider aber durch Unvorsichtigkeit der Arbeiter zu Grunde gegangen ist." (6)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Herstellung der Terrakotta scheint bereits früh zu hoher Qualität gelangt zu sein. Hier fragt es sich natürlich, was aus diesen Überresten des Terrakottasarges geworden ist, der aus Trümmern hätte zusammengesetzt werden können. Das Thema liegt jedoch etwas abseits von dem Darstellungsgegenstand Mauerziegel, verweist also nur auf hohe Herstellungstechnik, die bereits vorhanden war.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Die damaligen Ziegel sind außerordentlich genau geformt und sehr gut durchgebrannt, und Gebäude, wie sich deren sehr viele im Königreiche Preußen, in der Altmark und Mittelmark, finden, bilden Muster, denen gleich zu kommen wir uns heut zu Tage bemühen müssen. Auch geformte Gesimssteine finden sich von großer Nettigkeit." (7)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Hinweis "damalig" ist natürlich wieder sehr ungenau. Er bildet mehr einen Anreiz, nach genaueren Angaben zu suchen, als daß er uns weiterhilft. Andererseits haben wir kulturräumliche Angaben, die sich auswerten lassen: Königreich Preußen, Altmark, Mittelmark. Aber auch diese Hinweise bleiben undeutlich. Daß damals eine Hochkulturphase bestanden haben muß, die daraufhin in Verfall geriet, sagt der folgende Textabschnitt:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Die jetzige Ziegelbereitung in Deutschland ist, wiewohl dieselbe noch vor wenigen Jahrzehenden außerordentlich in Verfall gerathen war, durch die Bemühungen mehrerer Architekten und Fabrikanten bereits wieder so sehr gesteigert worden, daß sie in mehreren Provinzen die besten derartigen Arbeiten früherer Zeiten nicht allein erreicht hat, sondern dieselben theilweise weit hinter sich zurück läßt." (8)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hier haben wir nun eine Angabe, die sehr deutlich macht, daß durch Architekten und andere eine im Verfall begriffene Backsteinherstellung, usw. wiederbelebt und zu neuer Blüte gebracht wurde. Das sollte Anlaß bieten, dem genauer nachzugehen. Glücklicherweise erhalten wir erste Hinweise.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"So sind z.B. im Königreiche Preußen durch die eben so thätige als geschmackvolle Einwirkung des geheimen Oberbaudirektors, Herrn Schinkel, und des Ofenfabrikanten, Herrn Feilner, eben so wohl vortreffliche Terrakotten und Gesimsziegel, als auch gewöhnliche Ziegelsteine geliefert worden, die nichts zu wünschen übrig lassen. In letzterer Hinsicht zeichnet sich namentlich die Ziegelei des Herrn Wenzel in Wusterhausen aus, über welche die Bauzeitung (1938, s.189 ff.) Nachrichten geliefert hat. Auch in Würtemberg ist für diese Fabrikazion viel gethan worden, und der Ziegel- und Brunnenröhrenfabrikant Herr Bihl in Waiblingen, liefert gebrannte thönerne Brunnenröhren, welche einen Wasserdruck von 300 Fuß aushalten. Die neuesten Arbeiten in München zeigen ebenfalls bedeutende Fortschritte, und die Gesimsziegel, so wie die ordinären Ziegel an den dortigen öffentlichen und Privatgebäuden, geben Zeugniß davon." (9)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hinweise auf Schinkel, den Ofenfabrikanten Feilner, die Ziegelei des Herrn Wenzel in Wusterhausen, Herrn Bihl in Waiblingen und die Münchner Backsteinherstellung, die damals große Fortschritte machte, sind überaus nützlich. Man muß nach den vielen weiteren Hinweisen suchen, die auf den Entwicklungsgang der Backsteinherstellung verweisen, hier vielleicht übergangen wurden, weil es naheliegt, daß die Allgemeine Bauzeitung nur auf Ziegeleien verweisen will, die durch Annoncen in dieser Bauzeitschrift auf ihre Produkte verweisen. Man müßte das überprüfen. Bezogen sich diese Angaben auf Preußen und andere deutschen Provinzen, so folgen als Abschluß im Text Angaben zu Österreich:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Nur in Oesterreich, mit Ausnahme von Grätz, ist für diesen Fabrikazionszweig noch nichts Erhebliches geschehen, ungeachtet das vortreffliche Material eine ausgezeichnete Bearbeitung gestatten würde und ohnedem sehr leicht zu gewinnen ist. Namentlich zeichnet sich Wien in dieser Hinsicht aus, trotz dem die große, dort herschende Baulust die Fabrikanten zum Fortschreiten wohl anfeuern dürfte. Es scheint aber, als wenn eben der große Bedarf an Waare, der den Käufern nicht zu wählen erlaubt, den Fabrikanten, die kaum diesem Bedarfe genügen können, weder Zeit noch Lust gönnte, zeit- und kostspielige Versuche zu machen, oder Verbesserungen in der Fabrikazion eintreten zu lassen." (10)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In Graz und Wien hatte man sich in der Biedermeierzeit offensichtlich sehr um eine Qualitätssteigerung in der Backsteinherstellung bemüht. Ansonsten scheint zu dieser Zeit wenig Entwicklungsdynamik auf diesem Industriesektor geherrscht zu haben. Es wird hier im Text gemeint, die große Nachfrage könne dazu führen, den Standard ganz allgemein anzuheben. Andererseits sei es so, daß gerade diese große Nachfrage es den Fabrikanten erlaube, auch alle minderwertige Ware loszuwerden, was sie andererseits davon abhalte, ihre Produktion zu modernisieren. Dies wird dann wohl eine wirtschaftspolitische Maßnahme gewesen sein, da das Land mit der europäischen Entwicklung mithalten mußte. Es ergeben sich also viele offene Frage, um die Geschichte der Backsteinherstellung und -verwendung im deutschen Kulturraum zu verstehen. Immerhin bietet uns der Text aus der Biedermeierzeit einen Einblick in das, auf was man in der Biedermeierzeit aufbauen konnte, um das Bauwesen in seiner Qualität und Quantität zu steigern. Die Backsteinherstellung und -verwendung gewann bereits im frühen 19.Jahrhundert an rasch zunehmender Bedeutung. Man wird sich mit dieser raschen Zunahme intensiv beschäftigen müssen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Karl-Ludwig Diehl&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Anmerkungen:&lt;br /&gt;(1)-(8) zitiert aus: o.A.: Ueber die Mauerziegel. Nach dem Englischen des Turner. S.243-252 und Zeichnungen auf S.247 in: Allgemeine Bauzeitung. Wien, 1839. S.251&lt;br /&gt;(9) zitiert aus: o.A., wie vor, S.251f.&lt;br /&gt;(10) zitiert aus: o.A., wie vor, S.252&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6835589152084916324-1207097721963809578?l=strukturellebaugeschichte.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://strukturellebaugeschichte.blogspot.com/feeds/1207097721963809578/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6835589152084916324&amp;postID=1207097721963809578' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6835589152084916324/posts/default/1207097721963809578'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6835589152084916324/posts/default/1207097721963809578'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://strukturellebaugeschichte.blogspot.com/2009/12/die-geschichte-des-mauerziegels-in.html' title='Die Geschichte des Mauerziegels in deutschen Landen in einem Text aus der Biedermeierzeit'/><author><name>Karl-Ludwig Diehl</name><uri>http://www.blogger.com/profile/11909949692992381573</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='31' height='32' src='http://3.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SOuBUB0BTyI/AAAAAAAAAAo/mQx-tvh1B6k/S220/Selbstporträt.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6835589152084916324.post-8452760133530273052</id><published>2009-12-02T11:35:00.000-08:00</published><updated>2009-12-02T11:50:47.568-08:00</updated><title type='text'>Die frühe Geschichte der Mauerziegel in England in einem Text aus der Biedermeierzeit</title><content type='html'>In der Traditionslinie der Aufeinanderfolge der kulturgeschichtlichen Entwicklungsschritte wurde in einem biedermeierzeitlichen Text die Geschichte der Mauerziegel abgehandelt. Zweistromland, Aegypten, Griechenland, Römerzeit waren die ersten vier Stationen. Nun folgt die Darlegung der Verwendung der Mauerziegel in den nördlichen europäischen Ländern, wohl um zu suggerieren, daß nun endlich auch im Norden die Schaffung einer hohen Kultur einsetzte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Betrachten wir neben den südlichen Ländern auch die nördlichen, so finden wir in keinem der letzteren so viele Ueberreste von Bauwerken, welche den Uebergang aus der Baukunst der Römer in die der neueren Zeit darstellen, als in England" (1)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es wird also gemeint, England sei das Land, wo sich der Übergang von der Römerzeit zur Kulturzeit danach am besten zur Darstellung bringen lasse. Suggeriert wird, es würden sich dort wie "in keinem" anderen nördlichen europäischen Land so viele Baureste aus der Übergangszeit auffinden lassen. Es verrät sich hier sicherlich die Tatsache, daß die Redaktion in Wien ihren Aufsatz auf dem englischen Text von Turner aufbaute, der als Schriftsteller in England vermutet werden darf. Wir erfahren:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Hier müssen wir bemerken, daß sowohl die alten Britannier, wie die Gallier, von den Römern, mit welchen sie in mannigfache Berührung kamen, die Kunst der Bereitung, sowohl der Luftsteine, als der gebrannten Ziegel, erlernten, indessen findet man aus den ersten Zeiten der Anwendung derselben keine anderen Mauern aus diesem Materiale, als die wirklich von den Römern aufgeführten." (2)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man hat also hier zweierlei Kulturräume vor sich, den des Festlandes, wo sich heute Frankreich befindet, als auch den der britischen Inseln, die von den Römern in Teilen besetzt gewesen waren. Es wird behauptet, die Gallier und antiken Briten hätten die Kunst, Lehmziegel und Backsteine herzustellen, von den Römern erlernt. Das liesse sich dadurch aussagen, weil erst ab der Römerzeit Mauern aufzufinden sind, in denen solche Mauerziegel vorkommen. Doch seien die Römer höchst sparsam mit Mauerziegel umgegangen, denn es heißt:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Selbst bei diesen sind jedoch die Mauersteine sehr sparsam verwendet, und man bediente sich ihrer einerseits nur zum Wölben von Bögen, andererseits um einzelne Bänder durch das ganze Mauerwerk zu ziehen, und so den anderen Baumaterialien eine innigere Verbindung zu schaffen." (3)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es wurden somit, wohl nur Backsteine, in der britischen Römerzeit zum Wölben von Bögen und zum Mauern von Bändern genutzt. Diese Bänder faßten anderes Mauerwerk stabil zusammen und schufen eine horizontale Ausgleichsschicht. Sie sind, da man die römischen Ruinen oder überlebenden Bauten auswertete, genauer beschrieben:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Diese Bänder bestanden aus drei und vier Schichten von Steinen, und lagen je drei und vier Fuß von einander entfernt, während der dazwischen liegende Theil der Mauer mit kleinen Steinen, Schiefer u. in Kalk gemauert war." (4)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man hatte Bestandsaufnahmen gezeichnet und sie dem Text aus der Biedermeierzeit beigegeben. Sie zeigen Beispiele dafür aus Verulam, Colchester, Chesterford und London. Genannt ist auch ein Forscher namens Stowe, der sich dieser Aufgabe der Erforschung des römischen Mauerwerksbaus in England widmete. Man wird dessen Ausarbeitungen genauer durcharbeiten müssen, um zu ersehen, was er zusammentragen konnte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Backsteinbänder wären demnach drei oder vier Backsteinschichten hoch gewesen und zwischen solchen Bändern habe es Natursteinmauerwerk von drei bis vier Fuß Höhe gegeben. Zur Kulturzeit nach der Römerzeit gibt es Hinweise:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Bei den Sachsen und Normannen finden wir den Gebrauch der Ziegelsteine fortgesetzt, doch ist es ungewiß, ob sie dieselben neu anfertigten, oder ob sie sich nur solcher bedienten, welche sie von römischen Bauwerken hernahmen; denn meistentheils befinden sich die Gebäude aus jener Zeit, bei welchen Ziegelsteine angewendet wurden, in der Nähe von römischen Stazionen." (5)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es liegt hier nahe, Spolien anzunehmen, die von den Sachsen und Normannen aus den römischen Bauten genommen wurden. Es könnte also sein, daß römische Ziegel bei normannischen und sächsischen Bauten der nachrömischen Zeit aufzufinden sind. Der Autor wird präziser:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Die beiden Kirchen zu St.Albans sind unbedingt von einem und demselben Materiale aufgeführt, während die eine, die Michaelskirche, von den Sachsen im zehnten, die andere, die Abteikirche, im eilften Jahrhunderte von den Normannen erbaut wurde." (6)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man hat Belege sowohl für die Wiederverwendung wie für eigenständig hergestellte Backsteine aus der Sachsen- und Normannenzeit. Zur Michaelskirche wird gesagt:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"In letzterer Kirche finden sich jedoch bereits besondere, zu Treppenspindeln und kleinen Säulen rund geformte Steine." (7)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es wurden bereits Backsteine selbst gebrannt und nicht mehr Spolien entnommen. Dabei griff man zu einem Formengut, das als eigenständig aufzufassen ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Aus dem Allen scheint hervor zu gehen, daß die Normannen die, zu ihren Gebäuden nöthig werdenden Steine, nicht allein noch ganz nach Art der römischen bereiteten, sondern, daß sie auch von letzteren die Kunst mit überkamen, demselben, nach den verschiedenen Zwecken, auch verschiedene Formen zu geben, wie dieß die sich kreuzenden Bögen an der Westfronte der Botolphs Priorei in Colchester aus dem siebenten Jahrhunderte deutlich zeigen." (8)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aus kam damit in der Kulturzeit nach den Römern zu ganz eigenen Backsteinformen, die genauer bekannt werden müßten, um diese Produktionsphase der Mauerziegel zu verstehen. Gemauert wurde offensichtlich schon sehr kunstvoll mit Backsteinen, da es heißt, es seien sich kreuzende Bögen gemauert worden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Wie lange man sich noch der römischen Formen und Abmessungen bediente, läßt sich nicht genau bestimmen, doch finden sich schon aus den Zeiten Heinrichs I. und Edwards II. (1100 - 1307) Steine nach holländischer Art bereitet vor, und man hatte deren in verschiedenen Größen." (9)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Einerseits wurden in der Biedermeierzeit von den Wissenschaftlern römische Formen und Abmessungen der Mauerziegel in der nachrömischen Zeit Englands identifiziert, andererseits glaubte man zu wissen, es seien Steine nach "holländischer Art" vermauert worden. Der betrachtete Zeitraum der Backsteinbaukulturentwicklung umfaßt etwa 200 Jahre. Das würde bedeuten, man sah sich in der Lage, römische, frühe britannische, sächsische und normannische von Ziegeln nach holländischer Art zu unterscheiden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Bei der, zu Edwards II. Zeit, um das Jahr 1310 erbauten Priorei von Ely, hatte man Steine von 12 Zoll Länge, 6 Zoll Breite und 3 Zoll Dicke, und andere von 10 Länge, 5 Zoll Breite und 2 Zoll Dicke." (10)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neben den Abmessungen dieser Backsteine gibt es aber noch einen anderen interessanten Hinweis.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Damals bauete ein reicher Kaufmann in Hull, Michael de la Pole das erste, ganz aus Ziegelsteinen bestehende Haus." (11)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hier fragt es sich natürlich, da das Jahr 1310 im Zusammenhang mit dieser Angabe steht, wieso behauptet werden kann, dieses Haus in Hull sei das erste Haus ganz aus Backsteinen gewesen. Wird es so in schriftlichen Quellen genannt, oder hat es sich als solches im Laufe der Zeiten mit dieser Charakterisierung in die erhalten gebliebenen Texte eingeschlichen? Oder beruht dies auf archäologischen Untersuchungen, die ergaben, ein früheres Gebäude ganz aus Backsteinen konnte bislang in England nicht nachgewiesen werden? Der biedermeierzeitliche Text will uns das nicht verraten. Es gibt jedoch bis in die Biedermeierzeit hinreichende Angaben über die Mauerwerksarten, bei denen sich Backsteine auffinden lassen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Die in jener Zeit am meisten gebräuchliche Art war die /.../, wo man auf einem Fundamente von Bruchsteinen oder Schiefer, Pfeiler von regelmäßig gelegten Backsteinen aufführte, und die Zwischenräume mit Kieselsteinen oder zerschlagenen schwarzen Feuersteinen auslegte, deren Fugen man rautenförmig anordnete." (12)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das diagonale Fugenbild der Pfeiler hob sich dabei deutlich von dem übrigen Mauerwerk, das horizontal geschichtet war und aus Natursteinplatten bestand, ab. Warum man in den diagonalen Fugen in die Zwischenräume zerschlagene schwarze Feuersteine einlegte, bleibt unklar. Es könnte dekorative Gründe gehabt haben, falls diese Schwärze zu sehen war. Es muß jedoch beim Mauern auf jeden Fall um eine neue Ästhetik des Anblicks gegangen sein, mit der nach Regelmäßigkeit gestrebt wurde, die als schöner empfunden wurde, denn es heißt:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Mit einer vollendeteren Konstruktionsart der Gebäude, und mit dem immer allgemeiner werdenden Gebrauche der Mauersteine, verloren auch die letzteren immer mehr ihre ursprüngliche Unregelmäßigkeit, und gegen das Ende der Regierung Heinrichs VII. (1505) und am Beginne der Heinrichs VIII. fingen auch die Landsitze an, allmälig ihr burgähnliches Ansehen zu verändern, während sie jedoch immer noch genug von ihren Eigenthümlichkeiten beibehielten." (13)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nicht nur der burgähnliche, also wehrhafte und düster wirkende Anblick der Landsitze ging verloren, sondern es wurde auch ein eher heiteres und regelmäßiges Mauerwerk aufgeführt, wird dieser Hinweis aussagen wollen. Der allgemeiner werdende Gebrauch von Mauersteinen soll wohl auf Backsteine hinweisen, oder es sind auch quaderförmig zugehauene Natursteine damit gemeint, was auch sehr viel mehr Regelmäßigkeit bringen würde, wenn das mit Regelmaß geschieht. Man darf jedoch hier seiner Phantasie keinen freien Lauf lassen und orientiert sich besser an den nachgewiesenen Bauten dieser Kulturepoche.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Layer-Marney-Hall, welches um diese Zeit in der Grafschaft Essex gebaut wurde, gibt hiervon ein vortreffliches Beispiel. Schachbretförmig mit Feuersteinen ausgelegte Felder oder diagonal angeordnete Linien von dunkel gebrannten Backsteinen wurden zwischen den gerade gemauerten Pfeilern jetzt häufig angewendet /.../ und im Jahre 1530 erbaute der Maler Hans Holbein ein Thor von White-Hall, gerade gegenüber von Banqueting-House, in dieser Art, mit schachbretförmig geordneten Backsteinen, Sandstein und schwarzen Feuersteinen, und verzierte dasselbe mit Büsten, welche in Blenden standen. Gebäude von dunkelrothen Backsteinen, Fenstergewände aus Ziegelmasse, und während der Regierung der Königinnen Maria und Elisabeth (1553 - 1558) Ornamente in römischem Style aus demselben Materiale, welche die Fronten der Gebäude und die Kamine zierten, und zur Zeit Jakobs I. (1603) in mannigfache phantastische Schnörkeleien ausarteten, bilden den Charakter jener Zeitperiode, wurden aber kurz nachher ganz wieder bei Seite gelegt." (14)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man sieht hier allerlei Blendwerk gemauert, das Muster unterschiedlicher Art an der Fassade erzeugte. Sehen wir, was dahintersteckt:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Im Allgemeinen wurde in jener Zeit schlecht gemauert, und die Wände bestanden meistens nur aus zwei dünnen Schalen von Backsteinmauerwerk, zwischen welchen der Raum mit Schutt und Torf ausgefüllt war." (15)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das liest sich seltsam. Sollte von niemandem mehr auf gute Qualität geachtet worden sein, nur um außen eine gute Zier sehen zu können? Vermutlich war das nicht so. Ein Gegenbeispiel wird angeführt:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Inigo Jones führte indessen eine bessere Bauart ein, und Sir Richard Crispe, der Freund König Karls I., soll der Erfinder der jetzt gebräuchlichen sein." (16)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jetzt gebräuchlich will sagen: in der Biedermeierzeit.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man mauerte also ab Inigo Jones wieder solider. Der englische Verband ist eingeführt und wird als wohl durchdacht bezeichnet:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Der in jener Zeit allgemein angewendete Verband der Backsteine, unter dem Namen englischer Verband bekannt, war gewiß wohl durchdacht, wie dieß manche, damals mit Sorgfalt aufgeführte Bauwerke beweisen. Zur Zeit der Regierung König Jakobs aber, und lange hernach noch, wurde man höchst nachlässig in Ausführung der Backsteinmauern, und wenn wir auch zugeben wollen, daß man in den Tagen des Inigo Jones besser mauerte, so wollte man doch die Vortheile der massiven Bauart vor dem damals sehr gebräuchlichen Holzbaue nicht zugeben, und erst zur Zeit Jakobs I. finden wir ein Edikt vom 1.März 1605, worin der Bau aus Sand- und Backstein ausdrücklich für alle neu aufzuführenden Häuser angeordnet wird." (17)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man muß sich hier ein Zeitgerüst schaffen und die Angaben mit Beispielen genau belegen, um das besser zu verstehen. Da wir uns mit dem Text in der Biedermeierzeit befinden, fragt es sich natürlich, was in späterer Zeit dazu ausformuliert wurde, denn die Gebäudeforschung wird wesentlich mehr erbracht haben müssen. Wir haben also hier nur spärliche biedermeierzeitliche Angaben vor uns.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Deutlich wurde, daß Massivbau und Holzbau miteinander konkurrierten. Mischformen ergaben sich auch. Jedoch werden die Vorschriften darauf aus gewesen sein müssen, Stadtbrände zu verhindern, was sich zugunsten des Mauerwerksbaues auswirkte. Im frühen 17.Jahrhundert kommt es zu Verschärfungen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"In Folge mehrerer, bei der Sternkammer verhandelter, demselben entgegenstehender Fälle, erschien ein Verschärfungsedikt vom 10.Oktober 1607, und 1614 endlich der strenge Befehl an alle Behörden, auf Befolgung jener Edikte auf das Schärffste zu halten. Doch erst nach der großen Feuersbrunst in London wurde der Massivbau dort allgemein angenommen, und in die Zeit Christopher Wrens und seiner nächsten Nachfolger fällt die Ausführung jener Beispiele von Nettigkeit der Arbeit und des Materiales, welche noch heute eine Zierde vieler Gebäude in der Stadt sind, und bei welchen man den holländischen Verband angewendet sieht." (18)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Stadtbrände führen also zur Akzeptanz des Massivbaues. Die Massivbauten nehmen nun zu, und zwar in rasch wachsenden Zahlen. Im Jahre 1682 sollen nach Stow in London bereits 84.000 massive Häuser vorhanden gewesen sein. Im Jahre 1831 waren es mehr als doppelt so viele.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Im Jahre 1834 wurden 1180 Millionen Ziegeln versteuert, und im Jahre 1835 betrug der Steuersatz für die verbrauchten Ziegel nicht weniger als 395030 Pfd.Sterl. 7 Schill. 8 1/4 Pence." (19)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was uns sagt, daß der Massivbau sich durchgesetzt hat, und für den Bau der Gebäude der quaderförmige Backstein das weitaus übliche Material wurde.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Bedeutung des Backsteins wuchs also mit großer Geschwindigkeit, wie sich dem Abschnitt entnehmen läßt, der die Entwicklung des Mauerwerksbaus in England seit der Römerzeit zusammenfaßt. Man darf annehmen, daß ab dem 19.Jahrhundert der Umfang des Backsteinmauerwerks in England rapide zunehmen wird. Es schien auf, daß ein Mauerwerksverband aufkam, der als englischer Verband bezeichnet wird. Es ist sicherlich angebracht, alle diese Mauerwerksverbände etwas genauer zu untersuchen, um den englischen Mauerwerksbau in seiner geschichtlichen Entwicklung zu verstehen. Wir erhielten mit diesem Text vom Jahre 1839 nur ungefähre Grundlinien der Entwicklung in England zur Darstellung gebracht, müßten uns also darum bemühen, neuere Literatur auszuwerten, damit sich das Bild abrundet.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Karl-Ludwig Diehl&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Anmerkungen:&lt;br /&gt;(1)-(8) zitiert aus: o.A.: Ueber die Mauerziegel. Nach dem Englischen des Turner. S.243-252 und Zeichnungen auf S.247 in: Allgemeine Bauzeitung. Wien, 1839. S.249&lt;br /&gt;(9)-(18) zitiert aus: o.A., wie vor, S.250&lt;br /&gt;(19) zitiert aus: o.A., wie vor, S.250f.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6835589152084916324-8452760133530273052?l=strukturellebaugeschichte.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://strukturellebaugeschichte.blogspot.com/feeds/8452760133530273052/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6835589152084916324&amp;postID=8452760133530273052' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6835589152084916324/posts/default/8452760133530273052'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6835589152084916324/posts/default/8452760133530273052'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://strukturellebaugeschichte.blogspot.com/2009/12/die-fruhe-geschichte-der-mauerziegel-in.html' title='Die frühe Geschichte der Mauerziegel in England in einem Text aus der Biedermeierzeit'/><author><name>Karl-Ludwig Diehl</name><uri>http://www.blogger.com/profile/11909949692992381573</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='31' height='32' src='http://3.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SOuBUB0BTyI/AAAAAAAAAAo/mQx-tvh1B6k/S220/Selbstporträt.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6835589152084916324.post-8859434987726152577</id><published>2009-12-02T11:18:00.000-08:00</published><updated>2009-12-02T11:33:19.945-08:00</updated><title type='text'>Hinweise aus der Biedermeierzeit auf den Gebrauch der Mauerziegel im römischen Staat</title><content type='html'>Der im Jahre 1839 geschriebene Versuch einer Produktions- und Verwendungsgeschichte des "Mauerziegels" läßt sich auswerten, um Anhaltspunkte zu gewinnen, wie zu dieser Zeit die Herkunft des Lehmsteines und Backsteines reflektiert wurde. Der Autor baute in seinem historischen Exkurs die geschichtliche Entwicklung in dieser Reihenfolge auf: er beginnt im Zweistromland und wendet sich nacheinander der Verwendung des Mauerziegels in Aegypten und dem antiken Griechenland zu, um schließlich seine Verwendung im römischen Reich vorzustellen. Zu dieser Zeit galt Pompeji als die umfassendste Quelle, um die Römerzeit vor sich aufleben lassen zu können.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"In der unglücklichen Stadt Pompeji, wo man so vieles in Bezug auf die Baukunst und die Künste im Allgemeinen Bezügliche entdeckte, und welche in der That den Schlußring unserer fortgeschrittenen Kenntnisse von den Sitten der Griechen und Römer bildet, war der Gebrauch der Backsteine durch die dort vorhandenen Baumaterialien als nothwendig und nützlich bedingt, da nicht allein die Natur des Bodens für die Anfertigung derselben vorzüglich geeignet erschien, sondern indem auch die Anwendung der Backsteine in der Konstrukzion ihrer Mauern und Gebäude allgemein und unvermeidlich eingeführt werden mußte." (1)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Pompeji ging bekanntlich im Ascheregen des nahegelegenen Vulkans unter. Hier wird nun gesagt, daß zur Herstellung der Mauerziegel in Pompeji gute Bedingungen herrschten, also bevor der Ascheregen niederging. Die luftgetrockneten Lehmziegel scheinen nicht verbaut worden zu sein, sondern nur der Backstein. Man brauchte sie regelrecht:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Die gebrannten Steine wurden nämlich erfordert, um mit ihnen einen Verband zwischen den unförmlichen Steinstücken, aus welchen die Bewohner ihre Wände zum großen Theile ausführten, herzustellen, oder sie mußten den Gebäuden, welche von viereckig behauenen, vulkanischen Steinen, Eisenschlacken oder Tuffstein erbaut waren, die nöthige Festigkeit geben." (2)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dazu will man natürlich mehr wissen. Hingewiesen wird auf ein Mauerwerk aus "unförmlichen Steinstücken", die durch Backsteine zusammengehalten wurden. Wie soll man sich das vorstellen? Der Text sagt dazu noch zu wenig. Andererseits seien Quader aus vulkanischen Steinen in Verwendung gewesen, aber auch bei einem solchen Mauerwerk habe man mit Backsteinen mehr Stabilität erreichen können. Ob das so stimmt, ist die Frage.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Es sind in der That nur wenige Gebäude jener Stadt, bei welchen man sich der Backsteine nicht bedient hätte, und das Auge des Reisenden, welcher das Forum betritt, wird durch die hohen dunklen Massen der Gebäude angezogen, welche mit den grünenden Bergen hinter denselben und den ringsumher stehenden Gebäuden aus Kalkstein einen wunderbaren Kontrast bilden." (3)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das sagt nun, es habe einen sehr ausgedehnten Mauerwerksbau mit Backsteinen in Pompeji gegeben. Daß sich dunkle Massen von Gebäuden vor der grünen Vegetation abheben, sagt jedoch nichts darüber, wie die Gebäude zuvor aussahen, bevor der Ascheregen niederging. Es scheinen aber den Betrachter Kalksteinfassaden in Pompeji zu beeindrucken. Da zuvor nur Backsteine, Gesteinsschutt und Quader aus Eisenschlacken und Tuff erwähnt wurden, kommt dieser Hinweis etwas überraschend. Ob diese Kalksteine als Verblender gemauert wurden oder ein Vollmauerwerk bilden, bleibt ungewiß. Doch nun zu den Backsteinen, dem Mörtel und dem Mauerwerksverband:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Die Backsteine sind hier durch einen Mörtel aus Puzzuolane mit einander verbunden, welcher jedoch bei einigen Gebäuden sehr schlecht ist. Die Dicke der Wände der Gebäude übersteigt selten 18 Zoll, ist aber oft geringer, und oft hat es den Anschein, als dankten diese Wände ihre Erhaltung mehr dem Stucke, mit welchem sie überzogen sind, als dem Mörtel, welcher bei ihrer Erbauung angewendet wurde." (4)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hier wird nun eine Kuriosität angeführt, nämlich die Vermutung, das Backsteinmauerwerk werde wohl mehr durch den aufgebrachten Stuck zusammengehalten als durch den schlechten Mörtel. Eingangs war jedoch ausformuliert worden, das in Pompeji ausgeführte Mauerwerk habe den Backstein geradezu erfordert, damit stabile Wände zustande kommen konnten. In welchem Verhältnis solides Backsteinmauerwerk zu instabilen Backsteinmauern aufgefunden worden waren, läßt sich dem Text natürlich nicht entnehmen. Es muß jedoch auch sehr kunstvoll mit Backsteinen gemauert worden sein, was hierdurch bezeugt ist:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Das Dach der Basilika oder des Gerichtshofes, des größten Gebäudes in Pompeji, wurde durch ein Peristyl von 28 jonischen Säulen getragen, welche auf eine höchst merkwürdige Weise aus Backsteinen konstruiert gewesen sind, die so geformt waren, daß sie die Kannelirungen der Säulen bildeten, die dann nur noch einen Ueberzug aus Zement erhielten, der ihnen die vollständige Form gab." (5)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Solche Formziegel herzustellen und kunstvoll zu Säulen zu vermauern, spricht wohl eher für eine hohe Mauerwerkskunst, die in Pompeji angewandt worden war. Man wird folglich davon auszugehen haben, daß bei Gebäuden aus Backsteinmauerwerk der Hierarchie der Gebäudearten in einer Gesellschaft, den unterschiedlichen sozialen Schichten gemäß, und geschieden nach privaten und öffentlichen Gebäuden, eine unterscheidbare Qualität des Mauerwerksbaus anzutreffen war.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber auch "Luftsteine" waren in Gebrauch, wie sich schließlich herausstellte, sogar sehr häufig:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Betrachten wir die Ueberreste der &gt;&gt;goldenen Palläste und der düsteren Thürme&lt;&lt; an der alten Roma, so finden wir dieselben meistens mit jenem Materiale aufgeführt, und sowohl gebrannte Ziegel, als Luftsteine, doch die letzteren häufiger, angewendet." (6)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was mag wohl diese Formulierung "an der alten Roma" bedeuten?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im Aufsatz werden nun Hinweise auf die verschiedenen Arten der Ziegel bei den Römern gegeben. Diese Hinweise sind einerseits interessant, andererseits ergeben sie wohl kaum die Möglichkeit, darüber zu erschließen, wie der baugeschichtliche Werdegang der Ziegelherstellung, die Auffaltung der Ziegelformen im Laufe der Kulturentwicklung, und die Arten des Mauerwerksbau historisch aufeinander folgten und wo sie nebeneinander bestanden. Immerhin sind es Hinweise:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Es waren bei den Römern verschiedene Arten der Ziegel gebräuchlich, deren eine man Bipeda nannte, weil sie zwei römische Fuß lang waren; eine andere Art, Didoron, war 6 Zoll breit und einen Fuß lang. Nach Plinius waren die am meisten angewendeten Steine anderthalb Fuß lang und einen Fuß breit, eine Größe, welche auch mit den Angaben Vitruv's übereinstimmt. Alberti hingegen erzählt, daß er an vielen römischen Gebäuden, namentlich an Brücken, Bögen u., Ziegel gefunden habe, welche 2 Fuß im Quadrate hatten." (7)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Plinius, Vitruv und Alberti wurden also ausgewertet. Dadurch haben wir Angaben aus unterschiedlichen Zeiten, auch aus einer solchen Zeit, als das römische Reich untergegangen war und Bestandsaufnahmen der Ruinen gemacht wurden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Unterschieden werden Bipeda und Didoron als geformte Ziegelgrößen. Bestandsaufnahmen der Ruinen ergaben eine größere Vielfalt. Man wird darauf zu achten haben, bei welchen Gebäudetypen welche Ziegel zum Einsatz kamen. Von Alberti gibt es weitere Angaben:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Anderswo fügt er hinzu, daß bei verschiedenen Bauwerken, z.B. an der appischen Straße, man sehr verschiedene Arten von Backsteinen, einige kleiner, andere dicker, angewendet habe, und daß er deren gesehen habe, welche nur 6 Zoll lang, 3 Zoll breit und einen Zoll dick gewesen wären. Diese fanden jedoch nur bei den Fußböden und Fußwegen Anwendung." (8)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Variationsbreite der Backsteinformate war also grösser. Gebrannte Ziegel dienten jedoch genauso für den Wegebau und als Fußbodenbelag, wodurch diese Backsteine aus dem Zuordnungssystem "Mauerziegel" herauszunehmen sind, wenn man damit Kunststeine benennt, mit denen Mauern gemauert wurden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Uebrigens machten die Römer die Backsteine auch in anderer als viereckiger Form." (9)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Alberti erklärt die dreieckigen Backsteine:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Alberti gibt die Art an, wie sie bei Verfertigung der dreieckigen Steine zu Werke gingen. Zuerst, sagt er, machten sie einen großen Stein, dessen Seitenflächen einen Fuß lang waren, und dessen Dicke anderthalb Zoll betrug. Sobald derselbe halb trocken war, zogen sie über ihn zwei Schnitte nach den Diagonalen, wodurch jener Stein in vier gleich große Dreiecke getheilt wurde, denen zu Folge nach dem Brande der Stein, durch einen Schlag, in vier kleinere getheilt werden konnte." (10)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man scheint den Dreiecksformaten angesehen zu haben, wie sie hergestellt und nach dem Brand auseinander geteilt wurden, als Alberti Bestandsaufnahmen unternahm. Alberti meint, solche Dreicksformate brachten Vorteile:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Einmal kosteten sie weniger Thon, ferner ließen sie sich im Ofen sehr vortheilhaft aufstellen, und waren überhaupt leichter zu handhaben, indem der Arbeiter deren vier in Eins aufnahm und sie erst bei der Arbeit nach Erforderniß theilte. Nach der Vollendung sah die Mauer aus, als hätte man dieselbe durchaus mit fußlangen Steinen ausgeführt. Man sieht viele dieser Steine in Rom angewendet, namentlich bei Gebäuden aus der Zeit des Kaisers Aurelian." (11)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dreieckige Backsteine waren also Verblender. Da im Text Hinweise gegeben werden, an welchen Bauten sie aufgefunden worden waren, lassen sie sich zeitlich einordnen. Der Autor aus der Biedermeierzeit meint, man habe sehr viele solcher Dreicksformate in der Kaiserzeit Aurelians vermauert.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein anderer Autor, Hope, dem nachzugehen ist, stieß auf rautenförmige Backsteine der Römerzeit:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Hope erzählt auch von rautenförmigen Ziegeln und von solchen, welche zwar regelmäßig geformt, aber noch feucht nach gewissen Krümmungen ausgeschnitten worden wären, so daß dieselben nach der Vermauerung architektonische Ornamente gebildet hätten." (12)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Solche Steine sind Zier an der Außenfläche des Mauerwerks. Dieses Blendwerk fällt als Backstein auch oft unter Terrakotta.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Diese, in das Gebiet der Terrakottenverfertigung schlagenden Arbeiten, sind jedoch keineswegs damals erst bei den Römern erfunden, sondern die aus dieser Zeit auf uns gekommenen derartigen Ueberreste sind eigentlich schon Zeugnisse von dem Verfalle dieser Kunst, welche bereits Jahrhunderte vorher bei den Griechen in ihrer höchsten Blüte stand, wie die von dort her auf uns gekommenen Denkmäler /.../ zur Genüge beweisen." (13)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man wundert sich, wieso sich diese Angaben nicht bei der Erörterung des Backsteines im antiken Griechenland auffinden lassen und erst hier gegeben werden. Wichtig ist im biedermeierzeitlichen Text der Hinweis, daß schon in der Römerzeit Hohlräume in die Ziegel gemacht wurden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"In den Steinen von größeren Abmessungen findet man Aushölungen, welche angebracht wurden, um eine bessere Austrocknung und Durchbrennung des Steines möglich zu machen." (14)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vieles mutet so an, wie wir es auch in unseren Zeiten noch erleben. Andererseits muß diese Art, wie in der Antike die Backsteine hergestellt, gebrannt und vermauert wurden, auf die Jahrhunderte danach Einfluß gehabt haben. Man fragt sich, wo ganz direkte Übernahmen stattfanden, denn sowohl die antiken schriftlichen Zeugnisse wie die Bestandsaufnahmen antiker Ruinen hatten Einfluß auf das spätere, über Jahrhunderte entwickelte, Bauwesen. Wie das im biedermeierzeitlichen Text ausgebreitet wird, muß sich zeigen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Angaben zu den gemauerten Wänden in Rom wirken auf den Leser eigenartig. Der Aufsatzschreiber schrieb:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Die Höhe und Dicke der Wände in Rom war seit ältester Zeit bestimmt, und alle wurden nach gesetzlich festgestelltem Maße erbaut. Vitruv sagt, daß keine Mauer, welche nach der Straße zu stand, stärker als anderthalb Fuß gewesen sei, und Julius Cäsar befahl, in der Folge der vielen, durch nachlässige Fundamentirung herbeigeführten, Unglücksfälle, daß kein Haus mehr als ein Geschoß erhalten solle. Augustus betrachtete es als einen Lobspruch, den man seiner Regierung zollen müsse, daß er ein Rom von Ziegelsteinen gefunden habe, und dasselbe von Marmor hinterließ." (15)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Solche Angaben wirken wie Strohhalme, die der Autor ergriff, um mit solchen Angaben etwas zu wuchern. Sie geben nur Angaben, die hier und dort zutreffen, und für einen gewissen Zeitraum und für bestimmte Orte gelten können.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man steht also als Leser vor einem großen Problem. Die Marginalien zum "Mauerziegel" schaffen einige Assoziationsfelder zum Lehmziegel und Backstein. Zugleich lassen sie erahnen, daß uns heute, genauso wie in der Biedermeierzeit, ein guter Einblick in die Geschichte des Mauerziegels fehlen wird. Stichprobenartig wurde in der Biedermeierzeit das herausgepickt, was uns etwas über den Lehmziegel und Backstein sagen kann. Wir erfahren dürftige Hinweise auf den Mörtel und den Mauerwerksbau. Hier und da eingestreut sind Hinweise auf die Herstellung der Mauerziegel. Damals, wie heute, wird man sich bessere Hinweise auf die Arten der Mauerziegel gewünscht haben, und auch darauf, was mit ihnen gemauert wurde.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bei dem Mauerziegel handelt es sich in der Regel um einen Kunststein im Quaderformat. Das Wort Ziegel selbst verweist eigentlich auf eine Dacheindeckungsplatte. Man übernahm das Wort auch in den Mauerwerksbau, um die kleinen und in der Regel quaderförmigen Kunststeine damit zu bezeichnen. Deswegen wurde vom Mauerziegel gesprochen. Lange Zeit mag die Bezeichnung sowohl für die luftgetrockneten Lehmziegel wie die Backsteine gegolten haben. Man ging jedoch hin und stellte auch Tuffsteine im Quaderformat der Backsteine her, weil dieses Format für den Mauerwerksbau sehr handlich und gut im Verband zu vermauern war. In Korea und anderswo wurde auch anderer Naturstein im Backsteinformat vermauert. Das Backsteinformat diente auch dazu Betonsteine, Bimssteine und andere Kunststeine herzustellen. Auch auf solche backsteinformatigen Kunststeine wurde die Bezeichnung Mauerziegel anwendbar. Ab wann solche Benennungen auftauchen, müßte herausgefunden werden. Es könnte sein, daß dieser Benennungsvorgang erst nach dem Erscheinungsdatum dieses biedermeierzeitlichen Aufsatzes einsetzte. Aber dies bleibt ungewiß, da bereits in der Biedermeierzeit und wahrscheinlich auch davor mit backsteinformatigen Kunststeinen aus anderen Baustoffen experimetiert wurde. Man wird also der Benennungsgeschichte dieser kleinen Kunststeine nachzugehen haben, um das Thema "Mauerziegel" etwas besser abrunden zu können.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Karl-Ludwig Diehl&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Anmerkungen:&lt;br /&gt;(1)-(5) zitiert aus: o.A.: Ueber die Mauerziegel. Nach dem Englischen des Turner. S.243-252 und Zeichnungen auf S.247 in: Allgemeine Bauzeitung. Wien, 1839. S.245&lt;br /&gt;(6)-(13) zitiert aus: o.A., wie vor, S.246&lt;br /&gt;(14)-(15) zitiert aus: o.A., wie vor, S.249&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6835589152084916324-8859434987726152577?l=strukturellebaugeschichte.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://strukturellebaugeschichte.blogspot.com/feeds/8859434987726152577/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6835589152084916324&amp;postID=8859434987726152577' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6835589152084916324/posts/default/8859434987726152577'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6835589152084916324/posts/default/8859434987726152577'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://strukturellebaugeschichte.blogspot.com/2009/12/hinweise-aus-der-biedermeierzeit-auf.html' title='Hinweise aus der Biedermeierzeit auf den Gebrauch der Mauerziegel im römischen Staat'/><author><name>Karl-Ludwig Diehl</name><uri>http://www.blogger.com/profile/11909949692992381573</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='31' height='32' src='http://3.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SOuBUB0BTyI/AAAAAAAAAAo/mQx-tvh1B6k/S220/Selbstporträt.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6835589152084916324.post-9168750102042582625</id><published>2009-12-02T11:07:00.000-08:00</published><updated>2009-12-02T11:14:59.808-08:00</updated><title type='text'>Hinweise auf den Mauerziegel im antiken Griechenland in einem Text aus der Biedermeierzeit</title><content type='html'>Dem antiken Griechenland wird nachgesagt, eine sehr hochstehende Baukunst hervorgebracht zu haben. Widmet man sich den Baustoffen, mit denen aufgebaut wurde, stößt man natürlich auch auf den Mauerziegel, der in Form des an der Luft getrockneten Lehmsteines oder als Backstein in der Antike Verwendung fand. Was in der Biedermeierzeit über die Verwendung dieses Mauerziegels im antiken Griechenland bekannt war, läßt sich in etwa aus einem Text erschließen, der einen biedermeierzeitlichen Versuch darstellt, die Geschichte des Mauerziegels abzuhandeln. Es findet sich darin folgender Exkurs:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Verfolgen wir unseren Gegenstand auf klassischerem Boden, nach Griechenland, wo, wie der Dichter singt, die Götter selbst erschienen, so finden wir, daß dieses Land ein Baumaterial hervorbringt, welches die baulichen Zwecke mit einer so großen Masse von Aushilfen unterstützt, daß man fast nur aus Sandstein oder Marmor bauete. Nichts desto weniger war das Ziegelmaterial dennoch bei den griechischen Gebäuden nicht ganz ausgeschlossen." (1)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sandstein und Marmor seien vorrangig in Verwendung gewesen, sagt uns diese Textstelle, die umso fragwürdiger ist, weil vermutlich niemals eine Bestandsaufnahme der antiken Siedlungsareale unternommen wurde, um damit eine statistische Auswertung zu verbinden, welche hätte Hinweise geben können, in welchem Umfang die jeweiligen Baustoffe wirklich verwendet wurden. Vermutlich ließ man sich von den vorrangig untersuchten Gebäuden hoher Baukunst leiten und schloß leichtsinnig auf das Ganze. Dem Ziegel, wenn er bei solchen Bauten angetroffen wurde, kam offensichtlich die Funktion des Hintermauerwerkes zu, denn es heißt:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Hier aber finden wir, daß man die Mauersteine nicht so anwendete, daß sie dem Auge einen wohltuenden Anblick gewähren sollten, sondern daß sie nur als Hilfsmaterial zu Hervorbringung eines besseren Verbandes verwendet wurden." (2)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dies ließ sich wohl in den Bauruinen hochstehender Bauten ersehen. Man konnte jedoch auch auf schriftliche Zeugnisse der Antike zurückgreifen, die uns andererseits nur ausschnitthaft und vielleicht sehr einseitig oder sogar ganz falsch das Bauwesen der Vergangenheit erklären.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Vitruv erzählt uns, daß die Griechen drei Arten von Backsteinen hatten, von denen jedoch nur zwei zu öffentlichen Bauten benutzt wurden. Jede Art hatte auch halbe Steine, und bei der Verwendung wurden die Steine so gelegt, daß man an den äußeren Seiten nur die ganzen Längen der Steine sah, wobei die obere Schicht allemal die untere überband." (3)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Diese Textstelle will uns auf Mauerwerksverbände und die dazu nötigen Mauerziegel hinweisen, ohne daß dadurch genauer klar würde, wodurch sie sich unterschieden. Zusätzlich findet sich im Text noch ein Hinweis auf die Qualitätsprüfung der Mauersteine, die jedoch etwas seltsam anmutet:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Uebrigens waren die Griechen so sehr darauf bedacht, vollkommen erprobtes Baumaterial zu haben, daß, nach dem Zeugnisse Vitruv's, die Einwohner von Utica zu ihren Gebäuden keine anderen Steine verwendeten, als solche, welche mindestens fünf Jahre alt und durch eine obrigkeitliche Person als gut erkannt worden waren. Ein Beispiel der Anwendung derselben gibt er in der Stadtmauer von Athen, welche gegen den Hymettus und Penthelicus hin liegt, und in den Tempeln des Jupiter und Herkules, deren Zella von Mauersteinen aufgeführt war." (4)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man fragt sich beim Lesen dieser Zeilen, wie glaubhaft das sein kann. Es kommen große Zweifel. Andererseits sagt uns das Wort "Mauerstein" nichts über den genauen Baustoff und in welcher Form er vorlag. Man wird sich hier an die genannten gemauerten Objekte selbst halten müssen, die im Text erwähnt werden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kritik kommt nun vom biedermeierzeitlichen Autor selbst. Es wurde ihm immer deutlicher bewußt, auf wie schwachen Füßen eine Geschichte des Mauerziegels stehen muß, da die Angaben viel zu gering sind, mit denen gearbeitet werden muß:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Der Ueberreste von Mauern und ganzen Gebäuden in Griechenland, welche auf diese Art mit künstlichen Steinen erbaut wurden, sind heut zu Tage so wenige, und die Gelehrten, welche dieselben sahen, haben sie so oberflächlich beschrieben, daß es immer noch zweifelhaft ist, ob die dazu verwendeten Steine nur getrocknet, ob sie im Ofen gebrannt waren, oder ob man sich beider Arten gleichzeitig, wie man dieß in Persien, Aegypten und anderen Ländern that, bediente." (5)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hier wird uns nun überdeutlich, was es bedeutete, wenn in der Biedermeierzeit eine Geschichte der Mauerziegel gewagt wurde. Die sogenannten Gelehrten haben bei ihren Forschungen eine so große Oberflächlichkeit der Untersuchungen an den Tag gelegt, daß eine Auswertung des Materials fast wertlos erscheint. Da nützt auch die Auswertung schriftlicher Quellen aus der Antike wenig, weil diese Angaben offensichtlich noch nicht vor Ort geprüft wurden. Man wird den Arten der Mauerziegel und den Mauerziegelverbänden genauer nachgehen müssen. Im Text steht:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Vitruv sagt in dem Kapitel, wo er von diesem Baumaterial spricht, zwar nicht ausdrücklich, daß die Steine gebrannt worden wären, indessen müssen wir es aus seinen Wendungen schließen." (6)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eine solche Textstelle ist umwerfend komisch. Vitruv, der für viele als schriftliche Quelle dienen muß, weil sonst kaum irgendwelche da zu sein scheinen, differenziert nicht, ob mit gebrannten oder ungebrannten Mauerziegeln gebaut wurde. Nun meint der Geschichtsschreiber des Mauerziegels aus der Biedermeierzeit, man könne trotzdem aus dem Vitruvschen Text sowohl auf gebrannte wie nicht gebrannte Lehmziegel schließen. Dazu der weitere Text:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"In der unglücklichen Stadt Pompeji, wo man so vieles in Bezug auf die Baukunst und die Künste im Allgemeinen Bezügliche entdeckte, /.../, war der Gebrauch der Backsteine durch die dort vorhandenen Baumaterialien als nothwendig und nützlich bedingt" (7)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ohne irgendeinen Übergang verläßt der Autor den Kulturraum des antiken Griechenlandes und wendet sich dem des alten Römertums zu. Die Stadt Pompeji liegt unterhalb eines Vulkans auf der italienischen Halbinsel und wurde bei einem Vulkanausbruch unter Vulkanasche begraben. Von den Überresten dieser Stadt auf die Art des Mauerwerksbaus im antiken Griechenland zu schließen, wird dem Leser des biedermeierzeitlichen Textes überlassen. Er bekommt in den darauffolgenden Zeilen keinen weiteren Aufschluß über die altgriechische Art der Mauerziegel und wie und in welchem Zusammenhang sie vermauert wurden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eine solche Vorgehensweise mutet mehr als seltsam an. Wer den Text flott durchliest und sich an den Angaben erfreut, weil sie in etwa Hinweise auf den Mauerziegel im Verlaufe der menschlichen Kulturentwicklung geben, wird vielleicht gerne überlesen, auf welch schwacher Grundlage abgehandelt wird. Froh darüber, wenigstens etwas zu wissen, verbleibt er genaugenommen in großer Unwissenheit. Liest er genauer, kommt ihm eine solche Basis der Geschichtsschreibung nur noch grotesk vor. In der Biedermeierzeit gab es dann nur noch zwei Möglichkeiten: man beließ es dabei und gab sich verwundert, oder man forderte eine bessere Erforschung ein. Doch bei wem sollte ein solches Thema Gehör finden, bei dem es um genaueren Aufschluß über die Art des antiken Mauerwerksbaues mit den verschiedenen Mauerziegeln ging? Man benötigte auch schon in dieser Zeit Forschungsgelder, um die nachhaltig gestritten wurde. Da kann das Thema Mauerziegel rasch an den Rand des Themenfeldes gerückt worden sein, das vorrangig zu erforschen war. Um das besser zu verstehen, müßte man der Geschichte der Finanzierung von Forschungen nachgehen wollen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Karl-Ludwig Diehl&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Anmerkungen:&lt;br /&gt;(1) zitiert aus: o.A.: Ueber die Mauerziegel. Nach dem Englischen des Turner. S.243-252 und Zeichnungen auf S.247 in: Allgemeine Bauzeitung. Wien, 1839. S.244&lt;br /&gt;(2) zitiert aus: o.A., wie vor, S.244f.&lt;br /&gt;(3)-(7) zitiert aus: o.A., wie vor, S.245&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6835589152084916324-9168750102042582625?l=strukturellebaugeschichte.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://strukturellebaugeschichte.blogspot.com/feeds/9168750102042582625/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6835589152084916324&amp;postID=9168750102042582625' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6835589152084916324/posts/default/9168750102042582625'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6835589152084916324/posts/default/9168750102042582625'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://strukturellebaugeschichte.blogspot.com/2009/12/hinweise-auf-den-mauerziegel-im-antiken.html' title='Hinweise auf den Mauerziegel im antiken Griechenland in einem Text aus der Biedermeierzeit'/><author><name>Karl-Ludwig Diehl</name><uri>http://www.blogger.com/profile/11909949692992381573</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='31' height='32' src='http://3.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SOuBUB0BTyI/AAAAAAAAAAo/mQx-tvh1B6k/S220/Selbstporträt.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6835589152084916324.post-8760339639275137597</id><published>2009-12-02T09:30:00.000-08:00</published><updated>2009-12-02T09:36:25.824-08:00</updated><title type='text'>Hinweise auf Aegypten in einem Text zur Geschichte des Mauerziegels aus der Biedermeierzeit</title><content type='html'>Nachdem deutlich gemacht wurde, daß im Zweistromland sowohl "Luftsteine", das sind an der Luft getrocknete Lehmziegel, als auch in Öfen gebrannte Lehmziegel als Mauerziegel hergestellt wurden, wendet sich der Autor dem Landschaftsraum Aegypten zu:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"In Aegypten konnten, namentlich in den Theilen, welche den Nilüberschwemmungen ausgesetzt waren, die Gebäude nicht anders als auf künstlichen Substrukzionen gegründet werden, welche in dem Niveau des höchsten Wasserstandes lagen" (1)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die wechselnden Grundwasserstände, zugleich der zeitweise ansteigende Wasserspiegel des Nil, erforderten ein Bauwesen, das Vorsorge schuf. Eine Möglichkeit wurde darin gesehen, solche Fundamente für die Gebäude zu schaffen, die dem Einfluß des Wassers standhielten. Dazu schrieb offensichtlich Herodot:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"und Herodot erzählt, daß die Ethiopier, als sie Aegypten einnahmen, keinen der Besiegten tödteten, sondern daß dieselben Erdarbeiten zu diesen Substrukzionen vollbringen mußten, von welchen Sir Drummond bemerkt, daß dieselben aus Schutt bestanden hätten, welcher ringsum mit einer Einschließung von Backsteinmauerwerk versehen gewesen wäre." (2)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Herodot, ein Schriftsteller der Antike, bot also dem Sir Drummond in der Biedermeierzeit den anlaß, darauf zu achten, wie diese Fundamente im Aegypten in der Zeit des Herodot aussahen. Es sei Gesteinsschutt gewesen, daß mit gebrannten Mauerziegel ummauert worden sei, vermutlich um dem Schutt mehr Festigkeit zu geben. Wir erfahren außerdem:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Plinius gibt uns das Zeugniß einiger alten Schriftsteller, daß man, bei Erbauung der Pyramiden, Kunststraßen von Steinen aus getrocknetem Schlamme gemacht habe, welche nach vollendetem Baue zu Privathäusern verwendet worden wären." (3)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Diese Erwähnung beschreibt Recycling. Aus den "Luftziegeln", wie man die Lehmziegel in der Biedermeierzeit auch nennen konnte, wurden, nach der Verwendung im Baustellenstraßenbau, Lehmziegel für den Bau von Wohngebäuden, also Baustoffe "von Steinen aus getrocknetem Schlamme", gemacht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Uebrigens scheint es, als wenn die Aegyptier jenes Material nicht bloß als Hilfsmaterial bei Errichtung ihrer enormen Bauwerke angewendet, sondern einige derselben ganz aus diesem Materiale erbaut hätten, und Pococke beschreibt eines davon mit folgenden Worten: &gt;&gt;Etwa zwei Meilen östlich von der letzten großen Pyramide (zu Saccarah), etwas unterhalb, nahe dem östlichen Ende des Berges, befindet sich eine Pyramide von Luftsteinen /.../&lt;&lt;." (4)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es fällt auf, daß wir bei all diesen Angaben keinen Hinweis erhalten, wann diese Bauten errichtet wurden. Wir bekommen auch keine Information dazu, seit wann diese Substruktionen mit Backsteinen auftauchen, oder seit wann Lehmziegel zum Bau der Pyramiden genommen wurden. Man wird es nicht gewußt haben und war noch auf der Suche nach Anhaltspunkten. Wie heute auch, verglichen die damaligen Reisenden, die sich um ein Verständnis der Baugeschichte dieser Erdgebiete bemühten, die archäologischen Befunde mit den Praktiken in der damaligen Biedermeierzeit.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Nach dem Urtheile der neuesten Reisenden hat die Fabrikazion der Ziegel in jenen Gegenden eben noch keine Verbesserung erfahren, indem, namentlich in den östlichen Theilen jenes Landes, dieselbe  noch in ihrer ersten Unvollkommenheit bewerkstelligt wird, und die meisten Häuser mit Luftsteinen, welche aus Lehm und gehacktem Stroh geformt und an der Sonne getrocknet wurden, aufgeführt werden." (5)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bis in die Biedermeierzeit hatte sich also die Herstellung der "Luftsteine", das sind die Lehmziegel, erhalten. Es werden Landstriche genannt, wo dies beobachtet wurde. Man müßte diesen Berichten, die damals zur Verfügung standen, nachgehen, da sie sicherlich mit Reiserouten versehen sind, was dann genauer auf die besichtigte Region verweist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Backstein, also der gebrannte Lehmziegel, begegnet uns in Aegypten bislang nur bei den gemauerten Fundamenten. Mit ihnen wurde Gesteinsschutt ummauert, wodurch ein ausreichend festes Fundamentmauerwerk entstehen sollte, das problemlos im Wasser stehen bleiben konnte, wenn das Nilhochwasser und der ansteigende Grundwasserspiegel es durchfeuchteten. Es könnte sein, daß dieser ummauerte Schutt ein Aufsteigen der Feuchtigkeit behinderte und später, wenn der Wasserspiegel sank, schneller austrocknete als eine anders geartete "Substrukzion". Soviel zum Thema Ägypten im biedermeierzeitlichen Text. Man wird weiterhin verfolgen müssen, was noch zur Darstellung gelangt, um eine Baugeschichtsschreibung des Mauerziegels einzuleiten. Es fällt eine baugeschichtliche Ordnung der Aufeinanderfolge auf, die uns sagt, zunächst war die Sintflut, dann gab es eine Phase des Lebens in Zelten und Hütten, daraufhin entstanden im Zweistromland Städte aus Lehmziegel und ab und an mit Backsteinen. Im evolutionären Schritt der technologischen Entwicklung ist nun das antike Aegypten angeführt, in dem Pyramiden aus Lehmziegel aufgebaut wurden und Gebäudefundamente aus Gesteinsschutt mit Backsteinummauerung eine Rolle spielen, die sich offensichtlich bei ansteigendem Grundwasser und bei den Nilüberschwemmungen bewährt hatten. Als nächstes wird im biedermeierzeitlichen Text das antike Griechenland angeführt. Diese Aufeinanderfolge der Kulturentwicklung scheint zu dieser Zeit bereits sehr festgelegt zu sein. Nicht in die Betrachtung sind andere Kulturräume auf der Erdoberfläche einbezogen, z.B. nicht das antike China, dem eine sehr lange und hohe Kulturentwicklung nachgesagt wird. Zu vielen außereuropäischen Kulturen scheint noch wenig Wissen zu existieren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Karl-Ludwig Diehl&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Anmerkungen:&lt;br /&gt;(1)-(5) zitiert aus: o.A.: Ueber die Mauerziegel. Nach dem Englischen des Turner. S.243-252 und Zeichnungen auf S.247 in: Allgemeine Bauzeitung. Wien, 1839. S.244&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6835589152084916324-8760339639275137597?l=strukturellebaugeschichte.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://strukturellebaugeschichte.blogspot.com/feeds/8760339639275137597/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6835589152084916324&amp;postID=8760339639275137597' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6835589152084916324/posts/default/8760339639275137597'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6835589152084916324/posts/default/8760339639275137597'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://strukturellebaugeschichte.blogspot.com/2009/12/hinweise-auf-aegypten-in-einem-text-zur.html' title='Hinweise auf Aegypten in einem Text zur Geschichte des Mauerziegels aus der Biedermeierzeit'/><author><name>Karl-Ludwig Diehl</name><uri>http://www.blogger.com/profile/11909949692992381573</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='31' height='32' src='http://3.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SOuBUB0BTyI/AAAAAAAAAAo/mQx-tvh1B6k/S220/Selbstporträt.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6835589152084916324.post-7503891459980002899</id><published>2009-12-02T09:09:00.000-08:00</published><updated>2009-12-02T09:26:30.955-08:00</updated><title type='text'>Der Versuch einer Geschichtsschreibung des Mauerziegels in der Biedermeierzeit</title><content type='html'>Es scheint so, als sei der Engländer Turner in der Biedermeierzeit das Wagnis eingegangen, eine Geschichte des Mauerziegels zu verfassen, denn in der Allgemeinen Bauzeitung vom Jahre 1839 findet sich eine Abhandlung über den Mauerziegel, von der es heißt, sie sei&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Nach dem Englischen des Turner." (1)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wer dieser Turner war, geht aus dem Aufsatz nicht hervor. Es fehlen weitere Hinweise. Liest man den Aufsatz, den sicherlich die Redaktion dieser Fachzeitung verfaßt hat, die in Wien erschien, wirkt das Thema so, als sei es an einen Text von Turner angelehnt, aus dem viel entnommen wurde. Man wird dem noch nachgehen müssen. Zur Zeit interessiert nur eine Auswertung dieses Textes "Ueber die Mauerziegel", der in Wien erschien. Er beginnt mit einem Hinweis auf Vitruv:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"&gt;&gt;Die Architektur&lt;&lt;, sagt Vitruv, unser großer Meister,&lt;br /&gt;&gt;&gt;ist eine Wissenschaft, welche aus dem Komplex vieler&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;anderer Wissenschaften entsteht.&lt;&lt; Und in der That, die Zahl dieser Wissenschaften ist so groß, das Studium der verschiedenen Künste, welche mit der Architektur verbunden sind, ist so interessant, und die Erforschung jedes, auch des kleinsten Zweiges derselben so nothwendig, daß eine genauere Untersuchung des oben benannten Gegenstandes gewiß nicht als unnütz angesehen werden kann." (2)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vitruv hat also gemeint, die Architektur sei eine Wissenschaft, welche aus dem Komplex vieler anderer Wissenschaften entstanden ist. Das wird wohl so sein. Da es hier um den Mauerziegel geht und seine Geschichte, wird man sehr darauf zu achten haben, welches das Gebiet ist, das für diese Untersuchung abgegrenzt wurde, denn es liegt der Verdacht nahe, eine bestimmte Traditionslinie der Baugeschichtsschreibung werde verfolgt, und zwar unter Auslassung weiter Gebiete der Erdoberfläche, wo ja auch seit Urzeiten aus Baustoffen Bauteile hergestellt wurden, die zum Baukörper zusammengefügt worden sind. Es liegt nahe, auch in diesen Gebieten das Aufkommen von Mauerziegeln zu vermuten. Wir wissen aber noch nicht, was mit dem Wort "Mauerziegel" benannt wird.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neben dem Gebiet, über das historisch abgehandelt wird, interessiert natürlich der Terminus "Mauerziegel", der ja auf irgendeine Weise festgelegt sein muß, wenn darüber eine Abhandlung erfolgt, die den Werdegang und die Herausbildung unterschiedlicher Mauerziegel erläutern will. Jedoch gibt der Text dazu zunächst keinen Anhaltspunkt. Der Autor des Aufsatzes scheint vorauszusetzen, jeder wisse, was mit einem "Mauerziegel" gemeint ist. Das kann zu Problemen führen, da es ganz unterschiedliche Auffassungen dazu geben kann.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Biedermeierzeit scheint eine Zeit gewesen zu sein, in der vermehrt Mauerziegel hergestellt und zum Mauerwerk vermauert wurden, denn es heißt:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Der jetzt stattfindende, allgemeine Gebrauch der Mauerziegel als Baumaterial, zeugt von ihrer großen Anwendbarkeit, und der wundersame Widerstand, welchen dieselben den Verheerungen der Zeit entgegengesetzt haben, war die Ursache, daß wir einige Forschungen über ihr Alter, über das Material, dessen man sich in den frühesten Zeiten zu ihrer Anfertigung bediente, und über die Art, wie man mit denselben in den verschiedenen Ländern gebauet hat, unternommen haben." (3)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man unternahm also in der Biedermeierzeit Baugeschichtsforschungen zum Baustoff oder kleinem Bauteil "Mauerziegel". Der "wundersame Widerstand", mit dem er den Zeiten trotze, sagt als Satzteil, es sei ein Bauelement, dem eine lobenswerte Haltbarkeit zukomme. Ein solches Material herzustellen, sei schon relativ früh erfolgt. Wie im Text diese historische Einordnung vorgenommen wird, mutet uns heute sehr verstiegen an:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Es scheint so, als wenn unmittelbar nach der Sündflut und vor der Zeit des Nimrod, die Einwohner von Assyrien fast ausschließlich in Zelten und Höhlen gewohnt hätten. Nimrod, dieser große Fürst, vereinigte seine Unterthanen zuerst in Städten, und die erste, historisch bekannte, dieser Städte war Babel, in welcher ungeheure Gebäude aufgeführt wurden, zu denen man sich der Luftsteine bediente, obgleich Andere behaupten, Semiramis, die Gemahlin des Ninus, habe die Stadt erbaut, und Nimrod nur den berüchtigten Thurm, von welchem die Ueberreste in Birs Nimrod auf uns gekommen sein sollen." (4)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das alte Weltbild einer Sintflut wird hier als Tatsache vorgeführt. Kurz nach ihr wäre dann Nimrod hingegangen und habe die Menschen in Städten zusammengeführt, die aus "Luftsteinen" errichtet wurden. Dieser Luftstein ist hier also als "Mauerziegel" aufgefaßt. Er gilt als erste Form des Mauerziegels. Man wird sich mit ihm noch zu beschäftigen haben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Birs Nimrod, in welchem der berüchtigte Turm zu Babel vermutet wurde, zeigte den damaligen Forschern "einige Massen von braunem und schwarzem Mauerwerke", von dem gesagt wurde, daß es sich "mehr oder weniger in verglastem Zustande befindet".&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Die verglasten Steine jedoch finden sich nur auf dem Gipfel des Mauerwerkes, und sind unbedingt Folgen der ungeheuren Feuer, da man auf jenen heiligen Bauwerken bedeutende Mengen von Holz bei Gelegenheit der Feuerverehrung verbrannte." (5)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Solche Bauwerke werden uns im Text so geschildert, als seien sie so hoch wie die umliegenden Berge. Man hätte von ungeheurer Entfernung diese heiligen Feuer oben auf den Bauwerken sehen können. Absurderweise wird behauptet, "daß der Ort selbst mehrere Tage unzugängig war", weil die Hitze des Feuers diese Wirkung gehabt hätte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nun gibt es eine große Merkwürdigkeit im Text. Einerseits sind die "Luftsteine" erwähnt, andererseits wird darauf abgehoben, das heilige Feuer habe zur Verglasung der "Luftsteine" geführt. Und dann geht der Autor hin und erwähnt plötzlich ohne Übergang "Öfen", in denen die Luftsteine gebrannt worden seien. Es folgt also unmittelbar auf die Erwähnung des heiligen Feuers und die durch die Hitze verglasten Luftsteine dieser Textabschnitt:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Man findet zwei Arten von babylonischen Ziegeln, die Einen sind an der Sonne getrocknet, die Anderen im Ofen gebrannt." (6)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was das eine, also das heilige Feuer, mit dem anderen, es habe Ziegelöfen zum Brennen der "Luftsteine" gegeben, zu tun hat, kann eventuell nur so verstanden werden, als habe man beim Abbrennen der heiligen Feuer erkannt, daß sich Luftsteine brennen lassen und dadurch haltbarer werden. Diese Erläuterung wird jedoch so nicht gegeben, sondern es werden solche Aussagen einfach hintereinander gereiht, was ein völlig abwegiges Verständnis von einem Hervorgehen des Backsteins aus dem Luftstein erzeugen kann. Es liegt nahe, daß hier Glauben gemacht werden soll, dieses heilige Feuer und das Aufkommen des Backsteins haben unmittelbar miteinander zu tun. Aber es ist nicht nachvollziehbar. Es wird nur zur Suggestion. Schlicht und einfach gesagt, wir wissen nicht, wie es zum Backstein kam. Es fehlen die schriftlichen Quellen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Doch bleiben wir zunächst beim Luftstein. Das Wort meint nur, ein Kunststein sei durch einen Trocknungsvorgang zustande gekommen. Der Mensch hat also Steinformate aus einer "erdigen" Masse geformt und trocknen lassen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"In den Gegenden, wo die Sonne stark einwirkt, und wo es selten regnet, wie z.B. in Chaldäa, wo oft in acht Monaten, bisweilen in drittehalb Jahren, kein Regen fällt, reichen die an der Sonne getrockneten oder Luftsteine für die meisten Zwecke hin." (7)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die "Luftsteine" sind also die nicht gebrannten Mauerziegel, und man kannte in Babylon den gebrannten "Luftstein", den wir meist als Backstein bezeichnen, aber auch als Ziegel oder Mauerziegel.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Die ersten Mauern von Mantinea bestanden allein aus Luftsteinen, und haben den Kriegsmaschinen besseren Widerstand als solche von Bruchsteinen geleistet." (8)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Endlich wird der Herstellungsprozeß des Luftsteins im Text erklärt:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Die Luftsteine aus dem Alterthume, welche man noch gefunden hat, bestehen aus reinem Thone, und obgleich sie nur an der Sonne getrocknet wurden, sind sie doch so hart, daß sie beim Anschlagen klingen. Sie scheinen in Formen von Holz gepreßt zu sein, und tragen Figuren und Inschriften. Man mengte etwas Stroh oder kleines Reisig darunter, um ihnen mehr Zusammenhang zu geben, und legte sie beim Bauen auf Schichten von Mörtel und Schilf." (9)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Daß diese Luftsteine "aus reinem Thone" geformt wurden, mutet einzigartig an, denn reiner Ton könnte sich eher selten auffinden lassen. Auch müßte geklärt sein, was das ist, das hier "reiner Thon" genannt wird. Zu den im Ofen gebrannten Luftsteinen ist gesagt:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Die gebrannten Ziegelsteine hatten eine viel bedeutendere Härte und Dauerhaftigkeit; so sind z.B. die Pfeiler und Bögen einer Brücke, welche jetzt noch stehen, und deren schon der Prophet Baruch erwähnt, von solchen Steinen." (10)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es wird hier zwar darauf hingewiesen, daß diese Steine durch den Brand sehr hart wurden, aber eine Aussage zur Form des Ziegelsteins bleibt diffus, der zum Mauern benutzt wurde.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man muß einige Zeilen zurückgehen, um diese Konfusion, die hier angerichtet wird, zu verstehen. Es werden Inschriften auf Ziegeln beschrieben. Bei diesen Gegenständen hat man jedoch den Eindruck, es könne sich nicht um "Mauerziegel" handeln:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Es war gebräuchlich, astronomische Bemerkungen auf Steine oder Säulen zu schreiben, und wahrscheinlich hatten diese Inschriften einen talismanischen Charakter, denn man findet dieselben allemal so gelegt, daß sie nach unten hin standen und nicht gesehen oder gelesen werden konnten. Oefters waren beide Seiten und auch die Ansicht beschrieben, oft nur die Ansicht allein, und diese letzteren Ziegel sind die seltensten und geschätztesten. Manche derselben enthalten bei zehn Zeilen Schrift in gerader Linie über einander, bei anderen gehen die Schriften nach der Diagonale der Fläche." (11)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn man keine Ergebnisse von modernen Forschungen zu diesen Funden und Bauten hinzuzieht, sondern nur den Zeilen nachgeht, die in der Biedermeierzeit formuliert wurden, wirkt es recht merkwürdig, wieso hier Inschriftentafeln als Baustoffe gedient haben sollen. Es wiederholt sich im Text das schon gebräuchliche Muster der Aneinanderreihung von Beschreibungen von Gegenständen, die nur ein Assoziationsfeld erzeugen, aber der genaue Zusammenhang dieser Gegenstände bleibt verborgen. Es scheint nur die Idee auf, sie könnten miteinander zu tun haben. Schnell stellt sich beim Lesen die Idee ein, bei alledem handele es sich um Mauerziegel. Eine systematische Bestandsaufnahme, aus der Formate und Fundzusammenhänge der Gegenstände hervorgehen, wird nicht geleistet. Wir werden mit vielen Fragen alleine gelassen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Später erhalten wir endlich zu bestimmten Mauersteinen mehr Aufschluß.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Die Farbe dieser Ziegel ist ein brennendes Roth oder ein mattes Gelb, bei den ungebrannten eine Steinfarbe. Ihre Größe schwankt zwischen 12 und 13 Zoll Länge, und 3 - 4 Zoll Dicke. Der größte bekannte Stein jedoch hat 19 3/4 Zoll im Quadrate und 3 1/2 Zoll Dicke, und ist an den Seiten mit Charakteren beschrieben." (12)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In dieser Beschreibung gibt es endlich Angaben, die auf Mauerziegel schließen lassen. Es handelt sich um Quaderformate gebrannter und ungebrannter Ziegel. Mit solchen Quadern zu mauern, macht Sinn. Wozu andere aus Erde geformte und wohl manchmal auch gebrannte Tafeln oder Steine, Platten, Zylinder dienten bleibt unklar. Man muß sich im Text zusätzliche Erklärungen suchen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zu den Mauersteinen einer Brücke wird gesagt:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Einige dieser Steine waren mit einer Art Firniß überzogen und mit Figuren verziert." (13)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das wären dann Schmuckziegel, also Verblender. Dazu präziser:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Auch wurden sie mosaikähnlich gelegt, und man findet darauf Figuren verschiedener Art, z.B. eine Kuh, die Sonne, den Mond u.a.m." (14)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hier besteht nun das Problem, vor welcher Mauer sie wie befestigt waren, wenn man Blendwerk annimmt. Denn den Schmuck wird es nur zu einer Seite geben, nämlich an der, die an der Wand gezeigt wurde, falls es sich um Mauersteine handelt. Der Hinweis auf eine mosaikähnliche Verlegung sagt nichts über das Format dieser Steine und wie man sich die Verbindung zwischen Blendwerk und Hintermauerwerk vorzustellen habe. Noch schwieriger nachvollziehbar sind diese Angaben, die Rätsel aufgeben, ob es sich überhaupt um Mauerziegel handeln kann:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Auch in zylindrischer Form hat man diese Ziegel gefunden, wo sie dann eine kleine Entasis hatten, vom feinsten im Ofen gebrannten Thone gemacht und mit kleiner Schreibschrift bedeckt waren." (15)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hier werden durch den Autor des Aufsatzes selbst Zweifel ausformuliert, ob es sich überhaupt um Mauerziegel handeln wird:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Da man mehrere derselben an einem Ende durchbohrt gefunden hat, glaubt man auch, daß es Amulete oder Talismane gewesen seien." (16)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Diese Anhäufung von Hinweisen auf Baustoffe, die sozusagen für die ältesten Mauerziegel, die es gibt, angeführt wurden, erzeugen in uns einerseits ein sehr ungeklärtes Bild von den frühesten Mauerziegeln, zugleich treffen wir auf Angaben, die eigentlich Hinweise auf eine schon hochstehende Brenntechnik geben, da Schmuckziegel erwähnt sind. Auch bestünde ein Formenreichtum, wenn alle diese Objekte zu den Mauerziegeln zu zählen wären, der eigentlich kaum auf die Anfänge der Mauerziegelherstellung verweisen kann. Man könnte natürlich in dieser Region sehr früh mit der Herstellung von Mauerziegeln begonnen haben, um dann nach langen Entwicklungsvorgängen zu dieser Blüte des Mauerwerksbaues gekommen zu sein. Jedoch ist das im Text nicht erklärt. Man wird abwarten müssen, wie sich der Text weiter entfaltet.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Damit das damalige Mauern überhaupt begreifbar wird, finden sich nun im Text Schilderungen zum Bindemittel, mit denen die Mauersteine verbunden wurden. Zum einen wird Kalk genannt:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Was das Bindemittel, dessen man sich bediente, anbetrifft, so glaubt man, daß die Alten sich dazu, namentlich in den oberen Theilen, des Kalkes bedient hätten. Kapitän Mignan sagt, wo er von Birs Nimrod spricht: die Ziegel sind 13 Zoll lang, 4 1/4 Zoll dick und mit einander durch eine fortlaufende, einen Zoll dicke Schicht von Kalk verbunden. Die Steinlagen liegen nicht waagerecht, sondern haben einen allmäligen Fall, nach Osten zu an der Nordfronte, und an der Ostfronte nach Süden hin." (17)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es sieht so aus, als sei nach Augenschein identifiziert worden, um was für Bindemittel es sich handelt. Ausgewertet wurde offensichtlich ein Text von "Kapitän Mignan", der erst noch identifiziert werden müßte. Es wird bei den Lagen der Mauerziegel von einem "allmäligen Fall" gesprochen. Wie man sich das vorzustellen hat, müßte ermittelt werden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auch Bitumen wird angeführt:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Bitumen findet man an der Basis der am meisten zerstörten Mauern; auch an Pfeilern kann man es unterscheiden, nie aber hat man sich dessen in den oberen Theilen bedient." (18)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man muß hier genau wissen, was damals für Bitumen gehalten wurde, denn das Wort als Bezeichnung eines Stoffes kann unterschiedliche Bandbreiten dessen haben, was damit bezeichnet wurde. Man wird sich also mit diesem hier erwähnten Bindemittel "Bitumen" noch etwas genauer auseinander zu setzen haben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber es gibt zusätzliche Hinweise. Denn es wurde auch mit Lehm als Bindemittel gearbeitet:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"In manchen Fällen wurde weder Kalk, noch Bitumen angewendet, sondern man bediente sich allein des Lehmes. Was die Schilflagen anbetrifft, so sagt Herodot, daß man dieselben nach jeder dreißigsten Schicht angewendet habe; neuere Reisende aber haben dieselbe bereits, und zwar in Agar Kouff, nach jeder sechsten, siebenten oder achten Schicht gefunden, und in einigen Gebäuden Babylons liegt zwischen zwei Schichten Steinen allemal eine Schicht Rohr."  (19)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In den Lehmmörtel hatte man also Schilfstengel eingebettet. In Babylon lag alle zwei Steinschichten im Lehmmörtel Schilfrohr, in Agar Kouff, das in seiner geographischen Lage noch herausgesucht werden muß, sei nach jeder sechsten, siebenten oder achten Schicht" im Lehmmörtel das Schilfrohr angetroffen worden. In Schriften von Herodot fand sich offensichtlich eine Textstelle, die aussagt, "nach jeder dreißigsten Schicht" sei Schilfrohr eingelegt worden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im Text "Ueber den Mauerziegel" findet sich also ein historischer Exkurs, der uns zunächst in die Herstellung und Verwendung der Mauerziegel im Zweistromland, das Gebiet des heutigen Irak, einführt. Da dieser spezielle Exkurs ganz an den Anfang gerückt wurde, darf man annehmen, es sei damals geglaubt worden, hier seien die ersten Mauerziegel geformt und bald gebrannt worden. Diese frühen Kunststeine werden "Luftsteine" und "gebrannte Ziegel" genannt. Es handelt sich um Lehmziegel und Backsteine. Beide werden als "Mauerziegel" bezeichnet, die Quaderformat haben. Auch mit Schrift und Abbildungen versehene Backsteine als Schmuckziegel mit farblichem Überzug in unterschiedlichen Formen werden erwähnt, was auf eine lange Entwicklung des "Mauerziegels" schließen läßt. Es gab anscheinend einige Besonderheiten, wie beim Mauern vorgegangen wurde. All dem ist genauer nachzugehen, und zwar in dem, was ältere und jüngere Schriften dazu aussagen, und durch das, was die Bauforschung an den frühen Bauten oder Resten von Bauten auffinden konnte. Bisher fiel auf, daß keine Datierungen im Text aufzufinden waren. Ausschließlich die Zeit nach der Sintflut als Zeitangabe wurde zur Datierung genutzt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Später sind die übrigen Teile des Textes "Ueber den Mauerziegel", der in der Biedermeierzeit erschien, noch genauer auszuwerten. Da neuere Texte auf solche frühen Texte, wie den vorliegenden, aufbauen, lohnt eine genaue Textauswertung, um zu verstehen, was in die spätere Geschichtsschreibung vom Mauerziegel hineingewandert ist. Die wortwörtlichen Anführungen der relevanten Textstellen machen also sehr viel Sinn, weil durch sie Vergleichsmaterial entsteht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Karl-Ludwig Diehl&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Anmerkungen:&lt;br /&gt;(1) Der Untertitel der Titelzeile des Aufsatzes zitiert aus: o.A.: Ueber die Mauerziegel. Nach dem Englischen des Turner. S.243-252 und Zeichnungen auf S.247 in: Allgemeine Bauzeitung. Wien, 1839. S.243&lt;br /&gt;(2)-(9) zitiert aus: o.A., wie vor, S.243&lt;br /&gt;(10) zitiert aus: o.A., wie vor, S.244&lt;br /&gt;(11) zitiert aus: o.A., wie vor, S.243&lt;br /&gt;(12)-(19) zitiert aus: o.A., wie vor, S.244&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6835589152084916324-7503891459980002899?l=strukturellebaugeschichte.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://strukturellebaugeschichte.blogspot.com/feeds/7503891459980002899/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6835589152084916324&amp;postID=7503891459980002899' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6835589152084916324/posts/default/7503891459980002899'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6835589152084916324/posts/default/7503891459980002899'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://strukturellebaugeschichte.blogspot.com/2009/12/der-versuch-einer-geschichtsschreibung.html' title='Der Versuch einer Geschichtsschreibung des Mauerziegels in der Biedermeierzeit'/><author><name>Karl-Ludwig Diehl</name><uri>http://www.blogger.com/profile/11909949692992381573</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='31' height='32' src='http://3.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SOuBUB0BTyI/AAAAAAAAAAo/mQx-tvh1B6k/S220/Selbstporträt.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6835589152084916324.post-7886419926606186841</id><published>2009-12-02T08:49:00.000-08:00</published><updated>2009-12-02T09:08:12.434-08:00</updated><title type='text'>Auswertung der Aufsätze zu den im 19.Jahrhundert errichteten Bauwerken: das Theater in Gent</title><content type='html'>&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://2.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxadzEDZrbI/AAAAAAAACQY/_SU7UtW5aII/s1600-h/Theater+Gent+1.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 216px;" src="http://2.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxadzEDZrbI/AAAAAAAACQY/_SU7UtW5aII/s400/Theater+Gent+1.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5410685502919126450" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Da Gent einen Eisenbahnanschluß erhielt, und man sich zusätzliche Theaterbesucher in der Stadt erhoffen konnte, wurde das alte Theater, das 1175 Zuschauer fassen konnte, abgerissen. Ein moderner Neubau, der schon lange gewünscht war, kam zur Bauausführung. Als im Jahre 1838 in der Allgemeinen Bauzeitung in Wien darüber berichtet wurde, befand sich das Gebäude noch in der Bauphase.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Es sind mit diesem Theater das Postamt, ein Konzertsaal und andere Säle, ein Kaffeehaus und eine Restaurazion vereinigt." (1)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Planung dieses multifunktionalen Bauwerkes, von dem jedoch nur der Theaterbereich in Form von Zeichnungen in dem Aufsatz aus der Biedermeierzeit zur Darstellung gebracht wurde, hatte der Architekt Roelandt übernommen. Er leitete auch das Bauvorhaben, dessen Bau durch die Regierung genehmigt werden mußte. Vermutlich schoß der Staat Geld hinzu. Es heißt zu diesem Bauwerk:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Die Fasade des Theaters, welche sich in einer Länge von 90 Metres in der Theatergasse ausdehnt, ist eine der schönsten, die in den Niederlanden zu finden sind; sie liegt in einer Straße, die so eben beträchtlich erweitert, verschönert und durch den prachtvollen, von dem nämlichen Architekten neu ausgeführten Justizpalast geschmückt wird." (2)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Bauwerk scheint neu an alter Stelle errichtet worden zu sein, wenn als Bauplatz die Theaterstraße genannt ist. Diese Straße selbst wurde offensichtlich von demselben Architekten "erweitert, verschönert", und mit einem neuen Justizpalastgebäude aufgewertet. Somit dürfte das neue Theater als Teil einer städtebaulichen Gesamtplanung anzusehen sein, was für ein Projekt spricht, das typisch für die Biedermeierzeit gewesen ist, weil sich die Städte endlich ausdehnen konnten, und sich die Menschen nach gesunder und frischer Luft, sowie Sonne und großzügigem Städtebau sehnten. Man wollten aus den Beengtheiten des mittelalterlichen Städtebaus endlich herauskommen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Beschreibung des Theaterneubaus sollte mit den Zeichnungen verglichen werden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Der mittlere Theil des Gebäudes, welcher das Drittel der ganzen Fronte beträgt, hat ein Risalit mit drei großen Thoren in elliptischer Form, die in eine Halle führen, wo die Abfahrenden sowohl, als die Ankommenden auf- und absteigen können. Der ausgebogene Vorsprung ist so gering, daß durch denselben das Trottoir, welches mit Plattsteinen zu belegen angetragen ist, nicht unterbrochen wird, und dennoch bietet das Vestibul noch Raum genug, daß drei Wagen zugleich vorfahren können." (3)&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://4.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/Sxae4p85lYI/AAAAAAAACQg/LwUqWKuUh24/s1600-h/Theater+Gent+2.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 376px;" src="http://4.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/Sxae4p85lYI/AAAAAAAACQg/LwUqWKuUh24/s400/Theater+Gent+2.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5410686698503378306" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Es wurde also eine Kutschenein- und ausfahrt in eine elliptische Halle in der Mitte des Gebäudes vorgesehen. Dort konnten die Theaterbesucher ihre Kutsche verlassen und der Wagen fuhr wieder aus der Halle durch eines der Tore hinaus. In der Ansichtszeichnung ist dieser Mittelrisalit gut zu erkennen, denn seine Prachtfassade hebt sich deutlich von der langgestreckten Theaterfassade ab.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Leider ist nur ein Grundriß einer Etage veröffentlicht worden, was die Auswertung erschwert. Man muß sich also an den Text halten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Die Eingänge liegen ebensöllig mit dem Straßenpflaster und führen in das Parterre, das Parquet, die Logen, das Paradies oder die oberste und letzte Gallerie, zur Bühne und den übrigen Theaterräumen, wodurch bei zahlreichen Versammlungen jeder Unordnung und dem lästigen Gedränge vorgebeugt wird." (4)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es darf angenommen werden, daß sehr prachtvolle Innenarchitekturen eingebaut wurden, sodaß es ein Vergnügen bereitete, durch diese Vorhallen und über diese Treppenanlagen in den Theaterraum zu gehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Sechs verschiedene Treppen, vom Tageslicht, wie Abends von Gas erleuchtet, unterstützen die Verbindung der Räume." (5)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Da Vorsorge zu treffen war, damit bei Regen Hunderte von Personen problemlos schnell in den Theatervorraum eilen konnten, um sich zu schützen, schuf man dafür Raum. Hier konnten die Theaterbesucher die Wartezeit verbringen, bis der Einlaß in die Theaterräume gewährt wurde. Unweit wurde "eine Restaurazion und ein Kaffeehaus angelegt". Wer prominierte und etwas zu sich nehmen wollte, konnte sich hierhin wenden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Im ersten Stockwerke liegt der Wärme- oder Konversazionssaal (Foyer), dessen Geräumigkeit aus der Zeichnung ersichtlich ist, und der große eirunde Saal dient sowohl dem Foyer, als dem Konzert- und Redoutensaale als Vorplatz." (6)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Diese Angaben lassen sich mit der Grundrißzeichnung des Obergeschoßes in Verbindung bringen. In der Mitte des langgestreckten Bauwerkes liegt ein "eirunder" Vorsaal, der sowohl von den Theatergästen als auch den Konzertbesuchern genutzt werden konnte. Der Konzertsaal liegt im Obergeschoß ganz rechts neben dem eirunden Vorsaal. Das große Foyer wiederum liegt links von dem eirunden Saal, ebenfalls im Obergeschoß. Darunter wird sich das erwähnte Kaffeehaus befinden. Der Theatersaal schließt sich rückwärts an dieses Foyer im Obergeschoß an. Über im Halbkreis gebogene Gänge gelangt man vom Foyer aus zu den Logen, sodaß angenommen werden kann, daß über die Vorräume im Erdgeschoß die Sitzreihen im Theatersaal erreichbar gemacht worden waren. Noch weiter rückwärts, im Anschluß an den Zuschauerraum, erhebt sich das Bühnengebäude. Im Vergleich zum alten Gebäude mit seinen 1175 Zuschauerplätzen bietet das neue Gebäude wesentlich mehr Besuchern Platz.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Außer dem Orchester, Parquet und Parterre wird der Schauplatz vier Reihen Logen enthalten, ferner eine oberste Gallerie (Paradies) für 600 Menschen, auf welche Art das ganze Theater bequem 1800 und bei einiger Unbequemlichkeit auch 2000 Menschen fassen kann." (7)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Da in den Räumlichkeiten auch größere Feierlichkeiten begangen werden sollten, war das Gebäude so konzipiert worden, daß sich die Foyers und andere Säle zusammenschließen liessen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Bei größeren Feierlichkeiten werden diese unter sich verbundenen Säle, die nach Gefallen auch mit dem Theatersaale und selbst mit der Bühne erweitert werden können, sämmtlich geöffnet und erleuchtet, wie es zur Ballzeit ebenfalls geschieht; sie geben ohne der Bühne einer Versammlung von beiläufig 6000 Personen hinreichend Raum." (8)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das sagt nun, die Versammlung so vieler Personen zu sehr großen Anlässen spiegelt den Wunsch wieder, einem möglichst großen Teil der Bewohner der Stadt und sehr vielen Gästen der Stadt einen würdigen Empfang bereiten zu können. Es ist sicherlich nicht unwichtig, genauer zu wissen, aus welchen Gründen solche großen Empfänge abgehalten wurden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zu dem Bühnengebäude mit seinen Nebenräumen fanden sich Aussagen im Text. Es wurde in Gent die Größe der Bühnen von Brüssel und Antwerpen angestrebt, was auch verwirklicht wurde. Da der Staat das Projekt genehmigte, werden die Genter sehr stolz auf ihr Theater gewesen sein, da es nun ebenbürdig war.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"An den Seiten der Bühne befinden sich die Ankleidezimmer des Theaterpersonales, und über denselben 32 Garderobenzimmer nebst zwei großen Magazinen für die Dekorazionsstücke. Endlich sind noch zu ebener Erde die Werkstätten der Dekorateurs, Maler, Zimmerleute, und andere kleinere Lokalitäten vorhanden." (9)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zum Teil lassen sich diese Räumlichkeiten im Obergeschoßplan auffinden. Das meiste ist jedoch nur der biedermeierzeitlichen Beschreibung zu entnehmen. Wichtig ist auch ein Hinweis auf die Heizung, mit der die Theaterräume dann bei kalter Witterung beheizt wurden. Es handelt sich um eine Dampfheizung:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Die Heizung des Gebäudes geschieht mittelst eines, unter einem festen, gut versicherten Gewölbe angebrachten Dampfapparates, der zugleich mehre, zum Luftwechsel im Theaterraume befindliche Ventile, und nöthigen Falls auch die zur Löschung eines Brandes allenthalben eingerichteten Wasserpumpen in Bewegung setzt." (10)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Formulierung, der Dampfapparat sei in einem "festen, gut versicherten Gewölbe" untergebracht, läßt darauf schließen, daß man sich bewußt war, daß diese Technik noch in den Anfängen steckte und durchaus gefährlich sein konnte. Umgekehrt konnte diese Dampfheizung auch dazu genutzt werden, um Wasserpumpen in Bewegung zu versetzen, durch die Wasser zur Löschung von Bränden rasch im Theater zur Verfügung stand. Die Heizungsarten, die in der Biedermeierzeit zur Verfügung standen, sollten unbedingt als Thema genauer bearbeitet werden. Auch der Fortschritt im Brandschutz und in der Bekämpfung von Bränden ist ein lohnendes Thema, weil Ausarbeitungen zulassen, die Entwicklungen im 20.Jahrhundert besser zu verstehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Betrachtet man die Hauptfassade des neuen Theaters im Gent der Biedermeierzeit, so hat man einen zweigeschossigen Bau vor sich, der im Erdgeschoß eine Rustikafassade zeigt und darüber ein Obergeschoß mit Türfenstern und Wandöffnungen, die an Palladio und Serlio denken lassen. Die Architektur der Renaissance war also Vorbild für dieses Bauwerk. Eher ungewöhnlich ist der Mittelrisalit, der "eirunde" Säle enthält. Zu ebener Erde konnte man durch Tordurchlässe mit Kutschen einfahren. Oben deutete der Architekt durch hohe Wandöffnungen mit Rundbögen an, daß sich dahinter stattliche Festsäle befinden. Die Rundbögen liegen auf Architraven auf, die unter sich hochrechteckige Wandöffnungen haben. Die Architrave wiederum werden von Säulenpaaren getragen. Darunter liegen im Erdgeschoß die Durchfahrten, die jedoch nicht mit Rundbögen überdeckt wurden, sondern weite horizontale Tragebalken haben. Die Wandöffnungen oben und unten sind zueinander in einen Bezug gesetzt, was die monumentale Wirkung dieser Anordnung noch steigert. Ähnlich wurde der Mittelteil der seitlichen Fassadenabschnitte links und rechts neben dem Mittelrisalit behandelt. Hier liegen zwei große Wandöffnungen übereinander, die obere hat ebenfalls einen Rundbogen über sich. Begleitet werden diese weiten Türfenster von kleineren hochrechteckigen Türfenstern, was zusammen das sogenannte Palladio-Motiv ergibt, das Palladio an der Fassade der Basilika von Vicenza realisierte, und welches von den Architektengenerationen danach sehr bewundert wurde. Vor Palladio hatte bereits Serlio solche Fensterkombinationen angewandt, Palladio hatte sie jedoch meisterhaft weiterentwickelt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Betrachtet man die horizontale Gliederung der Fassade, so befindet sich unter der Sockelstreifen, der zugleich mit einem Gesimsband abschließt, das bei den Fenstern als Fensterband dienen kann. Darüber liegt das hohe Rustikaband, in das hochrechteckige Tür- und Fensteröffnungen eingelassen sind. Nur im Mittelrisalit und in der Mitte der seitlichen Fassaden befinden sich die anderen Tür- und Fensteröffnungen. Über der Rustikafassade verlaufen Gesimsbänder, welche zum einen die Rustikafassade abschliessen, zum anderen ein Brüstungsband ergeben, das unter den hochrechteckigen Türfenstern der Obergeschoßfassade verläuft. Auch hier ergeben sich die Fensterbänke durch den obersten Teil des Gesimsbandes. Über der glatten Putzfassade des Obergeschoßes verläuft ein Abschlußgesims, über dem sich das Fassadenband hinzieht, in das kreisrunde Fenster eingelassen wurden, die als Oberlicht der Vorsäle und Foyers dienen könnten. Erst darüber verlaufen die Abschlußgesimsstreifen der Fassade insgesamt, und darüber erhebt sich die Attika vor dem langgestreckten Walmdach des Theaters und des Konzertsaales dieses multifunktionalen Gebäudes. Über dem eirunden Bauwerk des Mittelrisaliten erhebt sich ein Dach, das die Form dieses rundigen Saalgebäudes aufnimmt und nach oben strebt, ohne daß die Neigung dieses Daches die Höhe des langgestreckten Walmdaches übersteigt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vertikal wurde diese Prachtfassade durch Ecklisenen gegliedert, die als Rustikawandpfeiler ansteigen und dann zu anders gearteten schlankeren Wandpfeilern werden. Bei genauer Betrachtung fällt auf, daß die mittleren Abschnitte der seitlichen Fassaden links und rechts des Mittelrisaliten als Palladio-Motiv ebenfalls etwas vor die übrige Fassadenfläche treten, also ebenfalls Risalite darstellen, an deren Ecken Ecklisenen aufsteigen. Die Fenster und Türen bilden zusammen Dreiergruppen, wenn sie zwischen diesen drei Risaliten oder seitlich davon liegen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die gesamte Hauptfassade ist überaus symmetrisch gestaltet worden, was auf einen Klassizismus schließen läßt, der zwar seine Ursprünge in der Antike und in der Renaissance hat, aber zugleich eine biedermeierzeitliche Moderne zum Ausdruck bringen soll. Es dürfte angebracht sein, die Bauwerke, die der Architekt Roelandt zeichnete und ausführte, in einen Vergleich zu bringen, um die Architektur dieser Epoche in Gent und anderswo, wo er gebaut hat, besser zu verstehen. Da der Wert dieser Architektur sicher als hochwertig angesehen wurde, dürften sich viele Archivalien zu den Gebäuden erhalten haben, die durchgearbeitet werden können. Gent erhielt also in der Biedermeierzeit ein sehr eindrucksvolles Theater und gehörte zu dieser Zeit zu den Niederlanden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Karl-Ludwig Diehl&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Anmerkungen:&lt;br /&gt;(1)-(9) zitiert aus: o.A.: Ueber den Plan der neuen Schauburg in Gent. S.21-22 und Zeichnungen auf einem Blatt zur S.22 in: Allgemeine Bauzeitung. Wien, 1838. S.21&lt;br /&gt;(10) zitiert aus: o.A., wie vor, S.22&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6835589152084916324-7886419926606186841?l=strukturellebaugeschichte.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://strukturellebaugeschichte.blogspot.com/feeds/7886419926606186841/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6835589152084916324&amp;postID=7886419926606186841' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6835589152084916324/posts/default/7886419926606186841'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6835589152084916324/posts/default/7886419926606186841'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://strukturellebaugeschichte.blogspot.com/2009/12/auswertung-der-aufsatze-zu-den-im_1384.html' title='Auswertung der Aufsätze zu den im 19.Jahrhundert errichteten Bauwerken: das Theater in Gent'/><author><name>Karl-Ludwig Diehl</name><uri>http://www.blogger.com/profile/11909949692992381573</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='31' height='32' src='http://3.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SOuBUB0BTyI/AAAAAAAAAAo/mQx-tvh1B6k/S220/Selbstporträt.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://2.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxadzEDZrbI/AAAAAAAACQY/_SU7UtW5aII/s72-c/Theater+Gent+1.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6835589152084916324.post-8287157798537341766</id><published>2009-12-02T08:01:00.000-08:00</published><updated>2009-12-02T08:48:27.814-08:00</updated><title type='text'>Für die wohlhabende Mittelklasse geeignete Gewächshäuser im Deutschland der Biedermeierzeit</title><content type='html'>&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://3.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxaYRWpp91I/AAAAAAAACPw/MdpCCaNvXFs/s1600-h/Treibhaus+1.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 258px;" src="http://3.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxaYRWpp91I/AAAAAAAACPw/MdpCCaNvXFs/s400/Treibhaus+1.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5410679426237724498" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Als in der Biedermeierzeit über den Bau von Gartenanlagen und Gewächshäusern reflektiert wurde, meldete sich auch ein Freiherr von Walden zu Wort, der kritisch anmerkte,&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"daß meistens der Architekt nicht eigentlich Gärtner sei, während im Gegentheile wieder der Gärtner selten die hinreichenden praktischen Kenntnisse in der Architektur habe, um die für seine Zwecke passenden Gebäude selbst zu entwerfen und unter seiner Leitung ausführen zu lassen." (1)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man fragt sich unwillkürlich, auf welcher Grundlage dieser Freiherr von Walden seine Erörterungen über Parkanlagen und Gewächshäuser verfaßte, immerhin meinte er, sich genügend Wissen angeeignet zu haben, um über Gebäude für Parkanlagen urteilen zu können, die "ganz vorzüglich für Deutschland" und sein Klima geeignet seien. Die Rede ist dabei von Gewächshäusern. Er schreibt:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Wir wollen versuchen, die früher angedeuteten Prinzipien, auf denen der Bau der Gewächshäuser beruht, näher zu erörtern, um nöthigen Falles dem Architekten einen Begriff von der Theorie der Pflanzenpflege, dem Gärtner aber, oder dem Liebhaber, der sein Gewächshaus selbst bauen will, die gehörigen Dimensionen zu geben." (2)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Freiherr von Walden scheint weder Gärtner noch Architekt gewesen zu sein, sondern sah vor sich ein gutes Thema, das er aufbereiten wollte. Es dürfte interessant sein, seine Biographie näher zu kennen, um das Ideengut besser zu verstehen, mit dem er sich bewegte. Vermutlich reiste er in England, um sein Wissen zu vertiefen, das er sich angelesen hatte. Da in deutschen Gebieten andere klimatische Verhältnisse herrschten, wollte er nicht einfach alles übertragen wissen, was anderswo funktionierte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als er seine Erfahrungen in einem Aufsatz zusammenfaßte, mußte er auch Grundlagen an den Leser vermitteln:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Wie erwähnt, bedürfen die Pflanzen, je nach den Zonen, aus denen sie zu uns kommen, zu ihrem Gedeihen eines höheren oder niederen Grades von Wärme, und diese ist so beschaffen, daß sie minder durch eine stärkere oder geringere Heizung, als vielmehr durch die Konstrukzion des Aufbewahrungsortes an und für sich erst zweckmässig gemacht wird." (3)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es ergibt sich aus dieser einfachen Logik, daß sehr unterschiedliche Gebäude für die Pflanzen gebaut werden müssen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Die Gebäude zerfallen in zwei Klassen, wovon die erste zur Aufstellung, die zweite zur Zucht der Pflanzen dient." (4)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Da es große und kleine Pflanzen gibt, muß bei Gebäuden für Pflanzen auf die Größe Rücksicht genommen werden.&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://4.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxaYYXHKiNI/AAAAAAAACP4/7d58TW9NhXI/s1600-h/Treibhaus+2.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 258px;" src="http://4.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxaYYXHKiNI/AAAAAAAACP4/7d58TW9NhXI/s400/Treibhaus+2.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5410679546620578002" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;"Bei Pflanzen der warmen Zone erfordern die kleineren Arten, wie z.B. das ausgedehnte Geschlecht der Orchideen, eine Wärme von 15 - 20°, und werden in ganz mit Glas eingedeckten Häusern, die, da sie wenig Luftraum enthalten, auch die nöthige Feuchtigkeit erzeugen, gezogen. - In England sind diese Häuser gewöhnlich ganz von Eisen, mit doppeltem Glase oben und an drei Seiten eingedeckt, und stehen gegen Norden an einer Mauer. /.../ da der hohe Wärmegrad, welcher in diesen Gebäuden herrschen muß, den Aufenthalt in denselben nicht eben angenehm macht, so haben sie gerade so viel inneren Raum, als man zur Aufstellung für die vorhandene Anzahl von Gewächsen bedarf." (5)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erwähnt wird hier, man habe in England an den Gewächshäusern für Orchideen eine Doppelverglasung angebracht, um die Temperatur in diesen kleinen Gewächshäuser auf jeden Fall zwischen 15 - 20° halten zu können. Anders ist für hohe Palmen vorzugehen:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Die Gewächshäuser für Pflanzen der größeren Art, wie z.B. für Palmen, müssen hohe, mit Glaskuppeln eingedeckte Räume enthalten, welchen dann durch Wasserdämpfe der gehörige Grad von Hitze verschafft wird. Auch hier ist ein längerer Aufenthalt für die Gesundheit nicht zuträglich; man verlegt deshalb die Palmenhäuser gewöhnlich in die Mitte eines großen Gartengebäudes und trennt sie durch Glaswände von den anstoßenden Räumen." (6)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erwähnt sind "Wasserdämpfe", was deutlich auf den Betrieb einer Dampfheizung für solche Gebäude hinweist. In Röhren wird Wasserdampf transportiert, wodurch die Gewächshäuser beheizt werden. Ab und zu läßt man aus Rohren mit feinen Löchern Wasserdampf ab, was zu einem warmen Sprühregen führt, der von oben auf die Pflanzen niederfällt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Freiherr von Walden weist darauf hin, daß Palmenhäuser sinnvoll in der Mitte einer Treibhausanlage stehen, da sie die höhere Temperatur brauchen. Daran anstoßend seien die Gewächshäuser anzulagern, die eine jeweils niedrigere Temperatur für die Pflanzen bekommen müssen. Diese durch Glaswände abgetrennten Gebäudeflügel nennt er "Konservatoirs".&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"In Letztere stellt man jene Pflanzen, welche einen niederen Wärmegrad erheischen, wohin z.B. alle aus Neuholland, vom Cap, China und Ober-Indien zu uns verpflanzten gehören." (7)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es wird bei solchen Angaben erkenntlich, woher solche Pflanzen bezogen wurden, was einen Fernhandeln exotischer Pflanzen voraussetzt. Dieser muß daran interessiert sein, daß der Treibhausbau sich immer weiter ausdehnt. Freiherr von Walden gibt in seinem Aufsatz Ratschläge für die wohlhabende Mittelklasse, was aussagen könnte, daß hier ein neuer Markt gesehen wurde, der sich ausbauen ließ.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In Gewächshäusern für Orchideen und ähnliche Pflanzen war eine Temperatur von 15 - 20° einzuhalten. Ähnlich hoch mag die Temperatur im Palmenhaus sein. Die Konservatoirs mußte andere Temperaturhöhen garantieren:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Diese sogenannten Konservatoirs haben dann eine Wärme von 10 - 15°, die eigentlichen Orangerien dagegen nur 5 - 10°." (8)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Üblicherweise würde man diese drei Glashäuser, die solche Temperaturhöhen unterschiedlicher Art garantieren müssen, also 5 - 10°, 10 - 15° und 15 - 20°, in einem Gebäude vereinen, das meist so angeordnet und dimensioniert ist:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Die Fronte eines solchen Gebäudes kann zwischen 60 - 100 Fuß lang sein, die mittlere Abtheilung, für Palmen bestimmt, ist bis 30 Fuß hoch, der rechte Seitenanbau enthält Cap- und Neuholländer-Pflanzen, der linke Anbau aber ist zur Orangerie bestimmt, und beide haben eine Höhe von 15 - 18 Fuß." (9)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sieht man sich ein solches Gebäude auf der Zeichnung an, entdeckt man eine klassizistische Gewächshausarchitektur. Diese kann zu großer Pracht gesteigert werden, um für große Anläße einen schönen Ort zur Versammlung zu erhalten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Oft stehen diese Gebäude mit dem Wohnhause in Verbindung, und sind dann so geräumig eingerichtet, daß sie bei besonderen Feierlichkeiten zugleich mit als Gesellschaftsräume oder Spaziergänge benutzt werden können. Diese Gebäude sind eigentlich Luxusgebäude, und nur für die reiche Klasse anwendbar, indem sie noch andere, weit geräumigere erfordern, welche allein für die Zucht der Pflanzen bestimmt sind, und aus welchen dann die ersteren kompletirt werden, in denen eine eigentliche Pflanzenkultur nicht möglich ist." (10)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Da von Walden Hinweise an die gehobene Mittelschicht geben will, streift er dieses Thema nur, weil solche Gebäude ausschließlich für die sehr reichen Familien taugen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;War bisher von Pflanzenhausabteilungen die Rede, in denen Temperaturen von 5 - 10°, 10 - 15° und 15 - 20° herrschen müssen, so führt er nun die Treibkästen an, in denen eine noch höhere Temperatur aufrecht erhalten werden muß.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Die eigentliche Pflanzenzucht erfordert andere Vorrichtungen, die indeß, je nach dem vorgesetzten Zwecke, ebenfalls Unterabtheilungen haben. - So gibt es Treibkästen, die mit ganz liegenden Fenstern versehen und so eng sind, daß man sich darin kaum bewegen kann; in diesen herrscht beständig ein feuchter Wärmegrad von 25 - 30° R. Sie dienen meistens zur Beschleunigung der Blüten, vorzüglich bei Zwiebelgewächsen, Rosen und allen derlei Pflanzen, deren Blütezeit antizipirt werden soll; eben so werden manche Obstsorten in denselben gezeitigt." (11)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er rät der Mittelklasse ab, sich solche Pflanzenhäuser zu halten, denn:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Auch diese Gattung von Treibhäusern ist mehr für die Bedürfnisse des Luxus bestimmt, und sie werden fürs Erste hier nur angeführt, ohne daß wir für jetzt näher in ihre sehr komplizirte Konstrukzion eingehen." (12)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es scheint also von Walden darum zu gehen, zunächst all das anzuführen, was eigentlich nur den ganz Reichen möglich ist, um dann darauf zu kommen, was sich die gehobene Mittelklasse leisten kann. Auch dieses Gebäude hält er eher ungeeignet für Deutschland:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Eine dritte Art Pflanzenhäuser, welche man in ganz England und Belgien häufig findet, ist ebenfalls ganz von Eisen und von allen Seiten mit Glas eingedeckt. Diese Gebäude dienen ausschließend für die Bewahrung aller minder empfindlichen Pflanzen, und beherbergen vorzüglich die zahlreiche Familie der Eriken, Kamellien, Azaleen, Rhododendrons u., und ihre nach Norden gekehrte Seite hat gewöhnlich abgeschlossene Kästen, welche für die Zucht der Stecklinge bestimmt sind." (13)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es sei vor allen Dingen die komplizierte Bauweise solcher Pflanzenhäuser, welche sie für die Mittelschicht ungeeignet macht. Er fragte sich auch, ob die Winterkälte in deutschen Gebieten, die unter - 20° absinken kann, für diese Pflanzen in solchen Gewächshäusern schädlich sein wird. Offensichtlich bestanden bei ihm dazu keine konkreten Erfahrungswerte. Er mutmaßt, daß eine Beheizung in solchen Häusern zu sehr trockener Luft führen werde, was den eingestellten Pflanzen nur schaden könne, da der kalte Winter "oft Monate lang anhält". Daß sich Luft befeuchten läßt, erwähnt er nicht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schließlich rückt von Walden damit heraus, um was es ihm eigentlich geht. Er will "eine Art Normal-Kultivazionshaus" entwerfen, welches sich auf alle Verhältnisse und Bedürfnisse von deutschen Baulustigen anpassen läßt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Dabei haben wir noch stets den Zweck im Auge behalten, alle Kulturarten in einem und demselben Raume möglich zu machen, und dem Stecklinge oder dem Sämlinge sowohl, als der bereits ausgebildeten Pflanze ihre behaglichen Aufstellungsplätze zu schaffen, um dem Liebhaber, der nicht immer mehrere Gattungen von Glashäusern bauen kann, oder dem Handelsgärtner, der lieber das Ganze mit einem Blicke übersieht und nicht gerne Pflanzen aus einem Hause in das andere schleppt, Alles unter die Hand zu stellen." (14)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was er will, sind also Treibhäuser zu ganz unterschiedlichen Kosten, zugeschnitten auf die Möglichkeiten seiner Auftraggeber. Da solche Gebäude ganz verschieden sein würden, stellt er ein Gebäude vor, das auf eine bestimmte Menge von Pflanzen abgestimmt ist. Platz soll sein für "eine Aufstellung von 900 - 1000 großen Töpfen und 700 - 800 kleineren". Zudem will er sichergestellt wissen, daß "gegen 200 solcher Töpfe im Winter unter den Stellagen Raum und Licht haben". Rücksicht sei auf die Größe der Pflanzen zu nehmen. Und er fügt an:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Begreiflicher Weise ist bei einem so beschränkt vorausgesetzten Raumverhältnisse nicht an eine Schaustellung zu denken, da die Breite der nöthigen Wege nur zu 2 1/2 Fuß und die mittlere Höhe nur zu 8 Fuß angenommen ist." (15)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er räumt ein, daß je nach Bedürfnis, bei Zugabe an Raum, leicht bessere Verhältnisse zu schaffen sind, die ein Umhergehen mehrerer Personen erlauben, aber damit steigen auch die Bau- und Unterhaltungskosten, wie sich leicht annehmen läßt. Interessanter sind Aussagen, die sich darauf beziehen, wie in der Biedermeierzeit auf das deutsche Klima Rücksicht genommen werden sollte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Das Gebäude ist außerdem für unseren deutschen Winter berechnet, daher die Mauerdicke auf 1 1/2 Fuß bestimmt, und sämmtliche Fenster mit Decken und Läden zum Eindecken angetragen. Eine doppelte Wärmeleitung, deren Rauchkanal durch die Mitte des Gebäudes geleitet ist, zieht sich inwendig um das Haus. Wo man des Lichtes bedarf, ist eine Glaseindeckung angebracht, die übrigen Theile aber, zur Ersparniß der Kosten, mit doppelter Holzverschalung versehen, welche man von außen durch einen guten Oelanstrich gegen die Witterung schützen kann, wenn man nicht einen Ueberzug von Zink- oder Eisenblech anwenden will." (16)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es empfiehlt sich, seinen Entwurf für ein Gewächshaus genauer auszuwerten. Er gibt reichlich Hinweise, die uns die Einzelheiten verstehen lassen.&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://4.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxaYkjxBofI/AAAAAAAACQA/aGGyJEb0QK4/s1600-h/Treibhaus+3.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 272px;" src="http://4.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxaYkjxBofI/AAAAAAAACQA/aGGyJEb0QK4/s400/Treibhaus+3.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5410679756175811058" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;"Was die innere Eintheilung betrifft, so gibt es gewisse Gegenstände, deren Größe man nicht gerne überschreitet. Dahin gehören z.B. die Fenster; sind diese länger als 12 Fuß, so werden die Läden, die zum Eindecken verwendet werden und nothwendig eine gleiche Länge haben müssen, nur sehr schwer zu handhaben, weßwegen wir hier nur 11 Fuß als Länge für die Fenster angenommen haben, da man ja im Nothfalle diesen einen Fuß an der Höhe noch zugeben kann." (17)&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://3.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxaY1zqLGeI/AAAAAAAACQI/TFrAgQBtKZE/s1600-h/Treibhaus+4.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 259px;" src="http://3.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxaY1zqLGeI/AAAAAAAACQI/TFrAgQBtKZE/s400/Treibhaus+4.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5410680052499814882" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Sein Entwurf geht also davon aus, daß die Fenster zu bestimmten Zeiten abzudecken sind. Eine solche Abdeckung muß handhabbar bleiben. Es bleibt unklar, ob nur das Gewicht eine Einschränkung bewirkt, oder die Ausdehnung der Abdeckung. Andererseits wird uns bewußt, daß es in deutschen Gebieten Abdeckungen gab, um Kälte im Winter besser außerhalb des Treibhauses halten zu können. Die Abdeckungen könnten so gehandhabt worden sein, daß bei Sonnenschein die Wärmeeinstrahlung ausgenutzt wurde, ansonsten den Winter über in den dunklen Stunden der Wintertage abgedeckt wurde.&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://4.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxaZETk29VI/AAAAAAAACQQ/rBDm_b_ELGs/s1600-h/Treibhaus+5.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 176px;" src="http://4.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxaZETk29VI/AAAAAAAACQQ/rBDm_b_ELGs/s400/Treibhaus+5.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5410680301585626450" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;"Sind ferner die Blumenstellagen sehr breit und hoch, so sind die darauf befindlichen Pflanzen aus freier Hand schwierig zu begießen, und man ist genöthigt, Stiegen oder Leitern anzuwenden, wozu es in einem so kleinen Hause, als das hier entworfene, an Raum gebricht." (18)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zur Dimensionierung gibt von Walden genaue Angaben, was sich in seinem Aufsatz aus der Biedermeierzeit genau nachlesen läßt. Auf abgetreppten Stellagen, fünf Reihen vorne und vier hinten, bietet er Blumentöpfen eine Unterbringung, die ein Begießen der Pflanzen problemlos machen. Wie zu veglasen ist, beschreibt er so:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Der Winkel, welchen die Fenster gegen den Horizont bilden, beträgt nur 30°, indem es für die Pflanzen um so vortheilhafter ist, je näher dieselben dem Glase stehen, wobei zugleich aller überflüssige Luftraum vermieden, und die Wärme, die immer nach oben steigt, mehr auf die Pflanzen konzentrirt wird." (19)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es meint folglich, Sonne erreicht die Pflanzen so besser. Dabei nimmt er Nachteile in Kauf:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Allerdings haben die flacher liegenden Fenster den Nachtheil, daß das Wasser an ihnen langsamer abfließt, und sie daher leichter das so schädliche Eintropfen veranlassen, und daß bei einem Hagelwetter die Scheiben, wenn sie nicht von Doppelglas sind, sehr gefährdet werden" (20)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Begriff "Doppelglas" begegnete mir schon anderswo. Man fragt sich, was er damit meint. In unserem heutigen Verständnis würden wir darunter ein Fenster aus zwei hintereinander liegenden Scheiben verstehen, zwischen denen sich ein Luftraum oder Vakkum befindet. Vermutlich ist hier bei von Walden jedoch gemeint, daß zwei Fenstergläser direkt aufeinander liegen und dadurch die Glasfläche größere Belastungen aushält. Man müßte das nachprüfen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenig im Griff scheint man zu dieser Zeit die Dichtungen gehabt zu haben. Wurde der Neigungswinkel zu gering, drang leicht Wasser durch die Fugen der Glasscheiben. Man müßte die Probleme, die bei deutschen Gewächshäusern in der Biedermeierzeit bestanden haben, genauer durchdringen. Was das Eindringen von Wasser betrifft, fand von Walden einen Weg:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"indessen haben wir dem ersteren Nachtheile dadurch begegnet, daß die obere Glasdecke nicht aus besonderen Rahmen besteht, sondern alle Scheiben in den Stäben in Falzen, und einen Zoll über einander liegend, fest eingekittet sind, weßhalb dort kein Wasser durchdringen kann." (21)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man hat also die Glasplatten wie Dachschiefer schuppenartig übereinander gelegt und seitlich mit Kitt abgedichtet. Der Nachteil bestand darin, daß keine Frischluft durchgedrungen ist. Lüftungen durch bewegliche Teile am Treibhaus kosteten finanziellen Mehraufwand. Glas war andererseits kostspielig, und es mußte vermieden werden, daß mit Glas bedeckte bewegliche Teile durch Windböen zu Bruch gingen. Es wurde also nach Auswegen gesucht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Dieser Luftzug kann nun durch das Oeffnen der beiden, an der Ost- und Westseite angebrachten Fenster bewirkt werden, und wenn dieses nicht hinlänglich sein sollte, so kann an der vorderen Seite die ganze Reihe einen Fuß hoher Oeffnungen, die von außen mit praktikablen Glasfenster in Rahmen versehen sind, zur Lüftung mit verwendet werden." (22)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man kann sich das im Schnitt seines Entwurfes ansehen. Über einer brüstungshohen Außenwand befindet sich auf der Sonnenseite des Glashauses ein schmaler und vertikaler Fensterstreifen, über dem die schräge Glasfläche des Treibhauses auf einem horizontalen Balken aufliegt. Sein Schutz gegen Hagelschlag ist eine einfache Vorrichtung:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Gegen den Hagelschlag geben die, auch zum Schattengeben angebrachten Decken, welche an Rollen schnell herabgelassen werden können, wohl das beste Mittel, sobald dieselben aus einem groben, mit Fett imprägnirten Wollenstoffe (auch Loden genannt) bestehen." (23)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sein Treibhaus, das er vorstellt, hat gegen Süden also eine Rolle aus Lodenstoff, mit dem gegen zu starke Sonneneinstrahlung und bei Hagel das Glas abgedeckt wird. Aber es gibt auch nach Norden Glasflächen bei seinem Treibhaus. Diese werden der Lichtzufuhr dienen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Die rückwärtigen, gegen die Nordseite gekehrten Fenster fallen in einem Winkel von 50° ab, bedürfen gegen die Sonne keines Schutzes, das Wasser läuft schnell genug ab, und für den Hagel sind Strohdecken hinlänglich. Die Fensterfelder dieser Seite ruhen in Rahmen, und können, da sie nur 4 1/2 Fuß hoch und eben so breit sind, beliebig aus- und eingehoben werden." (24)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;All diese Vorrichtungen muten noch äußerst schlicht an. Es entsteht der Eindruck, daß es zu dieser Zeit weitaus modernere Gewächshäuser gegeben haben wird. Möglicherweise ist der Hinweis des von Walden, es müsse ein dem deutschen Klima entsprechendes Gewächshaus gebaut werden, zugleich eine Ausrede, um leicht veraltete Bautechniken in Deutschland weiterführen zu können. Um zu wissen, wie es sich verhält, wäre der Treibhausbau dieser Zeit sehr genau zu studieren, um optimale Vergleichsmöglichkeiten zu haben. Besonders an den Schnitten des Treibhauses, das uns von Walden als Idee vorstellt, könnte sich zeigen, daß seine Ideen eigentlich schon überlebt sind. Der Eindruck verstärkt sich rasch, wenn man seine Beschreibung der Baukonstruktion durchliest. Es ist von Holzbalken die Rede, die als Stützenreihe in den Boden eingelassen werden sollen, von Holzrahmen, die zur Auflagen der Glasplatten dienen, von Verbretterung, zwischen die Moos zur Abdichtung eingedrückt werden soll, usw. Schließlich wird deutlich, daß seine Beschreibung dazu dienen soll, seine vereinfachte Bautechnik so darzulegen, daß sie auch von jemandem, der kein Architekt ist, nachgebaut werden kann. Zu seinen Bauzeichnungen sagt er:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Die beiden Grundpläne /.../ dürften, vereint mit den Durchschnitten /.../, Alles hinlänglich versinnbildlichen, um jeden gewöhnlichen Maurer und Zimmermann zu dirigiren, weßhalb wir auch in der Beschreibung umständlicher gewesen sind, als dieß für einen Architekten nöthig gewesen wäre." (25)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was das Heizen betrifft, legt er Wert auf eine Warmwasserheizung, die so ausgelegt ist, daß nach Anheizen und dem Erreichen der gewünschten Raumtemperatur kaum noch Feuerungsmaterial nachgelegt werden muß. Er beschreibt leicht nachvollziehbar den improvisierten Heizkessel und weist darauf hin, daß als Zirkulationswasser in den verlegten Heizrohren besser Regenwasser an Stelle von Brunnenwasser genommen werden sollte, da Brunnenwasser sehr rasch zur Verkalkung der Rohre führen werde.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neben dem Bau einfacher Treibhäuser empfiehlt er Treibglocken aus Glas, die er bei "Herrn Lodiges" in England gesehen hatte. Diese kleinen Treibhausglocken werden als Handglocken über Stecklinge gestellt, was zu guten Ergebnissen geführt habe. In England könne man sie "in den Fabriken bei Herrn Jones in Birmigham" preisgünstig erwerben. Andererseits erwähnt er:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Jeder Glaser kann sie indeß aus alten, abgestorbenen Glastrümmern zusammen setzen." (26)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir entdecken also das Bemühen des von Walden, den Leuten, die sich ein Treibhaus anschaffen wollen, einfache Hinweise zu geben, wie sie möglichst günstig zu einem Treibhaus kommen können. Er rät davon ab, sich auf den Bau von zu kostspieligen Anlagen einzulassen, die sich nur die reiche Oberschicht der Biedermeierzeit leisten kann, und schlägt vereinfachte Pflanzenhausbauten vor, die auch für die wohlhabendere Mittelschicht finanzierbar sind. Er verweist in seinem Aufsatz beständig daraufhin, wo und wie improvisiert werden kann, um Baukosten einzusparen. Es entsteht dadurch der Eindruck, daß er zugleich eine notwendige Modernisierung der Architektur der Treibhäuser in Deutschland behindert. Seine Ideen führen zum improvisierten Treibhaus, nicht zum modernen Treibhausbau, der auf dem modernsten Stand ist. Es handelt sich also mehr um eine Popularisierung der Idee, sich Treibhäuser anzuschaffen. Ein solcher Wunsch scheint in der Biedermeierzeit sehr groß gewesen zu sein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Karl-Ludwig Diehl&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Anmerkungen:&lt;br /&gt;(1)-(9) zitiert aus: von Walden: Ueber dekorirte Landschafts-Gartenkunst, Anlagen sogenannter Natur- oder englischer Gärten und Gebäude, im großen, wie im kleinsten Maßstabe; ganz vorzüglich für Deutschland und die wohlhabendere Mittelklasse berechnet. Ueber die Konstrukzion und Einrichtung von Gewächshäusern. S.211-221 und Zeichnungen auf dem Blatt auf S.215 in: Allgemeine Bauzeitung. Wien, 1839. S.211&lt;br /&gt;(10) zitiert aus: von Walden, wie vor, S.211&lt;br /&gt;(11)-(15) zitiert aus: von Walden, wie vor, S.212&lt;br /&gt;(16) zitiert aus: von Walden, wie vor, S.212f.&lt;br /&gt;(17)-(24) zitiert aus: von Walden, wie vor, S.213&lt;br /&gt;(25) zitert aus: von Walden, wie vor, S.217&lt;br /&gt;(26) zitert aus: von Walden, wie vor, S.221&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6835589152084916324-8287157798537341766?l=strukturellebaugeschichte.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://strukturellebaugeschichte.blogspot.com/feeds/8287157798537341766/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6835589152084916324&amp;postID=8287157798537341766' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6835589152084916324/posts/default/8287157798537341766'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6835589152084916324/posts/default/8287157798537341766'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://strukturellebaugeschichte.blogspot.com/2009/12/fur-die-wohlhabende-mittelklasse.html' title='Für die wohlhabende Mittelklasse geeignete Gewächshäuser im Deutschland der Biedermeierzeit'/><author><name>Karl-Ludwig Diehl</name><uri>http://www.blogger.com/profile/11909949692992381573</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='31' height='32' src='http://3.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SOuBUB0BTyI/AAAAAAAAAAo/mQx-tvh1B6k/S220/Selbstporträt.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://3.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxaYRWpp91I/AAAAAAAACPw/MdpCCaNvXFs/s72-c/Treibhaus+1.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6835589152084916324.post-3222457214477100549</id><published>2009-12-02T07:38:00.000-08:00</published><updated>2009-12-02T08:00:03.433-08:00</updated><title type='text'>Auswertung der Aufsätze zu den im 19.Jahrhundert errichteten Bauwerken: ein Landhaus bei Starnberg über dem Ufer des Würmsees</title><content type='html'>&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://4.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxaOYUpC2vI/AAAAAAAACPQ/eRKtram5WE8/s1600-h/Starnberg+1.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 125px;" src="http://4.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxaOYUpC2vI/AAAAAAAACPQ/eRKtram5WE8/s400/Starnberg+1.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5410668550841096946" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Der "Local-Bauinspektor" F.X.Eichheim bekam in der Biedermeierzeit den Auftrag, für die Freifrau von Bayrstorf ein Landhaus zu errichten. Vorgesehen war ein Bauplatz auf einer Erhebung über dem Ufer des Würmsees. Dieser See ist uns heute geläufiger unter der Bezeichnung Starnberger See. Die Lage für das Haus war gut gewählt. Es kam in der Zeit vom Jahre 1831 bis 1832 zum Bau.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Dieses Landhaus steht auf einem über den Wasserspiegel des Würm- oder Starnberger Sees gegen 150 Fuß erhöhten Punkte, der nach allen Richtungen eine herrliche Aussicht gewährt. Gegen Nord und Ost streift der Blick auf mehrere Stunden über die viel tiefer romantisch situirten Ortschaften Starnberg, Bercha, Leutstetten, Buchhof, Kämpfenhausen u.a.m. mit ihren umliegenden üppigen Gärten, Feldern und Wiesen, Buchen- und Eichenwaldungen, abwechselnd in Hügel und Thal, und durchzogen von dem buschumgrünten mäandrisch gekrümmten Würmflusse." (1)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wohin man damals auch ging, es soll schöne Landschaft gewesen sein. Und der Blick vom Haus auf den See und sein Umland konnte berauschen:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Noch herrlicher aber zeigt sich diese Landschaft vom Landhause selbst aus, wenn auch nicht in so großer Ausdehnung, dagegen aber bereichert durch den am Fuße der Landhausanhöhe gelegenen Starnberger See gegen Sonnenaufgang und Mittag." (2)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Da der Architekt selbst diese Zeilen schrieb, ist anzunehmen, daß er die Freifrau um die Lage ihres Landhauses beneidete. Er legte die wichtigste Fassade dieses Hauses in Richtung der schönsten Aussicht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Nach dieser schönsten Aussicht hin hat das Landhaus die Fasade /.../. Hier liegt der deutsche Lago maggiore, der reizende, über 6 Stunden lange, vom Starnberg bis in die Vorberge der bayerischen Alpen sich erstreckende Würm- oder Starnberger See, umgürtet mit Schlössern, Landhäusern, Dörfern, Gärten, Feldern und waldigen Bergen, bei günstigem Wetter in feenartigem Reichthum vor dem trunkenen Auge ausgebreitet." (3)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die lange Schilderung der Ansiedler in der Landschaft verrät deutlich das Motiv der Freifrau von Bayrstorf, sich gerade hier ein Landhaus zu bauen. Der Ort galt "seiner spitzen Kegelform" wegen jedoch als ungünstig für ein Haus. Wer hier baute, hatte großen Aufwand zu treiben. Dieser verschreckte die Freifrau jedoch nicht. Sie ließ ganz im Gegenteil von der Bergspitze soviel abtragen, als nötig war, um ein stattliches Anwesen zu errichten. All dies geschah nur zu dem Zweck, damit hier eine Sommeresidenz entstehen konnte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Das durch die Abtragung der Bergspitze gewonnene Material (größtentheils Kies), wurde, um zugleich einen Vorplatz an der Fasade des Hauses zu gewinnen, vor demselben angelegt, und damit dieß neue Terrain sich früher oder später nicht zu viel und ungleich setzen könne, jede nur einen halben Fuß dicke Lage tüchtig eingestoßen und gewalzt." (4)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Für das Landhaus mußte ein Plateau von 125 Fuß Länge und 75 Fuß Breite hergerichtet werden, damit das Gebäude und die Terrasse vor dem Haus aufgebaut werden konnten. Andererseits legte der Architekt Wert darauf, daß über einen bestehenden grünen Erdwall als Ausläufer eines Hügels vom Landhaus aus hinweggesehen werden konnte, wenn es errichtet worden war. Es gab schließlich ein ausreichend großes Terrain für Blumenbeete, Springbrunnen und Wege. Eine Stützmauer in guter Entfernung vor dem Gebäude hinderte das aufgeschüttete Erdreich daran, den Hang hinunter zu gleiten. Wer auf den vorderen Terrassen stand, der hatte etwa 100 Fuß unter sich das Seeufer.&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://4.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxaOfwu8qfI/AAAAAAAACPY/chXV7w51ViU/s1600-h/Starnberg+2.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 162px;" src="http://4.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxaOfwu8qfI/AAAAAAAACPY/chXV7w51ViU/s400/Starnberg+2.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5410668678641134066" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Hinter dem Haus lag tief unter dem Hügel die Landstraße. Um von ihr zu dem Haus zu gelangen, mußte der Hügel angeschnitten werden. Der Architekt entschloß sich, zur Straße hin ein Nebengebäude zu errichten, sodaß zwischen dem Abhang vor dem untersten Geschoß des Landhauses und dem Nebengebäude, das mit dem Rücken zur Landstraße aufgebaut wurde, ein Hof entstand, der mit Kutscheneinfahrten an das Landhaus angebunden war. Wir erhalten im Text nähere Angaben zum Nebengebäude:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Das im Hofe an der Landstraße gelegene Nebengebäude /.../ enthält eine Stallung, Remisen, Hausmeister- und Gärtnerwohnung, Bedienten- und Kutscherzimmer, Heulagen u." (5)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In den Abhang unterhalb des Landhauses wurden Kellerräume eingelassen, die somit direkt an den Hof mit der Zufahrt grenzten. Diese Keller und das Nebengebäude mit Remise und Stallungen lagen sich also am Hof gegenüber.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Um zum Landhause gelangen zu können, wurde von der Grundstückspitze aus ein Weg angelegt, der bis vor den Eingang im Erdgeschoß anstieg. Man konnte mit der Kutsche bis vor die Eingangstür gelangen. Der Kutscher konnte von dort aus zum Hof hinabfahren. Der Hof selbst bekam seitlich der Stallungen und der Remise Ein- und Ausfahrten auf die Landstraße.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das langgestreckte Grundstück wurde "durch englische Anlagen" zu einem ansehnlichen Park gestaltet. Es wurden dort ein Gewächshaus, Lauben, aber auch Obst- und Gemüsebeete angelegt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Landhaus selbst mußte sich dem Gelände anpassen. Das als Erdgeschoß bezeichnete Untergeschoß enthält den Eingang mit der Haupttreppe in das Geschoß darüber. Hier befinden sich auch die Küche mit Wasseranschluß, was damals noch keine Selbstverständlichkeit war. Verschiedene Keller, als Speisekeller und Weinkeller bezeichnet, sowie Bedientenzimmer machen große Teile dieses Untergeschoßes aus. Ein Abtritt war hier angelegt worden. Das zum Beheizen der Öfen notwendige Holz mußte hier in Räumlichkeiten gelagert werden. Es führten auch Personaltreppen von der Küche nach oben in den Wohnbereich der Herrschaft. Alle Räumlichkeiten wurden sehr symmetrisch verteilt. Im Schnitt durch das Gebäude sieht man, daß auch die Keller ansteigend angelegt sind. Ein Teil der Keller ist vom ersten Treppenabsatz, also auf etwas erhöhtem Niveau, zugänglich. Über einen weiteren Treppenabschnitt erreichte man ein nächstes Treppenpodest. Von dort aus waren es nur wenige Stufe bis zum Niveau des herrschaftlichen Wohngeschoßes, über dem sich ein weiteres Wohngeschoß erhob, das identischen Grundriß hat.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vom untersten Geschoß mit der Küche und den Kellern wird gesagt:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Diese sämmtlichen Lokalitäten sind gewölbt, und um das Eindringen der Feuchtigkeit von der auf drei Seiten um das Geschoß liegenden Erde zu verhindern, wurden längs den Wänden Luftkanalmauern in einer Entfernung von 4 Zoll für den Luftkanal /.../ um das Erdgeschoß angelegt, und damit sie dem Seitendrucke der Erde besser widerstehen können, mit den Wänden hie und da verbunden." (6)&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://4.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxaOsp9lZzI/AAAAAAAACPg/_8L-SqFbqWk/s1600-h/Starnberg+3.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 173px;" src="http://4.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxaOsp9lZzI/AAAAAAAACPg/_8L-SqFbqWk/s400/Starnberg+3.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5410668900161775410" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Man sieht diesen Luftspalt zwischen den doppelt gemauerten Untergeschoßwänden sowohl im Schnitt wie in der Zeichnung des Grundrißplanes. Offensichtlich sah man in der Biedermeierzeit darin ein gutes Verfahren, das Eindringen der Feuchtigkeit zu verhindern. Im Grundriß des Untergeschoßes sind auch die Fundamentmauern der übrigen Gebäudeteile eingezeichnet, auf denen die Mauern der Obergeschoße stehen. Andererseits ist im Plan der Verlauf der Gewölbe in den eingewölbten Räumen durch Linien angedeutet. Man sieht auch, daß die Haupttreppe, mittig gelegen, sehr viel Raum einnimmt und sicherlich sehr repräsentativ gestaltet war.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das im Text als 1.Stockwerk gekennzeichnete Geschoß ist zum Garten hin ein Hochparterre. Man gelangt von den Wohnräumen auf eine ausgedehnte Terrasse, die nur wenige Stufen über der Gartenterrasse liegt. Eine breite Treppe führt in den Garten hinab. Dort befand sich unweit ein Springbrunnen, von dem aus mit wenigen Schritten zur Brüstung über der hohen Stützmauer für die aufgeschüttete gegangen werden konnte, wo ein weiter Blick über den See möglich war. Unterhalb lag das Seeufer vor dem Betrachter der Biedermeierzeit.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Bestreben des offensichtlich klassizistischen Architekten war es, auch hier die Räume spiegelsymmetrisch zu verteilen, was wirklich vollständig gelang. Von der repräsentativen Haupttreppe an der Rückseite des Landhauses gelangte man in einen großen mittig zum Garten hin gelegenen Saal, der als Speisesalon eine zentrale Rolle spielte. Zu beiden Seiten wurden große Räume gelegt. Der eine Saal war als Wohnzimmer, der andere als Arbeitszimmer gedacht. An sie schlossen sich links und rechts Blumenzimmer an. Schlafzimmer mit Toilettzimmer, zugehörige Zimmer für das Kammermädchen, Badezimmer und Garderobe, auch ein Abtritt, waren die Räume, die zur Straße hin angefügt wurden. Zum Garten hin wurden Sitzterrassen angeordnet, in der Mitte ließ man eine breite Freitreppe zum Garten ein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Geschoß darüber ist durch Wände eingeteilt, die genau auf denen darunter stehen. Folglich ist die Raumeinteilung identisch, nur die Nutzung ist eine andere. Neben Arbeitszimmer und Schlafzimmer wurden aus den Räumlichkeiten Toilettzimmer, Dienerzimmer und eine Garderobe gemacht. Ein Abtritt ist auch im obersten Geschoß auffindbar. Über den Blumenzimmern der Etage darunter liegen jedoch oben große Dachterrassen. Der mittlere Salon zum Garten hin wird als Empfangssalon bezeichnet.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Von den Arbeitszimmern gelangt man zu beiden Seiten auf die Terrassen oberhalb der Blumenzimmer. Diese Terrassen, so wie der Balkon vor dem Empfnagssalon sind, um sich daselbst vor Sonne und Regen schützen zu können, durch Leinendächer auf leichtem Eisenstangengerippe gedeckt, welche Deckung mittelst Rollen und Schnürzügen beseitigt werden kann; auch das Gerippe selbst ist ganz wegzunehmen." (7)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Über dem Landhaus liegen flache Walmdächer, die den Vor- und Rücksprüngen der Gebäudemassen angepaßt wurden. Zu den Baustoffen, mit denen das Landhaus und die Nebenanlagen errichtet wurden, ist angeführt:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Das Haus ist aus Ziegel-(Back-)steinen aufgeführt und mit Schindeln gedeckt; die Freitreppe gegen den Garten, die Terrassenmauern, Säulen und Gesimsstücke sind von Tuffstein.&lt;br /&gt;Die Wände der meisten Zimmer sind nach dem Wunsche der Besitzerin freundlich tapezirt, und nur einige architektonisch dekorirt. Die Plafonde sind mit leichten, mehr dem ländlichen Charakter angemessenen Verzierungen bemalt; die Fußböden theils Parket, theils mit Oelfarbe angestrichen." (8)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auch zu den Nebenanlagen fanden sich Angaben zu den Baustoffen:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Die (Stütz-)Futtermauern vor dem Blumengarten, dann zu beiden Seiten der Hinterwand des Landhauses, so wie in dem Hofe, der das Nebengebäude an der Landstraße umgibt, sind von Bruch- und Tuffsteinen erbaut, und erhielten alle, um dem Drucke der an ihnen liegenden Erde gehörig widerstehen zu können, eine angemessene Böschung." (9)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man hat also mit Tuff- und Bruchsteinen rustikal gemauert und das feinere Mauerwerk aus Backsteinen aufgeführt. In repräsentativen Räumen wurde Parkett verlegt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Weil eine Ansicht der Gartenfassade dem Text der Biedermeierzeit beigegeben wurde, ist eine Architekturbetrachtung möglich. Schon aus den spiegelsymmetrisch angelegten Grundrissen wurde erkennbar, daß der Architekt darauf aus war, ein klassizistisches Gebäude zu errichten. Dies wird durch die Gartenansicht bestätigt. Es dürfte sich um einen Klassizismus handeln, der das biedermeierzeitliche Fühlen und Denken widerspiegelt.&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://4.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxaO5BTPYjI/AAAAAAAACPo/1DuSflixcNc/s1600-h/Starnberg+4.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 200px;" src="http://4.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxaO5BTPYjI/AAAAAAAACPo/1DuSflixcNc/s400/Starnberg+4.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5410669112585052722" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Zwischen zwei Seitenrisaliten ist ein etwas zurückliegender Baukörper eingespannt. Links und rechts des zweigeschossigen Bauwerkes schließen sich eingeschossige Gebäudeflügel an, über denen eine Dachterrasse liegt. Zur Sitzterrasse vor dem zweigeschossigen zentralen Baukörper führt eine breit gelagerte Freitreppe vom Garten bis vor das Haus. Dort tragen Säulen, die zwischen den Seitenrisaliten stehen, den Balkon vor dem obersten Geschoß des etwas zurückliegenden Gebäudeabschnittes in der Mitte. Es ergibt sich durch diese Anordnung der Bauteile ein langgestreckter Sockel, der in der Mitte durch die Freitreppe und die Terrassenmauern unterbrochen wird. Über den Bogenfenstern des Hochparterre führt ein langgestreckter Architrav über die Säulen zwischen den Rundbogenfenstern der seitlichen Blumenzimmer weiter und wird zum Wandabschlußgesims über den Hochparterrefassaden der Seitenrisalite, um sich dann wieder in einen Architrav über den Säulen zu verwandeln, die den Balkon in der Mitte des Gebäudes tragen. Darüber wechseln Brüstungsmauern der Terrassen und des Balkons mit dem hohen Gesimsband ab, welches bis zur Höhe der Fensterbänke reicht, die Teil eines schmalen Gesimsbandes sind, das auf dieser Höhe die Obergeschoßfassade unter den Fenstern quert. Die Seitenrisalite wurden durch Lisenen aus Rustikamauerwerk gefaßt. Die Fenster im oberen Geschoß sind rechtwinklig umrahmt. Sowohl die Bogenfenster der niedrigen seitlichen Anbauten für die Blumenzimmer, als auch die der beiden Geschosse des Mittelteils des Gebäudes bilden Dreiergruppen. Mittig liegen die einzelnen Fenster in den Seitenrisalitgeschossen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Fontäne des Springbrunnens auf der Gartenterrasse steigt mittig vor der Gebäudefassade auf. Die breitgelagerte Stützmauer zum See hin besteht aus Rustikamauerwerk und enthält Vor- und Rücksprünge in Anlehnung an die Gebäudegliederung des Landhauses. Folglich weicht das Stützmauerwerk zwischen den rustikalen Seitenrisaliten dieser Stützmauer in der Mitte zurück. Man hat hier drei Rundbogennischen in Anlehnung an die Rundbogenreihe des Hochparterre des Landhauses angeordnet. Aus dem Bogenfeld der Rundbögen stürzen Wasserfälle herab, deren Wasser in ein Bassin zu fallen scheint. Es könnte sich um eine skulpturale Gliederung dieses Stützmauerteiles handeln, aber auch um einen wirklichen Wasseraustritt. Da eine so hohe Fontäne im Garten betrieben werden konnte, liegt die Vermutung nahe, daß dieses aufsteigende Wasser später als Anordnung von Wasserfällen aus der Stützmauer heraustritt, bevor es wieder zur Bildung der Fontäne zurückgepumpt wird.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Gartenanlagen auf dem riesigen langgestreckten Grundstück, sind sehr ausgedehnt und ergaben einen so großen Landschaftspark, daß Besucher dieser Anlage reichlich zu gehen hatten, wenn sie alles erkunden wollten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Karl-Ludwig Diehl&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Anmerkungen:&lt;br /&gt;(1)-(3) zitiert aus: F.X.Eichheim: Beschreibung des Landhauses der Freifrau von Bayrstorf bei Starnberg. S.222-224 und Zeichnungen auf Blatt CXXXVI in: Allgemeine Bauzeitung. Wien, 1837. S.222&lt;br /&gt;(4) zitiert aus: F.X.Eichheim, wie vor, S.223&lt;br /&gt;(5)-(6) zitiert aus: F.X.Eichheim, wie vor, S.224&lt;br /&gt;(7) zitiert aus: F.X.Eichheim, wie vor, S.223&lt;br /&gt;(8)-(9) zitiert aus: F.X.Eichheim, wie vor, S.224&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6835589152084916324-3222457214477100549?l=strukturellebaugeschichte.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://strukturellebaugeschichte.blogspot.com/feeds/3222457214477100549/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6835589152084916324&amp;postID=3222457214477100549' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6835589152084916324/posts/default/3222457214477100549'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6835589152084916324/posts/default/3222457214477100549'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://strukturellebaugeschichte.blogspot.com/2009/12/auswertung-der-aufsatze-zu-den-im_02.html' title='Auswertung der Aufsätze zu den im 19.Jahrhundert errichteten Bauwerken: ein Landhaus bei Starnberg über dem Ufer des Würmsees'/><author><name>Karl-Ludwig Diehl</name><uri>http://www.blogger.com/profile/11909949692992381573</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='31' height='32' src='http://3.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SOuBUB0BTyI/AAAAAAAAAAo/mQx-tvh1B6k/S220/Selbstporträt.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://4.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxaOYUpC2vI/AAAAAAAACPQ/eRKtram5WE8/s72-c/Starnberg+1.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6835589152084916324.post-9101650731770408055</id><published>2009-12-02T07:09:00.000-08:00</published><updated>2009-12-02T07:36:39.066-08:00</updated><title type='text'>Die Treibhäuser im naturhistorischen Museum im Paris der Biedermeierzeit</title><content type='html'>&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://2.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxaIIF1xZVI/AAAAAAAACOg/7gTxQEiXXYY/s1600-h/Treibhaus+Paris+1.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 351px;" src="http://2.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxaIIF1xZVI/AAAAAAAACOg/7gTxQEiXXYY/s400/Treibhaus+Paris+1.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5410661674920273234" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Das naturhistorische Museum in der Stadt Paris hat Anfänge, die in das 17.Jahrhundert zurückreichen. Es dürfte sich lohnen, die Geschichte dieses Museums genauer zu verfolgen. Ein Text aus der Biedermeierzeit kann ausgewertet werden, der einen kurzen Abriß der Anfänge dieses Museums gibt:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Diese Anstalt wurde im Jahre 1635 unter der Benennung Jardin du Roi (Königsgarten) begründet und der Botanik gewidmet, kam aber bis zum Jahre 1732 sehr in Verfall, bis sie im Jahre 1739 dem berühmten Buffon anvertraut worden war." (1)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Buffon war sehr rührig, trotzdem war noch viel zu tun:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Der Garten, gegen Morgen von der jetzigen Baumschule, gegen Mitternacht von den Treibhäusern, und gegen Abend von den Gallerien der Naturgeschichte begränzt, enthielt noch öde Plätze, und man sah weder Alleen noch andere regelmäßige Anpflanzungen." (2)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als er im August 1788 verstarb, waren bereits Alleen angelegt und viele andere Einrichtungen geschaffen worden. Der Garten erlebte in der Revolutionszeit sicherlich große Veränderungen in der Verwaltung, auch wurde er umbenannt. Bis zum Jahre 1833 war das Gelände erheblich erweitert worden. Aus den 14 1/2 ha Landfläche war bis zum Jahre 1833 bereits eine von 27 ha geworden. Im diesem Jahre begannen auch wichtige Baumaßnahmen:&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://1.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxaIPqzSyLI/AAAAAAAACOo/-Mm8lU4Xt5Q/s1600-h/Treibhaus+Paris+2.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 291px;" src="http://1.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxaIPqzSyLI/AAAAAAAACOo/-Mm8lU4Xt5Q/s400/Treibhaus+Paris+2.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5410661805101074610" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;"Zu dieser Zeit wurden die Gallerien der Naturgeschichte um ein Stockwerk erhöht, und deren Länge wurde beinahe verdoppelt. Man errichtete das große temperierte Glashaus, drei warme Treibhäuser, die Rotunde, das große Gebäude für die wilden Thiere, die Fasanerie, das Vogelhaus für die Raubvögel, die Werkstätte an der Seinestraße, und drei halbrunde Laboratorien um das große Amphitheater herum." (3)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Konvent hatte deutliche Veränderungen herbeigeführt, welche die Regierung vom Jahre 1833 zu einem guten Ende bringen wollte, sodaß&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"im Jahre 1833 die Regierung beschloß, eine so kostbare Anstalt zu beendigen." (4)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es kam zu einer Kreditaufnahme, um alle Erweiterungen und Ausbauten vornehmen zu können. Außerdem wurde eine Delegation nach England geschickt, die erforschen sollte, wie dort die modernen Treibhäuser aufgebaut und betrieben werden, um das naturhistorische Museum mit modernen Bauten solcher Art ausstatten zu können. (5)&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://2.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxaIuHHlrgI/AAAAAAAACOw/5wg0lCd71Uk/s1600-h/Treibhaus+Paris+3.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 210px;" src="http://2.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxaIuHHlrgI/AAAAAAAACOw/5wg0lCd71Uk/s400/Treibhaus+Paris+3.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5410662328098467330" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;"Die bei dieser Gelegenheit gemachten Beobachtungen wurden benützt, um nach der Rückkehr von dieser Reise die Pläne festzustellen, welche hierauf auch in Ausführung gebracht wurden." (6)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Genau um diese Treibhäuser, die nach der Forschungsreise der französischen Delegation nach England aufgebaut wurden, soll es hier gehen. Die Planungen beruhen auf den erarbeiteten Kenntnissen von "Karl Rohault jun." und des "Herrn von Mirbel, Mitglied des französischen Instituts und Professor der Pflanzenkultur bei dieser Anstalt". Die Allgemeine Bauzeitung beschreibt die Treibhäuser so:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Diese Treibhäuser nehmen eine Terrasse ein, die in der Mitte durch einen sanften Abhang getrennt ist, und bestehen aus zwei großen Pavillons, jeder von 20 Metres Länge und 15 Metres Höhe, an welche sich die Gallerien mit zwei Stockwerken unmittelbar anschließen, wie aus dem Uebersichtsplane ersichtlich wird." (7)&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://2.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxaI47a-ajI/AAAAAAAACO4/yPKP88FSOiU/s1600-h/Treibhaus+Paris+4.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 346px; height: 235px;" src="http://2.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxaI47a-ajI/AAAAAAAACO4/yPKP88FSOiU/s400/Treibhaus+Paris+4.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5410662513937115698" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Der Übersichtsplan birgt allerdings Probleme. Es ist nicht in jedem Fall auszumachen, wo sich die Orte befinden, die im Text angeführt sind, da die Ziffern auf dem Plan nicht immer genau lesbar sind. Es wird zwischen Treibhäusern unterschieden, die bereits aufgebaut sind, und solchen, deren Bau noch erfolgen soll. Im Übersichtsplan der großen Anlage wird in der Legende unterschieden zwischen Treibhäusern, "ausgeführt von 1834 bis 1836", und es gibt: "Noch unvollendete Treibhäuser".&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sieht man sich den Grundriß an, der von einem der großen Treibhäuser dem Aufsatz aus der Biedermeierzeit beigegeben ist, entdeckt man ein großes und hohes Glashaus über einem großen Treibkasten. Daneben liegen Streifen übereinander aufgebauter "überbogter Treibhäuser", vor denen eine weitläufige Terrasse ausgebreitet wurde. In den ebenfalls vorhandenen Schnitten durch das Treibhaus werden die Anordnungen der Geschoße deutlich.&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://4.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxaJDqkJHOI/AAAAAAAACPA/eop0n3t1nUo/s1600-h/Treibhaus+Paris+5.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 249px;" src="http://4.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxaJDqkJHOI/AAAAAAAACPA/eop0n3t1nUo/s400/Treibhaus+Paris+5.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5410662698390723810" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;"Der große Pavillon und die übrigen Treibhäuser sind durch ein Vorhaus, welches einen kleinen, gleichfalls mit Glasfenstern bedeckten Pavillon enthält, und durch eine steinerne Treppe getrennt, die bis zum ersten Stock und zum Balkone führt. Die Gallerien von zwei Stockwerken nehmen den ganzen Raum zwischen dem Vorhause und der grossen Stiege, von der Seite des Kabinets, ein, von dem sie durch ein anderes Vorhaus und durch eine Treppe getrennt sind." (8)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eingespannt zwischen Treppenhäusern für das Publikum liegen also Treibhausterrassen übereinander. An dem einen Ende wurde das große Glashaus vorgebaut. Zu den glasüberdachten Treibhausterrassen ist gesagt:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Diese Gallerien, deren Glasfenster durch gebogenes Eisen getragen werden, stoßen an das Labyrinth, das sie gegen den Nordwind schützt. Die Gallerie des ersten Stockes ist unmittelbar an die Futtermauer angelehnt, und von einer Reihe von Schwibbögen getragen, welche in Nischen endigen. Das Mauerwerk ist von Bruchsteinen und hydraulischem Kalk konstruirt.&lt;br /&gt;Die Gallerie ebener Erde liegt vor den Höhlungen, die durch diese Gewölbe entstehen. Ein Verbindungsgang von Gußeisen liegt über der untern Gallerie, und dient den Glasfenstern zur Basis, welche selbst von einem Gange umgeben sind, der auf den Gipfel der Terrassenmauer führt. Luftklappen sind angebracht, um die Treibhäuser zu lüften. Alle Öffnungen und Fenster sind um Zapfen drehbar, und da sie in der Regel so eingerichtet sind, daß der Zapfen sich in der Mitte befindet, so bildet die eine Hälfte immer das Gegengewicht für die andere, und die Bewegung geht ungemein leicht von statten." (9)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das große Gewächshaus hat nicht nur eine stattliche Höhe, sondern muß auch gut beheizt werden. Die Temperatur darf der empfindlichen Tropenpflanzen wegen nie unter 15 Grad Celsius sinken. Jede Anordnung dieser Treibhausareale hat solche großen Gewächshäuser:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Die Pavillons, auf drei Seiten, so wie auf dem Dache eingeglaset, werden bis zur Höhe der Spannriegel durch St.Andreaskreuze gehalten, und ruhen auf Mauern von 1 Metre Dicke, entgegengestützt durch die Gebäude, wo sich die Heizungsvorrichtungen befinden. Die Mitte des westlichen Pavillons ist zwei Metres tief ausgehöhlt, um die Kübel der Pflanzen aufzunehmen, deren Stock im Niveau mit dem Boden der innern Gänge steht.&lt;br /&gt;Dieser Pavillon umfaßt die Palmbäume und die tropischen Pflanzen, welche die meiste Wärme verlangen. Seine Temperatur darf nie unter 15 Grade des hundertgradigen Thermometers herabfallen. Ein Treibkasten ist bei der Hauptmauer über dem Boden errichtet worden, um die Schlingpflanzen zu erhalten, die sich längs einem eisernen Gitter hinziehen. In der mittlern Höhe dieser Mauer geht ein Balkon über die ganze Länge, und erleichtert das Studium, indem er die Gipfel der größten Pflanzen dem Auge näher bringt." (10)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es wird durch dieses Exzerpt deutlicher, wie das große und hohe Treibhaus aufgebaut und eingerichtet ist, damit seine Konstruktion haltbar ist und das Treibhaus im Sinne des Erhaltes der Pflanzen funktionieren kann. Ein Balkon wurde eingebaut, der es erlaubt, in Höhe der Wipfel der hohen Pflanzen nahe an die Gewächse heranzukommen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auf das gesamte glasüberdachte Areal gesehen, ergibt sich diese Varietät:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Einige Abtheilungen enthalten Treibkästen über dem Boden, andere im Boden liegende, andere eiserne Stufen, welche die Pflanzen den Glasfenstern näher bringen. Diese Treibkästen sollen durch innere Dampfröhren geheizt werden. Wasserbecken sind in jede Abtheilung vertheilt. Durch die ganze Länge eines Treibhauses geht eine horizontale Röhre, welche oben fast in dem höchsten Theile des Hauses an der steinernen Rückwand angebracht, und mit einer Menge kleiner Löcher versehen ist. Da nun die Einrichtung besteht, daß man durch Röhrenleitungen Wasser bis in die höchsten Theile der Gebäude der Anstalt leiten kann, so ist auch diese Röhre immer mit Wasser gefüllt, und man befeuchtet, wenn man einen Hahn öffnet, durch ihren feinen Regen, die Pflanzen im ganzen Gebäude." (11)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Ablassen des Dampfes, das von Rohault und von Mirbel bei ihrer Forschungsreise durch die englischen Treibhäuser als sehr nützlich erkannt wurde, hat man also auch in den Neubauten im naturhistorischen Museum in der Stadt Paris vor sich. Feiner Regen rieselt also auch in Paris über die tropischen Pflanzen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Interessant sind genauso die Gewölbe im rückwärtigen Teil "der überbogten Treibhäuser":&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Die Gewölbe in dem hintern Theile der überbogten Treibhäuser wurden nur aus Gußmörtel verfertigt, der in einer Dicke von 9 Zoll auf Lehrgerüsten aufgetragen wurde, und hier besonders gute Dienste leistet, da die Mauern theils wegen der Erde, die auf der einen Seite bis zu den höchsten Theilen des Gebäudes herauf liegt, theils wegen der Ausdünstung der Pflanzen immer feucht sind. Auf diesen Gewölben sind an einigen Theilen sogar nicht unbedeutend hohe Wände oder Pfeiler aufgeführt, und auf anderen ruht eine bedeutende Masse Erde, in der die Pflanzen stehen." (12)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schon Buffon hatte Treibhäuser erbauen lassen. Sie waren "von Holz" und inzwischen "in schlechtem Zustand". In den 1830er Jahren wünschte man sie zu ersetzen. Es ist sicherlich angebracht, sie irgendwann genauer in Erfahrung zu bringen. Man hatte lange überlegt, wie man die neuen und großen Treibhäuser beheizen soll, und entschloß sich dann, eine Dampfheizung einzubauen, "wie in dem grossen Glashauses zu Loddiges bei London". Dieses Londoner Treibhaus funktionierte seit 18 Jahren hervorragend. Auf dieser Erfahrung wollte man aufbauen. In Paris brachte man die Heizungsanlage hinter dem westlichen Pavillon unter.&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://4.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxaJR9Ig1KI/AAAAAAAACPI/cPlTSTgau8M/s1600-h/Treibhaus+Paris+6.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 369px;" src="http://4.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxaJR9Ig1KI/AAAAAAAACPI/cPlTSTgau8M/s400/Treibhaus+Paris+6.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5410662943893279906" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;"Die Röhrenöfen und zwei Dampfkessel dienen zur Erzeugung der Wärme; erstere sind in einem Keller angebracht, der hinter dem westlichen Pavillon sich befindet. Die Luft tritt am Boden kalt hinzu, erwärmt sich, indem sie die von der Flamme umgebenen Gußröhren durchzieht, erhebt sich in den obern Theil des Kellers, und kömmt im Ueberflusse in die Treibhäuser, nahe bei den Glasfenstern, mit einer Temperatur von ungefähr 50 Grad." (13)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Lage der Dampfkessel ist etwas genauer erörtert:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Die zwei Kessel befinden sich zu ebener Erde unter den Röhrenöfen - der Dampf wird durch kupferne Röhren in gußeiserne Heizröhren geführt, die so gestellt sind, daß sie in jedes Glashaus die Temperatur bis zum erforderlichen Grade bringen." (14)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man hat die Neigungen der Rohre so austariert, daß das kondensierte Wasser leicht zurückfließen kann. Weil sich die Rohre ausdehnen, da Hitze und Abkühlung Bewegung in das Material bringen, wurden "einfache Vorrichtungen" geschaffen,&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"welche die Bewegung der Röhren, die ihrer Länge nach auf beweglichen Unterlagen ruhen, erleichtert." (15)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zum Abschluß sei noch erwähnt, daß die "neuern Treibhäuser" an der Stelle errichtet wurden, wo sich die alten befanden. Als man diese alten Bauwerke abriß, mußte für die Unterbringung der empfindlichen Pflanzen gesorgt werden. Besondere Probleme beim Neubau der Treibhäuser gab es auch. Da der Untergrund von Paris, ein Kalkgestein, durch Steinbrüche ausgehöhlt ist, hatte man bei der Fundamentierung der großen neuen Treibhausbauten so manche technische Schwierigkeit zu überwinden. In Paris war man hingegangen und hatte sich das Baumaterial aus Steinbrüchen unter der Stadt gebrochen. Weite Teile von Paris sind deswegen unterhöhlt. Somit befinden sich auch Höhlungen unter dem Areal des naturhistorischen Museums dieser Stadt. Es erstaunt immer wieder, auf welche Probleme beim Bau von Gebäuden Rücksicht zu nehmen war.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Karl-Ludwig Diehl&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Anmerkungen:&lt;br /&gt;(1) zitiert aus: o.A.: Ueber das naturhistorische Museum (Jardin du Roi, auch Jardin des plantes) in Paris. S.264-266; S.271-274; S.280-283; S.288-289 und Zeichnungen auf den Blättern S.266, S.282, S.288 und CXLVI in Allgemeine Bauzeitung. Wien, 1837. S.264&lt;br /&gt;(2)-(4) zitiert aus: o.A., wie vor, S.265&lt;br /&gt;(5) siehe dazu: Karl-Ludwig Diehl: Auswertung der Aufsätze zu den im 19.Jahrhundert errichteten Bauwerken: Forschungen zu englischen Treibhäusern der Biedermeierzeit. (Im Blog Baugeschichte verfügbar). siehe außerdem in: o.A., wie vor, S.271&lt;br /&gt;(6)-(7) zitiert aus: o.A., wie vor, S.271&lt;br /&gt;(8)-(11) zitiert aus: o.A., wie vor, S.272&lt;br /&gt;(12)-(13) zitiert aus: o.A., wie vor, S.273&lt;br /&gt;(14)-(15) zitiert aus: o.A., wie vor, S.274&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6835589152084916324-9101650731770408055?l=strukturellebaugeschichte.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://strukturellebaugeschichte.blogspot.com/feeds/9101650731770408055/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6835589152084916324&amp;postID=9101650731770408055' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6835589152084916324/posts/default/9101650731770408055'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6835589152084916324/posts/default/9101650731770408055'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://strukturellebaugeschichte.blogspot.com/2009/12/die-treibhauser-im-naturhistorischen.html' title='Die Treibhäuser im naturhistorischen Museum im Paris der Biedermeierzeit'/><author><name>Karl-Ludwig Diehl</name><uri>http://www.blogger.com/profile/11909949692992381573</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='31' height='32' src='http://3.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SOuBUB0BTyI/AAAAAAAAAAo/mQx-tvh1B6k/S220/Selbstporträt.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://2.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxaIIF1xZVI/AAAAAAAACOg/7gTxQEiXXYY/s72-c/Treibhaus+Paris+1.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6835589152084916324.post-8538446699288371274</id><published>2009-12-01T16:57:00.000-08:00</published><updated>2009-12-01T17:13:04.783-08:00</updated><title type='text'>Auswertung der Aufsätze zu den im 19.Jahrhundert errichteten Bauwerken: Forschungen zu englischen Treibhäusern der Biedermeierzeit</title><content type='html'>&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://3.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxW_FIKT2VI/AAAAAAAACOY/ue5vKzwwC_Y/s1600/Treibhaus+Engl+1.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 240px;" src="http://3.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxW_FIKT2VI/AAAAAAAACOY/ue5vKzwwC_Y/s400/Treibhaus+Engl+1.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5410440622166497618" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;In der Biedermeierzeit gab es ein großes Interesse am Thema Treibhäuser. Es wäre interessant zu wissen, wieviele damals gebaut wurden, und seit wann es sie gab. In einem Aufsatz vom Jahre 1837 wird beschrieben, daß die französische Regierung im Jahre 1833 den Beschluß gefaßt hatte, eine Delegation nach England zu schicken, um sich Wissen davon anzueignen, wie die zur Vollkommenheit gebrachten Treibhäuser erbaut sind und unterhalten werden. Aufgrund dieser Forschungsreise entstanden kurz darauf die Treibhäuser im naturhistorischen Museum in Paris. Über die Bauanlagen dieses Museums wurde im Jahre 1837 in der Allgemeinen Bauzeitung berichtet, die damals im 2.Jahrgang in Wien erscheinen konnte. Kurz darauf gab dieselbe Fachzeitung diesen Hinweis:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Da die im naturhistorischen Museum von Hrn.C.Rohault errichteten, bereits von uns beschriebenen Treibhäuser ein Resultat seiner in England gemachten Erfahrungen sind, so dürfte es für unsere Leser interessant sein, wenn die Bemerkungen der Herren C.Rohault und Mirbel über die englischen Treibhausanlagen hier mitgetheilt werden, um so mehr, als sie von Beschreibungen des Vorzüglichsten in dieser Art, so wie der zweckmäßigsten Vorrichtungen zur Zucht der Pflanzen begleitet sind, und als diese Beschreibungen sich nur auf Gegenstände beziehen, welche die Reisenden selbst zu sehen Gelegenheit hatten." (1)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gleich eingangs im Aufsatz werden wir darüber informiert, daß die modernen Gewächshäuser in England aus gebogenen Eisenteilen bestehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Fast an allen, gegenwärtig in England erbauten Treibhäusern, findet man die Träger für die Fensterrahmen von gewalztem Eisen." (2)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man hatte also in der Biedermeierzeit das Material Eisen für den Bau der Treibhäuser entdeckt. Der Vorteil dieses Materials lag auf der Hand.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Diese eisernen Träger bieten der Einwirkung der Sonnenstrahlen wenig Hindernisse dar, und sind bei ihren geringen Querschnitts-Dimensionen leicht, und ohne besondere Kostenvermehrung herzustellen." (3)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es konnte also sehr filigran gebaut werden, um Traggerüste für die Auflage von Glasplatten zu erhalten. Aber man konnte auch bei gewalztem Eisen leichte Formgebung betreiben und zu Verbesserungen gelangen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Man hat an der Form der Glaswand eine wesentliche Verbesserung angebracht; sie besteht darin, daß den eisernen Falzenrahmen eine gekrümmte Gestalt gegeben wurde." (4)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wozu diese gekrümmte Gestalt diente, wurde erklärt:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Auf diese Weise bietet die Glaswand der Sonne eine zylindrische Oberfläche dar, welche nach und nach, durch die Dauer der ganzen Tageszeit, ihre Strahlen fast normal auf jeden Theil der Krümmung empfängt. Die Temperatur im Glashause ist gleichförmiger, als bei gerader Gestalt der Glaswand, denn in diesem Falle wirkt nur dann die gesammte Wärme ein, wenn die Strahlen der Sonne senkrecht auf die Ebene der Glaswand fallen; jedoch zu jeder andern Zeit vor und nach dem Eintritte dieser Richtung geht ein großer Theil der Sonnenhitze für die Erwärmung des Glashauses durch die Reflexion der Strahlen verloren." (5)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man hat also, in der Meinung, die Sonneneinstrahlung dadurch verbessern zu können, auf den wechselnden Sonnenstand Rücksicht genommen und der Glasfläche des Gewächshauses eine immer wechselnde Lage zur Sonne verliehen. Erzielt wurde dabei noch ein anderer Effekt:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Die gekrümmte Gestalt der eisernen Falzträger vermehrt die Eleganz der Konstrukzion, und gestattet eine Verminderung ihrer Querschnitts-Dimensionen, ohne der Festigkeit Eintrag zu thun." (6)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Formgebung "der eisernen Falzträger" ergab die Möglichkeit, die Walzeisenteile sehr filigran werden zu lassen. Dadurch ließ sich die Glasfläche des Treibhauses vergrössern und die Verschattung durch die Tragstruktur erheblich mindern. Es stellt sich die Frage, wie man damals diese Walzeisen in die genaue gebogene Form dieser Tragstruktur brachte. Dieser Satz suggeriert, daß die Formgebung sehr leicht vonstatten ging:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Man erreicht diese gekrümmte Form auf eine sehr einfache Weise, ohne Anwendung irgend einer Maschine." (7)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die französischen Forschungsreisenden hatten Glück. Sie fanden jemanden, der ihnen zeigte, wie sich die Falzträger aus gewalztem Eisen sehr einfach in Form bringen liessen. Dieser Hinweis erleichterten ihnen das Verständnis vom Bau der Konstruktion der Treibhäuser erheblich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Alle diese eisernen Bestandstücke sind sehr weich; sie werden kalt bearbeitet und mit Hammerschlägen gekrümmt, worin die Arbeiter eine besondere Fertigkeit besitzen." (8)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man darf annehmen, daß die Arbeiter an einem genauen Muster alle gefertigten Teile prüften. Um die Krümmung leichter zu erreichen, werden sie vielleicht eine Vorrichtung gehabt haben, auf der sich die Krümmung einfach einschlagen ließ.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Den Franzosen wurde auch bewußt gemacht, daß die Fälze dieser zusammensetzten Traggerüste sehr schmal sind. Sie berichteten:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Hier fällt besonders die geringe Größe der Fälze in die Augen. Solche verursachen zwar einige Schwierigkeiten bei der Festlegung der Scheiben, allein sie gewähren den Vortheil, daß die eisernen Falzträger nicht unnützer Weise breite Schatten werfen." (9)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man kann sich den Querschnitt solcher Falzträger anhand der Zeichnungen vor Augen führen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es wurden in England Treibhäuser entwickelt, die auf die Art der Pflanzen Rücksicht nehmen, die in ihnen gedeihen sollen. Da das so war, konnten die Forschungsreisenden aus Frankreich ganz unterschiedliche Treibhäuser aufsuchen und sich davon ein Bild machen. Sie fanden auch heraus, wie solche Treibhäuser beheizt wurden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Die in den englischen Treibhäusern gebräuchlichen Heizungsarten sind folgende:&lt;br /&gt;1) Man benützt die Hitze, welche beim Durchgange des Rauches durch Kanäle oder Röhren von Ziegeln frei wird.&lt;br /&gt;2) Man leitet Wasserdämpfe durch gußeiserne Kondensazionsröhren.&lt;br /&gt;3) Man verursacht eine Zirkulazion des warmen Wassers in gußeisernen Röhren, welche zirkulirende Bewegung durch die Störung des Gleichgewichts, vermöge der verschiedenen Dichtigkeit des Wassers bei verschiedener Temperatur, bewirkt wird.&lt;br /&gt;4) Man läßt über den Siedepunkt erhitztes Wasser in schmiedeeisernen Röhren von sehr geringem Durchmesser, jedoch von hinreichender Stärke, um diesem hohen Drucke zu widerstehen, zirkuliren." (10)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Diese vier Heizungsmethoden lassen sich in einer gewissen Verbreitung in unterschiedlichen Regionen auffinden. Sie haben auch ihre jeweilige Geschichte, der man genauer nachgehen müßte. Ein Hinweis findet sich im Text vom Jahre 1837:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Die Heizung mittelst Rauch ist die älteste von diesen vier Methoden; man bediente sich derselben bis jetzt in dem Museum der Naturgeschichte zu Paris, sie wird in den Treibhäusern der Gärten zu Kew, und in denen einiger Privaten zu London angewendet." (11)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zugleich ist diese Heizungsart uneffektiv und eigentlich nur billig herzustellen. Die Nachteile sind deutlich herausgearbeitet worden:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Hierher gehören: der bedeutende Aufwand an Brennmaterial, die beständigen Reparaturen an Oefen und Rauchkanälen, ihre geringe Wirksamkeit, die Gefahr des Rauchens im Glashause, wodurch alle zarteren Pflanzen verderben; endlich die höchst ungleiche Verbreitung der Wärme, durch welche die Pflanzen in der Nähe des Ofens beinahe versengt werden, während in einiger Entfernung vom Ofen die zu ihrer Erhaltung nöthige Temperatur nicht zu erzielen ist." (12)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man ist also genötigt, mehrere Öfen in Betrieb zu halten, wird im Text erläutert. Ist ein solches Heizsystem eingerichtet, so behalte man es in der Regel bei, weil der Betreiber des Gewächshauses die Unkosten des Umbaues scheue.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die zweite Heizungsart, also das Heizen mit Wasserdampf, sei zwar effektiv, besonders "für warme Häuser im Großen", aber "der Uebelstand" bestehe darin, daß sich im Treibhaus kein "beständiger Wärmebehälter" befinde. Gemeint sind die Treibhäuser des Herrn Loddiges. Sobald kein heißer Dampf in den Röhren zirkuliere, würden die Rohre sofort erkalten. Das erzwinge ein ständiges Befeuern der Heizkessel. Bei Lord Powis habe man diesen Mißstand dadurch beseitigt, indem man die Dampfröhren in einen Wasserbehälter geleitet habe, was zur Aufwärmung des Wassers führte, wodurch der Wasserbehälter Wärme in den Raum abgab, falls kein heißer Dampf zirkulierte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Karl Ritter, der sich als ungarischer "Garten-Direktor" mit dem Beheizen von Treibhäusern zu beschäftigen hatte, sah sich ebenfalls in England um. Bald stieß er auf Treibhäuser, in denen mit einer Dampfheizung geheizt wurde.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Weil die Pflanzen in feuchter, warmer Luft, mit Licht und Schatten abwechselnd, am besten gedeihen (dieses sieht man am deutlichsten in den Tropenländern, wie z.B. in Süd-Amerika), so kamen die Engländer auf den Einfall, einen Apparat zu verfertigen, der Wärme und Feuchtigkeit zugleich entwickelt, um sonach die Pflanzen in Treibhäusern im Wachsthum mehr zu fördern, was ihnen auch theilweise gelang. Sie wendeten nämlich die Dampfheizungen an." (13)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Beschreibungen von Ritter sind einigermaßen wertvoll, da er ziemlich genau beschreibt, wie diese Heizungsart in den Treibhäusern angewendet wird.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Es wird /.../ in einem Kessel Wasser durch Feuer erhitzt und der hierdurch entstehende Dampf in gußeisernen Röhren durch alle Theile des Treibhauses geleitet. Diese Röhren gingen auch vorn an den Fenstern vorbei, wo sie am zweckmäßigsten angewendet wurden; bei Tropenpflanzen-Treibhäusern führte man sie zwischen den Pflanzenbretern durch. An diesen Röhren nun befinden sich Pippen (Hähne), die geöffnet werden oder geschlossen bleiben können. Sind sie geschlossen, so verbreitet sich eine, für Pflanzen sehr gedeihliche, Wärme; öffnet man aber eine der Pippen, so strömt der Dampf heraus und verursacht auf den Pflanzen einen solchen Thau, daß die Blätter bald nachher mit tausend glänzenden Thautropfen bedeckt sind. Die Engländer haben vielen Erfolg von dieser Methode gehabt, und wenden dieselbe auch noch an. Die großen königl. Wein- und Pfirsisch-Treibereien in Kinsington-Garden werden noch jetzt durch Dampf geheizt, und zwar mit einem Dampf-Apparate, welcher in einem abgesonderten Hause steht. Der Dampf wird von da durch Röhren, welche unter der Erde fortlaufen, in mehrere Treibhäuser zugleich geleitet." (14)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man war also in der Biedermeierzeit in England bereits in der Lage, mehrere Treibhäuser gleichzeitig mit Dampf zu beheizen. Ritter schildert auch ein Treibhaus in Bruck an der Leitha, das bereits über eine Dampfheizung verfügte. Das Personal habe es jedoch nicht verstanden, mit diesem Heizsystem umzugehen. Die Folge war, daß die wertvollen Pflanzen in Bruck verfaulten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die dritte Beheizungsart, also die Beheizung durch zirkulierendes warmes Wasser, sei von den Engländern bei dem Franzosen Bonnemain kopiert worden. Man wende diese Art zu heizen in England "in allen, gegenwärtig von Privaten errichteten Treibhäusern an". Die Vorteile lägen auf der Hand. Das Schicksal des Erfinders war wohl schlimm, denn Rohault und Mirbel geben dazu Nachricht:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Die Heizung mit warmen Wasser wurde von einem Franzosen, Namens Bonnemain, einem äußerst scharfsinnigen Manne, erfunden. Dieser erntete jedoch die Früchte seiner Entdeckung nicht, da er 1830 in einem Alter von 80 Jahren in Armuth starb." (15)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wie die Engländer vorgingen, wird so geschildert:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Die Engländer, mit mehr Ausdauer, und insbesondere mit mehr pekuniären Kräften begabt als die Franzosen, bemächtigten sich der Erfindung des Bonnemain, wendeten diese Heizmethode in allen, gegenwärtig von Privaten errichteten Treibhäusern an, und fanden dieselbe in jeder Gestaltung gleich vortheilhaft." (16)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man war jedoch mit der Wirksamkeit der Heizung dort unzufrieden, wo für die Pflanzen eine höhere Raumtemperatur benötigt wurde. Dies führte zu Experimenten, mit sehr hoher Temperatur des Wassers in den Röhren zu arbeiten. Jedoch kam es zu Unfällen:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Allein bei diesem Systeme ist man vielen Gefahren und Unfällen unterworfen, insbesondere aber dem Bersten der Leitungsröhren, wodurch das Verlöschen des Feuers, Beschädigung des Ofens und Zerstörung der Pflanzen herbeigeführt wird. Man hat demnach für jetzt der Anwendung dieser Heizart entsagt, fährt aber fort, darüber Versuche zu machen. So wurden den Reisenden Modelle hievon bei Herrn Loudon und im Hortikulturgarten vorgewiesen." (17)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Warmwasserheizungen reichten, so sagen uns Rohault und Mirbel, in den Treibhäusern nicht für alle Pflanzen aus. Fuhr man diese Heizungen mit zu hoher Wassertemperatur, konnten sich die Warmwasseranlagen selbst zerstören. Sie kamen zu dem Schluß, daß Dampfheizungen zu diesem Zeitpunkt, also in der Biedermeierzeit um das Jahr 1833, noch die effektivste und sicherste Heizungsart für Treibhäuser seien. Wenn man es verstand, sie richtig einzusetzen, seien sie derzeit optimal. Sie sagen aber auch, daß in England über Warmwasserheizungen geforscht wurde, die auch sicher bei hohen Temperaturen betrieben werden können. Prototypen davon sahen sie in England:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"So wurden den Reisenden Modelle hievon bei Herrn Loudon und im Hortikulturgarten vorgewiesen." (18)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dadurch also, daß die Holzkonstruktionen der Treibhäuser durch Eisenkonstruktionen ersetzt wurden, kam es in England zum Bau filigraner Tragwerke für das Auflegen der Glasplatten. Außerdem wurde nach dem effektivsten Beheizungssystem für die Treibhäuser gesucht. Von den vier Beheizungsarten, die angewandt wurden, erwies sich, laut Rohault und Mirbel, die Dampfheizung bis dato am effektivsten. Die Entwicklung ging jedoch rasch weiter. Es empfiehlt sich, die gesamte Entwicklung der Treibhäuser genauer zu verfolgen. Neben den technischen Entwicklungen, die sich in den Treibhausbauten repräsentieren, ist der Baustilentwicklung beim Treibhausbau nachzugehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Karl-Ludwig Diehl&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Anmerkungen:&lt;br /&gt;(1)-(4) zitiert aus: C.Rohault, Mirbel: Ueber englische Treibhäuser. (Der Text wurde von der Redaktion der Allgemeinen Bauzeitung übersetzt und überarbeitet. Der Text enthält also Abänderungen und Erweiterungen durch die Redaktion.) S.395-400; S.403-408 und Zeichnungen auf den Blättern CLXXIII, CLXXIV und CLXXV in: Allgemeine Bauzeitung. Wien, 1837. S.395&lt;br /&gt;(5) zitiert aus: C.Rohault/Mirbel, wie vor, S.395f.&lt;br /&gt;(6)-(7) zitiert aus: C.Rohault/Mirbel, wie vor, S.396&lt;br /&gt;(8)-(9) zitiert aus: C.Rohault/Mirbel, wie vor, S.404&lt;br /&gt;(10)-(12) zitiert aus: C.Rohault/Mirbel, wie vor, S.396&lt;br /&gt;(13)-(14) zitiert aus: Karl Ritter: Ueber die Warmwasser-Heizungsmethode in Treibhäusern. S.99-100 in: Allgemeine Bauzeitung. Wien, 1836. S.100&lt;br /&gt;(15)-(16) zitiert aus: C.Rohault/Mirbel, wie vor, S.396&lt;br /&gt;(17)-(18) zitiert aus: C.Rohault/Mirbel, wie vor, S.397&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6835589152084916324-8538446699288371274?l=strukturellebaugeschichte.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://strukturellebaugeschichte.blogspot.com/feeds/8538446699288371274/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6835589152084916324&amp;postID=8538446699288371274' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6835589152084916324/posts/default/8538446699288371274'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6835589152084916324/posts/default/8538446699288371274'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://strukturellebaugeschichte.blogspot.com/2009/12/auswertung-der-aufsatze-zu-den-im_3572.html' title='Auswertung der Aufsätze zu den im 19.Jahrhundert errichteten Bauwerken: Forschungen zu englischen Treibhäusern der Biedermeierzeit'/><author><name>Karl-Ludwig Diehl</name><uri>http://www.blogger.com/profile/11909949692992381573</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='31' height='32' src='http://3.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SOuBUB0BTyI/AAAAAAAAAAo/mQx-tvh1B6k/S220/Selbstporträt.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://3.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxW_FIKT2VI/AAAAAAAACOY/ue5vKzwwC_Y/s72-c/Treibhaus+Engl+1.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6835589152084916324.post-8397470356045785649</id><published>2009-12-01T16:30:00.000-08:00</published><updated>2009-12-01T16:55:48.086-08:00</updated><title type='text'>Auswertung der Aufsätze zu den im 19.Jahrhundert errichteten Bauwerken: zwei Treibhäuser in Penzing</title><content type='html'>&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://2.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxW5m9qnvzI/AAAAAAAACNY/xpT07l_BqZo/s1600/Gew%C3%A4chshaus+1.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 124px;" src="http://2.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxW5m9qnvzI/AAAAAAAACNY/xpT07l_BqZo/s400/Gew%C3%A4chshaus+1.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5410434606395014962" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Ein Bankier ließ sich in der Biedermeierzeit zwei Treibhäuser errichten. Sie kamen in dem Park seiner Besitzung in Penzing zum Bau. Unweit lag damals schon das Schloß Schönbrunn mit seinen ausgedehnten Parkanlagen, die offensichtlich die Vermögenden im nahen Wien zur Nachahmung reizten. Dieser Bankier "Johann Mayer, Chef des Großhandelshauses J.H.Stametz und Kompagnie", bat die Architekten darum, sie in "Nachahmung des sogenannten Tudor-Styles" zu erbauen. Das erste Pflanzenhaus ist so beschrieben:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Das zuerst erbaute /.../ Treibhaus, wurde nach einem Entwurfe des Herrn Hofbaurathes Nobile ausgeführt, und enthält, neben dem Raume für die Gewächse, zu jeder Seite einen Pavillon, welcher sowohl mit dem letzteren, als mit dem Garten durch große Thüren in Verbindung steht, und durch die beiden Fenster zur Seite eine Aussicht auf die Blumengefilde des Gartens gestattet. Die Nischen in der Hinterwand sind ebenfalls wie Fenster dekorirt, enthalten jedoch statt der Glasscheiben Spiegeltafeln. Die Säulen zwischen den Fensterfeldern sind von Gußeisen." (1)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Betrachtet man die Zeichnungen zu diesem Treibhaus, so läßt sich ein Bauwerk entdecken, dessen langgestreckte Fassade zur Sonnenseite hin eine Bogenreihe aus fünfzehn Spitzbögen zeigt. An diesen Kernbau des Treibhauses schließen sich links und rechts Pavillons an, die als Vestibüle gebaut wurden. Sie erhielten als jeweilige Endbauten turmähnlichen Charakter, steigen aber nicht wirklich zur Höhe von Türmen auf. Mittig ist jeweils eine Toröffnung in Spitzbogenform eingelassen. Durch das riesige Türfenster gelangte man in das jeweilige Vestibül und konnte sich dann zur Seite wenden, um durch eine Türe das Gewächshaus zu betreten.&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://1.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxW5t5pSbQI/AAAAAAAACNg/W7fMB1BqnVo/s1600/Gew%C3%A4chshaus+2.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 164px;" src="http://1.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxW5t5pSbQI/AAAAAAAACNg/W7fMB1BqnVo/s400/Gew%C3%A4chshaus+2.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5410434725574765826" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Den Zeichnungen und dem Text vom Jahre 1838 ist zu entnehmen, über ein Heizsystem konnte man erwärmte Luft über Luftkanäle in das Gewächshaus leiten. Der Grundriß des Kellers zeigt zwei Öfen und die Anordnung der Luftkanäle wird auch aus dem Schnitt durch das Gebäude ersichtlich. Der relativ schmale Gang hinter dem verglasten Gewächshaus birgt eine Kellertreppe in halber Breite des Ganges. Über sie gelangt man zu einem eingewölbten Keller unter dem Gewächshaus, der nicht sehr ausgedehnt ist. Hier konnten die Öfen beheizt werden. Möglicherweise diente der lange Gang im Erdgeschoß zur Lagerung des Brennmaterials. An dem rechten Ende dieses Ganges läßt sich im Grundriß eine gewendelte Treppe erkennen. Denkbar ist, daß über diese Treppe zu einer Plattform gestiegen werden konnte, die sich über dem Vestibül auf dem gedrungenen Turm befindet, was eine Aussicht über den Garten ermöglich hätte. Dies spricht dafür, weil es in der Biedermeierzeit beliebt war, sich einen Belvedere zu schaffen.&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://2.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxW54zw_tEI/AAAAAAAACNo/rL08zDXd5hM/s1600/Gew%C3%A4chshaus+3.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 362px; height: 344px;" src="http://2.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxW54zw_tEI/AAAAAAAACNo/rL08zDXd5hM/s400/Gew%C3%A4chshaus+3.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5410434912975041602" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Die Decke über dem Pflanzenhaus zwischen den beiden flankierenden Türmen dürfte eingewölbt gewesen sein. Gebogene Hölzer der Pultdachkonstruktion scheinen der Formgeber für dieses Gewölbe zu sein. Die Raumüberdeckung über den Vestibülen war anders organisiert. Man hat unter der Holzkonstruktion des Daches eine bemalte Decke aufgebracht. Die Innenraumwirkung wurde durch sehr hohe neugotische Spitzbogentürfenster gesteigert, die als Dreiergruppe angeordnet wurden. Nur das mittlere Türfenster ist verglast und dient der Belichtung. Die seitlichen Türfenster sind als blinde Fenster gehalten und dienen als reine Schmuckformen. Auch im Gewächshaus befinden sich vielleicht blinde Fenster an der Rückseite des mit Pflanzen gefüllten Raumes:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Die Nischen in der Hinterwand sind ebenfalls wie Fenster dekorirt, enthalten jedoch statt der Glasscheiben Spiegeltafeln. Die Säulen zwischen den Fensterfeldern sind von Gußeisen." (2)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;War für das erste Gewächshaus der Architekt Nobile eingesetzt worden, so holte sich der Bankier für sein zweites Gewächshaus einen anderen Architekten:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Das zweite /.../ Treibhaus ist einige Jahre später erbaut, und von dem Architekten Herrn Schedel konstruirt worden. Es war Bedingung, einen Salon für größere Gesellschaften in der Mitte des Gebäudes so anzubringen, daß derselbe mit den Räumen für die Gewächse in Verbindung stehe, und außerdem noch zwei kleinere Glashäuser, für niedere Gewächse, zu beiden Seiten anzubringen. Im Uebrigen sollte auch hier eine Imitazion des normannischen Styles vorwalten." (3)&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://3.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxW6FHuz5EI/AAAAAAAACNw/xXcJU-KcQRw/s1600/Gew%C3%A4chshaus+4.1.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 102px;" src="http://3.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxW6FHuz5EI/AAAAAAAACNw/xXcJU-KcQRw/s400/Gew%C3%A4chshaus+4.1.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5410435124493018178" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Der Architekt Schedel bekam also die Vorgabe, einen Salon in die Mitte des Gewächshauses zu legen, damit hier größere Zusammenkünfte abgehalten werden konnten. Zugleich ist gesagt, daß der Tudorstil, also die Neugotik, von dem Bauherren als normannischer Baustil angesehen wurde, den er nach Österreich verpflanzt wissen wollte. Diese Neugotik, die mit diesem Bauwerk in Österreich zum Bau kam, hatte also in England ihren Ursprung bei diesem Gebäude. Der Text sagt nicht moderne Gotik oder Neugotik, sondern kennzeichnet ihn als Tudorstil oder normannischen Baustil.&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://2.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxW6Pxw3IFI/AAAAAAAACN4/Jpt8LlH_IlA/s1600/Gew%C3%A4chshaus+4.2.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 116px;" src="http://2.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxW6Pxw3IFI/AAAAAAAACN4/Jpt8LlH_IlA/s400/Gew%C3%A4chshaus+4.2.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5410435307574599762" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Bei Betrachtung des Grundrißes von diesem Gebäude läßt sich erkennen, daß der Salon, der zwischen den verglasten Treibhäusern liegt, an der Rückseite abgerundet wurde. Es sollte ein erhabener Raumeindruck entstehen. Die abgerundete Nische wurde neugotisch eingewölbt. Die übrige Raumüberdeckung des Salons ist jedoch horizontal gehalten. Zu den Treibhäusern hin wurden die Seitenwände mit hohen spitzbogigen Portalen versehen. Durch sie konnten die Gäste des Bankiers bei Gesellschaften zu den wertvollen Pflanzen schreiten und sich in Gesprächen ergehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;An die hohen Gewächshäuser, links und rechts des Salons, waren niedrige Gewächshäuser als Erweiterung angefügt worden. Der Höhenversprung läßt sich in den Schnitten sehr gut ersehen. An der Rückseite von den Pflanzenhäusern und dem Salon ist der bei Gewächshäusern offensichtlich übliche schmale Gang angefügt. Treppen führen von ihm aus in die Unterkellerung zu den Öfen, welche durch heißen Rauch den Luftstrom aufwärmten, welcher durch Heizungkanäle strömte und das Gewächshaus warm hielt, wenn die Heizperiode begann. Tagsüber trug das warme Sonnenlicht zur Aufwärmung der Luft in den Innenräumen bei. Die Heizung ist im Text so beschrieben:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Die Heizung geschieht durch Rauch, und die Leitungen bestehen aus viereckigen, aus Thon geformten und gebrannten Kästen. Anfänglich hatte man dieselben durchgängig hohl gelegt, doch hat man sich überzeugt, daß es besser sei, wenn sie mit der unteren Seite auf einem schlechten Wärmeleiter aufliegend, konstruirt würden. Auch möchte es anzurathen sein, dieselben von außen zu glasiren." (4)&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://2.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxW6azFzTqI/AAAAAAAACOA/YjkiquAKjRM/s1600/Gew%C3%A4chshaus+4.3.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 334px; height: 259px;" src="http://2.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxW6azFzTqI/AAAAAAAACOA/YjkiquAKjRM/s400/Gew%C3%A4chshaus+4.3.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5410435496909426338" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Im Unterschied zur Beheizungsart im ersten Gewächshaus, wo die Luft in Bodenhöhe aus den Wänden austrat, ließ man die warme Luft von oben in das verglaste Gewächshaus eindringen, dadurch fiel diese aufgewärmte Luft langsam bei Abkühlung nach unten. Vermutlich imitierte man damit die Wirkung der Sonnenwärme.&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://3.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxW6pG2fJlI/AAAAAAAACOI/W36k1aNFeF0/s1600/Gew%C3%A4chshaus+4.4.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 298px; height: 263px;" src="http://3.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxW6pG2fJlI/AAAAAAAACOI/W36k1aNFeF0/s400/Gew%C3%A4chshaus+4.4.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5410435742732068434" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Es bleiben, trotz Beschreibung und den beigegebenen Zeichnungen viele Unklarheiten, wie das Heizen bewerkstelligt wurde. Falls die beiden Treibhäuser noch bestehen, könnte man anhand der Gebäude selbst den Heizsystemen der Biedermeierzeit genauer nachgehen.&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://1.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxW606TqvgI/AAAAAAAACOQ/BrGjZFWHvCE/s1600/Gew%C3%A4chshaus+4.5.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 159px;" src="http://1.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxW606TqvgI/AAAAAAAACOQ/BrGjZFWHvCE/s400/Gew%C3%A4chshaus+4.5.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5410435945523232258" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Gußeisen wurde für Gesimse und Fensterelemente verwendet, oder sollte später an die Stelle von Holzteilen treten:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Sämmtliche Gesimse sind von Gußeisen, und nach Zeichnungen und unter Aufsicht des Herausgebers der allgemeinen Bauzeitung, auf den fürstlich Salm'schen Eisenwerken zu Blnasko in Mähren, welche unter der Leitung des verdienstvollen, und als Chemiker rühmlichst bekannten Herrn Dr.Reichenbach bedeutende Fortschritte machen, sehr sauber ausgeführt worden. Die langen Mittelständer und die Rahmen für die Verglasung sind zwar gegenwärtig noch von Holz, werden aber, da dasselbe durch die mannichfaltigen Einwirkungen des Klimas von außen her, und der Dünste von innen, bedeutend gelitten haben, in Kurzem auch durch eine passende Eisenkonstrukzion ersetzt werden." (5)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auch die Schmuckteile, die als Kranzgesims den Pavillon bekrönen, bestehen aus Eisenelementen. Um diese eisernen Bauteile zu schützen, wurde Ölfarbe aufgebracht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Sämmtliche Eisentheile des Gesimses sind mit hellsteingrauer Oelfarbe dreimal angestrichen. Die beiden ersten Anstriche haben einen Zusatz von Sand erhalten; nur der letzte, ziemlich dünne, ist mit reiner Oelfarbe gegeben worden. Diese Art der Färbung hat sich sehr gut erhalten, und das Ganze gleicht dem Sandsteine vollkommen." (6)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Durch Farbgebung mit Sandbeigabe wurde also bewirkt, daß die Eisenteile der Gesimse wie Sandstein zur Geltung gebracht wurden. Offensichtlich war man sowohl mit dieser Vortäuschung, als auch mit der Haltbarkeit der aufgebrachten Farbe in der Biedermeierzeit sehr zufrieden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Beide Bauwerke, im Tudorstil gehalten, dienten in Österreich damals sicherlich dazu, englische Gewächshauskultur von der Insel auf den Kontinent zu verpflanzen. Daß solche Gewächshäuser im Österreich der Biedermeierzeit dabei halfen, Gesellschaften einen prachtvollen Rahmen zu bieten, geht besonders aus der Anordnung des Salons in der Mitte des zweiten Gewächshauses hervor. Bei dem ersten Gewächshaus, das sich der Bankier in seinem Park in Penzing erbauen ließ, scheint man nur von der Villa aus Streifzüge zu dem Pflanzenhaus gemacht zu haben, um durch die prachtvollen Vestibüle zu den Pflanzen zu schreiten. Auch konnte man eventuell einen Belvedere auf einem der gedrungenen Ecktürme des Gewächshauses besteigen, um bei angenehmen Gesprächen die Umgebung zu betrachten. Das zweite Gewächshaus, sicherlich ganz repräsentativen Zwecken eines Geschäftsmannes gewidmet, ließ Gesellschaften inmitten des Pflanzenhauses zu. Wie diese arrangiert wurden, sagt uns der Text aus der Biedermeierzeit leider nicht. Man wird dazu Berichte von Gästen, Tagebücher, eventuell Zeitungsberichte oder auch ganz andere Dokumente heranziehen müssen, um solche Ereignisse, die einen hochwertigen kulturellen Rahmen bekamen, besser zu verstehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Karl-Ludwig Diehl&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Anmerkungen:&lt;br /&gt;(1)-(2) zitiert aus: o.A.: Die Treibhäuser im Mayer'schen Garten in Penzing. S.395 und Zeichnungen auf den Blättern CCXL und CCXLI in: Allgemeine Bauzeitung. Wien, 1838. S.395&lt;br /&gt;(3) zitiert aus: o.A., wie vor, S.395f.&lt;br /&gt;(4)-(6) zitiert aus: o.A., wie vor, S.396&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6835589152084916324-8397470356045785649?l=strukturellebaugeschichte.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://strukturellebaugeschichte.blogspot.com/feeds/8397470356045785649/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6835589152084916324&amp;postID=8397470356045785649' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6835589152084916324/posts/default/8397470356045785649'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6835589152084916324/posts/default/8397470356045785649'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://strukturellebaugeschichte.blogspot.com/2009/12/auswertung-der-aufsatze-zu-den-im_01.html' title='Auswertung der Aufsätze zu den im 19.Jahrhundert errichteten Bauwerken: zwei Treibhäuser in Penzing'/><author><name>Karl-Ludwig Diehl</name><uri>http://www.blogger.com/profile/11909949692992381573</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='31' height='32' src='http://3.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SOuBUB0BTyI/AAAAAAAAAAo/mQx-tvh1B6k/S220/Selbstporträt.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://2.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxW5m9qnvzI/AAAAAAAACNY/xpT07l_BqZo/s72-c/Gew%C3%A4chshaus+1.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6835589152084916324.post-5108516337246744754</id><published>2009-12-01T16:09:00.000-08:00</published><updated>2009-12-01T16:29:30.316-08:00</updated><title type='text'>Auswertung der Aufsätze zu den im 19.Jahrhundert errichteten Bauwerken: das Seidenbauhaus in Neuilly</title><content type='html'>&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://1.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxWy-iKj4HI/AAAAAAAACMw/zOrmhkPxsUQ/s1600/Seidenbau+2.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 261px;" src="http://1.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxWy-iKj4HI/AAAAAAAACMw/zOrmhkPxsUQ/s400/Seidenbau+2.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5410427314748252274" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;In Neuilly hatte man ein bestehendes Gartenhaus "in dem königlichen Park" umgebaut und in eine "der magnaneries salubres" verwandelt. Man hat also ein "Seidenbauhaus" daraus gemacht. Dazu wird in einem Text aus dem Jahre 1837 formuliert:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Dieses Gebäude ist, wie erwähnt, als Gartengebäude errichtet worden, und erhielt erst in neuester Zeit seine jetzige Bestimmung, wozu, wie aus dem Grundrisse /.../ hervorgeht, an dem Gebäude zwei Gemächer /.../ angebaut wurden." (1)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Erwähnung, man habe auch dieses Gartenhaus zu einem Seidenbauhaus gemacht, ist interessant. Es scheint so zu sein, daß in der Biedermeierzeit der "Seidenbau" erheblich ausgeweitet wurde. Das könnte daran gelegen haben, weil man es endlich verstand, die Seidenbauhäuser besser zu klimatisieren. Seidenraupen reagieren offensichtlich sehr empfindlich auf Temperaturschwankungen und benötigen einen ganz bestimmten Luftzug, um ihr Leben erhalten zu können. Zu den Ventilazionseinrichtungen, die folglich als technische Einbauten sehr wichtig sind, um Seidenfäden produzieren zu können, wurde geschrieben:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Dieser Gegenstand ist in kältern Klimaten vorzüglich beachtungswerth, weil der Seidenbau dadurch so weit nach dem Norden ausgebreitet werden kann, als der Maulbeerbaum noch fortkommt; und selbst in wärmern Ländern ermangeln die Stuben, worin die Seidenraupen gepflegt werden, oft der gehörigen Ventilazion und gleichmäßigen Temperatur, so daß auch da öfters eine große Sterblichkeit der Seidenraupen eintritt." (2)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es besteht also einerseits ein Zusammenhang zwischen dem Verbreitungsgebiet von Maulbeerbäumen und andererseits der Tatsache, daß nicht überall da, wo es Maulbeerbäume in der Biedermeierzeit gab, Seidenraupen zum Seidenbau gehalten werden konnten. Man benötigte dazu eine wohlabgewogene Klimatechnologie, welche den Seidenraupen das Überleben garantierte. Diese raumklimatischen Bedingungen herzustellen, war jedoch nicht so einfach, denn es heißt, daß selbst in wärmeren Klimagebieten die Seidenraupenzucht sehr schwierig und riskant ist. In der Biedermeierzeit war man deshalb froh, wenn über die Fortschritte im Bau von Seidenbauhäusern fachlich gut informiert wurde. Um den Stand der Technik, wie er in der Biedermeierzeit erreicht wurde, zu verstehen, lohnt sich die Auswertung der Veröffentlichungen zu diesen Seidenbauhäusern. Allzuviele wird es vermutlich nicht geben können. Bisher begegneten mir zwei Aufsätze, die aber schon eine recht gute Vorstellung von dem ergeben, wie damals für die Seidenraupenzüchter in Europa zu bauen war.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn man sich die Zeichnungen zu den Gebäuden anschaut, entdeckt man einerseits die Seidenbaustube, andererseits die Ventilationsanlagen, die für die Raupenzucht erfunden worden waren. Zugeordnet sind Räume, in denen die Maulbeerbaumblätter getrocknet und die Seidenfäden gesponnen werden konnten. Auch die Erfindungen für die Stellagen, auf denen die Seidenraupen gehalten wurden, sind interessant durchdacht. Man muß die Grundrisse und Schnitte, sowie alle Detailzeichnungen auswerten, um ein solches Seidenbauhaus zu verstehen.&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://1.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxWyyKLN-yI/AAAAAAAACMo/TadSuA3hC7o/s1600/Seidenbau+1.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 277px;" src="http://1.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxWyyKLN-yI/AAAAAAAACMo/TadSuA3hC7o/s400/Seidenbau+1.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5410427102150130466" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Der Grundriß von dem Gebäude in Neuilly zeigt uns das Parterre von der gesamten Bauanlage. Wir entdecken den Kernbau und die beiden Anbauten. Im Inneren des Kernbaues sind, sehr symmetrisch, Zwischenwände eingebaut, sodaß drei Raumabschnitte entstanden. In einem dieser beiden schmaleren Innenräume wurde ein Treppenhaus abgetrennt. Unter dem angehobenen Erdgeschoß liegt ein Souterrain, in dem die klimatischen Verhältnisse im Seidenbauhaus erzeugt wurden. Man konnte hier heizen und kühlen. Über Luftkanäle wurde die wohltemperierte Luft in die Seidenbauräumlichkeiten geleitet. Man muß, um all diese Anlagen und Einrichtungen zu verstehen, den Text zu den Architekturzeichnungen sehr genau auswerten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Zwischenwände im angehobenen Parterre scheinen aus der früheren Nutzung des Gebäudes als Gartenhaus herzurühren, denn eine der beiden Innenwände ist für die Raupenzucht hinderlich. Man wünschte sie zu entfernen, damit eine einzige große Seidenbaustube entstehen kann. Man hatte also, nach der Umwidmung in ein Seidenbauhaus, mit zwei getrennte Seidenbaustuben die Produktion begonnen:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Diese sind zwar durch die Mauer /.../ in zwei getheilt, sollen aber, wenn das Gebäude seine jetzige Widmung behält, in eine ununterbrochene Stube umgewandelt werden, da die Zwischenmauer der Ventilazion hinderlich ist." (3)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ob nachvollziehbar gemacht werden kann, wieso man diese Zwischenwand nicht gleich zu Beginn entfernte, läßt sich so einfach nicht beurteilen. Ob vielleicht noch bestehende Archivalien darüber Aufschluß geben können, kann derzeit nur spekuliert werden. Denkbar ist, daß man den geringeren Raumbedarf eines bestimmten biologischen Abschnittes der Seidenraupen kannte. Denn in einem anderen Seidenbauhaus hatte man eine bewegliche Trennwand in die Seidenbaustube eingebaut, die dem wachsenden Raumbedarf der aufwachsenden Seidenraupen nachfolgte. Durch diese Trennwand ließ sich der Ventilationsaufwand mit beheizter oder gekühlter Luft verringern und genauer an der Notwendigkeit bemessen. Das sparte finanzielle Aufwendungen für Eis zum Kühlen und Heizmaterial zum Wärmen der Seidenbaustube. Hinweise dazu können anderswo bei mir nachgelesen werden. (4)&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://3.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxWzIP5TseI/AAAAAAAACM4/gI8QVBIucTs/s1600/Seidenbau+3.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 268px;" src="http://3.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxWzIP5TseI/AAAAAAAACM4/gI8QVBIucTs/s400/Seidenbau+3.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5410427481642742242" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Die Balkenlage der Geschoßdecken geht, wie dem Querschnitt durch das ehemalige Gartenhaus zu entnehmen ist, in Richtung der langen Erstreckung des Gebäudes. Es könnte also auch sein, daß bei der Umnutzung dieses Altbaus in ein Seidenbauhaus der Ausbau der Zwischenwand deshalb vermieden wurde, weil dann zur Auflage der Balken der Geschoßdecke zwischen Hochparterre und Dachgeschoß ein schwerer Tragbalken in Querrichtung hätte eingebaut werden müssen. Zu vermuten ist also eher diese Einsparung der Kosten für den Einbau des schweren Tragbalkens als Ersatz der Trennwand.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Auswerten der Zeichnungen kann viele Probleme bereiten, da wir heute einen anderen Standard bei Bauzeichnungen pflegen. Es fehlen zu diesem Bauwerk verschiedene Grundrisse, und die gegebenen Schnitte zeigen andererseits nicht den Zusammenhang der Anbauten mit dem Kernbau. Der erläuternde Text aus der Biedermeierzeit gibt zwar Hinweise, aber er erhält durch die Reduktion, die mit den Zeichnungen auftritt, ein Gewebe aus Unklarheit, was zum unvollständigen Verstehen des Seidenbauhauses führt. Wenn man jedoch die beiden Seidenbauhäuser der Biedermeierzeit, also das in Villemonble und in Neuilly vergleicht, wächst wieder das Verständnis.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im Keller des Kernbaus, der von den beiden Anbauten und über ein Treppenhaus im Kernbau erreichbar ist, befinden sich die Vorrichtungen zum Erwärmen oder Abkühlen des Luftstromes, der über Luftkanäle in die Seidenbaustube geleitet wird. Dort hängen die Ablagen für die Seidenraupen an Schnüren, sodaß sie bei der Tagesarbeit der Seidenraupenzüchter auf- und abgelassen werden können. Das erleichtert das Füttern der Seidenraupen mit Maulbeerblättern, usw. Über der Seidenbaustube befinden sich Abluftkanäle, sodaß die wohl temperierte Luft, die in die Seidenbaustube strömt, wieder abgeführt werden kann. Ein Luftverwirbler im Dachgeschoß, der durch die heiße Luft eines Ofens, der im kleinen Heizkeller steht, in Gang gehalten wird, drückt die Luft über das Dach durch einen Abluftkanal nach draußen.&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://4.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxWzTaELqbI/AAAAAAAACNA/mxxIO9XGufk/s1600/Seidenbau+4.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 277px;" src="http://4.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxWzTaELqbI/AAAAAAAACNA/mxxIO9XGufk/s400/Seidenbau+4.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5410427673351268786" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Jenachdem, ob der Luftstrom, der um die Seidenraupen fließen soll, damit sie sich am Leben halten können, zu warm oder zu kalt ist, muß im Keller dafür gesorgt werden, daß die richtige Temperatur der Luft eingehalten wird. Dies geschieht durch Beheizung des Luftstroms, oder durch Abkühlung. Um abzukühlen, läßt man die Luft an kaltem Wasser vorbeigleiten, oder legt sogar Eisbrocken in einen Behälter, der in den Luftstrom gestellt wird. Die Vorrichtungen sind in den Zeichnungen kenntlich gemacht.&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://4.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxW0kGBEomI/AAAAAAAACNI/O6rUchweqfk/s1600/Seidenbau+5.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 277px;" src="http://4.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxW0kGBEomI/AAAAAAAACNI/O6rUchweqfk/s400/Seidenbau+5.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5410429059538920034" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Neben der Seidenbaustube, befindet sich ein Magazinraum. Es ist denkbar, daß hier die Maulbeerblätter getrocknet werden und die Seidenfäden von den Kokons abgesponnen werden.&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://3.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxW0y0YYryI/AAAAAAAACNQ/PnJ3FtxWPG4/s1600/Seidenbau+6.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 281px;" src="http://3.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxW0y0YYryI/AAAAAAAACNQ/PnJ3FtxWPG4/s400/Seidenbau+6.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5410429312502902562" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Es lohnt sich, Seidenbauhäuser miteinander zu vergleichen. Es fiel bisher dabei auf, daß solchen Gebäuden in Zeichnungen keine Fassadenansichten beigegeben sind. Dies läßt eine Auswertung nicht zu, die den Baustil herausarbeiten soll. Im Falle dieses Seidenbauhauses in Neuilly fällt dieses Problem nicht so sehr ins Gewicht, weil es sich um die Umnutzung eines Altbaus handelt. Jedoch müßte auch dieser baugeschichtlich erschlossen werden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Karl-Ludwig Diehl&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Anmerkungen:&lt;br /&gt;(1)-(2) zitiert aus: o.A.: Beschreibung des in dem königlichen Park zu Neuilly bestehenden Seidenbauhauses. S.75-76 und Zeichnungen auf Blatt CXII in: Allgemeine Bauzeitung. Wien, 1837. S.75&lt;br /&gt;(3) zitiert aus: o.A., wie vor, S.76&lt;br /&gt;(4) siehe bei: Karl-Ludwig Diehl: Auswertung der Aufsätze zu den im 19.Jahrhundert errichteten Bauwerken: ein Gebäude für die Seidenzucht in der Nähe von Paris.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6835589152084916324-5108516337246744754?l=strukturellebaugeschichte.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://strukturellebaugeschichte.blogspot.com/feeds/5108516337246744754/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6835589152084916324&amp;postID=5108516337246744754' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6835589152084916324/posts/default/5108516337246744754'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6835589152084916324/posts/default/5108516337246744754'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://strukturellebaugeschichte.blogspot.com/2009/12/auswertung-der-aufsatze-zu-den-im.html' title='Auswertung der Aufsätze zu den im 19.Jahrhundert errichteten Bauwerken: das Seidenbauhaus in Neuilly'/><author><name>Karl-Ludwig Diehl</name><uri>http://www.blogger.com/profile/11909949692992381573</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='31' height='32' src='http://3.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SOuBUB0BTyI/AAAAAAAAAAo/mQx-tvh1B6k/S220/Selbstporträt.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://1.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxWy-iKj4HI/AAAAAAAACMw/zOrmhkPxsUQ/s72-c/Seidenbau+2.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6835589152084916324.post-8787202866312934515</id><published>2009-12-01T11:15:00.000-08:00</published><updated>2009-12-01T12:01:15.143-08:00</updated><title type='text'>Die Suche nach den Anfängen der Heimatschutzbewegung im deutschsprachigen Kulturraum: Heimatschützer kämpften in Bayern für den Schutz des Flachdaches</title><content type='html'>&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://4.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxVzggFWtJI/AAAAAAAACLQ/yCldQz-b6ss/s1600/Heimat+1.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 328px;" src="http://4.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxVzggFWtJI/AAAAAAAACLQ/yCldQz-b6ss/s400/Heimat+1.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5410357529560921234" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Vermutlich führte der Gegensatz zwischen Neuerern und Schützern alten Kulturgutes auf dem Gebiet des Bauwesens schon zu einer sehr frühen Herausbildung einer Heimatschutzbewegung. Die Geschichte solcher Heimatschutzbewegungen im deutschsprachigen Kulturraum zu verfolgen, wird sehr interessant sein müssen; genauso der Werdegang der jeweiligen Moderne in demselben Kulturraum. Daß sich dieser deutschsprachige Kulturraum sehr kompliziert darbietet, muß bei einer baugeschichtlichen Forschung unbedingt berücksichtigt werden. Ein solcher Raum ist geographisch kaum zu verankern, da sich durch Migrationen ständig neue Grenzziehungen einstellen, die mit staatlichen Territorien wenig zu tun haben. Sprachlich aufgebaute Kulturgrenzziehungen sind einfach nie identisch mit politisch organisierten Grenzziehungen. Es gibt bayerischen Kulturraum in Nordamerika und tirolerischen Kulturraum in Peru. Solche Kulturräume können wachsen, aber auch untergehen.&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://2.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxVznpvQwgI/AAAAAAAACLY/tkXyQMiY_cI/s1600/Heimat+2.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 382px;" src="http://2.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxVznpvQwgI/AAAAAAAACLY/tkXyQMiY_cI/s400/Heimat+2.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5410357652411695618" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Bei der Suche nach den Anfängen der Heimatschutzbewegung in unserem Sprachraum fand sich ein Dokument aus der Biedermeierzeit, das den Konflikt zwischen den Modernen und den Heimatschützern widerspiegelt. Darin lautet ein Satz folgendermaßen:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Man hat unlieb die Bemerkung gemacht, daß auf dem Lande und vorzüglich in den Gebirgsgegenden die durch Brand oder Alter zerstörten Gebäude bei ihrer Wiedererbauung auf eine ihrem ländlichen eigenthümlichen Charakter nicht entsprechende Art ganz fremdartig behandelt oder durch eingebildete Verschönerung verdorben werden, indem man /.../ das Charakteristische und Malerische durch moderne Gebäude und unpassende geschmacklose Formen zu verdrängen sucht." (1)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Satz findet sich in einem Aufruf der Königl.Regierung des Isarkreises, der darauf abzielte, "diesem Uebelstande abzuhelfen". Man sah sich also im Jahre 1836, als dieser Aufruf erschien, genötigt, Maßnahmen zu ergreifen. Die Modernen waren den Heimatschützern ein Dorn im Auge. Wieso, läßt sich einem Aufsatz aus demselben Jahr entnehmen:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"In Oesterreichs und Bayerns südlichem Gebirgslande, im Hochgebirge wie an den Vorbergen, und herein gegen Norden bis an das Flachland längs der Salzach, dem Inn und der Isar, und da, wo der Lech seine Fluten den gesegneten schwäbischen Gauen zuführt, wo mannigfache Naturschönheiten des Wanderers Auge fesseln, und ein biederes, gemüthliches Volk den Fremden leicht zu längerem Aufenthalt bewegt, hat auch die Bauart der ländlichen Wohnungen seit uralten Zeiten einen eigenthümlichen, mit den romantischen Umgebungen in schönem Einklang stehenden Charakter." (2)&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://1.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxVzyDO9QHI/AAAAAAAACLg/4-5QW8pplEU/s1600/Heimat+3.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 328px;" src="http://1.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxVzyDO9QHI/AAAAAAAACLg/4-5QW8pplEU/s400/Heimat+3.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5410357831054213234" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;In diesem südlichen Gebirgslande lebe "ein biederes, gemüthliches Volk" meint der Autor seines Aufsatz, der in der Biedermeierzeit erschien. Zugleich wird deutlich, daß die Landschaften, in denen dort gebaut wird, romantische Umgebungen bilden, mit denen folglich eine romantische Bauweise "in schönem Einklang" steht. Man muß also davon ausgehen, daß der Blick auf die Gebäude und die Landschaft durch die Kulturzeit der Romantik beeinflußt wurde. Es muß dies eine sehr spezielle Art, Landschaft und Kulturraum zu sehen, gewesen sein. Nachklänge gibt es bis heute. Andererseits wird deutlich, daß die Romantiker, die so auf ihren Kulturraum blickten, ihre Idylle ungestört sehen wollten. Heimat, so der Verdacht, ist ein romantischer Bezug zu einem Kulturraum. Darin eine Moderne zu entfalten, kann sehr schwierig sein. Da Heimatschutz und Moderne in der Baukunst ihre Qualität erreichen wollen, ist der Widerstreit zwischen Modernen und ihren Gegnern sehr interessant.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Heimatschützer, dessen Aufsatz sich mit den Landhäusern im bayerischen Hochgebirge befaßt, schildert in der Biedermeierzeit die Bauart dieser wertvollen Häuser, die er geschützt wissen will, so:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Die Bauart dieser Häuser ist einfach, wohlfeil, äußerst bequem, und gewährt einen freundlichen, ja malerischen Anblick, so daß das Auge des Beschauers, wenn es sich über die nächsten Umgebungen erhoben und staunend auf den wilden Bergesriesen verweilt hat, gerne zu den lieblichen Menschenwohnungen zurückkehrt." (3)&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://2.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxVz8l4E-dI/AAAAAAAACLo/dRpXfy_RyM0/s1600/Heimat+4.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 328px;" src="http://2.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxVz8l4E-dI/AAAAAAAACLo/dRpXfy_RyM0/s400/Heimat+4.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5410358012152183250" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Jemand, so sagt es dieser Text, der in das Gebirge gestiegen ist, schaut staunend auf die wilde Gebirgslandschaft und freut sich andererseits darauf, in die romantische Welt menschlicher Ansiedlungen nach unten zurückkehren zu können. Diese Ansiedlungen, so die Propaganda, bestünden aus Häusern, die "einfach, wohlfeil" und "äußerst bequem" seien. Andererseits mache genau das den malerischen Charakter dieser Häuser aus. Bevor auf Einzelheiten eingegangen wird, soll zunächst auf den Dächerkampf verwiesen werden, den es auch schon in der Biedermeierzeit gab. In diesem Falle will der Schreiber des Aufsatzes das Flachdach dieser Häuser geschützt wissen, wenn er dafür eintritt, die historisch gewachsene Bauweise zu schützen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Das eigenthümlich Charakteristische dieser Bauart ist das flache Dach, welches auf allen Seiten 4 - 5 Fuß über die Umfassungsmauern vorspringt" (4)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein solches Dach hat in den bayerischen Gebirgsregionen seinen guten Grund. Man kann dies anderswo nachlesen. Das flache, vorspringende Dach ist so beschrieben:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Die vorspringenden Dachungen, welche sehr flach ziemlich einfach konstruirt sind, bestehen aus Sparren oder Dachträgern, aus Pfosten oder Sparrenträgern, mit der Länge des Hauses quer unter die Sparren gelegt, dann aus Pfosten- oder Stuhlsäulen, endlich aus den Mauerbänken, und werden beinahe durchgehends mit sogenannten Legschindeln eingedeckt und mit Steinen beschwert, um sie vor Stürmen zu schützen." (5)&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://4.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxV0HWF7AqI/AAAAAAAACLw/AKJWpKxVugk/s1600/Heimat+5.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 328px;" src="http://4.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxV0HWF7AqI/AAAAAAAACLw/AKJWpKxVugk/s400/Heimat+5.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5410358196893844130" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Man unterschied also zwischen Sparren und Sparrenträgern, das sind Pfosten und Dachträger. Desweiteren werden die Begriffe Stuhlsäulen und Mauerbänke eingeführt. Legschindeln sind andererseits solche, die mit schweren Steinen beschwert selbst bei Stürmen auf dem Dach liegen bleiben. Aber nicht immer, denn es heißt:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"In neuerer Zeit geht man jedoch gerne von der Eindeckung mit Legschindeln ab, und verwendet dafür die kleinen mit Nägeln an die Dachschalung gehefteten Scharrschindeln, wodurch die bei Stürmen den Vorübergehenden zuweilen lebensgefährlich werdenden Beschwersteine unnöthig werden, und eine größere Festigkeit der Deckung erzielt wird." (6)&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://1.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxV0UI3ZtPI/AAAAAAAACL4/Ttok_WQiAHQ/s1600/Heimat+6.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 342px;" src="http://1.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxV0UI3ZtPI/AAAAAAAACL4/Ttok_WQiAHQ/s400/Heimat+6.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5410358416681579762" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Die Einführung der Scharrschindel, die angenagelt wird, verweist nun deutlich auf eine Modernisierung. Man hat also bei solchen Gebirgshäusern, die mit Scharrschindeln eingedeckt sind, moderne "heimatverbundene" Häuser vor sich. Sie sollen dem romantischen Blick auf die Kulturlandschaft keinen Abbruch tun. Das flache Dach wiederum hat eben genau mit den Legschindeln zu tun, denn es wäre sonst unmöglich gewesen, schwere Steine aufzulegen, da sie leicht abrutschen würden. Durch die Einführung der Scharrschindeln, die angenagelt werden, wird das flache Dach zunächst fragwürdig. Es kann nur noch dadurch bewahrt werden, daß solche Dächer ortsbildprägend waren und der historische Anblick erhalten bleiben soll, weil er "malerisch" wirkt. Da das Dach den Umriß des gesamten Hauses prägt, will man diesen historischen Umriß erhalten wissen. Man muß ergänzend darauf hinweisen, daß hohe Schneelagen von diesen Flachdächern nur schwer abrutschen können, was der Sicherheit dient. Neben dem historischen Ortsbild will man also auch die Sicherheit erhalten wissen.&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://1.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxV0gu-34nI/AAAAAAAACMA/Gr7EYCkzwxQ/s1600/Heimat+7.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 328px;" src="http://1.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxV0gu-34nI/AAAAAAAACMA/Gr7EYCkzwxQ/s400/Heimat+7.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5410358633071895154" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Ein solches "malerisches" Haus besteht jedoch aus sehr viel mehr als einem Umriß und einem Flachdach. Hierzu lassen sich weitere Textstellen interessant auswerten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Das Baumaterial zu solchen Gebäuden liefern die im Gebirge und an demselben häufig befindlichen Kalk-, Sand- und Tuffsteinbrüche, oder gegen das Flachland die Ziegeleien, endlich auch die an vielen Orten im Ueberfluß vorhandenen Waldungen." (7)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hier fragt es sich natürlich, was davon jeweils an der Fassade sichtbar bleibt. Wenn mit Backsteinen gemauert wird, gibt es entweder eine Verblenderschicht außen, also der Backstein bleibt sichtbar, oder es kommt zu einer Verkleidung, z.B. durch Verputz. Wie man es mit dem Backstein hält, ist nicht im Text erwähnt, es werden jedoch die anderen Baustoffe in ihrer Verwendung weiter erörtert.&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://4.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxV0tmpeQ3I/AAAAAAAACMI/rt6d08WqRok/s1600/Heimat+8.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 328px;" src="http://4.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxV0tmpeQ3I/AAAAAAAACMI/rt6d08WqRok/s400/Heimat+8.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5410358854172951410" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;"Da beinahe überall Bruchsteine vorhanden sind, welche wenig oder gar nichts kosten, und wobei also nur der Transport in Anschlag zu bringen ist, so wird das Mauerwerk gewöhnlich aus derlei Steinen aufgeführt. An solchen Orten aber, wo der Bruchstein seltener vorkommt, oder schwerer zu gewinnen ist, als das in reicher Fülle vorhandene Bauholz, werden sowohl Umfassungs- als auch Scheidewände nur im untern Stockwerk (Erdgeschoß) gemauert und oben von Holz, und häufig ganz von der Erde aus von Holz, aus vierkantigen Balken, welche über einander gediebelt (gelegt und an den Ecken mittelst sogenannter Schwalbenschwänze und auch künstlicher verbunden) sind, hergestellt und im Innern mit Bretern verkleidet (vertäfelt), und nur die Rauchröhren (Schornsteine) werden mit Steinmaterial aufgeführt." (8)&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://1.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxV1KqSzfPI/AAAAAAAACMY/KtscvAxvTlY/s1600/Heimat+10.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 328px;" src="http://1.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxV1KqSzfPI/AAAAAAAACMY/KtscvAxvTlY/s400/Heimat+10.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5410359353367821554" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Neben der Beschreibung der Materialwahl und wie die Baustoffe zusammengefügt werden, gibt es einen anderen Aspekt, der uns hier interessieren muß. Denn es werden Baustoffe angeführt, "welche wenig oder gar nichts kosten". Außerdem handelt es sich um Baustoffe, die in großer Nähe zum Bauplatz vorhanden sind. Die Tatsache, daß diese Baustoffe der Landschaft entspringen, in der das Haus auf heimatverbundene Weise errichtet wird, verstärkt zusätzlich den romantischen Blick auf diese Kulturlandschaft mit ihren romantischen Häusern und ihren biederen Bewohnern. Eine solche romantische Kulturlandschaft zieht Menschen an, die gewissermaßen in Gemälden wohnen wollen. Es soll eigentlich keine Veränderung eintreten. Wenn das Moderne der Sache dient, wird es zugelassen. Man denke an die Legschindeln, die durch Scharrschindeln ersetzt werden können. Diese vorsichtige Moderne macht wiederum die Gebirgswelt für Fremde als bewohnbaren Kulturraum attraktiv. Es kommen folglich Fremde in die Gebirge, die sich hier niederlassen:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Da die bayerischen Gebirgsgegenden seit mehreren Jahren von den Einwohnern Münchens und anderer Städte Bayerns, so wie von sehr vielen Fremden häufig besucht werden, da sogar viele Bemittelte jene Gegenden zum Sommeraufenthalte sich erwählt haben, so entstand bei manchen bald das Bedürfniß, Sommerwohnungen zu erbauen, wozu auch der höchstselige König Maximilian Joseph I., welcher Tegernsee (12 Stunden von München am Hochgebirge) mehrere Jahre vor seinem Tode den Sommer über bewohnte, vielen Anlaß gab. So entstanden unter den umliegenden Häusern der Landbewohner Wohnungen der Städter, und es war natürlich, und der Umgebung so wie der Art des Landlebens gewiß angemessen, daß sie in dem eigenthümlichen Baustyle der dortigen Landleute aufgeführt wurden; ja diese Bauart erstreckt sich in jenen Gegenden in neuerer Zeit zum Theil auch auf kleinere königl. und Staatsgebäude, dann Gemeindebauten, als Forst- und Zollhäuser, Pfarr- und Schulgebäude u.dergl." (9)&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://2.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxV06aHRFFI/AAAAAAAACMQ/gcg3gT6uxME/s1600/Heimat+9.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 369px; height: 400px;" src="http://2.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxV06aHRFFI/AAAAAAAACMQ/gcg3gT6uxME/s400/Heimat+9.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5410359074146554962" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Man hat also in der Biedermeierzeit den Vorgang festzustellen, daß die Städter in die romantische Gebirgslandschaft ziehen. Die real stattfindende Vorgang führt zu einer Bautätigkeit, die den modernen Bedürfnissen der Zeit gerecht werden muß. Andererseits bewegt sich diese Bautätigkeit in dem Spannungsfeld, daß die romantische und malerische Kulturlandschaft des Gebirges nicht gestört werden darf. Denn diese scheinbar intakte Welt ist ja der Grund, warum die Städter in dieser Landschaft wohnen wollen. Mit den Städtern kommt aber auch eine andere Moderne. Diese muß zwangsläufig so aufgefaßt werden:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Es konnte nicht fehlen, daß die Neuerungssucht auch hier die verderbliche Hand zuweilen an den guten alten Brauch legte, aber Seine Majestät der regierende König Ludwig I. von Bayern hat im vorigen Jahre in diesem Betreff ein diese Bauart schützendes allerhöchstes Reskript erlassen" (10)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die ganz andere Moderne brach damals also in die romantische Gebirgswelt auf und führte zu Bauten. Dies regte selbst den obersten Staatsdiener auf. Folglich reagierte er magisch, und sprach einen Bann aus. Der Heimatschutz sah sich nun als der Sieger, modernisierte aber ungestört von staatlichen Eingriffen die traditionelle Bauweise. Diese Eingriffe genau herauszuarbeiten, dürfte sehr interessant sein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es werden einige Häuser, die in der Biedermeierzeit in einer solchen romantischen Landschaft entstanden, angeführt. Sie gelten dem Autor des Aufsatzes als gute Beispiele.&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://2.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxV1W_TLqaI/AAAAAAAACMg/kJ38QBOQP5w/s1600/Heimat+11.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 328px;" src="http://2.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxV1W_TLqaI/AAAAAAAACMg/kJ38QBOQP5w/s400/Heimat+11.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5410359565164980642" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Zunächst sei jedoch auf das traditionelle Haus verwiesen, das so beschrieben wird:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Die Wohnung der Familie, die Stallungen und die Scheune sind bei den meisten unter einem Dache, aber durch Scheide- oder Feuermauern getrennt. Die Wohnung nimmt die Vorder- oder Hauptseite des Gebäudes, das Oekonomie-Lokal den rückwärts gelegenen Raum ein. Das ganze Haus enthält gewöhnlich ein großes Wohnzimmer, 1 - 2 Schlafzimmer, eine Gesindestube, eine Knecht- und eine Mägdekammer, eine Geflügelstube, Geschirr- und Futterkammern, endlich Dreschtenne, Getreide- und Heulagen. Holz-, Wagen- und Geräthe-Remisen (Schupfen genannt) sind vom Hauptgebäude meistens, so wie auch ein Waschhaus und Backofen ganz abgesondert." (11)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man kann eine solche traditionelle Anlage mit zwei Landhäusern, die um das Jahr 1830 in Tegernsee erbaut wurden, in einen Vergleich stellen. Die Bauherren waren jeweils Städter aus München. Eines der Landhäuser, im Jahre 1831 gebaut, verfügt über&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"eine Wohnung mit sieben Zimmern, dann Küche, Speisekammer, Garderobe; ferner einen Keller, und unterm Dache eine Magdstube". Erwähnt wurde außerdem: "Rückwärts am Hause ist ein kleines Stallgebäude und ein Wagendach angebaut". (12)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Allerdings läßt sich nur das Raumprogramm vergleichen, da von traditionellen heimischen Häusern kein Grundriß beigegeben wurde.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das andere Landhaus wurde im Jahre 1829 in Tegernsee errichtet. Der Bauherr scheint höhere Ansprüche verfolgt zu haben. Dieses Landhaus verfügt über eingewölbte Kellerräume, die Wohnräume sind ausgedehnter.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"im Erdgeschosse:Stiegenhaus, Gesindestube, Küche mit Speisekammer, drei Zimmer u.; ferner im Hinterbau: Kuhstall, Pferdstall, eine Knecht- und eine Magdkammer und zwei Futterkammern;""über eine Stiege: Salon, drei Zimmer, zwei Kabinette, eine Garderobe, eine Heueinlage u." "unter dem Dache: einige Bedientenzimmer." (13)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hauptsächlich an den Fassadenzeichnungen wird erkennbar, wie dem romantischen Blick auf die Kulturlandschaft durch angepasstes Bauen entsprochen wird. Beide Landhäuser haben flaches Dach, d.h. Dächer mit sehr geringer Dachneigung. In beiden Fällen sind Balkone vor die Obergeschoße gesetzt worden, die vom überstehenden Dach geschützt sind. Die Holzbalkenkonstruktionen für das Dach sind beide sehr ähnlich gehalten und werden im traditionellen Haus eine Entsprechung haben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Fassadengliederung verweist möglicherweise auf die Art, wie in der Biedermeierzeit mit schlichten Mitteln auf die antike Architektur verwiesen wird.  Bei dem Forsthaus in der Jachenau, zu dem es eine Fassadenzeichnung gibt, trifft man auf zwei vor den Eingang vorgestellte Säulen, die den Balkon vor dem Obergeschoß tragen. Die Fenster wurden in rechteckige Wandöffnungen eingelassen und sind schlicht gerahmt. An den Grundrissen ist spürbar, daß versucht wurde, nach einer möglichst strengen Symmetrie zu planen. Dies läßt sich auch für die Hauptfassade sagen. Der Dekor an den Holzbalken und der Verbretterung trägt sicher heimische Züge, die so beschrieben sind:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Das /.../ Charakteristische dieser Bauart ist das flache Dach, welches auf allen Seiten 4 - 5 Fuß über die Umfassungsmauern vorspringt, und am Vorsprunge an den Vorköpfen der Sparren und Träger mit mannigfacher Holzschnitzerei und Malerei verziert ist; dann eine im obern Stockwerke außen angebrachte, zum Theil an der Fasade (Hauptseite) befindliche, oft auch um das ganze Haus sich ziehende hölzerne Gallerie (Laube genannt) ebenfalls geschnitzt und gemalt, welche zum Sonnen und Trocknen von Wäsche, Betten, Früchten u.dgl. bestimmt ist." (14)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man wird also an den modernen angepaßten Bauten nach diesen Schmuckformen suchen müssen. Die Fassadenzeichnungen der beiden Landhäuser und Forsthäuser, die sich nur bedingt auswerten lassen, geben Schmuckformen wieder. Falls diese Gebäude sich noch erhalten haben und Archivalien zu diesen Bauten aus der Biedermeierzeit bewahrt wurden, könnte man dem genauer nachgehen. Es ist anzunehmen, daß es ganz bestimmte Schmuckformen sind, die in das Holz geschnitzt wurden. Auch wird sich die Farbgebung des Schmuckes nach bestimmten Regeln gerichtet haben. Mit einem Sockel und Gesimsbändern wurde einfachst die Aufeinanderfolge der Geschosse deutlich gemacht. Alle diese Bauwerke lassen erahnen, wie man in der Biedermeierzeit in dieser bayerischen Kulturlandschaft bauen sollte. Diese Beispiele dienten dazu, den Auftraggeber und die Planer darauf hinzuweisen, was sinnvoll ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Heimatschutz hatte im Bayern der Biedermeierzeit Unterstützung aus höchsten Kreisen erhalten. Die Fachwelt, die sich mit der Heimatschutzbewegung identifizierte, sah darauf, daß gute Vorbilder entstanden, mit denen darauf verwiesen werden konnte, wie in den damaligen modernen Zeiten zu bauen ist, ohne dem romantischen Blick auf die Landschaft zu schaden. Es müßte dem nachgegangen werden, wie der Heimatschutz vor der Biedermeierzeit organisiert worden war, und wie er sich danach weiterentwickelte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Karl-Ludwig Diehl&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Anmerkungen:&lt;br /&gt;(1) zitiert aus: Graf v.Seinsheim: Die Bauart auf dem Lande betreffend: An sämmtliche kön.Bau-Inspekzionen und Polizei-Behörden des Isarkreises. Herausgegeben durch die Königl.Regierung des Isarkreises am 7.Juli 1836 in München. Zufinden in: o.A.: Landhäuser (Wohn- und Oekonomiegebäude) im bayer.Hochgebirge. S.163-165 in: Allgemeine Bauzeitung. Wien, 1837. S.164&lt;br /&gt;(2)-(4) zitiert aus: o.A.: Landhäuser (Wohn- und Oekonomiegebäude) im bayer.Hochgebirge. S.163-165 in: Allgemeine Bauzeitung. Wien, 1837. S.163&lt;br /&gt;(5)-(6) zitiert aus: o.A., wie vor, S.164&lt;br /&gt;(7) zitiert aus: o.A., wie vor, S.163&lt;br /&gt;(8) zitiert aus: o.A., wie vor, S.163f.&lt;br /&gt;(9)-(10) zitiert aus: o.A., wie vor, S.164&lt;br /&gt;(11) zitiert aus: o.A., wie vor, S.163&lt;br /&gt;(12) siehe die zitierten Textstellen im Zusammenhang bei: o.A., wie vor, S.164&lt;br /&gt;(13) siehe die Zitate im Textzusammenhang bei: o.A., wie vor, S.165&lt;br /&gt;(14) zitiert aus: o.A., wie vor, S.163&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6835589152084916324-8787202866312934515?l=strukturellebaugeschichte.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://strukturellebaugeschichte.blogspot.com/feeds/8787202866312934515/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6835589152084916324&amp;postID=8787202866312934515' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6835589152084916324/posts/default/8787202866312934515'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6835589152084916324/posts/default/8787202866312934515'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://strukturellebaugeschichte.blogspot.com/2009/12/die-suche-nach-den-anfangen-der.html' title='Die Suche nach den Anfängen der Heimatschutzbewegung im deutschsprachigen Kulturraum: Heimatschützer kämpften in Bayern für den Schutz des Flachdaches'/><author><name>Karl-Ludwig Diehl</name><uri>http://www.blogger.com/profile/11909949692992381573</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='31' height='32' src='http://3.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SOuBUB0BTyI/AAAAAAAAAAo/mQx-tvh1B6k/S220/Selbstporträt.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://4.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxVzggFWtJI/AAAAAAAACLQ/yCldQz-b6ss/s72-c/Heimat+1.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6835589152084916324.post-2905985043558935154</id><published>2009-12-01T07:34:00.000-08:00</published><updated>2009-12-01T07:46:05.287-08:00</updated><title type='text'>Der Wald als kulturhistorisches Archiv einer Landschaft: Tonbergbau im Westerwald</title><content type='html'>Der Wald als kulturhistorisches Archiv einer Landschaft:&lt;br /&gt;Tonbergbau im Westerwald&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Von Birgit Heuser-Hildebrandt gibt es eine interessante Dissertation, in der sie sich mit dem historischen Tonbergbau im Westerwald auseinandergesetzt hat. In dieser Arbeit findet sich im Vorwort ein Hinweis, der recht aufschlußreich ist. Sie schreibt:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Durch den Kontakt zur praktischen Forstwirtschaft und die für diesen Tätigkeitsbereich notwendige Vertrautheit mit dem Gelände wurde mir die Rolle des Waldes als kulturhistorisches Archiv unserer Landschaft noch näher gebracht." (1)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ihr war zwar bewußt, daß der Wald viele kulturhistorische Spuren birgt, aber daß die Forstbeamten so viel Kenntnis davon hatten, was sich in ihrem Wald verbarg, damit hatte sie nicht gerechnet. Sie konnte viel von den Förstern erfahren und konnte auf sehr viele Hinweise zurückgreifen, denen sie genauer nachgehen konnte. Sie legte ihren Forschungsschwerpunkt auf einen bestimmten Teil des Montabaurer Westerwaldes, nämlich das Drittel im Nordwesten dieses Gebietes, das im 18. und 19.Jahrhundert vom Tonbergbau geprägt war: das Kannenbäckerland. Heute wird dort im modernen Tagebau Ton abgebaut.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auf einer Karte auf S.10 ihrer Dissertation zeigt sie eine Fläche, die wiedergibt, wo sich im Westerwald Tonlager befinden. Ein riesiges halbmondförmiges Gebiet dieser Lagerstätten zieht sich von Dillenburg nach Weilburg ausschwingend, zwischen Westerburg und Weilburg bis nach Höhr-Grenzhausen hin. Jedoch ist auch erkennbar, daß der gesamte Raum der Tonlagerstätten zwischen Montabaur und Dillenburg unter einer Basaltabdeckung liegt, also nur im Kannenbäckerland ohne diese Abdeckung vorhanden ist. Folglich lohnte sich der Abbau nur hier. Ton war hier einfacher zugänglich. Andererseits ist auch erkennbar, daß dieses Abbaugebiet des Kannenbäckerlandes lediglich einen Bruchteil von dem ausmacht, was an Tonabbaumenge im Westerwald vorhanden ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es gibt, wie man nachlesen kann, eine Begriffsgeschichte des Kannenbäckerlandes. Das Wort soll bereits im 18.Jahrhundert verwendet worden sein. Heuser-Hildebrandt fand das Wort in alten Akten:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"In den mir bekannten Behördenakten des 18. und 19.Jahrhunderts taucht die Bezeichnung "Kannenbäckerland" allerdings, wenn auch nur vereinzelt, gegen Ende des 18.Jahrhunderts auf. Meistens ist von "Kannenbäckerortschaften" die Rede. Außerdem wird "Kannenbäckerstraße" als offizielle Bezeichnung für zwei Verkehrswege zwischen Höhr bzw. Grenzhausen und Vallendar benutzt." (2)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Außerdem änderte sich das Gebiet, das als Kannenbäckerland verstanden wurde, im Laufe der Zeit. Im 18.Jahrhundert muß als Kannenbäckerland ein anderer Raum wie später verstanden werden:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"denn damals reichte das Kannenbäckerland sowohl hinsichtlich seiner Produktionsstandorte als auch seiner Tonlagerstätten bis zum Rheinufer und schloß die Orte Ehrenbreitstein, Vallendar und Bendorf mit ein." (3)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;E.Berdel nennt 1924 zwei Gebiete, die als Kannenbäckerland bezeichnet werden können. Einmal führt er das Gebiet um Höhr und Grenzhausen als Mittelpunkt an, das die Bezeichnung verdiene, er bezieht aber auch den nördlichen Grenzgau des rheinischen Westerwaldes, also das Tal der Sieg mit Siegburg, mit ein, weil sich im 17.Jahrhundert eine Verlagerung des Töpferhandwerks aus dem Siegburger Raum in den Unterwesterwald ereignete, man deshalb beide Gebiete historisch gesehen als eines betrachten müsse. (4)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im Jahre 1929 nennt Richard Collet die beiden Orte Höhr und Grenzhausen als Mittelpunkt des Kannenbäckerlandes, dehnt das Gebiet aber auf die Orte Grenzau, Hilgert, Baumbach, Ransbach, Ebernhahn, Wirges, Siershahn, Mogendorf, Staudt und Bannberscheid aus; hinzu nimmt er so entfernte Orte wie Goldhausen und Steinefrenz, da hier Tonabbau bestand. (5)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;B.Heuser-Hildebrandt untersuchte zunächst zwei historische Abschnitte des Tonbergbaus. Einmal den der kurtrierischen Zeit, danach den in der herzoglich-nassauischen Zeit. Die Zeit nach 1866 behandelt sie nicht explizit als preußische Zeit des Tonabbaus, sondern erwähnt diesen Zeitraum in dem Kapitel "Das Kannenbäckerland nach 1815", in dem sie die nassauische Zeit abhandelt, aber auch im Kapitel danach.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es fragt sich nun, inwieweit der Wald als kulturhistorisches Archiv angesehen werden kann. Da sie den Spuren des historischen Tonbergbaus nachging, werden speziell dazu viele Hinweise in ihrer Ausarbeitung vorhanden sein. Sie hat den aufgefundenen Relikten des Tonabbaus ein umfangreiches Kapitel gewidmet. Es ist sehr aufschlußreich. Sie unterscheidet Tongrubenrelikte folgendermaßen:&lt;br /&gt;1) "Tongruben, die aus kurtrierischer Zeit heraufreichen und in denen zumindest noch Spuren von Glockenschachtbau erhalten sind". (6)&lt;br /&gt;2) "Tongruben, die um die Mitte des 19.Jahrhunderts angelegt und die demzufolge zumindest in der Anfangsphase noch wie die älteren Gruben im Glockenschaftbau betrieben wurden". (7)&lt;br /&gt;3) "Tongruben, die gegen Ende des 19.Jahrhunderts im Tagebau erschlossen wurden". (8)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Damit ist auch genannt, über welchen Zeitraum sich die von ihr aufgespürten Tongrubenrelikte erstrecken. Als Kerngebiet der Tongewinnung im 18.Jahrhundert nennt sie "die Ransbacher und Baumbacher Wiesen", "deren Tone für die Kannen- und Krugbäcker sämtlicher Ortschaften, und zwar wahrscheinlich nicht nur Kurtriers, unentbehrlich waren". (9)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das historische Abbaugebiet dieser Zeit ist rekultiviert oder mit Häusern bebaut. Am westlichen Ortsrand von Baumbach würden sich noch letzte Reste des Tagebaus auffinden lassen. Der moderne Tagebau habe bereits die meisten Spuren des historischen Tonbergbaus vernichtet. In Tabellen gibt sie eine Auflistung der Reliktgebiete vom Tonbergbau seit der kurtrierischen Zeit. Sie wurden über Archivalien aufgespürt, denen manchmal historische Belehnungskarten beilagen. Nicht alle Relikte, die aufgespürt wurden, verweisen eindeutig auf historischen Tonbergbau und sind deshalb strittig. Sie schreibt dazu:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Am einfachsten zu lokalisieren sind die Grubenbetriebe, die nach 1815 in Nassau lagen und demzufolge unter Belehnung gerieten, denn die Belehnungsflächen wurden von den Bergbehörden sorgfältig kartiert. Auch spätere Konsolidationen wurden erfaßt, so daß man die Entwicklung der Felder zum Teil anhand der Belehnungskarten nachvollziehen kann. Ein Vergleich mit dem Geländebefund zeigt aber, daß sich die tatsächlichen Abbauaktivitäten keineswegs mit den Belehnungsflächen decken. Zumindest die Daten der ersten Belehnungen sind erforderlich, um den Kern und die späteren Erweiterungen eines Feldes voneinander abgrenzen zu können." (10)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wie sehen nun solche Relikte des Tonabbaus aus? Sie schildert etliche Beispiele. Zwischen Befund vor Ort und historischer Belehnungskartierung war ein Zusammenhang herzustellen. Das, was an mündlicher Überlieferung zu einem Gebiet angetroffen wurde, war mit der Realität zu kontrastieren. Der Befund wurde kartiert, Bohrprofile ergaben Verdeutlichungen des Befundes in die Tiefe des Erdraumes. Einige Beispiele seien hier aus ihrer Arbeit gegeben. Das Grubenfeld am Scheid bei Hilgert beschreibt sie ausführlich. Es&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"stellt sich heute als ein Oval dar, dessen Längsdurchmesser ca. 150 m beträgt und etwa Ost-West gerichtet ist. In der Breite erstreckt sich die Fläche über 100-120 m. Sie wird in Nord-Süd-Richtung von der Hilgert-Baumbacher Gemarkungsgrenze geteilt." (11)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was sie dort antraf, war dies:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Das Abbaugebiet läßt sich in verschiedene Bereiche gliedern. Eine Fläche von ca. 60x50 m Durchmesser im Zentrum des Ovals, also sozusagen der Beckenboden, weist die größte "Pingendichte" auf, weshalb die verschiedenen Schachtöffnungen hier zum Teil optisch nicht mehr auseinanderzuhalten sind. Um den Beckenboden legt sich dann ein Kranz verschieden großer Pingen von ca. 30 bis 50 m Breite. Insgesamt konnten innerhalb dieses Kranzes 259 Pingen identifiziert und eingemessen werden." (12)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sie konnte aus der Verteilung der Pingen auf den ältesten Bereich dieses Abbaugebietes schließen. Die Glockenschächte, die hier in das Abbaugebiet eingeteuft wurden, wurden von sogenannten "Erdgräbern" vorgenommen. Es waren in der Regel Tagelöhner, die im Auftrag der Zunft der Kannenbäcker tätig waren. Es wurde ein Schacht bis zu 25 m tief in die Erde getrieben und beim Einteufungsvorgang zu einem glockenförmigen Hohlraum ausgehöhlt. Den Ton schaffte man nach oben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Von B.Heuser-Hildebrandt wurden mehrere solcher Glockenschachtfelder identifiziert und dokumentiert. Die Pingen sind meist annähernd kreisförmig oder oval anzutreffen und stehen voll Wasser.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Frühen Tontagebau hat sie z.B. in der Gemarkung Hillscheid angetroffen. Er lag zu kurtrierischer Zeit in einem Wiesenareal südöstlich der Bembermühle. Nordwestlich des Ortes fand sie Reste der Tagebaugrube Krebskohl. Dazu teilt sie mit:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Die Grube Krebskohl bestand bereits als nassauische Belehnung, und es ist daher davon auszugehen, daß zumindest in den benachbarten Belehnungen, wie z.B. der Grube Scheid, zu Anfang noch Glockenschachtbau betrieben wurde. /.../ Von der Tagebaugrube führte eine Betriebsbahn besonderer Art noch bis in die 60er Jahre unseres Jahrhunderts zur Hillscheider Schamottefabrik am nördlichen Ortsrand. Hierbei handelte es sich nicht um die sonst übliche schienengebundene Kleinbahn, sondern um einen Seilbahn..." (13)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man transportierte gegen Ende der Abbauzeit also bereits mit einer Seilbahn den Ton über eine Distanz von etwa 1 km bis zur Fabrik. Ab wann das so geschah, bleibt eine offene Frage.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;B.Heuser-Hildebrandt hat auch die historischen Kannenbäckerstraßen in der Landschaft gesucht und Relikte aufgefunden:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Diese Altwege standen in direktem Zusammenhang mit dem Export und der Vermarktung des Rohtones." (14)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Meist sind es Hohlweggleise, die sich besonders deutlich abzeichnen. Die Spuren der Wagenräder haben sich tief in den Boden eingegraben. Sie traf solche Befunde an:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Die einzelnen Hohlwege variieren in ihren verschiedenen Streckenabschnitten sowohl in der Breite als auch in der Tiefe, was auf unterschiedliche Bodenverhältnisse sowie Dauer und Stärke der Nutzung zurückzuführen ist. In den Grünlandflächen sind die Fahrgleise deutlich schwächer ausgebildet." (15)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein wichtiges Dokument, das sie aufspürte, betrifft unmittelbar die Baukunst. Im Jahre 1803 war auf Betreiben des fürstlichen Krugfabrikanten Remy, der die Kameralkrugfabrik in Ehrenbreitstein betrieb, darum gebeten worden, diese Fabrik nach Wirges in den Unterwesterwald zu verlegen. Holzmangel trieb ihn dazu. Der Rhein war damals Landesgrenze geworden, und er war vom Holz, das zuvor von der Mosel kam, abgeschnitten. Tatsächlich erfolgte die Verlegung dieser Fabrik nach Wirges. Eine Ansicht dieses Gebäudes, samt einem Lageplan, aus dem die Verteilung aller Bauanlagen auf dem Fabrikgelände dargestellt ist, hat sich erhalten. Es wurde in Wirges ein zweigeschossiger Bau errichtet, der an der Hauptfassade fünf Achsen hat. Die mittlere Achse wurde als Mittelrisalit herausgehoben. Lisenen links und rechts des Feldes, mit Tür und Fenster darüber, betonen zusätzlich die Eingangsseite. Über dem Mittelrisalit erhebt sich ein Tympanon, der Girlanden als Schmuck im Dreiecksfeld trägt. Fenster und Tür wurden mit Rustikamauerwerk aus Stuck gerahmt, das im Sturzbereich als scheitrechter Bogen zur Darstellung gebracht wurde.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die seitlichen Felder der Hauptfassade neben dem Mittelrisalit haben jeweils zwei Fensterachsen, die symmetrisch verteilt wurden. An den Gebäudekanten wurden Lisenen aufgemauert. Über dem Gebäude liegt ein Krüppelwalmdach. Die Architektur ist sehr schlicht gehalten. Das Bauwerk zeigt klassizistischen Baustil, hat hochrechteckige einfachste Fensteröffnungen, zwei kleine Dachgauben, drei Stufen vor der Eingangstür und dürfte innen sehr einfach und funktional eingerichtet gewesen sein. Die Schornsteine liegen am First und sind mit den jeweils zweiten Fensterachsen von links und rechts in Übereinstimmung gebracht, wurden also sehr symmetrisch verteilt angeordnet. Das Bauwerk in Wirges war 1806 fertiggestellt worden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Gebäude existiert inzwischen nicht mehr. Heute steht dort ein Bankgebäude. Die Verlegung dieser Fabrik nach Wirges zog andere Krugbäcker an den Produktionsstandort. Möglich war der Umzug der Kannenbäcker deshalb geworden, weil die Zunftordnung 1803-1804 aufgehoben worden war. Zuvor war nur im Umkreis eines Radius von 5 Meilen - diese Meile hatte 7,5 km Länge - um Grenzhausen eine Ansiedlung von Krugbäckern im Kannenbäckerland möglich gewesen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir haben also durch die Arbeit von B.Heuser-Hildebrandt eine reiche Dokumentation der kulturhistorischen Archivalien, welche die Landschaft des Kannenbäckerlandes bietet, vor uns, andererseits fand sich ein wichtiger Hinweis zur Baukunst des frühen 19.Jahrhundert in der kleinen Stadt Wirges. Nach weiteren Hinweisen ist zu suchen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Karl-Ludwig Diehl &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Anmerkungen:&lt;br /&gt;(1) zitiert aus: Birgit Heuser-Hildebrandt: Vorwort. 3 Seiten in: Birgit Heuser-Hildebrandt: Auf den Spuren des historischen Tonbergbaus im Kannenbäckerland. Mainz, 1995. 2.Seite des Vorworts.&lt;br /&gt;(2) zitiert aus: Birgit Heuser-Hildebrandt, wie vor, S.11&lt;br /&gt;(3) zitiert aus: Birgit Heuser-Hildebrandt, wie vor, S.12&lt;br /&gt;(4) siehe: Birgit Heuser-Hildebrandt, wie vor, S.12; sie zog ihr Wissen aus: E.Berdel: Die moderne Steinzeugindustrie im Unterwesterwald. S.75-82 in: Leo Sternberg (Hg): Der Westerwald. (1911), Reprint der 2.Auflage von 1924. Montabaur, 1977. S.75&lt;br /&gt;(5) siehe: Birgit Heuser-Hildebrandt, wie vor, S.12; sie zog ihr Wissen aus: R.Collet: Das Kannenbäckerland. Sonderheft der Nassauischen Blätter. Bad Ems, 1929. S.1f.&lt;br /&gt;(6)-(9) zitiert aus: Birgit Heuser-Hildebrandt, wie vor, S.117&lt;br /&gt;(10) zitiert aus: Birgit Heuser-Hildebrandt, wie vor, S.120&lt;br /&gt;(11)-(12) zitiert aus: Birgit Heuser-Hildebrandt, wie vor, S.122&lt;br /&gt;(13) zitiert aus: Birgit Heuser-Hildebrandt, wie vor, S.155&lt;br /&gt;(14) zitiert aus: Birgit Heuser-Hildebrandt, wie vor, S.171&lt;br /&gt;(15) zitiert aus: Birgit Heuser-Hildebrandt, wie vor, S.190&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6835589152084916324-2905985043558935154?l=strukturellebaugeschichte.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://strukturellebaugeschichte.blogspot.com/feeds/2905985043558935154/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6835589152084916324&amp;postID=2905985043558935154' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6835589152084916324/posts/default/2905985043558935154'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6835589152084916324/posts/default/2905985043558935154'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://strukturellebaugeschichte.blogspot.com/2009/12/der-wald-als-kulturhistorisches-archiv.html' title='Der Wald als kulturhistorisches Archiv einer Landschaft: Tonbergbau im Westerwald'/><author><name>Karl-Ludwig Diehl</name><uri>http://www.blogger.com/profile/11909949692992381573</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='31' height='32' src='http://3.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SOuBUB0BTyI/AAAAAAAAAAo/mQx-tvh1B6k/S220/Selbstporträt.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6835589152084916324.post-6450077913173692875</id><published>2009-12-01T07:01:00.000-08:00</published><updated>2009-12-01T07:16:33.137-08:00</updated><title type='text'>Flachdach und Dächerkrieg in der Biedermeierzeit: ein Nachdenken über die Art der Dacheindeckung im frühen 19.Jahrhundert</title><content type='html'>Das Flachdach hat schon seit geraumer Zeit eine vehemente Anhängerschaft. Diejenigen, die heute dafür in der Baukunst eintreten, wissen natürlich wenig über die Geschichte des Flachdaches. Sie beziehen sich auf die Zeit des Bauhauses und meinen oft, es sei in der sogenannten "Moderne" für die Baukunst "neu" erfunden worden. Es habe einen "Dächerkrieg" gegeben, aus dem die Anhänger des Flachdaches als Sieger hervorgegangen seien. Wer daran glaubt, macht sich etwas vor. Es gab diesen "Dächerkrieg" auch schon vorher. Das Wort wurde bereits in der Biedermeierzeit gebraucht, um den Konflikt zwischen Gegnern und Befürwortern des Flachdaches zu benennen. Es geht hier darum, das Wissen um das Flachdach durch baugeschichtliche Arbeit aufzuweiten. Wir wissen alle zu wenig darüber, besonders dann, wenn wir das Phänomen im gesamten Kontext der menschlichen Kulturentwicklung betrachten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jemand, der in der Biedermeierzeit seinem Hause "eine gefällige äußere Form geben und das schwerfällige nordische Ziegeldach beseitigen" wollte, hatte dies trotz "Aufopferung alles ökonomischen Dachbodenraumes" getan. Womit er sein Dach deckte, um Witterungseinflüsse, z.B. Regenwasser, abzuwehren, bildet eine offene Frage. Die Baugeschichte der Eindeckung von Flachdächern wird noch nicht geschrieben sein, wenn ja, ist sie höchst unvollständig. Nach Veröffentlichungen ist zu suchen. Historische Flachdacheindeckungen wären zu dokumentieren, oder bestehende Dokumentationen aufzuspüren und auszuwerten. Da der Dächerkrieg ein Bestandteil der allgemeinen menschlichen Kulturentwicklung auf dem Gebiet des Bauwesens sein muß, ist es notwendig, Fakten dazu zu sammeln. Der Dächerkrieg in der Biedermeierzeit in Deutschland hatte Parallelen anderswo, auf jeden Fall in Frankreich. Man unterstellte, das Flachdach sei im Brandfall feuergefährdeter und daher ein zu großes Sicherheitsrisiko. Es mag weitere Begründungen gegeben haben, mit denen versucht wurde, es abzulehnen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ferdinand Fischer machte sich im Jahre 1841 die Mühe, die Überlegungen mitzuteilen, welche für das Eindecken der Flachdächer mit Asphalt wichtig geworden waren. Denn es war die Erarbeitung eines Gutachtens erfolgt. Es ging um die Feuersicherheit:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Das königl.Württemb.Ministerium des Innern hat von dem Vorstande der polytechnischen Schule in Stuttgart, in Gemeinschaft mit sämmtlichen im Baufache und in den Fächern der Chemie und Physik bei dieser Schule angestellten Lehrern, ein Gutachten über die Zuverläßigkeit von Asphaltdächern in feuerpolizeilicher Hinsicht sich erstatten und umfassende Versuche anstellen zu lassen, um die Feuersicherheit der Asphaltdächer zu ermitteln und je nach dem Ergebnisse Vorschriften bei Gestattung derselben an die Hand geben zu können." (1)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es waren vier Ängste deutlich geworden, auf die einzugehen war mit Fragen, wie es sich wirklich verhält:&lt;br /&gt;- man hatte Angst, Asphaltdächer könnten leichter brennen als Ziegeldächer.&lt;br /&gt;- man befürchtete, asphaltierte Flachdächer könnten Löscharbeiten erschweren.&lt;br /&gt;- man rätselte darüber, ob solche Flachdächer zu verbieten sind, wenn sich die Befürchtungen bestätigten.&lt;br /&gt;- man fragte sich, ob sich ein drohendes Verbot umgehen ließ, wenn man bestimmte Voraussetzungen zur Steigerung der Sicherheit bei Feuer schafft. (2)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Da es darum ging, den Bau von Gebäuden mit Flachdach abzusichern, zu denen es eine ideologische Durchsetzungsstrategie in der Biedermeierzeit gab, also einen Dächerkrieg, mußte somit ein Weg gefunden werden, sicherzustellen, daß der Fraktion der Fachwelt, denen an einer Verhinderung des Flachdaches lag, keine guten Argumente zuflossen. Wer das Flachdach verhindern wollte, konnte argumentieren, es sei gefährlich, wenn es mit Asphalt überzogen wird. Und aufgrund der Feuergefahr sei es wenig sinnvoll, ein Flachdach zu bauen. Da andere Dacharten natürlich auch bei Feuerausbruch Gefahrenherde darstellen, ging es letztlich nur um die Frage, wie das mit Asphalt überdeckte Dach sich bei Feuer wirklich verhält und wie eventuelle Gefahren immer weiter reduziert werden können, sodaß diese Dachart im Vergleich mit den anderen akzeptierten Dachabdeckungsarten ähnlich gut, vielleicht sogar besser dastand. Da es daneben andere Flachdachabdeckungsarten gab, standen auch diese in einer Kritik. Deshalb wurde das Brandverhalten des Asphaltdaches im Jahre 1838 zugleich mit anderen Flachdacheindeckungsarten untersucht. Man tat das auf einem "Baudepotplatze zu Berlin":&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Im Jahr 1838 wurden auf dem Baudepotplatze der K.Ministerial-Bau-Commission zu Berlin Versuche mit siebenerlei verschiedenen Bedeckungen für flache Dächer in Beziehung auf ihre grössere oder geringere Feuersicherheit gemacht, worunter sich ein Asphaltdach befand. Jedes dieser Dächer wurde äußerlich und innerlich mit Holzscheitern und Spänen belegt, und gleichzeitig angezündet, so daß die Flamme in den Dächern mit dem Winde zugekehrten Oeffnungen sehr lebhaft fast den ganzen Raum erfüllte." (3)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man muß dazu sagen, eines dieser Dächer bei diesem Brandversuch war kein Flachdach,&lt;br /&gt;sondern hatte ein übliches "nordisches" Satteldach mit Ziegelbedeckung. Einige dieser Versuchsanordnungen hatten sehr flache Pultdächer.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Ergebnis erbrachte für das sogenannte Dorn'sche Dach und das Asphaltdach gute Ergebnisse, die natürlich von der anderen Dächerkriegspartei fleißig in Zweifel gezogen wurden:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Wenn ein Gebäude von innen brennt, so verbrennen Asphaltdächer dann nicht nur leicht, sondern noch lebhafter als andere Dächer." (4)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Den Satz hatte Fischer einer Abhandlung entnommen, die auch französische Untersuchungen zum Verhalten von Flachdachbauten im Brandfall einschlossen, von der er wußte, wie er formuliert,&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"daß der Aufsatz insbesondere im Interesse der Dorn'schen Bedachungsart geschrieben ist." (5)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dies sagt uns nun, daß die Betreiber unterschiedlicher Flachdacharten untereinander wegen ihrer Konkurrenzsituation durchaus bemüht waren, sich gegenseitig anzukreiden. Daraus konnten diejenigen Nutzen ziehen, die das Flachdach, auch aus ideologischen Gründen, ablehnten. Mit der "Dorn'schen Bedachungsart" wird man sich im Zusammenhang des Themas "Dächerkrieg in der Biedermeierzeit" noch zu beschäftigen haben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aus dem Aufsatz von Fischer kann der kulturpolitische Dissens, der im Dächerkrieg ausgetragen wurde, nicht sehr gut belegt werden, um ihn aufzuhellen, da die ideologischen Begründungen, die dazu dienten, eine Architekturtheorie für und wider das Flachdach auf dem Gebiet der Ästhetik der Baugestalt auszuformulieren, nicht durchgearbeitet und angeführt werden. Man muß sie sich anderswo zusammensuchen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Fischer äußert sich zu diesem Problem der ästhetischen Gestaltung nur marginal:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Wer sein Gebäude mit Asphalt decken lassen will, beabsichtigt den einen oder den andern dieser Vortheile, oder will seinem Hause eine gefällige äußere Form geben und das schwerfällige nordische Ziegeldach beseitigen, mit Aufopferung alles ökonomischen Dachbodenraumes und trotz der bedeutend größeren Kosten des Deckmaterials." (6)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Obwohl er ein Asphaltdach bespricht, sagt er damit zugleich aus, das "schwerfällige nordische Ziegeldach", also Dächer mit erheblicher Dachneigung, wird in der Biedermeierzeit abgelehnt, weil eine neue "gefällige äußere Form" gewollt wird. Wieso man diese Form des Hauses mit flachem Dach als gefällig empfand, und es haben wollte, wird nicht genauer erläutert und belegt. Dies wiederum wäre aber sehr wichtig, um das Streben nach dem gefälligeren Flachdach aus der Zeit heraus zu verstehen. Auch müßte man den Personenkreis ermitteln, der in der Biedermeierzeit ein Flachdach haben wollte, da ja nur Teile der Gesellschaft, und eigentlich nur die, die neu bauten, nach diesem vorgenannten ästhetischen Empfinden den Flachdachbau propagierten und zur Durchsetzung brachten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Gegner des Flachdaches erweiterten ihren Versuch, das Asphaltdach zu verhindern, dadurch, daß sie ebenfalls die Asphaltbodenplatten auf den Bürgersteigen vor Flachdachhäusern mit demselben Argument der zu starken Gefährdung bei Gebäudebränden bekämpften. Der Dächerkrieg hatte also reichlich Nahrung. Diese hitzige Debatte konnte durch die Untersuchungen des Verhaltens im Brandfall abgekühlt werden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In der architekturtheoretischen Auseinandersetzung, die im Kampf um die Moderne in der Biedermeierzeit mit dem Dächerkrieg ausgetragen wurde, spiegelt sich der Kampf der Baustoffindustrien. Am Flachdach konnte der keramischen Ziegelindustrie nicht gelegen sein. Da das Wort "Ziegel" vom Wort tegulum herkommt, das Dachplatte meint, genauso wie tegel in einer anderen Sprache, so muß man davon ausgehen, daß auch andere Dachziegelhersteller gegen das Flachdach eingestellt waren. Da die Dachstühle für solche Dächer in der Regel große Holzmengen benötigten, kann man sicher sein, daß die Holzindustrie, nicht nur der Balken wegen, sondern auch der Holzlattung wegen, das Flachdach ablehnte, gerne aber bereit war, die geringere Holzmenge pro Flachdachkonstruktion auch für diese Dächer zu liefern. Man wird also innerhalb dieser Industrie durchaus Konfliktstrukturen finden, welche zugleich ein gegenseitiges Ausspionieren beinhalteten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es gab allerlei Baustoffe zur Eindeckung und zum Bau stark geneigter "nordischer" Dächer. Diejenigen Industrien, die Baustoffe für Flachdächer lieferten, bildeten ein vergleichsweise schwaches Segment innerhalb der Baustoffindustrie. Trotzdem setzte sich das Flachdach durch, weil es eine architekturästhetisch ausgerichtete Architekturtheorie für den Flachdachbau in der Biedermeierzeit gab.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Karl-Ludwig Diehl&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Anmerkungen:&lt;br /&gt;(1) Ferdinand Fischer: Ueber die Zulässigkeit der mit Asphalt bedeckten Dächer in feuerpolizeilicher Hinsicht und über den Erfolg mehrerer Versuche zur Ermittlung der Entzündlichkeit der Asphaltdächer. S.135-141 in: Allgemeine Bauzeitung. Wien, 1841. S.135&lt;br /&gt;(2) siehe: F.Fischer, wie vor, S.135&lt;br /&gt;(3)-(4) zitiert aus: F.Fischer, wie vor, S.136&lt;br /&gt;(5) zitiert aus: F.Fischer, wie vor, S.136. Fischer nennt zwei Publikationen. Aus der einen zog er das entnommene Zitat, das unter Anmerkung (4) angeführt ist.&lt;br /&gt;(6) zitiert aus: F.Fischer, wie vor, S.135&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6835589152084916324-6450077913173692875?l=strukturellebaugeschichte.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://strukturellebaugeschichte.blogspot.com/feeds/6450077913173692875/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6835589152084916324&amp;postID=6450077913173692875' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6835589152084916324/posts/default/6450077913173692875'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6835589152084916324/posts/default/6450077913173692875'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://strukturellebaugeschichte.blogspot.com/2009/12/flachdach-und-dacherkrieg-in-der.html' title='Flachdach und Dächerkrieg in der Biedermeierzeit: ein Nachdenken über die Art der Dacheindeckung im frühen 19.Jahrhundert'/><author><name>Karl-Ludwig Diehl</name><uri>http://www.blogger.com/profile/11909949692992381573</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='31' height='32' src='http://3.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SOuBUB0BTyI/AAAAAAAAAAo/mQx-tvh1B6k/S220/Selbstporträt.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6835589152084916324.post-2448152669255242892</id><published>2009-11-30T12:16:00.000-08:00</published><updated>2009-11-30T12:21:54.076-08:00</updated><title type='text'>Die Interpretation der Welt als Geschichte: die revolutionäre Arbeitsmethode des Historismus</title><content type='html'>Die Moderne, die sich im 19.Jahrhundert entfaltet, war für die Menschen dieses Zeitalters ein spannendes Ereignis. Golo Mann schreibt dazu:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Daß man in einer ungewöhnlichen Zeit lebte, hatte man schon im späten 18.Jahrhundert geglaubt; aber damals hatte es sich um den einmaligen Schritt gehandelt, von einer mittelalterlich-unvernünftigen in die vernünftig geordnete Welt. Jetzt war immer Krise; jetzt hatte jede Zeit ihr eigenes Gesetz, um dessen Erfüllung sie rang.."  (1)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im 19.Jahrhundert blühten die Wissenschaften auf. Die alten Auffassungen brachen zusammen. Geologie, Paläontologie und andere wissenschaftliche Disziplinen schufen ein historisches Gerüst der Weltentwicklung, der Entwicklung des Lebens und der Menschheit. Immer weitere Fragen wurden aufgeworfen, wie sich alles entwickelt hat. Die Welt wurde immerzu neu geschichtlich interpretiert und der Historismus entstand als neue Methode, mit dem Vergangenen umzugehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Um das Neue entwickeln zu können, griff man auf die Vergangenheit zurück. Man wollte die Entwicklungsstränge verstehen, um an ihnen in die Zukunft hinein weiterbauen zu können. Das warf zugleich das Problem auf, wie mit den vielen Vergangenheiten umzugehen ist, die aufgeworfen werden konnten. Wertsysteme waren zu entwerfen, auf die hin Vergangenheit auszuwerten war. Der Sinn und Zweck jeglichen Tuns und Handelns geriet auf den Prüfstand. Man wollte die Bedingungen und Antriebe verstehen, welche zur Entfaltung der Geschichte geführt hatten. Und man wollte aus der Geschichte heraus die neuen Ziele des Handelns begründen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Voraussetzung für den Historismus war die Entdeckung der Individualität, "der unwiederholbaren Einzigkeit und Einzigartigkeit des Besonderen", wie Thomas Nipperdey es ausformuliert. Diese Individualität könne man nur erkennen, wenn man ihre Entwicklung begreife und wenn man versuche, sie aus ihren eigenen Voraussetzungen und nicht aus den überzeitlich verstandenen Voraussetzung der eigenen Gegenwart zu verstehen. (2)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Humanität ist dann nicht mehr Entfaltung der allgemein menschlichen Eigenschaften, sondern die Entfaltung seiner individuellen Anlagen. Historische Erscheinungen werden so zum Ausdruck vieler schaffender Geister. Der Sinn, der diesem geistigen Schaffen zugrunde liegt, ist endlich zu erschließen. Eine solche Arbeitsmethodik zu entwickeln, die den Sinn erschließen kann, der dem geistigen Schaffen der gestaltenden Individuen zugrunde lag und liegt, war das Thema der Moderne des 19.Jahrhunderts. Man wollte die historischen Vorgänge endlich begreifen, sie kritisch durchdringen, sie als Verflechtungen nebeneinanderstehender Ursachen verstehen, den Verursachungsprozeß dezidierter ergründen. Es ging darum, diese Unendlichkeit der Ursachen, die zugleich als Repräsentanten der inneren Freiheit des Menschen deutlicher entdeckt wurden, zu verstehen. Die Geisteswissenschaften explodierten. Und mit ihr explodierte die Quellenkritik. Es wurde üblich, deutlicher zu hinterfragen, was die Zeugnisse der Vergangenheit eigentlich aussagen. Es entstand "eine neue Überzeugung von der Unableitbarkeit und dem Eigenrecht des Individuellen", die das Geschehen, das zu den kulturellen Äußerungen der Menschheit geführt hatte, anders und kritischer betrachten ließ. Die Bewegungskräfte der Geschichte kennenlernen zu wollen, schuf eine aufregende Spannung, die man als das typische Kennzeichen des 19.Jahrhunderts ansehen kann.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es darf daher nicht verwundern, wenn in der historistischen Architektur immerzu Zitate von Architekturen vergangener Zeiten auftauchen und als bedeutungsvolle Verweise auf die komplizierten Entwicklungsstränge der Baugeschichte in der Architektur der Gegenwart des 19.Jahrhunderts plötzlich eine so große Rolle spielen. Die Fortschrittsgeschichte der Menschheit, die sich so in der historistischen Architektur widerspiegelt, hat auf diese Weise ihren ganz eigenartig schönen Ausdruck gefunden. Es entstand damals das Bild einer organisch gewachsenen Kultur, und ihren Wurzeln war man auf der Spur, alles das fand sich wieder als Abbild in der Architektur. Es ist grober Unfug, eine solche Baukunst so abzuwerten, wie man es im 20.Jahrhundert gerne tat. Im Gegenteil: man sollte sich die Baukunst des Historismus sinnvoll erschließen und ihren Wert herausarbeiten. In ihr liegt viel Schönheit.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Karl-Ludwig Diehl&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Anmerkungen:&lt;br /&gt;(1) zitiert aus: Golo Mann: Deutsche Geschichte des 19. und 20.Jahrhunderts. Frankfurt, 1989 (1958). S.110f.&lt;br /&gt;(2) siehe: Thomas Nipperdey: Deutsche Geschichte, 1800-1866. Bürgerwelt und starker Staat. München, 1991. S.500&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6835589152084916324-2448152669255242892?l=strukturellebaugeschichte.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://strukturellebaugeschichte.blogspot.com/feeds/2448152669255242892/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6835589152084916324&amp;postID=2448152669255242892' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6835589152084916324/posts/default/2448152669255242892'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6835589152084916324/posts/default/2448152669255242892'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://strukturellebaugeschichte.blogspot.com/2009/11/die-interpretation-der-welt-als.html' title='Die Interpretation der Welt als Geschichte: die revolutionäre Arbeitsmethode des Historismus'/><author><name>Karl-Ludwig Diehl</name><uri>http://www.blogger.com/profile/11909949692992381573</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='31' height='32' src='http://3.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SOuBUB0BTyI/AAAAAAAAAAo/mQx-tvh1B6k/S220/Selbstporträt.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6835589152084916324.post-7976734772197238792</id><published>2009-11-30T11:56:00.000-08:00</published><updated>2009-11-30T12:12:45.582-08:00</updated><title type='text'>Kritischer Geist steckt fest und findet nicht zum Neuen: Wahrheit und Lüge in der deutschen Baukunst am Ende des 19.Jahrhunderts</title><content type='html'>Im Jahre 1888 entschloß sich die Allgemeine Bauzeitung, einen Beitrag des Bau-Kommissärs Gruner zu drucken, dem daran lag, "Wahrheit und Lüge in der Baukunst" erkennbar zu machen. (1) Er formuliert eingangs, wohl anstachelt durch die Lehre der Tektonik von Bötticher:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"die Pflicht eines jeden Architekten sollte es /.../ sein, die Bedeutung der Elemente und Formen, mit denen erarbeitet, beständig im Auge zu behalten und die Tektonik bei seinen Entwürfen und Entschliessungen die letzte Richterin sein zu lassen." (2)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es sei einfach, ehrlich zu bauen, wenn es sich um reine Nutzbauten handelt. Das Aussehen sei Nebensache. Ein Heuspeicher, eine Wächterhütte oder eine Brücke für die Holzabfuhr würden in der Regel keine Kunstform erheischen, und man könne sie leicht so schlicht gestalten, wie es "ihr Zweck und die nackte Nothwendigkeit" erfordern.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bei einem Grundriß, selbst bei einer handwerksmäßigen Leistung, sei das meist schon anders, da immer verschiedene Anordnungen der Räume gewählt werden könnten. Da könne es durchaus passieren, daß unwahre Verhältnisse zustande kommen. Er erwähnt Treppen in Dresden:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"So findet man z.B. in Dresden häufig Hausfluren mit nach beiden Seiten aufsteigenden, scheinbar gleichwerthigen kurzen Treppen, von denen jedoch nur eine bis zur Haupttreppe, die andere hingegen nur bis zur nächsten Wohnungsthüre führt. Diese Anordnung ist nicht nur künstlerisch falsch, weil der für alle Hausbewohner bestimmte Weg zur Treppe wichtiger ist und dementsprechend anders betont werden muss, als der nur zu einer einzelnen Wohnung führende, - sondern sie ist auch unzweckmässig, weil man beim Eintritt in's Haus schwankt und nicht weiss, ob man sich nach rechts oder links wenden muss." (3)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Beispiel ist sehr gut gewählt. Es dürfte nützlich sein, auf ähnlich seltsame Anordnungen gestoßen zu werden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein Kind der Zeit dürfte jedoch diese kritische Anmerkung sein:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Eine andere Wahrheit im Grundriß liegt vor, wenn die Scheidewände der oberen Geschosse mittelst Eisenträgern ganz anders angeordnet werden, als die der unteren; denn die Baukunst pflegt die Stabilität, und ihre schwerlastenden Schöpfungen sollen entweder auf der Mutter Erde sicher gegründet ruhen, oder in Form von Bögen, Gewölben und Kuppeln sofort befriedigende Auskunft über ihr Freitragen geben. Das Inderluftschweben nach Vogelmanier, wobei man nicht recht weiss, wie es eigentlich ermöglicht wird, ist uns mit dem Begriff einer Mauer unvereinbar." (4)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Mauerwerksbau erheischt Mauern, die von Geschoß zu Geschoß übereinander stehen, so der Gedanke. Sobald weite Eisenträger zum Einsatz beim Mauerwerksbau kommen, verändert das jedoch die gesamten Verhältnisse. Es besteht dann in Wahrheit kein Grund mehr, Mauer über Mauer zu stellen. Die Tragwerksstruktur ist jedoch ungewohnt und die neuen Möglichkeiten, die damit geschaffen werden können, um der Architektur eine andere Sprache zu geben, sind noch nicht gut durchdacht, wenn eine solche Kritik geübt wird. Das tektonisch ausgerichtete Denken der Zeit will Mauer über Mauer und empfindet das als wahr. Gruner kann auch Fassadengliederungen im Mauerwerksbau nicht ertragen, bei denen zum Mittel der "blinden Fenster" gegriffen wird, da sie nach ihm "als anklagende Zeugen eines Konfliktes zwischen Grundriß und Façade dastehen" und nach ihm nichts anderes sind als Lügen. (5) In der Tat existiert dieser Konflikt zwischen Grundriß und Fassade, er macht aber zugleich deutlich, daß der Baustil weiterentwickelt werden muß, sodaß dieser Konflikt aufgehoben ist. Gruner ergeht sich deshalb in dem Thema Baustil:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Hier gilt es zuerst, sich wegen der Wahl des Styles schlüssig zu machen." (6)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er meint, "ein wirklich echter Styl" könne eigentlich garnicht gewählt werden, sondern man habe sich bei dem Entwurf eines Bauwerkes mit der Art der Raumüberdeckung, dem Zweck, dem Material, dem Zeitgeist, der künstlerischen Befähigung auseinanderzusetzen, da sich dadurch das Bauwerk selbst ergebe. Wenn man die einzelnen Aspekte durchgehe, könne man sehen, wie die Lage derzeit sei. Er zeigt dann am Beispiel des neuen Baustoffes Eisen auf, das es ganz neue Verhältnisse schafft, jedoch sich dadurch bis dahin kein neuer Baustil ergeben habe:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Soweit das Material in's Spiel, kommt, weist die Neuzeit wohl einen Faktor im Bauwesen auf, der geeignet wäre, den Anstoss zur Entwickelung eines neuen Styls zu geben: das Eisen in seinen verschiedenen Arten, wie: Guss-, Schmiede- und Walzeisen, und in seiner Verbindung mit kolossalen Glasflächen oder mit Füllmauern zu Dächern und Wänden. So viel aber auch schon in diesem Material gearbeitet worden ist, so grosse Bauwerke mit Hülfe desselben entstanden (es sei nur an die mächtigen Bahnhofshallen, die Ausstellungspaläste, die Brücken von riesenhafter Höhe und Spannweite erinnert): einen diesem Material eigenthümlichen Styl sahen wir bis jetzt noch kaum geboren werden und es hat auch kaum den Anschein, als ob dies dem lebenden Geschlechte beschieden sein würde." (7)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Offensichtlich, so sagt dieser Abschnitt, bringt ein neuer Baustoff mit neuen Eigenschaften zwar neue Möglichkeiten, aber bis daraus eine umwälzend neue Baukunst entsteht, vergeht Zeit. Bei den Eisenbahnwaggons blieben die Waggons für den Personentransport als Kutschengehäuse erhalten. Auch das Automobil erinnerte mit seinem Fahrgastgehäuse noch an Kutschen. Zur Architektur seiner Zeit sagt Gruner:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Bei all den genannten Bauwerken wurden entweder vom Architekten die Stylformen des Steinbaues angewandt, oder der Ingenieur begnügte sich mit der aus Zweck und Konstruktion sich ergebenden nackten Nutzform und verzichtete geflissentlich auf jeden Versuch einer künstlerischen Durchbildung." (8)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Satz spricht von einem Gegensatz Architekt und Ingenieur. Der eine könne sich nicht von den Gesetzmäßigkeiten des Mauerwerksbaues lösen und verharre in Baustilen, die mit dem Mauerwerksbau aufgekommen waren, der andere besitze die Fähigkeit, mit dem neuen Baustoff Eisen umzugehen, gelange aber zu keiner künstlerischen Durchbildung, sondern zeige den Baustoff gewissermaßen im Rohzustand. Gruner selbst repräsentiert diesen Konflikt, wie sich oben bei dem Thema Scheidewände zeigte. Nach der Logik des Mauerwerksbaues müssen sie übereinanderstehen. Seine Sicht der gestalterischen Fähigkeit des Ingenieurs läßt andererseits tief blicken. Er spricht ihm die Fähigkeit ab, gerade durch seine Vorgehensweise im Umgang mit dem Material eine neue Art der Baukunst zu erzeugen. Gruner ist nicht in der Lage, in diesen Tragwerksbauten der Ingenieure eine neue Epoche der Baukunst zu sehen. Er sieht auch nicht, daß gerade in der "aus Zweck und Konstruktion sich ergebenden Nutzform" der eigentliche Keim einer neuen Baukunst liegen müsse, die bereits in der Entfaltung begriffen ist. Er führt danach eine Klage über die Unfähigkeit der Architekten, aus ihrer Zeit heraus zum neuen Baustil zu gelangen:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Solche Erscheinungen, solche gänzliche Unfruchtbarkeit auf architektonischem Gebiete können den denkenden Architekten recht muthlos machen." (9)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Daß er selbst auf dem Gebiet der Architektur stecken blieb, reflektiert er nicht mit, sondern kritisiert diejenigen Architekten, die sich "mit einem allgemeinen Elan" "auf den Deutschrenaissance-Styl" warfen, wobei sie auf etwas zurückgegriffen hätten, was sich in Deutschland vor dem Dreißigjährigen Krieg entfaltet hätte und durch ihn untergegangen sei. Man würde heutzutage, so schreibt er im Jahre 1888, die deutsche Renaissance zur Modesache gemacht haben. Die Architekten hätten sie jedoch "nicht kapirt, sondern gedankenlos kopirt". Außerdem hätte man im Sturmschritt "alle nachfolgenden Stylperioden durchlaufen", schon sei man beim Barock und Zopf angelangt. Sein Fazit: "und die Architektur hat wieder einmal abgewirthschaftet." (10)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Eigenartige ist jedoch, daß er nur die Vorgehensweise der modernen Deutschrenaissanceler kritisiert und nicht die Tatsache, daß sie einen solchen Baustil erneut aufleben lassen. Sie hätten sich zu wenig darum gekümmert, wie "stylgerecht" in Form der Deutschrenaissance zu bauen ist. Er verweist auf Absurditäten:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"wenn wir aber diesem Styl zuliebe hohe Giebel errichten und damit in der Façade steile Dächer andeuten, wo keine Bodenräume und nur ganz flache Dächer dahinter liegen, oder wenn wir Dockengeländer auf eine Façade stellen, zu denen kein Mensch gelangen kann, so sind das eben Lügen" (11)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Kritik erscheint berechtigt, andererseits wird nur darauf abgehoben, wahre Verhältnisse auch innerhalb eines Neo-Stiles zu zeigen. Daß der Baustil selbst eigentlich überlebt ist, wird damit nicht gesagt. Es geht ihm um die Logik des Mauerwerksbaues, die rein daher kommen soll. Und wenn ein relativ flaches Dach gewählt wurde, soll das nicht kaschiert werden. Er sieht, wie aus dem weiteren Werdegang der Ideenentwicklung in seinem Aufsatz deutlich wird, unter den Architekten zwei Fraktionen vor sich, die handeln. Die einen würden sich an Semper anlehnen, der um ein Tragwerk eine künstlerisch gestaltete Hülle sehen wollte. Und außerdem gebe es diejenigen, die bemüht seien mit dem gegebenen Material, einer sinnvollen Konstruktion und durch die Kunstform zu einem harmonischen Ganzen zu kommen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Sempersche Linie sei falsch. Sie führe zur Lüge in der Baukunst:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Dieser Richtung huldigen diejenigen Architekten, welche dicke Säulen, vielleicht mit einem Eisenkern versehen, aus zahllosen einzelnen Ziegeln aufmauern, Kanneluren einhauen und mit Marmorstuck überziehen lassen, dass sie wie aus einem einzigen Stück geschaffen erscheinen; welche die Architrave über den Säulen als hohle Kästen, auf Eisenschienen, mit Ziegeln aufmauern und ihnen dann durch tadellos glatten Verputz das Ansehen riesenhafter, monolither Balken geben; welche die scheinbar kühnsten Gewölbe - in Brettern herstellen und den arglosen Enthusiasten damit täuschen." (12)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wie dem auch sei, Gruner sieht keinen neuen Stil vor sich, man müsse im Gegenteil auf überlieferte Formen zurückgreifen und aus diesem Fundus heraus solche Baustile zu neuer Qualität bringen. Diese überlieferten Stile, die zur Verfügung stehen und mit denen nach strenger Logik der Baukunst zu bauen sei, teilt er in zwei Hauptarten:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"die des klassischen und die des romantischen Styls" (13)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Den Architekturströmungen des romantischen Stils spricht er weniger Qualität zu, diejenigen, die auf der Linie des klassischen Stils arbeiten, lobt er. Den Griechen sei eine sehr klare Logik des Aufbaus ihrer Gebäude gelungen. Zu dieser einmal geschaffenen Qualität habe sich unter den Römern eine neue Qualität hinzugesellt, und man könne sich bei der heutigen oft minderwertigen Qualität der Baukunst damit trösten, daß "im Laufe der Jahrtausende nur ganz wenige neue Hauptformen hinzu erfunden worden" seien. Man ersieht daraus, Gruner ist von der Lehre der Tektonik des Bötticher sehr stark beeinflußt und sortiert ehrliche und verlogene Baukunst nach festen Kriterien. Allerdings arbeitet er dabei rückwärtsgewandt und will nicht wahrhaben, daß neben den Neo-Stilen bereits das "Neue Bauen" stattfindet. Er verliert sich in Betrachtungen, wie innerhalb der Baukunst mit Neo-Stilen zu mehr Reinheit und Wahrhaftigkeit zu kommen ist und prangert Lüge und Verlogenheit in dieser Baukunst an. Die griechische Baukunst ist ihm das Ideal schlechthin. Sie mache Staunen, und er bewundert,&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"dass die griechischen Baumeister ihre Detailformen mit Bewusstsein und Ueberlegung für den Steinbau ersannen und ausbildeten" (14)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Diese Logik des Steinbaus ist es wohl auch, welche die Architekten an die überlieferten Stile so sehr festband. Man sieht: auch gegen Ende des 19.Jahrhunderts gelingt die Loslösung ihren architekturtheoretischen Auffassungen von der historisch gewachsenen Steinbaulogik nicht. Die Lüge oder Wahrhaftigkeit, die man innerhalb des Systems der Logik des Steinbaus aufzeigen kann, läßt sich interessant aufgrund der Lehre der Tektonik diskutieren. Es kommt aber nicht automatisch dazu, die große Lüge dieses Zeitalters zu diskutieren, dessen Fachwelt so tut, als müsse von Architekten immer noch nach der Logik des Steinbaus gebaut werden, obwohl das neue Material Eisen eine ganz neue Logik der Baukunst erzeugt hat.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man könnte meinen, er findet zu dieser neuen Logik der Baukunst, welche das Eisen mit sich bringt, wenn man liest:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Wir nannten /.../ die zusammengeleimten, gelötheten und geschraubten Hauptgesimse "Lügen"; ist aber eine mildere Bezeichnung am Platze für jene Kragsteine unter Erkern und Balkonen, welche, aus Zinkblech oder Gyps hergestellt, als willkürlich, meist in Steinformen gestaltete Mantel der eigentlich tragenden Eisenkonstruktion an- und umgehängt werden, ohne die leiseste Andeutung des Prinzips, das dieser Konstruktion zu Grunde liegt?" (15)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber dies ist nicht der Fall.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hier liegt einerseits Sehnsucht vor, man könne mit einer künstlerisch veredelten Eisenkonstruktion zur Wahrhaftigkeit in der Baukunst gelangen, aber Gruner schildert zugleich das Dilemma, in dem er sich selbst befindet:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Ein gänzliches Brechen mit den überlieferten Stylformen und ein Neuentwickeln derselben von vorne an ist nicht denkbar; unsere Aufgabe ist es vielmehr, diese uns vererbten Formen mit modernem Geist zu erfüllen" (16)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man sieht: die Moderne der Architekten am Ende des 19.Jahrhunderts kann sich aus den Architekturtraditionen nicht lösen. Denn, so schreibt Gruner kurioserweise selbst:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"so sieht es bis jetzt leider nicht so aus, als ob unsere zeitgenössische Architektur einer wirklichen Besserung, nämlich der Vereinigung des echten Materials in schöner Form zum wahren Ausdruck baulichen Gedankens entgegenginge!" (17)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das ist genaugenommen Fundamentalkritik am Verharren in der Logik des Steinbaus, der Gruner mit seiner von Bötticher übernommenen Tektonik anhing. Was in diesem Aufsatz fehlt, ist die Auseinandersetzung mit dem Ingenieurbau dieses Zeitalters, um die Arbeitsansätze der Ingenieure, die parallel zu dem architekturtheoretischen Denken der Architekten entwickelt worden sind, im Vergleich durchdenken zu können. Gruner bringt nur eine pauschale Abwertung ihrer gestalterischen Fähigkeiten, was eine unproduktive Selbstreflektion des Architektendenkens mit sich gebracht hat.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Karl-Ludwig Diehl&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Anmerkungen:&lt;br /&gt;(1) Gruner: Die Lüge in der Baukunst. S.85-88 in: Allgemeine Bauzeitung. Wien, 1888&lt;br /&gt;(2) zitiert aus: Gruner, wie vor, S.85&lt;br /&gt;(3)-(4) zitiert aus: Gruner, wie vor, S.86&lt;br /&gt;(5) siehe: Gruner, wie vor, S.86&lt;br /&gt;(6)-(9) zitiert aus: Gruner, wie vor, S.86&lt;br /&gt;(10) siehe: Gruner, wie vor, S.86&lt;br /&gt;(11)-(13) zitiert aus: Gruner, wie vor, S.87&lt;br /&gt;(14) zitiert aus: Gruner, wie vor, S.88&lt;br /&gt;(15)-(17) zitiert aus: Gruner: Die Lüge in der Baukunst. S.94-95 in: Allgemeine Bauzeitung. Wien, 1888. S.95&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6835589152084916324-7976734772197238792?l=strukturellebaugeschichte.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://strukturellebaugeschichte.blogspot.com/feeds/7976734772197238792/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6835589152084916324&amp;postID=7976734772197238792' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6835589152084916324/posts/default/7976734772197238792'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6835589152084916324/posts/default/7976734772197238792'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://strukturellebaugeschichte.blogspot.com/2009/11/kritischer-geist-steckt-fest-und-findet.html' title='Kritischer Geist steckt fest und findet nicht zum Neuen: Wahrheit und Lüge in der deutschen Baukunst am Ende des 19.Jahrhunderts'/><author><name>Karl-Ludwig Diehl</name><uri>http://www.blogger.com/profile/11909949692992381573</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='31' height='32' src='http://3.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SOuBUB0BTyI/AAAAAAAAAAo/mQx-tvh1B6k/S220/Selbstporträt.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6835589152084916324.post-3917560211186318828</id><published>2009-11-30T11:43:00.000-08:00</published><updated>2009-11-30T11:50:15.509-08:00</updated><title type='text'>Eine Einkaufspassage aus der Biedermeierzeit in London</title><content type='html'>&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://2.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxQh6iVdZsI/AAAAAAAACLE/WxoejtzAJ3g/s1600/London+Bazar+1.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 258px;" src="http://2.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxQh6iVdZsI/AAAAAAAACLE/WxoejtzAJ3g/s400/London+Bazar+1.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5409986341911750338" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;In London war in der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts ein großer Bazar zwischen zwei parallelen Straßen der Stadt errichtet worden. Eine dieser Straßen ist genannt, die andere leider nicht. Das erschwert die Suche nach der ursprünglichen Lage dieser Verkaufsstätte. Der Haupteingang lag an der Oxfordstreet. Er war repräsentativ gestaltet. Vermutlich wurden hier die Herrschaften vorgefahren. Das Dienstpersonal betrat wohl von der Parallelstraße aus einen Warteraum, denn es heißt fast schon abwertend in einer Beschreibung zu dieser Neuheit in dieser Metropole:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Dann befinden sich daneben noch einige andere Zimmer n, o, in denen man ruhen und Erfrischungen zu sich nehmen kann, und wovon das Zimmer o für die Domestiken bestimmt ist, die ihre Herrschaften erwarten." (1)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Allgemeine Bauzeitung, die im 2.Jahrgang darüber berichtete, hält diese Einkaufspassage, für die es Vorbilder in Bazaren Vorderasiens gab, für eine ungewöhnliche Neuheit. Sie schwärmt über die Maßen von dem Bauwerk und will später darüber berichten, sobald weitere Unterlagen vorliegen:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Dieß ist ein flüchtiger Entwurf von dieser sehr bedeutenden Anlage, die wenige ihres Gleichen in der Welt haben mag, und wovon wir unseren Lesern sobald als möglich Zeichnungen und nähere Mittheilungen geben zu können hoffen." (2)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man hatte dem Bericht in der österreichischen Fachzeitschrift eine schlichte Grundrißzeichnung beigegeben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;An anderer Stelle im Text wird überschwenglich formuliert:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Dieser Bazar, der in der Konstruktion und Anlage wirklich höchst großartig ist, enthält einen ungeheuren Raum, in welchem Waaren jeder Art, Gemälde, Skulpturen und andere Kunstwerke, Kuriositäten, Antiken, alle Arten von Erfrischungen, Blumen und seltene Gewächse, kurz alles, was der Luxus nur erfinden mag, aufgestellt sind." (3)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Bazar, mit seiner orientalischen Prägung, wurde damals offensichtlich als sehr aufregend erlebt. Wer ihn betrat, befand sich von Luxusgütern umgeben. Es ist zu vermuten, daß nicht jeder den Bazar betreten konnte, sondern darauf geachtet wurde, daß nur eine bestimmte Klientel diesen Bazar betrat.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wertet man den Text zum Verständnis der Zeichnung aus, so ergibt sich folgende Anordnung der Räumlichkeiten:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;a) ist der auf Säulen ruhende Vorbau vor dem Hauptein-&lt;br /&gt;gang in den Bazar.&lt;br /&gt;b) ist der Eingang auf der Rückseite.&lt;br /&gt;c) ist das Vestibül am Haupteingang.&lt;br /&gt;d) sind die Gänge und Galerien des Bazars.&lt;br /&gt;e) ist der Vorraum vor der Treppe in die oberen Verkaufs-&lt;br /&gt;räume.&lt;br /&gt;f) ist die Treppe selbst, die nach oben führt.&lt;br /&gt;g) ist ein großer und hoher Saal, der die Höhe der beiden&lt;br /&gt;Verkaufsetagen hat. Durch Oberlicht wird der Saal erhellt.&lt;br /&gt;h) ist eine weitere Treppe an anderer Stelle, die in die obe-&lt;br /&gt;re Etage führt. Vermutlich bewegte sich der Einkäufer-&lt;br /&gt;strom auf dieser Treppe wieder abwärts.&lt;br /&gt;i) ist eine Rotunde, die sowohl unten wie oben vorhanden&lt;br /&gt;ist.&lt;br /&gt;k) ist ein Gewächshaus, von dem es heißt, es sei ganz&lt;br /&gt;aus Eisen konstruiert. Die Blumen, die darin aufzufinden&lt;br /&gt;waren, werden wohl sehr viel natürliches Licht gebraucht&lt;br /&gt;haben.&lt;br /&gt;l) ist der Springbrunnen im Gewächshaus.&lt;br /&gt;m) ist ein Gewächshausanbau, erweitert um Sitznischen,&lt;br /&gt;die im Halbrund um den Springbrunnen angeordnet sind.&lt;br /&gt;Man hat hier offensichtlich Bänke eingebaut und zu die-&lt;br /&gt;sen Nischenräumen Volièren hinzugefügt.&lt;br /&gt;n) ist der schon erwähnte Erfrischungsraum, an den sich&lt;br /&gt;der bereits genannte Warteraum&lt;br /&gt;o) für die Domestiken anschließt. (4)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es ist anzunehmen, daß die Domestiken nicht durch den Bazar wandern durften, sondern dies ein Privileg der gehobenen Gesellschaftsschichten war, die sich mit Dünkeln vor Eindringlingen aus unteren Schichten schützte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Obwohl der Text zu diesem Bazar sehr kurz ist, der ausgewertet wurde, bietet er doch sehr viel Einblick in die sozialen Verhältnisse im London der Biedermeierzeit. Dieser Bazar, wie es im Text heißt, "im türkischen Geschmack", ist eigentlich ein Bazar, der anders als ein türkischer Bazar, nicht jedem zugänglich ist, sondern als Luxuseinrichtung ausgewiesen wurde, in der die besseren Londoner Kreise in gediegener Umgebung Einkäufe tätigten. Der Orientalismus, ein Thema für sich, schuf, als Ausstattungsbewegung, offensichtlich den gehobenen Schichten ein adäquates Ambiente.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es dürfte interessant sein, herauszufinden, ob sich dieser historische Verkaufsraum noch erhalten hat. Desweiteren wäre die Funktion des Orientalismus in der europäischen Gesellschaft dieser Zeit herauszuarbeiten. Daß er als Baustil eine Variante der historistischen Architekturströmungen des 19.Jahrhunderts darstellt, darf angenommen werden. Man wird diesen Baustil aber nicht einfach als Stilgemisch auffassen können, sondern in der Begegnung mit dem Orientalischen die Nähe zu den anderen Kulturräumen geboten haben. Man wollte in einer globalisierten Welt leben. Diese galt vermutlich als ein offener Raum, die den reichen Reisenden zur Verfügung stand. Die Domestiken der jeweiligen Herrschaften hatten das Privileg, unterwürfig mit auf Reisen gehen zu dürfen, waren dabei aber ihrer Herrschaft ausgeliefert. Wer bereits unterwegs gewesen war, konnte in solch einem Bazar in seiner Erinnerung schwelgen. War er noch nicht unterwegs gewesen, bot sich ihm zumindest die Illusion, unterwegs zu sein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nach Recherchen stellte sich heraus:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Gebäude verschwand im Jahre 1937. (5) Zur genaueren Baugeschichte an diesem Ort gibt es gute Hinweise, die sich auswerten lassen. (6) Eine Fotografie des untergehenden Gebäudes fand sich. Weitere Recherchen sind nötig.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Karl-Ludwig Diehl&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Anmerkungen:&lt;br /&gt;(1)-(3) zitiert aus: o.A.: Der große Oxford Bazar oder das Pantheon in Oxford Street zu London. S.430 in: Allgemeine Bauzeitung. Wien, 1837&lt;br /&gt;(4) siehe die Auflistung im Zusammenhang des Textes von: o.A., wie vor, S.430&lt;br /&gt;(5) siehe zur Vorgeschichte dieses Bauwerkes:&lt;br /&gt;http://en.wikipedia.org/wiki/Pantheon,_London&lt;br /&gt;Darin am Ende die Notiz:&lt;br /&gt;"In 1833–34, the Pantheon was rebuilt as a bazaar by the architect Sydney Smirke. The whole of the roof and part of the walls of the old building were taken down, but the entrance fronts to both Oxford Street and Poland Street were retained, as were also the rooms immediately behind the former. The main space of the new building was a great hall of basilican plan, with a barrel-vaulted nave of five wide bays. In 1867, the building was acquired by W. and A. Gilbey, wine merchants, and was used by them as offices and show rooms until 1937. It was demolished shortly afterwards to make way for a branch of Marks and Spencer, which is still there." (6) siehe:&lt;br /&gt;http://www.british-history.ac.uk/report.aspx?compid=41477&lt;br /&gt;Foto vom Zustand des Gebäudes im Jahre 1937:&lt;br /&gt;http://www.british-history.ac.uk/image.aspx?compid=41521&amp;filename=fig...&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6835589152084916324-3917560211186318828?l=strukturellebaugeschichte.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://strukturellebaugeschichte.blogspot.com/feeds/3917560211186318828/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6835589152084916324&amp;postID=3917560211186318828' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6835589152084916324/posts/default/3917560211186318828'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6835589152084916324/posts/default/3917560211186318828'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://strukturellebaugeschichte.blogspot.com/2009/11/eine-einkaufspassage-aus-der.html' title='Eine Einkaufspassage aus der Biedermeierzeit in London'/><author><name>Karl-Ludwig Diehl</name><uri>http://www.blogger.com/profile/11909949692992381573</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='31' height='32' src='http://3.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SOuBUB0BTyI/AAAAAAAAAAo/mQx-tvh1B6k/S220/Selbstporträt.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://2.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxQh6iVdZsI/AAAAAAAACLE/WxoejtzAJ3g/s72-c/London+Bazar+1.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6835589152084916324.post-5882912066945159513</id><published>2009-11-30T11:27:00.000-08:00</published><updated>2009-11-30T11:40:54.918-08:00</updated><title type='text'>Auswertung der Aufsätze zu den im 19.Jahrhundert errichteten Bauwerken: ein Gebäude für die Seidenzucht in der Nähe von Paris</title><content type='html'>&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://4.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxQdDNFFUoI/AAAAAAAACKU/QWshfv7Y-Mc/s1600/Seidenbauhaus+1.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 299px;" src="http://4.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxQdDNFFUoI/AAAAAAAACKU/QWshfv7Y-Mc/s400/Seidenbauhaus+1.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5409980993266602626" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Der Architekt Destailleurs hatte in Villemonble, in der Nähe von Paris, für einen Herrn Grimaudet ein Gebäude für die Seidenzucht entworfen. Um dies tun zu können, nutzte er die Kenntnisse des H.d'Arcet, der ein Mitglied der französischen Wissenschaften in Paris war. Dieser hatte in Südfrankreich auf einer Forschungsreise sogenannte "Seidenbauhäuser" aufgesucht, um sich ein grundlegendes Fachwissen von der Seidenraupenzucht und den dafür notwendigen Gebäuden zu schaffen. Seidenraupen brauchen bestimmte Überlebensbedingungen. Sie müssen "den zu ihrer Zucht nöthigen Luftzug, so wie auch den passenden Grad von Wärme und Feuchtigkeit" antreffen. (1)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Offensichtlich war die Biedermeierzeit ein kulturgeschichtlicher Abschnitt, in dem in Europa die Seidenraupenzucht eine besondere Stellung einnahm, denn es heißt im Text aus dem Jahre 1836:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Bei der großen Ausdehnung, deren sich der Seidenbau gegenwärtig beinahe durch ganz Europa erfreut, und der wichtigen Stellung, die dieser Artikel im jetzigen Handel einnimmt, dürfte die Beschreibung eines zweckmäßig angelegten Seidenbauhauses von nicht geringem Interesse sein." (2)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es fragt sich also, wie zu dieser Zeit ein zweckmäßig angelegtes Seidenbauhaus aussehen sollte. Wir können zur Beantwortung dieser Frage das von Destailleurs geplante und für Grimaudet gebaute Bauwerk auswerten, da uns Grundrisse, Schnitte und weitere Hinweise zur Verfügung stehen. Was fehlt, sind Ansichten des Gebäudes, die uns etwas über den Baustil des Gebäudes aussagen könnten.&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://3.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxQdK4zh4CI/AAAAAAAACKc/nD1zowpy12Q/s1600/Seidenbauhaus+2.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 283px;" src="http://3.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxQdK4zh4CI/AAAAAAAACKc/nD1zowpy12Q/s400/Seidenbauhaus+2.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5409981125263220770" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Zu den Abbildungen auf dem Blatt XCV ist gesagt:&lt;br /&gt;"ist Fig. 1 der Grundriß des Erdgeschosses.&lt;br /&gt;Fig. 2 der Grundriß des ersten Stockes&lt;br /&gt;Fig. 3 Durchschnitt nach GH.&lt;br /&gt;Fig. 4 Durchschnitt nach EF.&lt;br /&gt;Fig. 5 Durchschnitt nach CD.&lt;br /&gt;Fig. 6 Durchschnitt nach AB." (3)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Außenmauerwerk bildet ein langgestrecktes Rechteck. An die Mitte der Längsseite des Gebäudes wurde ein Treppenhaus angebaut. Den großen Innenraum des Seidenbauhauses hat der Architekt durch zwei Innenwände im Erdgeschoß verkleinert. Im Erdgeschoß stehen Pfeiler, welche die Geschoßdecke zusammen mit dem Außenmauerwerk tragen müssen. Durch die Trennwand wurde "ein Gemach für kalte oder warme Luft" vom großen Raum abgeteilt. Es wurde von hier aus die gleichmäßige Wärmeverteilung im Gebäude abgesichert. Entweder wurde beheizte Luft zur Zirkulation gebracht, oder man nahm Eis, um in der zu warmen Jahreszeit die zu warme Luft abzukühlen, die verteilt wurde.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"In diesem Gemache /.../ befindet sich der Herd /.../ mit einem Rohre, welches in den Schornstein /.../ einmündet. Hier sind Vorrichtungen angebracht, um den Luftstrom reguliren, und ihm nach Bedürfniß einen höhern oder niedern Wärmegrad, so wie mehr oder mindere Feuchtigkeit mitzutheilen." (4)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der große Raum im Erdgeschoß wurde zum Trocknen der Maulbeerblätter genutzt. Außerdem wurden hier die Kokons der Seidenraupen abgesponnen.&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://4.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxQdcCrpd_I/AAAAAAAACKk/f-cWv7tmpIQ/s1600/Seidenbauhaus+3.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 286px;" src="http://4.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxQdcCrpd_I/AAAAAAAACKk/f-cWv7tmpIQ/s400/Seidenbauhaus+3.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5409981419972294642" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Das Obergeschoß ist ein sehr hoher Raum. In ihn mündet vom Raum im Erdgeschoß, in dem die genau regulierte Warmluft zur Zirkulation gebracht wird, hier und da "hölzerne Kanäle", aus denen die Luft herausströmt. Auf hohen Stellagen, zwischen die Arbeitsgänge eingebaut sind, liegen die Gitter der "Seidenbaustube", wie der hohe Saal im Text genannt wird. Auf den Gittern leben die Seidenraupen und werden mit Maulbeerblättern gefüttert.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Das Ausbrüten der Eier, Füttern der Würmer u. geschieht in diesem, so wie in jedem andern Seidenbauhause auf längst bekannte Weise." (5)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;D'Arcet verweist auf die Schriften von Dandolo und Bonafous, wo sich sehr genaue Erörterungen dazu finden liessen. Es ist anzunehmen, daß diese Schriften in der Biedermeierzeit in guten Bibliotheken vorhanden waren. Andererseits sind im ausgewerteten Text andere Angaben gegeben, welche auf die Raumnutzung verweisen:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Im Anfange der Zucht kann bloß 1/4 der Seidenbaustube benützt werden; zu dem Ende wird /.../ eine mit Papier bezogene Leinwand nach der ganzen Breite des Gebäudes aufgestellt, zugleich werden anfänglich alle Oeffnungen der untern und obern Züge in dem so abgeschiedenen Raume verstopft. Brauchen dann die Seidenraupen bei dem Fortgange der Zucht mehr Platz, so rückt man mit der Leinwand weiter vor, auch öffnet man nach und nach so viele Zuglöcher, als für nothwendig erachtet wird. Auf diese Art hat man jederzeit den Luftstrom in seiner Gewalt, ohne an Brennmaterial oder an Eis mehr verbrauchen zu müssen, als es die gerade vorhandene Menge der Seidenwürmer erfordert." (6)&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://1.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxQdqeC9oqI/AAAAAAAACKs/IHU2cfRAcqQ/s1600/Seidenbauhaus+4.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 268px;" src="http://1.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxQdqeC9oqI/AAAAAAAACKs/IHU2cfRAcqQ/s400/Seidenbauhaus+4.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5409981667836011170" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Man hat also, je nach Raumbedarf der Seidenraupen, die Seidenbaustube, also das hohe Obergeschoß mit seinen Stellagen, von einer verkleinerten Raumnutzung zu einer immer größeren Raumnutzung verändert. Dabei half eine Trennwand aus Leinwand, die mit Papier luftdicht verklebt war. Dadurch war nur der gerade für die Aufzucht der Seidenraupen zu nutzende Raum zu temperieren. Folglich ließ sich der Brennmaterialverbrauch optimieren, genauso die Verbrauchsmenge des Kühlmaterials, um der zirkulierenden Luft die immer gleichmäßig hohe Temperatur zu geben. Mit den damaligen Thermometern und Hygrometern wurde in engen Zeitabschnitten sehr regelmäßig die Raumtemperatur der "Seidenbaustube" kontrolliert. Man stieg auch in das Dachgeschoß, da dort oben an der Qualität der Luft gespürt werden konnte, ob die Bedingungen im Zuchtraum für die Seidenraupen optimal waren.&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://2.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxQd6dq2MxI/AAAAAAAACK0/hAj5bE1ud2A/s1600/Seidenbauhaus+5.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 274px;" src="http://2.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxQd6dq2MxI/AAAAAAAACK0/hAj5bE1ud2A/s400/Seidenbauhaus+5.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5409981942612767506" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Die technischen Einrichtungen, die zur Herstellung des optimalen Luftstroms gebraucht wurden, waren sehr umfangreich. Man arbeitete mit "Schubern", "Windfächern", Regulierschnüren im Obergeschoß und mit Ableitungsschläuchen verdorbener Luft z.B. im Erdgeschoß, um die bei Trocknungsprozeß der Maulbeerblätter entstandene Abluft entfernen zu können. &lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://4.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxQeKrdngXI/AAAAAAAACK8/p3PSdv9lJps/s1600/Seidenbauhaus+6.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 380px; height: 400px;" src="http://4.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxQeKrdngXI/AAAAAAAACK8/p3PSdv9lJps/s400/Seidenbauhaus+6.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5409982221193281906" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Man müßte Zeit dafür einsetzen, um die Seidenbauhäuser, die in der Biedermeierzeit gebaut wurden, oder in Betrieb waren, in einen Vergleich zu bringen. Dazu müßte sehr viel Archivmaterial zusammengetragen werden. Die Literatur zum Thema wird bereits sehr umfangreich sein, die auszuwerten wäre.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Karl-Ludwig Diehl&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Anmerkungen:&lt;br /&gt;(1) siehe dazu: d'Arcet: Beschreibung eines Seidenbauhauses, so wie dasselbe für die Gesundheit der Seidenraupen zweckmäßig erachtet wird, indem man demselben stets den zu ihrer Zucht nöthigen Luftzug, so wie auch den passenden Grad von Wärme und Feuchtigkeit mittheilen kann. S.438-441 und Zeichnungen auf dem Blatt XCV in: Allgemeine Bauzeitung. Wien, 1836. S.438 Die Redaktion der Allgemeinen Bauzeitung scheint diesen Text als Übersetzung in die deutsche Sprache abgedruckt zu haben, es finden sich jedoch im Text Hinweise darauf, daß die Redaktion eigene Textstellen eingebaut hat.&lt;br /&gt;(2)-(4) zitiert aus: d'Arcet, wie vor, S.438&lt;br /&gt;(5)-(6) zitiert aus: d'Arcet, wie vor, S.440&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6835589152084916324-5882912066945159513?l=strukturellebaugeschichte.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://strukturellebaugeschichte.blogspot.com/feeds/5882912066945159513/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6835589152084916324&amp;postID=5882912066945159513' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6835589152084916324/posts/default/5882912066945159513'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6835589152084916324/posts/default/5882912066945159513'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://strukturellebaugeschichte.blogspot.com/2009/11/auswertung-der-aufsatze-zu-den-im_8370.html' title='Auswertung der Aufsätze zu den im 19.Jahrhundert errichteten Bauwerken: ein Gebäude für die Seidenzucht in der Nähe von Paris'/><author><name>Karl-Ludwig Diehl</name><uri>http://www.blogger.com/profile/11909949692992381573</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='31' height='32' src='http://3.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SOuBUB0BTyI/AAAAAAAAAAo/mQx-tvh1B6k/S220/Selbstporträt.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://4.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxQdDNFFUoI/AAAAAAAACKU/QWshfv7Y-Mc/s72-c/Seidenbauhaus+1.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6835589152084916324.post-6894779566636680054</id><published>2009-11-30T10:31:00.000-08:00</published><updated>2009-11-30T10:53:22.721-08:00</updated><title type='text'>Wasserbau in der Biedermeierzeit: Nutzwassergewinnung im Mailändischen</title><content type='html'>&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://2.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxQTnOjbd5I/AAAAAAAACJ0/edbx5nWb0m0/s1600/Quellenfass+Mailand+1.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 381px; height: 400px;" src="http://2.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxQTnOjbd5I/AAAAAAAACJ0/edbx5nWb0m0/s400/Quellenfass+Mailand+1.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5409970617021331346" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;In der Biedermeierzeit wurde von der Provinz Mailand gesagt, sie besitze einen Überfluß an Quellen,&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"denn allenthalben finden sich größere oder kleinere Seen, nie versiegende Wasserbecken, die von Flüssen gebildet, wieder Flüsse erzeugen, und endlich Kanäle, die zur Schifffahrt und zur Bewässerung bestimmt, das Mailänder Gebiet in allen Richtungen durchziehen; und in einer Tiefe von nur wenigen Mailänder Ellen finden sich häufig Schotterschichten vor, die dem Wasser das Durchsickern gestatten." (1)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es wäre natürlich sinnvoll, gute topografische Karten aus der Frühzeit des Vermessungswesens auszuwerten, um diesen Landschaftsraum besser zu verstehen. Desweiteren wird es moderne Karten geben können, auf denen die historischen Wasserbauten kenntlich gemacht sind, sodaß Wasserbaumaßnahmen aus der Biedermeierzeit nachvollziehbarer werden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wasser wurde da gesucht, wo sich Schotter- oder Sandschichten aufspüren liessen:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Die Erfahrung hat gelehrt, daß reichliche Quellen dort zu vermuthen sind, wo Schichten quarzartigen Schotters oder Sandes gelagert sind, oder wo in der Nähe Seen oder grosse Wasserbecken mit einem hochgelegenen Wasserspiegel sich befinden" (2)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man mußte also einerseits gute Kenntnisse darüber haben, wie die Erdschichten aufgebaut sind, und andererseits ein Nivellement betreiben, um die Höhenunterschiede des Geländes zu kennen. Eine solche Bestandsaufnahme wird es aber nur hier und da gegeben haben können, weil solche Untersuchungen Geld verschlangen. Sie mußten jedoch der Anlage von Bewässerungsbrunnen vorangehen, weil offensichtlich der Bau solcher Anlagen kostspielig genug war. Deswegen wird angeführt:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"indessen pflegen die Mailänder der, mit nicht unbedeutenden Kosten verbundenen Anlage der Bewässerungsbrunnen (teste di fontana) folgende Untersuchung des Bodens voran zu schicken." (3)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man darf gespannt sein, wie der Boden damals untersucht wurde:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Man hebt nämlich auf derjenigen Stelle des Bodens, die man für quellenreich hält, und mit Rücksicht auf das Niveau des Ortes, dem das zu Tage geförderte Wasser zugeführt werden soll, eine Grube aus. Wenn nun bei dem Graben kein reiner, quarzhaltiger Schotter oder Sand vorgefunden wird, der das Auffinden von Quellen wahrscheinlich macht, so muß dieser Versuch an andern Orten wiederholt werden, bis man seinen Zweck erreicht" (4)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man hat also Probefreilegungen der Erdschichtung gemacht, hatte dabei aber den Ort, wohin später das Wasser zu bringen war, im Auge zu behalten und außerdem eine gute Kenntnis der Höhenunterschiede des Geländes zu erwerben, bevor diese Probefreilegungen angegangen wurden. Dabei mußte immer darauf geachtet werden, möglichst nur da eine Freilegung vorzunehmen, die schon beim ersten Versuch zum Erfolg führte. Der Grund war natürlich die Kosteneinsparung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ergab sich ein erstes sinnvolles Resultat, grub man tiefer:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"so wird mit dem Ausheben der Materien noch weiter in einer Tiefe von einigen Ellen fortgefahren, und der Stand bezeichnet, den das hervorgequollene Wasser in der Grube einnimmt; hierauf aus derselben eine bestimmte Quantität, z.B. so viel als ein Eimer faßt, herausgeschöpft, und mittelst einer Sackuhr genau die Zeit beobachtet, die verfließt, bevor der in der Grube gleich nach dem Schöpfen befindliche Wasserspiegel die Niveauhöhe erreicht hat, die vor dem Ausheben der Flüssigkeit vorhanden war." (5)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man war also darauf aus, die Ergiebigkeit zu ermitteln. Dazu wird wohl sehr viel Erfahrung eingebracht worden sein müssen, die auf einem modernen Erkenntnisstand beruhte. Wie dieser Erkenntnisstand zuvor war, ist angedeutet:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Mehrere Architekten, besonders aber Alberti und Milizia, geben einige Verfahrensweisen zur Auffindung der Quellen an, die jedoch, weil sie auf keiner verläßigen Basis beruhen, selten das gewünschte Resultat herbeiführen." (6)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Satz ist interessant, weil er eine Geschichte des Wasserbaus im Mailändischen andeutet, von der uns wenig bekannt ist. Es gibt im Text aus der Biedermeierzeit auch eine Notiz, die uns sagt, was damals für ergiebig gehalten wurde:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Die Größe der Ergiebigkeit einer Quelle steht im geraden Verhältnisse zu dem Zeitraume, der zur Wiedererzeugung der ausgehobenen Wassermenge nöthig ist; indessen nimmt man an, daß die Quelle schon ergiebig ist, wenn dieselbe den geschöpften Eimer in einer Minute ersetzt, wobei aber vorausgesetzt wird, daß die Weite der Grube, auf der Oberfläche des Wassers gemessen, etwa eine Flächenelle beträgt." (7)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ist die Ergiebigkeit der Quelle sichergestellt, wird sie in einem Wasserbecken gefaßt, und es kann durchaus sein, daß nach weiteren Quellen in demselben Gebiet gesucht wird. Auch diese werden in einem Becken gesichert. Es war ein gewisser Abstand zwischen den Becken einzuhalten, damit nicht die eine freigelegte Quelle die andere in ihrer Ergiebigkeit beeinträchtigte:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Werden nun mehrere Becken angelegt, so muß ihre Entfernung von einander beiläufig 300 Ellen, oder auch 300 Fuß eines Trabucco betragen. Rücksichtlich des Abstandes der Zuleitungsgräben aber, ist nur zu bemerken, daß derselbe von der Art sein soll, daß die Gräben einander nicht gegenseitig das Wasser entziehen." (8)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man wird sich nun mit diesen Becken beschäftigen müssen, um die Wassergewinnung besser zu verstehen. Dazu gibt es auch Zeichnungen.&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://4.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxQTuAqdBqI/AAAAAAAACJ8/-vElgjxgfh4/s1600/Quellenfass+Mailand+2.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 374px;" src="http://4.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxQTuAqdBqI/AAAAAAAACJ8/-vElgjxgfh4/s400/Quellenfass+Mailand+2.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5409970733551781538" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;"Nachdem man auf diese Weise sich des Vorhandenseins des Wassers versichert hat, schreitet man zu der Anlage des bereits genannten Bewässerungsbrunnens. Die Form der Becken ist zuweilen rechtwinklig, gewöhnlich aber krummlinig /.../, und ihre Wände neigen sich nach jener Seite hin, wo das Wasser entströmen soll, dergestalt, daß sie daselbst einen Trichter bilden, an den dann der Graben oder Kanal stößt, der das in dem Becken gesammelte Wasser seiner Bestimmung entgegenführt, und deßhalb der Zuleitungsgraben (asta di fontana, auch fontanile) genannt wird." (9)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es wurden zwei solcher Quellenfassungen mit Zuleitungsgraben auf einem Blatt mit Zeichnungen dargestellt, das dem Aufsatz vom Jahre 1836 beigegeben ist. Das Wort "Zuleitungsgraben" irritiert, da durch diesen Graben das Quellwasser dorthin abfließt, wo es gebraucht wird. Die Formulierung könnte daher rühren, daß man damals zu etwas leiten wollte, also hin zur Verbrauchsstelle. Man hätte heute vielleicht eher das Wort Ableitungsgraben erwartet, weil das Wasser durch diesen Graben abfließt. Es gibt Angaben zur Größe solcher Becken:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Die Becken sind gewöhnlich 120 Meter lang, und in ihrer größten Weite etwa 24 Meter breit. Die Sohle des Zuleitungsgrabens hingegen erhält eine Breite von etwa 2 Meter, welche Breite entweder zu- oder abnimmt, je nachdem die von derselben geführte Wassermenge größer oder geringer ist." (10)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Damit sind Ausdehnungen angegeben. Um sich eine Vorstellung zu machen, hilft der Vergleich mit einem Fußballplatz. Dessen Größe schwankt zwischen 90 x 45 m und 120 x 90 m. Man hätte also die Länge eines Fußballfeldes und die halbe Breite vor sich. Eine solche Größe für eine Quellfassung mit einem Wasserbecken kann Staunen erregen. Zur Tiefe des Beckens gibt es ebenfalls Angaben:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Das Becken wird /.../ so lange vertieft, bis dessen Grund etwa 0.30 Meter unter dem von dem Quellwasser gebildeten Wasserspiegel sich befindet; und die ihn umgebenden Erdwände erhalten eine Böschung, deren Basis zur Höhe sich wie 1 1/4 zu 1, oder wie 3 zu 2 verhält. Indessen ist es einleuchtend, daß dieses Verhältniß nach der besondern Beschaffenheit des Bodens oder Erdreichs auch wesentliche Aenderungen erleidet" (11)&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://1.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxQUC5G3fBI/AAAAAAAACKE/9HkcNELR348/s1600/Quellenfass+Mailand+3.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 213px;" src="http://1.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxQUC5G3fBI/AAAAAAAACKE/9HkcNELR348/s400/Quellenfass+Mailand+3.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5409971092300725266" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Man läßt die tieferen Stellen des Raumes bestehen und nimmt Erdreich weg, um überall mindestens eine Tiefe für von 0.30 m für das ausgedehnte Becken herbeizuführen. Unter Umständen muß das aus der Quelle ausströmende Wasser vor dem Abrutschen der Erdmassen am Beckenrand geschützt werden:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"und so wird denn auch für den Fall, als dasselbe gar zu locker sein sollte, der Fuß mit steinernen Pfählen versichert, die mittelst Anzügen und Zangen in ihrer lothrechten Stellung erhalten, und an ihrer Rückseite mit Bretern verkleidet werden, so daß sich die Böschungen an die Breterwand lehnen; die Entfernung der Pfähle unter einander hängt von deren Dimensionen ab; wenn jedoch durch die Erdwände zu viel Wasser durchsickern sollte, so ist es gut, die Pfähle möglichst dicht neben einander, jedoch so zu schlagen, daß zwischen denselben keine Zwischenräume bleiben, durch die das Wasser frei ablaufen kann. Da jedoch derlei Pfahlwände stets kostspielig sind, so ist es besser, entweder den Böschungen eine größere Neigung zu geben, oder ein anderes Schutzmittel zu wählen." (12)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man wird wohl darauf aus gewesen sein, die Böschung mit sehr geringer Neigung ansteigen zu lassen. Das langgestreckte Quellbecken erhielt in der Mitte einen eingetieften Graben, der dabei half, daß das Quellwasser leichter hervorquoll. War dieser Graben angelegt, der in den Wasserableitungsgraben am Ende des Beckens überging, so ließ man die Quelle ruhen, bis sich am Boden Wasserpflanzen bildeten. Man kannte Hinweise dafür, wo das Wasser im Becken aus dem Erdreich trat:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Das Erscheinen der gemeinen Kresse wird als das verlässigste Anzeichen von dem Vorhandensein des Quellwassers angesehen, und es werden dort, wo sie am häufigsten vorkommt, die bodenlosen Bottiche a a a untergebracht, welche Augen (ocoli di fontana) genannt werden." (13)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Anhand dieses Pflanzenbewuchses sah man also die Stelle, an der sinnvollerweise ein "ocoli di fontana" unterzubringen war. Dort wurde ein Holzbottich eingebaut. Man kann sich einen solchen Holzbottich auf einem Blatt mit Zeichnungen ansehen. Man entdeckt solche auch in den Grundrißplänen und im Schnitt.&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://4.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxQUK9h2x5I/AAAAAAAACKM/XYbYS5MJE6c/s1600/Quellenfass+Mailand+4.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 381px;" src="http://4.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxQUK9h2x5I/AAAAAAAACKM/XYbYS5MJE6c/s400/Quellenfass+Mailand+4.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5409971230926620562" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;"Ein solcher Bottich hat die Form eines abgestumpften Kegels, ist der längern Dauer wegen aus erlenen oder steineichenen Dauben verfertigt, und in der Mitte so wie an den beiden Rändern zu, mit eisernen Reifen versehen." (14)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man gab einem Bottich einen Durchmesser von etwa 1 m. Seine Höhe konnte 2,40 bis 3,00 m betragen. Es wurde im Quellbecken für jeden Bottich ein Loch ausgehoben, damit er über einem Quellbereich sicher eingelassen war. Er wurde so tief gesetzt, daß der Holzrand des Bottichs etwas über die Wasseroberfläche ragte. Darauf kam manchmal ein Holzdeckel, damit die Quelle rein blieb.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Verlagerte sich beim Eingraben des Bottichs die Ausquellstelle, nahm man den Bottich heraus und suchte nach einem anderen Standort. Es wurden reichlich Bottiche eingesetzt. In der einen Zeichnung findet man 25 solcher Bottiche. Diese hatten am oberen Rand ihre Einkerbungen, sodaß das Wasser austreten konnte. Die Wassermenge, die aus einem solchen großen Wasserbecken mit vielen Quellen abfloß, ist genannt:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Das Maximum des von einem Bewässerungsbecken erhaltenen Wasserquantums beträgt 8 Magistral-Unzen, das Minimum etwa 1 Magistral-Unze, und auf den Grund der Erfahrungen, die der Professor Venturoli, der Pater de Regi, dann die Hydrauliker Tadini und Michelotti gemacht, wird nunmehr von den Hydraulikern angenommen, daß eine solche Unze in einer Minute 2.18155 Kubik-Meter (10.38 mail. Kubik-Ellen oder 29 mail.brente) liefern; allein viel häufiger wird von den Mailänder Kunsterfahrenen angenommen, daß das obige Wasserquantum 2.26 K.Met. (30 Brente) betrage." (15)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neben den Maßangaben der damaligen Zeit sind die Namen der Hydrauliker von Interesse. Vermutlich sind es die profilierten Wissenschaftler dieser Provinz, oder des nördlichen Italiens, die sich mit solchen Fließgeschwindigkeiten beschäftigten und ihre Arbeitsergebnisse untereinander abklärten, um der Wahrheit am nächsten zu kommen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In diesem Text aus dem Jahre 1836 finden sich demnach Hinweise zahlreicher Art. Man kann ihm weitere Angaben entnehmen, etwa die, wie man Bauern entschädigte, solange die Quellen arbeiteten, das Wasser aber anderswo gebraucht wurde. Auch gab es Regelungen für den Fall, daß die Quellen versiegten und das Areal wieder für die landwirtschaftliche Nutzung freizugeben war. Seit Alberti und Milizia hatte sich der Wasserbau in der Region Mailand erheblich verändert und war modernisiert worden. Es dürfte nicht uninteressant sein, zu wissen, wie er sich weiterentwickelte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Karl-Ludwig Diehl&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Anmerkungen:&lt;br /&gt;(1)-(7) zitiert aus: o.A.: Verfahren der Mailänder bei dem Aufsuchen und der Leitung des Quellwassers. S.277-280 und Zeichnungen in: Allgemeine Bauzeitung. Wien, 1836. S.277&lt;br /&gt;(8) zitiert aus: o.A., wie vor, S.280&lt;br /&gt;(9)-(11) zitiert aus: o.A., wie vor, S.277&lt;br /&gt;(12)-(14) zitiert aus: o.A., wie vor, S.278&lt;br /&gt;(15) zitiert aus: o.A., wie vor, S.280&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6835589152084916324-6894779566636680054?l=strukturellebaugeschichte.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://strukturellebaugeschichte.blogspot.com/feeds/6894779566636680054/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6835589152084916324&amp;postID=6894779566636680054' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6835589152084916324/posts/default/6894779566636680054'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6835589152084916324/posts/default/6894779566636680054'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://strukturellebaugeschichte.blogspot.com/2009/11/wasserbau-in-der-biedermeierzeit.html' title='Wasserbau in der Biedermeierzeit: Nutzwassergewinnung im Mailändischen'/><author><name>Karl-Ludwig Diehl</name><uri>http://www.blogger.com/profile/11909949692992381573</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='31' height='32' src='http://3.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SOuBUB0BTyI/AAAAAAAAAAo/mQx-tvh1B6k/S220/Selbstporträt.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://2.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxQTnOjbd5I/AAAAAAAACJ0/edbx5nWb0m0/s72-c/Quellenfass+Mailand+1.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6835589152084916324.post-8281454209889997841</id><published>2009-11-30T09:59:00.000-08:00</published><updated>2009-11-30T10:29:05.574-08:00</updated><title type='text'>Auswertung der Aufsätze zu den im 19.Jahrhundert errichteten Bauwerken: große Gehöfte im Agrarraum um Mailand</title><content type='html'>&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://2.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxQO0cFu9mI/AAAAAAAACJs/7YYeLY-nsD4/s1600/Mailand+Geh%C3%B6fte+5.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 388px; height: 400px;" src="http://2.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxQO0cFu9mI/AAAAAAAACJs/7YYeLY-nsD4/s400/Mailand+Geh%C3%B6fte+5.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5409965346435036770" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Von Anton Peter Pestagalli, der in Mailand ansäßig war, gibt es einen interessanten Aufsatz aus dem Jahre 1836, der sich mit dem Gehöftbau im mailändischen Agrarraum der Biedermeierzeit beschäftigt. Man versteht dadurch um einiges besser, wie in diesem Landschaftsraum gewirtschaftet wurde und welche Bauwerke sich die Bauern schufen. Bei Pestagalli handelt es sich um einen "Ingenieur-Architekten und Adjunkten der k.k.Ober-Baudirekzion in Mailand". Offensichtlich hatte er sich sehr viele Agrarbetriebe angesehen und Vergleiche angestellt. Als Beispiel für viele solcher Gehöfte nahm er&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"das, dem Herrn Mauro Grassi gehörige, auf dessen Besitzung außer der Porta Ticinese im Weichbilde der Stadt Mailand gelegene Wirthschafts-Gebäude". (1)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Von diesem Gehöft ließ er Zeichnungen zu seinem Aufsatz drucken, um daran zu erklären, wie in der Regel solche Gehöfte aufgebaut sind. Es bleibt unklar, ob er selbst das Gebäude entworfen hat, oder ob es sich um eine Bestandsaufnahme handelt. Er könnte als Beleg für ein solches Gehöft auch den Plan eines anderen Architekten genommen haben.&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://2.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxQJvDefpTI/AAAAAAAACJM/uOisaQru7iU/s1600/Mailand+Geh%C3%B6fte+1.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 254px; height: 400px;" src="http://2.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxQJvDefpTI/AAAAAAAACJM/uOisaQru7iU/s400/Mailand+Geh%C3%B6fte+1.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5409959756370519346" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Da Teile Italiens damals zum Kaiserreich Österreich zugehörig waren, wird der Allgemeinen Bauzeitung daran gelegen gewesen sein, diesen Teil des österreichischen Herrschaftsraumes besser zu verstehen. Förster, der diese Fachzeitung ins Leben rief, war sehr lange Zeit südlich der Alpen gereist, um sich Eindrücke zu verschaffen und Autoren unter den Architekten dieses Kulturraumes für sein Fachblatt zu finden. Vermutlich war er bei dieser Reise auf Pestagalli gestoßen, der von dem Gehöft des Mauro Grassi sagt:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Mit größeren oder geringeren Abänderungen werden alle Gebäude dieser Art aufgeführt, und je nachdem die zu denselben gehörigen Gründe mehr oder weniger ausgedehnt sind, dann je nachdem sie bewässerungsfähig sind oder nicht, muß auch darnach die größere oder geringere Ausdehnung der Gebäude bemessen werden." (2)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Wirtschaften auf solchen Gehöften will verstanden werden. Auch muß man sich bewußt machen, wer alles auf einem solchen Gehöft lebte und was alles auf ihm unterzubringen war. Neben den Viehgattungen, die zu diesem Bauernhof gehörten, gab es auch Weiden für Bergamine:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Bergamine heißen die zur Erzeugung des Käses gehaltenen Kuhheerden, und diese Benennung rührt von Bergamini her, unter welchem Namen vorzüglich diejenigen Privaten verstanden werden, die in den Bergen der Provinz Bergamo und Brescia, so wie in der Schweiz, auf den dortigen Weiden Kuhheerden besitzen, und dieselben im Herbste in den Wirthschaftshöfen der Ebene unterbringen, um gegen gewisse, mit den Eigenthümern jener Höfe festgesetzten Bedingungen während der rauhen Jahreszeit die zu der Wirtschaft gehörigen Wiesen als Weide für ihr Vieh zu benützen." (3)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bergamini wurden aber auch solche genannt, die mit Vieh herumzogen, um es zu verkaufen, denn es heißt:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Bergamini heißen aber auch die Besitzer von Kuhheerden, die in der Lombardie umherziehen, um ihr Vieh an die Landwirthe zu verkaufen, und nur in der Provinz Brescia heißen diese umherziehenden Heerdenbesitzer malghesi." (4)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man hatte also durchaus Besuch durch Herdenbesitzer, die in der Ebene ihre Herden überwintern ließen, oder man hatte es mit Viehherden von herumziehenden Viehverkäufern zu tun, die für ihre Tiere pro Tagesabschnitt der Wanderung immer wieder eine Weide benötigten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Solche Gehöfte im Mailändischen waren in der Regel sehr groß und lagen meist im Mittelpunkt sehr ausgedehnter Fluren. Zur Besitzung von Mauro Grassi sagt Pestagalli:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Die Wirtschaftsgebäude werden im Allgemeinen im Zentrum der Wirthschaft, oder wenigstens nahe an demselben errichtet, und meistens umschlossen; und so liegt auch das nun zu beschreibende nahe an dem Zentrum der Besitzung, die 1000 Mailänder pertiche Grund vereint, und theils aus Wiesen, theils aus Aeckern besteht. Einige der Wiesen haben eine zeitweise, andere aber, nämlich die Winterwiesen, eine stete Bewässerung. Auch der Aecker sind zweierlei, nämlich solche, die, wie es in diesen Gegenden überhaupt gebräuchlich ist, mit Reihen von Weinreben, welche mitten durch das Getreide gezogen werden, bepflanzt sind." (5)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zu den pertiche ist gesagt:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Eine Mailänder pertica hat 654.50 Flächen-Meter." (6)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man kann sich also gut eine Vorstellung von der Wirtschaftsfläche eines solchen Gehöftes machen. Da eine Unterscheidung zwischen Winter- und Sommer- oder Wechselwiesen gemacht wird, nützen einige Sätze zum besseren Verständnis:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Die Winterwiesen unterscheiden sich von den gewöhnlichen Sommer- oder Wechselwiesen dadurch, daß sie nicht bloß in der mildern Jahreszeit, sondern auch im strengen Winter Gras liefern, weil sie überhaupt einen viel reicheren und mehr zugesicherten Zufluß von Wasser haben, das zur Winterszeit die ganze Fläche des Wiesengrundes ziemlich lebhaft überrieselt. Der große Nutzen, den solche Wiesen nicht bloß ihrem Eigenthümer, sondern überhaupt dem Lande bringen, mag daraus entnommen werden, daß dieselben bereits in der Mitte Hornung gemäht werden, und im Verlaufe von etwa 17 Monaten fünf bis sechs Grasernten liefern, sodaß man im Durchschnitte genommen von einem Wiener Joch 714 Wiener Zentner Gras erhält, von dem etwa nur 1/6 zu Heu gemacht wird." (7)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Doch wollen wir jetzt unsere Aufmerksamkeit auf die Bauanlagen richten. Neben den einfach gehaltenen Wirtschaftsgebäuden gab es die Wohnungen des Pächters und der Bauern.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Jene Theile, die äußerlich ein besseres Aussehen erhalten, sind die von den Pächtern (fittabili) oder von den Bauern (coloni) bewohnten, welch' letztere von den erstern zur Bestellung der Gründe aufgenommen werden, und von denselben hiefür entweder einen bestimmten Taglohn, oder einen gewissen Antheil an dem Fruchterträgnisse erhalen." (8)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Da gab es also den Pächter des Gehöftes mit seinen sehr ausgedehnten Ländereien und die von ihm abhängigen Bauern. Aber auch der Eigentümer lebte manchmal auf dem Hof, ließ aber dann für sich einen Agenten arbeiten, der das Wirtschaften auf dem Gehöft organisierte. Dieser wohnte meist, wenn der Eigentümer nur zeitweise in für ihn hergerichteten Wohnräumen lebte, um gelegentlich vor Ort zu sein, in der Pächterwohnung. Wer in der Biedermeierzeit mehr über die gegenseitigen Verhältnisse "zwischen den Eigenthümern oder Pächtern und den Bearbeiter der Gründe wissen wollte, ferner über die Lage, in der diese verschiedenen Bevölkerungsklassen" sich in der Lombardei befanden, informiert sein wollte, der konnte ein Werk des "Gubernialraths Burger" heranziehen, das im Jahre 1832 in Wien herausgekommen war. Zur Pächterwohnung gibt es bei Pestagalli einen Exkurs.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Die Wohnung des Pächters besteht zu ebener Erde aus irgend einem Vorgemache, aus einem mit einem Kamine versehenen Zimmer, in dem die Familie ihre häuslichen Verrichtungen vornimmt, aus der Küche mit dem hiezu gehörigen Backofen und Brunnen, aus einer Speisekammer, aus einem Weinkeller, der nach Möglichkeit unterirdisch angebracht wird, aus einer Waschkammer, aus einem Aufbewahrungsorte für die Feldgeräthschaften, endlich aus einer Holzlage, einem Hühnerstalle und einem Abtritte. In dem ersten Stockwerke, in das man über eine steinerne Stiege gelangt, befinden sich die Schlafzimmer, von denen aus das eine oder das andere einen Kamin hat, und das Arbeitszimmer des Familienhauptes." (9)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es besteht nun bei dieser Darstellung das Problem, daß diese Beschreibung nicht zu dem Beispiel paßt, das Pestagalli gibt, denn auf dem Gehöft des Mauro Grassi lebt der Eigentümer selbst. Der Bestandplan dieses Gehöftes zeigt neben dieser Wohnung des Eigentümers die Wohnung des Agenten, der für den Eigentümer die Bewirtschaftung organisiert. Die Räumlichkeiten sind im Plan zwar nummeriert, aber wie sie genutzt werden, ist nicht so ohne Weiteres festzustellen. Dazu kommt noch, daß neben der ausführlicheren Beschreibung einer Pächterwohnung im erklärenden Text nur Allgemeinheiten zur Wohnung des Eigentümers formuliert sind:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Nicht selten behält sich der Eigenthümer der verpachteten Gründe in dem ansehnlicheren Theile des Gebäudes einige Lokalitäten zu seiner eigenen Wohnung vor." (10)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das sagt also etwas für den Fall aus, daß Eigentümer und Pächter in dem Wohnteil des Gehöftes untergebracht sind. Als Alternative gilt dieser Fall:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Wenn aber der Eigenthümer der Gründe diese nicht verpachtet, sondern die Wirthschaft auf eigene Rechnung führt, und die Arbeiten durch Bauern besorgen läßt, dann wird die sonst von dem Pächter benützte Wohnung von einem Agenten bezogen, welcher die Arbeiten zu beaufsichtigen hat." (11)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir erfahren also eher eine Zusammenschau der Wohnverhältnisse auf den Gehöften im Mailändischen, die Wohnungen im abgedruckten Bestandsplan werden zwar als solche ausgewiesen, aber die Nutzung der Räume wird nicht erklärt. Es gibt jedoch andere Angaben, die dem Verständnis des Gehöftes dienen:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Die Wohnungen sind im Allgemeinen sowohl im ebenerdigen, als im obern Geschosse 4 Meter hoch, haben Fußböden von Ziegeln, Sturzböden, dann Thür- und Fensterverkleidungen von gewöhnlichen Formen, und sind überhaupt mit allen jenen Bequemlichkeiten versehen, die man sonst in den Wohnungen  der Handwerker oder in der Behausung einer Familie niedern Standes in der Stadt findet." (12)&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://1.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxQJ3q_kD-I/AAAAAAAACJU/-2N6kwQ3Zjw/s1600/Mailand+Geh%C3%B6fte+2.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 316px;" src="http://1.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxQJ3q_kD-I/AAAAAAAACJU/-2N6kwQ3Zjw/s400/Mailand+Geh%C3%B6fte+2.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5409959904417157090" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Eine Ergänzung informiert über Gärten:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Dann besitzen sowohl die Pächter als die Agenten durchgehends einen von Hecken oder Mauern eingeschlossenen Gartengrund, der ihnen das für ihre Küchen erforderliche Gemüse und auch Obst liefert." (13)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es muß sich um eine Beschreibung von Privilegien handeln, wenn von diesen Wohnungen und Gärten die Rede ist. Dem Bauern standen nur eingeschränkte Verhältnisse zu, ist zu vermuten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Die Wohnungen der Bauern bestehen gewöhnlich für eine jede Familie aus zwei Zimmern, von denen das eine zu ebener Erde und das andere im obern Geschosse sich befindet; und wenn es möglich ist, fügt man einer solchen Wohnung entweder inner- oder außerhalb derselben einen kleinen Ort hinzu, in dem die Familie das zu ihrem eigenen Gebrauche auferzogene Geflügel unterzubringen pflegt." (14)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auch diese Beschreibung ist eher allgemein, denn für den speziellen Fall des Hofes von Mauro Grassi schreibt Pestagalli zu den Wohnungen der Bauern:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Im vorliegenden Falle ist für die Bauern kein oberes Wohngemach vorhanden, dafür ist aber der Raum im Erdgeschosse größer" (15)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Übrigens wird zu den Wohnungen der Bauern gesagt:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Die Höhe der so eben besprochenen Lokalitäten entspricht der Höhe jener, die der Pächter inne hat, und man pflegt dieselbe nicht gerne geringer zu halten, weil die Bauern zum Behufe der Seidenzucht, womit die meisten auf Rechnung der respektiven Grundeigenthümer sich befassen, lüftige Wohnungen bedürfen." (16)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dieser Hinweis sagt viel über die sozialen Verhältnisse auf einem solchen Hof. Wir befinden uns in der Biedermeierzeit. Wie sich solche Gehöfte im Laufe der Zeit wandelten, das wäre interessant zu wissen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Über dem Wohnteil des Gehöftes lag ein sanft geneigtes Dach, das mit Hohlziegeln bedeckt wurde.&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://4.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxQKKbk8iSI/AAAAAAAACJc/WbSaziXIw7I/s1600/Mailand+Geh%C3%B6fte+3.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 316px;" src="http://4.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxQKKbk8iSI/AAAAAAAACJc/WbSaziXIw7I/s400/Mailand+Geh%C3%B6fte+3.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5409960226696497442" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Zu den übrigen Bauanlagen eines Gehöftes gehörten die Viehställe. Diese gab es für Kühe, Ochsen und Pferde. Da sich die Bezeichnungen im Italienischen unterscheiden, erlaube ich mir ein Zitat zu diesen Gebäuden:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"so sind wohl die bedeutendsten hierunter die Viehställe, deren es drei Gattungen gibt, nämlich Kuhstallungen (stalloni), gewöhnliche Stallungen (stalle) für die zur gewöhnlichen Feldarbeit, so wie zur Verfuhr der Feldfrüchte und des Düngers verwendeten Ochsen und Pferde, und endlich Reserve-Stallungen von geringem Umfange, in denen die erkrankten Kühe untergebracht werden." (17)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im Sommer mußte den Kühen ein anderer Aufenthalt ermöglicht werden:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Außerdem wird ein niedrig gehaltener und eingedeckter Portikus angelegt, der den Kühen zur Sommerszeit, da sie in ihren Stallungen von der starken Hitze zu sehr leiden würden, zum Aufenthalte dient, und in der Mailändischen Mundart barco genannt wird." (18)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was die Winterstallungen betrifft, so wurden unterschiedliche Raumhöhen für Pferde und Hornvieh geschaffen:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Die Höhe der Hornviehstallungen beträgt gewöhnlich nicht über 2.50 Meter, jene der Pferdeställe hingegen wird um 1 Meter größer gehalten. Die Fenster der ersteren sind meistens klein, weil dem Hornviehe ein allzu großes Licht nicht zuträglich ist, und außerdem die Räume zur Winterszeit wärmer bleiben; die letzteren, die lüftiger sein müssen, haben größere Fenster, die ihrer Form nach jenen der Wohngemächer nahe kommen." (19)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wer sich also um ein solches Gebäude bewegte, erkannte schon an den Fenstern die Funktion der Innenräume.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Für Heu wurden überdachte Lagerplätze geschaffen. War die Menge des geschnittenen Heues sehr groß, konnte man überdachte Vorbauten zur Lagerung nutzen. Man tat dies auch dann, wenn das Heu weiter austrocknen mußte, weil beim Transport o.ä. Regen aufgekommen war.&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://1.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxQKa8njodI/AAAAAAAACJk/cCE0I6FuJnc/s1600/Mailand+Geh%C3%B6fte+4.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 304px; height: 400px;" src="http://1.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxQKa8njodI/AAAAAAAACJk/cCE0I6FuJnc/s400/Mailand+Geh%C3%B6fte+4.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5409960510443725266" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;"Der Hof der Wirthschaft muß möglichst geräumig und sonnig sein, und wenn man demselben die Form eines gleichseitigen Rechteckes geben kann, wie in unserem Falle /.../, so ist es gut, in dessen Mitte die Scheune anzubringen, in der die Körnerfrüchte ausgedroschen und getrocknet werden; allein manchmal wird dieselbe außerhalb auf einem besondern Grunde aufgeführt. Der Boden der Scheune, welchen man mit vieler Sorgfalt aus Erde und Lehm bereitet, wird über dem Hofterrain in konvexer Form etwas erhaben gehalten, um den Abfluß des Regenwassers zu befördern, und ringsum mit einem Zaune oder einem niedern hölzernen Geländer umgeben, um das Vieh an dem Eindringen in die Scheune zu hindern." (20)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Lage des Käsemagazins direkt neben der Wohnung des Eigentümers des Hofes weist uns auf die Bedeutung der Käsezubereitung in einem solchen landwirtschaftlichen Betrieb. Es gibt Räume zur Aufbewahrung der täglich gewonnen Milch, wo kupferne Becken zum Einschütten bereitstehen. Es gab dafür Räume, die nur im Sommer genutzt wurden und offen gehalten waren, andere, die im Winter zu nutzen waren. Eine Käsekammer war zwischen diesen beiden Orten angelegt worden. Hier wurde die Milch gesotten, zum Gerinnen gebracht und daraus Käse gemacht. Der abgeschöpfte Rahm konnte zur Butter weiterverarbeitet werden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eine Dörrkammer (casirola) diente zur Einsalzung und Trocknung des weichen Käses. Danach, wenn die Trocknung abgeschlossen war, kam der Käse in das Käsemagazin. Man kann sich in den Grundrissen die Lage solcher Räume ansehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Zur Erzeugung des Käses wird in der Wirthschaft ein eigener Käsebereiter (casaro) gehalten, der mehrere Burschen unter sich hat" (21)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dem casaro stand eine eigene Wohnung im Gehöft zu. Sie läßt sich im beigegebenen Plan auffinden. Die Käserei selbst war besonders sorgfältig zu bauen, da sie sehr rein zu halten war. In der Nähe mußte auch ein Brunnen liegen. Man traf zu dieser Zeit im Mailändischen auf solchen Gehöften Schöpf- und Laufbrunnen an. Auf manchen Gehöften traf man auch auf Eisgruben, "welche mittelst rings um dieselbe gepflanzten hohen Bäumen gegen die Einwirkung der Sonnenstrahlen geschützt wird". Man brauchte sie offensichtlich bei der Käse- und Butterbereitung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Molken, die in der Käserei ein Abfallprodukt waren, wurden zur Schweinefütterung genutzt. Den Schweinen standen sehr niedrige Stallungen zur Verfügung. Da an Tränken für alle Tiere auf dem Hof zu denken war, gab es sie reichlich. In der Regel waren das Gräben, in die Wasser geleitet wurde.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zu einer Architekturbetrachtung fehlen im Aufsatz von Pestagalli die Ansichtszeichnungen. Er wird sie möglicherweise nicht beigegeben haben, weil es ganz unterschiedliche Baustile bei solchen Bauanlagen gegeben haben wird. Aber dies kann nur vermutet werden. Man müßte Gelegenheit haben, solche Bauernhöfe zu dokumentieren und Archivalien zu ihnen auszuwerten. Trotz dieser Einschränkungen, die sich bei Auswertung des Aufsatzes von Pestagalli ergaben, ist der Text sehr ergiebig, weil man sehr viel über diese Art der Gehöfte im Mailändischen erfährt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Karl-Ludwig Diehl&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Anmerkungen:&lt;br /&gt;(1) zitiert aus: Anton Peter Pestagalli: Ueber die landwirthschaftlichen Gebäude im Mailändischen. S.309-313 und Zeichnungen auf dem Blatt LXIX in: Allgemeine Bauzeitung. Wien, 1836. S.309&lt;br /&gt;(2) zitiert aus: A.P.Pestagalli, wie vor, S.313&lt;br /&gt;(3)-(4) zitiert aus einer Anmerkung der Redaktion zu dem Aufsatz von: A.P.Pestagalli, wie vor, S.309&lt;br /&gt;(5) zitiert aus: A.P.Pestagalli, wie vor, S.310&lt;br /&gt;(6) zitiert aus: A.P.Pestagalli, wie vor, S.309&lt;br /&gt;(7) zitiert aus der Anmerkung zum Aufsatz von: A.P.Pestagalli, wie vor, S.310&lt;br /&gt;(8)-(11) zitiert aus: A.P.Pestagalli, wie vor, S.310&lt;br /&gt;(12)-(16) zitiert aus: A.P.Pestagalli, wie vor, S.311&lt;br /&gt;(17)-(20) zitiert aus: A.P.Pestagalli, wie vor, S.312&lt;br /&gt;(21) zitiert aus: A.P.Pestagalli, wie vor, S.313&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6835589152084916324-8281454209889997841?l=strukturellebaugeschichte.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://strukturellebaugeschichte.blogspot.com/feeds/8281454209889997841/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6835589152084916324&amp;postID=8281454209889997841' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6835589152084916324/posts/default/8281454209889997841'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6835589152084916324/posts/default/8281454209889997841'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://strukturellebaugeschichte.blogspot.com/2009/11/auswertung-der-aufsatze-zu-den-im_3679.html' title='Auswertung der Aufsätze zu den im 19.Jahrhundert errichteten Bauwerken: große Gehöfte im Agrarraum um Mailand'/><author><name>Karl-Ludwig Diehl</name><uri>http://www.blogger.com/profile/11909949692992381573</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='31' height='32' src='http://3.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SOuBUB0BTyI/AAAAAAAAAAo/mQx-tvh1B6k/S220/Selbstporträt.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://2.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxQO0cFu9mI/AAAAAAAACJs/7YYeLY-nsD4/s72-c/Mailand+Geh%C3%B6fte+5.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6835589152084916324.post-1031313013788233693</id><published>2009-11-30T09:39:00.000-08:00</published><updated>2009-11-30T09:59:05.476-08:00</updated><title type='text'>Das Badezimmer in der Biedermeierzeit: Lassaulx richtet zwei Bäder in einem Bürgerhospital in Koblenz ein</title><content type='html'>&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://4.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxQFEVyQJlI/AAAAAAAACI0/ucsuZGVinN8/s1600/Kobl+Bad+1.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 275px;" src="http://4.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxQFEVyQJlI/AAAAAAAACI0/ucsuZGVinN8/s400/Kobl+Bad+1.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5409954624504342098" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;In Koblenz arbeitete in der Biedermeierzeit ein Baumeister, der die Stelle eines Bauinspektors inne hatte. Dieser Baumeister Lassaulx fiel durch allerlei Veröffentlichungen auf, in denen er Erfindungen und Verbesserungen vorstellte. Er war auf eine Textstelle im Dictionnaire technologique gestoßen, durch die auf die "sinnreiche Heizmaschine" des Kupferschmieds Bizet in Paris hingewiesen wird. Dieser hatte seine Vorrichtung bereits genutzt, damit aufgeheiztes Wasser für Badewannen zur Verfügung stand. Daraufhin machte sich Lassaulx daran, im Bürgerhospital in Koblenz eine Beheizungsanlage für das Wasser zweier Badewannen einzurichten. Über Rohrleitungen war dadurch warmes Badewasser für Badewannen in zwei Badezimmern verfügbar geworden. Eine solche Einrichtung war sicherlich zu dieser Zeit eine große Neuerung. (1)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zur Auswertung stehen uns ein Grundriß und ein Schnitt der nebeneinander liegenden Baderäume, sowie Detailzeichnungen der Beheizungsanlage zur Verfügung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Lassaulx weist darauf hin, daß "der eigentliche Erfinder" dieser Heizmaschine, also der Kupferschmied Bizet, sie bereits mehrmals für einzelne Bäder angewendet hat,&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"wo die Anlage ungleich wohlfeiler ist, indem hier der Wasserkasten, so wie die Schließhähne, unnöthig sind, und für die Heizmaschine ein Durchmesser von 8 Zoll im Lichten völlig hinreichend befunden wurde" (2)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bevor ihm diese Erfindung von Bizet bekannt war, hatte Lassaulx in seinem Haus bereits eine Beheizungsanlage für sein Badewasser eingerichtet. All dies wirft Fragen auf, wie damals gebadet wurde und welche Vorrichtungen geschaffen worden waren, damit warmes Wasser zum Baden in Badewannen zur Verfügung stand. Doch beschäftigen wir uns hier nur mit den Baderäumen im Bürgerhospital in Koblenz. Die damalige Installation ist ausführlich beschrieben worden, damit die Zeichnungen verständlich werden:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"In einem Zimmer des obern Stocks in der Nähe der Krankensäle, und etwa 4 Fuß über dem Fußboden, steht ein hölzerner, mit gewalztem Blei ausgeschlagener Wasserbehälter A, Blatt LXII Fig.1 (im Grundriß, welcher durch die Steigröhre B einer im unteren Stock befindlichen Pumpe gefüllt wird." (3)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man hat also zunächst mit Hilfe einer Pumpe das kalte Wasser in das Obergeschoß gepumpt. Es floß in einen Wasserbehälter aus Holz, der mit Blei ausgeschlagen war. Dieses Wasser konnte in die Badewannen abgelassen werden. Der Wasserbehälter speiste auch eine Entnahmestelle im Flur des oberen Stockwerkes. Wer Wasser benötigte, konnte sich hier Wasser entnehmen. Lassaulx formuliert zu dem Wasserbehälter:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Er hat zwei Hähne C und D; durchs Oeffnen des erstern und mittelst einer vorgelegten Rinne kann sowohl die kupferne Badewanne E, als auch eine zweite F in dem anstossenden Zimmer, Fig.2, durch den in der Zwischenwand eingemauerten Trichter G gefüllt werden. Der andere Hahn D steht über einem Wasserstein auf dem Flur vor beiden Zimmern, damit das für den Bedarf der Bewohner des obern Stocks erforderliche Wasser hier abgezapft werden kann, und nicht aus dem untern Stock heraufgetragen werden muß, wodurch die Reinlichkeit der Treppe und Gänge mehr oder weniger leidet." (4)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es ist sinnvoll, sich diesen Umstand bewußt zu machen. Im ersten Zimmer in der linken Ecke stand erhöht dieser mit Blei ausgeschlagene Holzkasten, dem mit einer Wasserpumpe aus dem Geschoß darunter Wasser zugeführt wurde. Von einem Wasserhahn, der keine Rohrverbindung zu den Badewannen hatte, ließ man Wasser über eine Rinne, die vermutlich angehängt wurde, in die Badewanne in demselben Raum ablaufen, die an der anderen Wand stand. In der Nähe dieser Badewanne befand sich in der Wand ein Trichter, in den ebenfalls Wasser eingelassen werden konnte. Es floß aus dem Trichter in einem Rohr in die Badewanne des benachbarten Bades. Damit das möglich war, mußte ebenfalls eine Rinne zwischen dem Wasserbehälter und diesem Trichter angelegt werden. Ein direkter Zufluß bestand nur zu der Wasserentnahmestelle im Flur. Bevor diese Wasserentnahme möglich wurde, mußten alle Personen, die im oberen Geschoß Wasser benötigten, nach unten laufen. Dadurch waren zuvor viele Unannehmlichkeiten vorgefallen, die nun reduziert waren.&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://4.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxQFL2IKTlI/AAAAAAAACI8/wftfdU9KJ-U/s1600/Kobl+Bad+2.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 185px;" src="http://4.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxQFL2IKTlI/AAAAAAAACI8/wftfdU9KJ-U/s400/Kobl+Bad+2.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5409954753445252690" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Da das Hinaufpumpen des Wassers in den Wasserkasten im Obergeschoß auch zum Überlaufen führen konnte, hatte Lassaulx einen Überlauf eingerichtet. Dies ist so beschrieben:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Die offene Röhre H steht etwas unter dem obern Rand des Wasserbehälters, und verhütet das Ueberlaufen desselben; sie führt in die Ablaufröhre J des Wassersteines auf dem Gange, und diese, wie jene KK der Badewannen, nach dem Trichter L einer außerhalb des Gebäudes angebrachten Ableitungsröhre." (5)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn man sich das im Grundriß ansieht, sieht man drei Rohre, die aus den Badezimmern zu einem Wasserablauf außerhalb des Gebäudes hinstreben. Das sagt erst einmal, daß der Wasserablauf besser organisiert wurde als der Zulauf.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nun zur "Heizmaschine" selbst. Um es vorweg zu nehmen, es ist ein Durchlauferhitzer. Das in die Badewanne eingelassene Wasser fließt durch ein unteres Rohr in die Heizmaschine, wird dort erwärmt, und fließt durch eine oberes Rohr in die Wanne zurück. Die Beschreibung aus der Biedermeierzeit ist so gehalten:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Zur Erwärmung der Bäder dient die Heizmaschine M, Fig. 1 und 3, 4, 5 in der Ecke des ersten Zimmers. Sie besteht aus einem kupfernen birnförmigen Feuerbehälter N, Fig. 4 und 5, welcher offen und mit einem Rost O versehen ist; er endigt oben in einer Röhre P aus Eisenblech, welche den Rauch in eine benachbarte Schornsteinröhre abführt. An der Seite dieser Röhre befindet sich ein mit einem Deckel versehener Arm Q zum Einbringen der Kohlen. Der zwischen dem Feuerkasten N und dem Mantel R, von gleichem Metall und Form, bleibende Raum S steht mittelst den angelötheten kupfernen Röhren T T mit beiden Badewannen in Verbindung, von denen die eine oder die andere durch Schließung der Hähne V V V V von der Heizmaschine abgeschlossen werden kann. Ist nun die Badewanne gefüllt und sind die Hähne geöffnet, so füllt sich jener Zwischenraum S in der Heizmaschine natürlich ebenfalls mit Wasser, alsdann erst darf, aus begreiflichen Gründen, das Feuer angezündet werden, was durch einen unter den Rost gehaltenen brennenden Span, oder einige Papierschnitzel geschieht. Das Wasser zwischen dem Feuerbehälter und Mantel wird nun erwärmt, hierdurch spezifisch leichter, strömt mithin durch die obere Röhre in die Wanne, und ersetzt sich sofort durch die untere: es entsteht also ein Kreislauf, der so lange durch Nachfüllen von Kohlen unterhalten wird, bis das Badwasser den gewünschten Wärmegrad erhalten hat." (6)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man muß also zunächst das Wasser in die Badewannen einlassen, die zum Baden genutzt werden sollen, dann wird der Ofen zum Heizen vorbereitet und die Hähne der Zirkulationsleitung des Wassers werden geöffnet. Dann wird der Ofen angezündet und durch die Hitze des Feuers erwärmt sich ein Wasserspeicher, der um diese Hitzequelle angeordnet ist. Nun setzt sich durch die Erwärmung des Wassers der Kreislauf in Bewegung. Sobald das Wasser in der Badewanne die gewünschte Temperatur hat, wird kein Brennmaterial mehr in den Ofen gegeben und das Feuer verliert an Kraft und geht schließlich aus.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es stellt sich die Frage, wie man damals bei einer solchen Anlage das Badezimmer zu organisieren hatte. Lassaulx schreibt:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Die Heizmaschine steht auf einer Steinplatte, damit die auf ein untergestelltes Blech fallende Asche den Fußboden nicht schädigen kann. Da der Rost in der Heizmaschine etwas von dem Fußboden entfernt, auch die obere horizontale Röhre etwas tiefer als der Wasserstand in der Wanne liegen muß, so wurde jede Wanne auf eine kleine Erhöhung W gestellt, die zugleich die Abflußröhren K K bedeckt und gegen Beschädigungen schützt, dabei etwas breit ist, damit die Krankenwärter darauf stehen können, um schwache Kranke bequem in und aus dem Bad zu heben." (7)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man hat also den Ofen auf einer Steinplatte positioniert, damit die Brandgefahr reduziert ist, wenn Asche vielleicht noch mit Glut auf ein Blech aus dem Ofen abgelassen wird.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Außerdem erzwangen die Rohrleitungen zwischen Durchlauferhitzer und Wanne einen etwas erhöhten Standort der Badewannen, da das obere Rohr "etwas tiefer als der Wasserstand in der Wanne" liegen mußte.&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://2.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxQFgXm6AdI/AAAAAAAACJE/70GZNJlLlnM/s1600/Kobl+Bad+3.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 270px;" src="http://2.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxQFgXm6AdI/AAAAAAAACJE/70GZNJlLlnM/s400/Kobl+Bad+3.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5409955106029961682" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Da Kranke in diesen Badewannen gebadet wurden, war die Plattform, auf der die Wanne stand, ausreichend breit zu machen, damit das Pflegepersonal die Patienten in das Wasser ablassen und relativ sicher aus dem Bad heben konnte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Damals wurde auch geduscht. Es ist so dargestellt:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Sollen Duschbäder gegeben werden, so geschieht dieß mit einer kleinen Druckpumpe, welche in die Wanne gestellt, an dieselbe befestigt und von den Kranken, oder den Wärtern in Bewegung gesetzt wird, außerdem auch zugleich als Handfeuerspritze benutzt werden kann." (8)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man pumpte also das warme Badewasser in der Wanne mit Hilfe einer Handpumpe zu einem Duscharm, sodaß der Patient leicht von allen Seiten abgeduscht werden konnte. Leider fehlt eine Abbildung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Lassaulx schildert weitere Beheizungsarten des Badewassers, die aber hier nicht abgehandelt werden sollen, da es nur um den Durchlauferhitzer im Bürgerhospital in Koblenz gehen soll.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es hatte mich etwas überrascht, bereits in der Biedermeierzeit einen Durchlauferhitzer anzutreffen. Dieser scheint von dem Kupferschmied Bizet erfunden worden zu sein. Man wird dem genauer nachgehen müssen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Karl-Ludwig Diehl&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Anmerkungen:&lt;br /&gt;(1) siehe: Lassaulx: Beschreibung der Badeanstalt in dem Bürgerhospital zu Koblenz. S.273-275 und Zeichnungen auf Blatt LXII in: Allgemeine Bauzeitung. Wien, 1836; dazu die Textstelle bei Lassaulx: "Ich lernte diese sinnreiche Heizmaschine durch das Dictionnaire technologique Tome II. p.430 kennen". (Lassaulx, S.274)&lt;br /&gt;(2) siehe Zitat im Zusammenhang in: Lassaulx, wie vor, S.274&lt;br /&gt;(3)-(6) zitiert aus: Lassaulx, wie vor, S.273&lt;br /&gt;(7) zitiert aus: Lassaulx, wie vor, S.273f.&lt;br /&gt;(8) zitiert aus: Lassaulx, wie vor, S.274&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6835589152084916324-1031313013788233693?l=strukturellebaugeschichte.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://strukturellebaugeschichte.blogspot.com/feeds/1031313013788233693/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6835589152084916324&amp;postID=1031313013788233693' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6835589152084916324/posts/default/1031313013788233693'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6835589152084916324/posts/default/1031313013788233693'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://strukturellebaugeschichte.blogspot.com/2009/11/das-badezimmer-in-der-biedermeierzeit.html' title='Das Badezimmer in der Biedermeierzeit: Lassaulx richtet zwei Bäder in einem Bürgerhospital in Koblenz ein'/><author><name>Karl-Ludwig Diehl</name><uri>http://www.blogger.com/profile/11909949692992381573</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='31' height='32' src='http://3.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SOuBUB0BTyI/AAAAAAAAAAo/mQx-tvh1B6k/S220/Selbstporträt.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://4.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxQFEVyQJlI/AAAAAAAACI0/ucsuZGVinN8/s72-c/Kobl+Bad+1.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6835589152084916324.post-7298267151341075929</id><published>2009-11-30T07:55:00.000-08:00</published><updated>2009-11-30T08:18:26.013-08:00</updated><title type='text'>Auswertung der Aufsätze zu den im 19.Jahrhundert errichteten Bauwerken: der Fleischmarkt in Parma</title><content type='html'>&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://2.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxPwSBTYl2I/AAAAAAAACIs/h6yAHM8l55Y/s1600/Fleischfab+Parma+4.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 176px;" src="http://2.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxPwSBTYl2I/AAAAAAAACIs/h6yAHM8l55Y/s400/Fleischfab+Parma+4.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5409931769780148066" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Die Provinz Parma war unter Napoleon I. zu Frankreich geschlagen worden. Als die Despotie Napoleons über Europa beendet worden war, kam das Herzogtum Parma an Marie-Louise. Marie-Louise, die aus dem österreichischen Kaiserhaus stammte, war aus politischen Gründen mit Kaiser Napoleon verheiratet worden. Durch den Niedergang seiner Herrschaft sah sie sich im Jahre 1814 in der Lage, sich von Napoleon zu trennen. Sie wurde daraufhin Herzogin von Parma und Castella und lebte schließlich mit dem Oberhofmeister Graf Neipperg in morganatischer Ehe, bis dieser verstarb. Die Herzogin von Parma hatte sich durch Bautätigkeit ein eigenes Schloß, zur Repräsentation eine Gallerie, ein Museum und eine Bibliothek erbauen lassen. Neben dem Findelhaus dürfte sie mit dem Bau des Fleischermarktes in der Stadt Parma darauf abgezielt haben, sich das Wohlwollen der Bevölkerung zu sichern. Unter Marie-Louise erlebte die Hauptstadt des Herzogtums Parma folglich eine rege Bautätigkeit:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Zu den vielen öffentlichen Bauten, welche die Regierung Ihrer Maj.der Kaiserin Maria Louise in Parma auszeichnen, und worunter die Brücken über den Taro und die Trebbia, das schöne und große Theater zu Parma, das Findelhaus und die Thore daselbst, die Galerien der schönen Künste, der Bibliothek und des Museums der in den Herzogthümern ausgegrabenen Alterthümer, und endlich das herzogliche Schloß gehören, reihte sich eben jetzt das große Gebäude für den Fleischmarkt, welches Ihre Majestät auf Eigene Kosten erbauen ließen, und der Stadt Parma, wie es die Inschrift andeutet, als ein neues Unterpfand Höchstihrer mütterlichen Fürsorge, zur fortwährenden Benützung, unentgeldlich übergab." (1)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mit solchen geschraubten Sätzen wurde damals die Mitfinanzierung als gute Tat einer Adeligen stilisiert, die selbst durch die Bevölkerung hochsubventioniert, d.h. ausgehalten, worden war. Andererseits hatte sie die öffentliche Leitung eines Territorialgebietes unter sich und stand in der Verantwortung.&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://1.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxPsaXWiEJI/AAAAAAAACIU/eNSJY2dHKac/s1600/Fleischfab+Parma+1.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 91px;" src="http://1.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxPsaXWiEJI/AAAAAAAACIU/eNSJY2dHKac/s400/Fleischfab+Parma+1.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5409927515091374226" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Der Grund, warum man rasch einen solchen Fleischmarkt benötigte, ist beschrieben:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Dieses Gebäude war um so nöthiger, als auch hier der Verkauf des Fleisches in mehreren Kaufladen der Straßen besorgt wurde, welche durch Verbreitung eines üblen Geruches, mehr noch durch die entstehende Unreinigkeit lästig, und selbst der Gesundheit der Bewohner nachtheilig waren." (2)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man wollte also alle Fleischereien an einen Ort zusammenlegen, um die schädlichen Auswirkungen dieses Gewerbes besser in den Griff zu bekommen. Neben dem Geruch des Blutes zerlegter Tiere waren sicherlich die Abwässer einer Fleischerei eine Belastung für die Nachbarn gewesen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Gebäude scheint eine U-förmige Bauanlage gewesen zu sein. An eine langgestreckte Reihung von 20 Kaufläden wurden an den Enden dieser Reihe rückwärtige Flügelbauten angeschlossen, unter denen sich Eiskeller für die Fleischer befanden. Vor den Räumlichkeiten der Fleischer hatte der Architekt einen langen und überdeckten Säulengang anlegen lassen, zu dem zwischen den Säulen Treppenstufen hinaufführten. Links und rechts am Ende dieses Ganges befanden sich öffentlich zugänglich Brunnentröge. Die Fleischer werden sich hier ihr Wasser geholt haben, das sie alltäglich für ihr Gewerbe benötigten. Jedem Fleischer war ein tiefer Raum zugewiesen worden, zu dem in der Mauer zum Säulengang hin jeweils eine Tür und ein Fenster eingelassen wurden. Sie wurden mittig zu dem Raum zwischen den Säulen des Säulenganges angeordnet. Man erkennt dies gut in der Ansicht der Fassade.&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://4.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxPtjqUYhJI/AAAAAAAACIc/bYfs7spvSBs/s1600/Fleischfab+Parma+2.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 155px;" src="http://4.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxPtjqUYhJI/AAAAAAAACIc/bYfs7spvSBs/s400/Fleischfab+Parma+2.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5409928774313084050" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;In der Mitte war zwischen der langen Reihe der Räume für die Fleischer ein Treppenhaus untergebracht. Jeweils ein weiteres Treppenhaus soll in den schon erwähnten rückwärtigen Gebäudeflügeln gebaut worden sein. Durch dieses kam gab es einen Zugang zu den Eiskellern. Über das mittig gelegene Treppenhaus im langgestreckten Gebäudeteil führte der Weg auf den Speicher unter dem Dach des Flei- schermarktes. Zu den Baustoffen wurde ausformuliert:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Der Sockel des Gebäudes sammt Stufen, die Kapitäle und der Architrav sind aus harten Hausteinen, die Säulen selbst aus Ziegeln ohne Verputz." (3)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im Schnitt ist erkennbar, daß die Trennmauern zwischen den Fleischerräumen im Dachraum nach oben weitergeführt wurden. Das Dreieck über diesen Mauern, in die Bögen eingelassen sind, diente zur Auflage der Pfetten der Dachkonstruktion. Diese Vorgehensweise wurde, ebenso wie die Dachbedeckung selbst, sehr gerühmt:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Diese Dachschale bildet /../ eine der Feuersgefahr von außen, so wie dem Regen widerstehende dichte Decke, und durch Vermeidung aller Kehlbalken, Ständer und Windbänder auch große und lichte Räume /.../, die vorzüglich für Magazine mancher Art gut zu verwenden, und jenen der Bohlendächer gleich zu stellen sind. Zu diesen Vortheilen gesellen sich noch jene, daß der Seitenschub der Dachsparren aufgehoben, und die Belastung eines für diese Breite gewöhnlich auf liegende Art hergestellten sehr schweren, dem Bauholz im Allgemeinen sehr empfindlichen liegenden Dachstuhle auf die Hauptmauern beseitiget, und dem ungeachtet geeignet wird, gegen Stürme und Windstöße größeren Widerstand zu leisten, - Vortheile, die der Beachtung des Architekten und der Nachahmung empfohlen werden müssen." (4)&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://1.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxPvRQ-OzUI/AAAAAAAACIk/RBZJyRKV-hc/s1600/Fleischfab+Parma+3.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 130px;" src="http://1.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxPvRQ-OzUI/AAAAAAAACIk/RBZJyRKV-hc/s400/Fleischfab+Parma+3.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5409930657294896450" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Diese Scheidewände im Dachraum hatten links und rechts Wandöffnungen mit Rundbögen erhalten, mittig war ein hoher Spitzbogen als Durchgang gemauert worden. Dadurch wurde viel Gewicht von den hohen Trennwänden weggenommen. Zugleich konnte man sich auch eine schwere Dachkonstruktion aus Holz sparen, da die Pfetten auf das Mauerwerk aufgelegt werden konnten. Über diese nagelte man "3/4zöllige Latten" und legte darauf Mauerziegel als Bedeckung in eine Mörtellage. Erst darüber wurden "die hohlen Dachziegel" gelegt. Diese Vorgehensweise hielt Regenwasser draußen und schützte vor Feuersbrünsten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Arbeitsräume der Fleischer bildeten im Grundriß ein Rechteck. An der Rückwand befand sich in der einen Ecke ein Ausguß, in den man Brauchwasser abließen lassen konnte, in der anderen Ecke war ein Kamin. Der benachbarte Fleischer hatte immer den Kamin so, daß diese Kamine zusammenlagen, genauso war es bei den Ausgüssen. Diese Installationen bildeten also Paare. An der Rückwand stand auch die Schlachtbank. Nach vorne zu, also zum Säulengang hin, wird verkauft worden sein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Fassadenansicht zeigt uns ein langgestrecktes Gebäude, das aus einer Säulenreihe von 40 Säulen besteht, sowie zwei breiten Eckpilastern. Über diesen verläuft ein Architrav, auf dem die Außenwand eines hohen Attikageschoßes aufgemauert wurde, in dem sich der hohe Speicherraum befindet.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In gewissen Abständen wurden in diese Attikawandfläche Dreiergruppen aus Halbkreisfensternöffnungen eingelassen, die der Belichtung des Speicherraumes dienen. Das Treppenhaus, das in der Mitte des Gebäudes liegt, wurde in der Fassade herausgehoben. Hier erhebt sich ein kubischer Baukörper,mit einem Walmdach darüber, über die breitgelagerte Fassade des Gebäudes. In die Mitte der Wandfläche wurde eine kreisrunde Wandöffnung eingelassen, die vielleicht mit einem Fenster ausgefüllt wurde.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Von diesem hohen Baukörper des Treppenhauses, der in der Mitte der Fassade einen vertikalen Akzent bildet, um zu den horizontalen Linien der übrigen Fassadengliederung ein Gegengewicht zu schaffen, gehen links und rechts über dem Attikaband Stufen eines sehr breit gelagerten Treppengiebels ab.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Säulen der Säulenreihe, ebenso die beiden Eckpilaster, stehen auf einem Postament, haben darüber aber keine Säulenbasis, sondern unter dem Gebälk des Architravs nur Kapitelle. Die Zeichnung ist zu ungenau, um die Art dieser Kapitelle zu bestimmen. Vergleicht man die Schnittzeichnungen mit der Ansicht der Hauptfassade, so ergibt sich der Eindruck, als erhebe sich über dem Säulenschaft eine niedrige Trommel geringeren Durchmessers, auf der eine profilierte Scheibe als Endstück des Kapitells aufgelegt wurde.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Treppe zwischen den Säulen hat zwei Stufen. Über sie gelangt man auf die Plattform des Säulenganges. Diese bestimmt durch seine langgestreckte Form und die Reihe der Säulen die Architektur dieses klassizistischen Gebäudes.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auch die Gesimsbänder über dem Architrav, sowie unter und über der Wandfläche des Attikageschoßes erzeugen den Eindruck eines klassizistischen Bauwerkes. In die Wandfläche der Eckpilaster wurden Wappen eingelassen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Über dem langgestreckten Bauwerk liegt ein flaches Walmdach. Wie die Baukörper der rückwärtigen Gebäudeflügel an dieses Gebäude angeschlossen wurden, ist durch Zeichnungen leider nicht nachvollziehbar gemacht worden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Karl-Ludwig Diehl&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Anmerkungen:&lt;br /&gt;(1)-(4) zitiert aus: o.A.: Der neue Fleischmarkt in Parma. S.94-96 und Zeichnungen auf S.95 in: Allgemeine Bauzeitung. Wien, 1838. S.94&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6835589152084916324-7298267151341075929?l=strukturellebaugeschichte.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://strukturellebaugeschichte.blogspot.com/feeds/7298267151341075929/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6835589152084916324&amp;postID=7298267151341075929' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6835589152084916324/posts/default/7298267151341075929'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6835589152084916324/posts/default/7298267151341075929'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://strukturellebaugeschichte.blogspot.com/2009/11/auswertung-der-aufsatze-zu-den-im_4942.html' title='Auswertung der Aufsätze zu den im 19.Jahrhundert errichteten Bauwerken: der Fleischmarkt in Parma'/><author><name>Karl-Ludwig Diehl</name><uri>http://www.blogger.com/profile/11909949692992381573</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='31' height='32' src='http://3.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SOuBUB0BTyI/AAAAAAAAAAo/mQx-tvh1B6k/S220/Selbstporträt.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://2.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxPwSBTYl2I/AAAAAAAACIs/h6yAHM8l55Y/s72-c/Fleischfab+Parma+4.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6835589152084916324.post-647790382213823284</id><published>2009-11-30T07:31:00.000-08:00</published><updated>2009-11-30T07:54:03.874-08:00</updated><title type='text'>Auswertung der Aufsätze zu den im 19.Jahrhundert errichteten Bauwerken: die Blechfabrik Dida in Paris</title><content type='html'>&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://1.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxPpW4sc2HI/AAAAAAAACHk/FTpzbtB2Ylw/s1600/Paris+Blechfab+4.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 283px;" src="http://1.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxPpW4sc2HI/AAAAAAAACHk/FTpzbtB2Ylw/s400/Paris+Blechfab+4.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5409924156787316850" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;In der Biedermeierzeit entstand in Paris eine Blechfabrik. Um einen Innenhof herum wurde ein viergeschossiges Bauwerk in U-Form errichtet. Die Werkstätten waren zum Innenhof hin offen. Der Innenhof selbst wurde über dem letzten Geschoß mit einem Glasdach überdeckt, durch das alle übereinanderliegenden Werkstatträume Licht erhielten. Andererseits hatten die Werkstatträume Fenster zur Strassenseite hin. An ihnen entlang lagen in den Obergeschoßräumen Arbeitstische. Diese gab es auch, der Helligkeit wegen, rund um den vieleckigen Hof. Über dem dritten Obergeschoß lag noch ein Speicher unter dem Dach, das von zwei Seiten zum Hof hin abfiel.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rückseitig an den Hof angebaut war im Erdgeschoß das Comptoir und Depot der Blechfabrik Dida. Der Fabrikant wohnte in den Geschossen darüber. Von seiner Wohnung aus konnte Herr Dida über eine "von eisernen Konsolen getragene Gallerie" über dem Hof zu seiner Fabrik gelangen. Dieser Gang war um das Rund des Treppenhauses des Wohngebäudes außen über dem Innenhof angebracht. Über Fenster hatte der Fabrikbesitzer zusätzlichen Einblick in die Werkstätten, was ihm die Kontrolle der Arbeitsvorgänge von der Wohnung aus ermöglichte. Der Hof war dadurch rundum geschlossen, aber hell, da von oben Licht einfiel. (1)&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://4.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxPpeL0KntI/AAAAAAAACHs/-LqPDDby4tI/s1600/Paris+Blechfab+1.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 265px;" src="http://4.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxPpeL0KntI/AAAAAAAACHs/-LqPDDby4tI/s400/Paris+Blechfab+1.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5409924282179034834" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;An den Seitenwänden der Fabrik gab es auf allen Etagen Essen mit Blasebälgen, wo das Blech vorgewärmt wurde, um es leicht biegen zu können. Im Erdgeschoß standen die Pressen im Halbkreis aufgestellt im überdachten Innenhof. Hier konnte man die Bleche in eine vorgesehene Form prägen. Da eine Wasserleitung in der Biedermeierzeit noch etwas Außergewöhnliches war, ist das Wasserrohr aus Gußeisen im Grundriß der Etagen jeweils vermerkt. Auf jeder Etage gab es zur Wasserentnahme einen Wasserhahn.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Der Besitzer zahlt für das Wasser, welches er in seiner Fabrik gebraucht, ein jährliches Geldquantum an die Stadt." (2)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Beheizt wurde die Fabrik in der kalten Jahreszeit durch einen Ofen, der im Hof stand:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Die ganze Werkstätte wird durch einen eisernen Ofen, dessen Rauch in zwei eisernen Blechröhren getheilt heraufgeht, so wie durch die zahlreichen Essen hinreichend erwärmt." (3)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man kann sich diesen Ofen im Schnitt vergegenwärtigen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erwähnt ist im Text von E.Flaminius, der im Jahre 1837 über diese Fabrik berichtet, eine Arbeitsplattform, die sich "auf dem Dache" befunden habe:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Oben auf dem Dache befindet sich nach der Straße zu, zwischen den Dächern der beiden Seitenflügel, eine Plattform, auf der die Bronzearbeiten und mit Farbe angestrichenen Arbeiten getrocknet werden." (4)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man kann diese Plattform auf keiner der Zeichnungen entdecken. Es muß sie also zwischen den Dächern der Seitenflügel zur Straße hin gegeben haben. Denkbar ist, daß nur über den seitlichen Gebäudeteilen Pultdächer lagen, wohingegen zur Straße hin ein flaches Dach vorhanden war. Der Schnitt durch das Gebäude ist leider nicht so gelegt, daß wir das erkennen können.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Geschoßdecken bestehen aus schweren Holzträgern, die in den Außenwänden, aber auch auf gußeisernen Stützen aufliegen. Über diese Trägerbalken wurden gebogene Eisenteile gehängt, sodaß die Querbalken ein Auflager erhielten, ohne daß komplizierte Holzverbindungen notwendig wurden. Zwischen dem Eisenteil und den Querbalken lag noch ein Auflagerholz, das vermutlich an den Querbalkenenden befestigt worden war. Vorsicht war angebracht bei den Essen. Hier durften keine Holzbalken in der Nähe sein:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"An den beiden Scheidewänden, welche nach der Seite der Nachbarn liegen, und an denen alle Essen sich befinden, liegen die Deckenhölzer nicht unmittelbar neben die- sen Wänden, sondern 2 - 3' von denselben entfernt, und der Raum ist dann mit Töpfen und Gips ausgefüllt, um das Feuer von den Hölzern zu entfernen." (5)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im Erdgeschoß befand sich ein sehr großer Raum, in dem Maschinen standen, die viel Platz beanspruchten. Hier war eine Sonderlösung für die Decke zu finden, die sehr weit zu spannen war. Man entdeckt diese weitgespannte Decke im Grundriß des Erdgeschoßes, weil in ihm die Lage der Deckenbalken eingezeichnet wurde. Zu einem solchen Darstellungsmittel griff man sonst nur, wenn die Gewölbeform oder der Deckenschmuck zur Darstellung kommen sollte.&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://1.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxPpq_Ls1GI/AAAAAAAACH0/mB0ZJx4ZWpk/s1600/Paris+Blechfab+2.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 250px;" src="http://1.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxPpq_Ls1GI/AAAAAAAACH0/mB0ZJx4ZWpk/s400/Paris+Blechfab+2.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5409924502126384226" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://4.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxPp4zQznBI/AAAAAAAACH8/_YR5koFXs1I/s1600/Paris+Blechfab+3.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 250px;" src="http://4.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxPp4zQznBI/AAAAAAAACH8/_YR5koFXs1I/s400/Paris+Blechfab+3.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5409924739444743186" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Leider ist die Eisenkonstruktion von Flaminius nicht näher erörtert worden, welche über dem letzten Geschoß den Innenhof überdeckt. Er legte mehr Wert darauf, den Betrieb einer solchen Blechfabrik zu erörtern, in der neben Blechen, die vorgewärmt wurden, um sie von Hand bearbeiten zu können, auch kalte Bleche unter Pressen in Form gebracht wurden. Wie solche "moutons", Rammbären, aussahen, ist in einer Zeichnung dargestellt. &lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://1.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxPqd5gofYI/AAAAAAAACIM/MvlC3mA-Vu0/s1600/Paris+Blechfab+6.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 349px; height: 400px;" src="http://1.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxPqd5gofYI/AAAAAAAACIM/MvlC3mA-Vu0/s400/Paris+Blechfab+6.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5409925376776895874" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;In einem Holzbalkengerüst bewegt sich ein eiserner Rammklotz an Führungsschienen auf- und abwärts. Von Hand wird er an einem Seil nach oben gezogen, um ihn auf die Prägeform fallen zu lassen. Er springt nach dem Aufprall zurück, ein Moment, den die Arbeiter nutzen, um ihn, ohne durch sein eigentliches Gewicht belastet zu werden, wieder nach oben zu ziehen. Sobald er über eine bestimmte Höhe gelangt ist, rastet ein Hebel ein, mit dem der nächste Fall des Rammklotzes freigegeben werden kann. Es&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"/.../ werden in dieser Fabrik /.../ alle Arten gepreßter Blecharbeiten verfertiget, dahin gehören auch Bilderrahmen, Kaffee- und Theebreter, Ornamente für Gardinen usw." (6)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber die Fabrik hatte eine erweiterte Produktionspalette erhalten, weil sich der Fabrikant Dida eine Schraubenpresse mit langen Hebelarmen beschafft hatte:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Herr Dida hat nämlich ein Brevet, um mittelst Pressen Kasserole, Töpfe und Gefäße mancherlei Art aus Blech anzufertigen, und braucht zu diesem Behufe eine solche stärkere Presse." (7)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Bauwerk erregte in der Biedermeierzeit sicherlich aus zwei Gründen die Aufmerksamkeit, einerseits durch seine ungewöhnliche Lage um einen Innenhof und die Produktion auf vier Geschoßebenen, andererseits durch das einfache, aber effektive Schnellbausystem der Holzbalkendecken über den Geschossen. &lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://3.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxPqP_Dyc9I/AAAAAAAACIE/_8slwYytkjw/s1600/Paris+Blechfab+5.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 372px; height: 400px;" src="http://3.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxPqP_Dyc9I/AAAAAAAACIE/_8slwYytkjw/s400/Paris+Blechfab+5.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5409925137748358098" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Leider ist keine Ansicht der Fassade der Fabrik gezeigt, was eine Architekturbetrachtung ermöglicht hätte. Zu vermuten ist, daß solche Werkstätten eher andersherum gebaut wurden, also die Wohnung des Fabrikbesitzers zur Straße, und die Werkstätten um den Hinterhof. Auch dies mag an diesem Bauwerk ungewöhnlich gewesen sein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Karl-Ludwig Diehl&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Anmerkungen:&lt;br /&gt;(1) siehe bei: E.Flaminius: Bemerkungen zu dem Plane und dem Durchschnitt der Fabrik des Hrn.Dida in Paris (Rue vieille du Temple 123), nebst einigen Andeutungen über den Fabriksbetrieb daselbst. S.263-264 und Zeichnungen auf Blatt CXLV in: Allgemeine Bauzeitung. Wien, 1837. S.263f.&lt;br /&gt;(2)-(3) zitiert aus: E.Flaminius, wie vor, S.263&lt;br /&gt;(4) zitiert aus: E.Flaminius, wie vor, S.263f.&lt;br /&gt;(5)-(7) zitiert aus: E.Flaminius, wie vor, S.264&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6835589152084916324-647790382213823284?l=strukturellebaugeschichte.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://strukturellebaugeschichte.blogspot.com/feeds/647790382213823284/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6835589152084916324&amp;postID=647790382213823284' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6835589152084916324/posts/default/647790382213823284'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6835589152084916324/posts/default/647790382213823284'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://strukturellebaugeschichte.blogspot.com/2009/11/auswertung-der-aufsatze-zu-den-im_5086.html' title='Auswertung der Aufsätze zu den im 19.Jahrhundert errichteten Bauwerken: die Blechfabrik Dida in Paris'/><author><name>Karl-Ludwig Diehl</name><uri>http://www.blogger.com/profile/11909949692992381573</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='31' height='32' src='http://3.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SOuBUB0BTyI/AAAAAAAAAAo/mQx-tvh1B6k/S220/Selbstporträt.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://1.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxPpW4sc2HI/AAAAAAAACHk/FTpzbtB2Ylw/s72-c/Paris+Blechfab+4.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6835589152084916324.post-1634256579017481932</id><published>2009-11-30T07:11:00.000-08:00</published><updated>2009-11-30T07:30:00.187-08:00</updated><title type='text'>Auswertung der Aufsätze zu den im 19.Jahrhundert errichteten Bauten: die Fruchthalle in Mainz</title><content type='html'>&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://4.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxPkBmzQxhI/AAAAAAAACHE/C5YQoqE1Vto/s1600/Fruchthalle+Mainz+1.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 340px;" src="http://4.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxPkBmzQxhI/AAAAAAAACHE/C5YQoqE1Vto/s400/Fruchthalle+Mainz+1.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5409918293648655890" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;In der Biedermeierzeit wurde in Mainz darüber diskutiert, wie sich für den wöchentlichen Fruchtmarkt ein überdachter Marktplatz schaffen ließ. Ab dem Jahre 1834 wurde das Ziel konkreter gefaßt. Ein Entwurf für eine Markthalle lag im Jahre 1836 vor. Ein Jahr später fiel die Entscheidung, daß diese Halle gebaut wird. Mit dem Bau der Fruchthalle wurde im Jahre 1838 begonnen. Das Bauwerk war noch nicht vollendet, als in der Allgemeinen Bauzeitung bereits darüber berichtet wurde.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Die Grundform des Gebäudes sollte in einem einfachen Parallelogramme bestehen; der Verband des Dachwerkes machte jedoch das Hervortreten einzelner Pfeiler und Säulen nöthig, so daß außer dem mittleren Raume von 100 Fuß Breite und 200 Fuß Länge, noch zwei Abseiten entstanden, welche sehr passend zum Einstellen derjenigen Früchte benutzt werden können, die von einem Markttage zum anderen unverkauft in Säcken stehen bleiben." (1)&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://2.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxPkJnnmCzI/AAAAAAAACHM/MlMeQXFyrXs/s1600/Fruchthalle+Mainz+2.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 290px;" src="http://2.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxPkJnnmCzI/AAAAAAAACHM/MlMeQXFyrXs/s400/Fruchthalle+Mainz+2.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5409918431307107122" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Mit Früchten sind wohl Feldfrüchte, hauptsächlich Getreide, gemeint. In Kaiserslautern hat sich ein solcher Bau, der den Namen Fruchthalle trägt, erhalten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zum Baustil wurde im Fachaufsatz der Biedermeierzeit mit Andeutungen viel gesagt:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Die Ausführung ist möglichst ökonomisch, jedoch nicht so weit beschränkt, daß dem Gebäude der Charakter eines öffentlichen Monumentes benommen würde, hauptsächlich aber strebte man bei dem Entwurfe dahin, mit den einfachsten Mitteln die größtmöglichen Erfolge zu erreichen. Auch sind, da Grundform und Konstrukzion in dem vorliegenden Fall die Hauptform des Gebäudes genau bestimmen, demgemäß die Fasaden gestaltet." (2)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man hat also einen sehr zweckorientierten Bau errichtet. Trotzdem wurde die Hauptfassade interessant gegliedert. Die Ausdehnung der eigentlichen Halle wird an der Fassade gezeigt. Links und rechts neben der Halle werden die Wandstücke symbolisiert, die im Inneren den Seitenschub der weit gespannten Dachkonstruktion aus Holzbalken aufnehmen müssen. Dem Grundriß und Schnitt kann man diese seitlichen und gereihten Wandstücke entnehmen, auf denen die gekreuzten Verstrebungen aus Holz aufliegen, und durch die genaugenommen Seitenschiffe entstanden, die eine Empore über sich haben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Fassade erhielt neben den vertikal abgesetzten seitlichen Fassadenstreifen außerdem eine horizontale Gliederung. Auf ein hohes Erdgeschoß mit drei Rundbogenportalen, folgt ein Gesimsband auf Höhe der Fensterbänke der Oberlichter für die Halle. In Breite der Portale unten wurden Bogenfensterpaare angeordnet, sodaß ein Zusammenklang der Portalachsen und Fensterpaare entsteht. Dieser ist noch dadurch verstärkt, daß ein gemauerter Entlastungsbogen jeweils über diesen Fensterpaaren verläuft, der dieselben Ausmaße und dieselbe Rundbogenform der Portalbögen hat. Mittig im Giebelfeld oben liegt eine quadratische Fläche, in die das Kreisrund einer Uhr eingelassen wurde. Über den breit gelagerten Giebel ragt das leicht überstehende Satteldach vor und erhielt einen verzierten Dachrand mit Zierbrettern. Die Giebelspitze wurde in der Art eines Akroterion geschmückt, wie man es aus der Antike kennt. Es diente zur Abwehr böser Einflüsse. Die seitlichen Wandteile, die auf die Seitenschiffe weisen, erhielten hohe und rechteckige Türöffnungen, über deren Sturz ein gemauerter Segmentbogen als Entlastungsbogen liegt. Die gesamte Fassade zeigt den Backstein als Sichtmauerwerk. Die Türöffnungen und die Wandöffnungen der Portale wurden Sandsteinen gerahmt. Auch der niedrige Sockel ist aus Natursteinen. Daselbe Material wird für das horizontale Gesimsband über den Rundbogenportalen genommen worden sein. Die drei Bogenfensterpaare bekamen mittig eine kleine Säule mit Kapitell und links und rechts aus Natursteinen gemauerte Gewände, die mit dem Backsteinmauerwerk verzahnt sind. Die Bögen wurden aus Keilsteinen ohne Verzahnung mit dem Backsteinmauerwerk gemauert. Über den Rundungen der drei Portale verläuft über den gemauerten Natursteinbögen ein schmuckvoller Backsteinbogen als Entlastungsbogen. Auf einer Darstellung der Halle, die vor dem Brand der Mainzer Fruchthalle entstanden sein wird, sieht man dieselbe Fassade wie auf der Ansichtszeichnung. Möglicherweise war zu dieser Zeit das Sichtmauerwerk verputzt worden. Die Darstellung gibt das breit gelagerte Satteldach etwas steiler wieder, als es in Wirklichkeit war. Ursprünglich war die Fassade jedoch unverputzt, denn es wird gesagt:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Da es sich mit der Bestimmung des Gebäudes sehr gut verträgt, daß alle Aeußerlichkeiten der Konstrukzion, als solcher, sichtbar bleiben, so werden sowohl die äußeren Mauerflächen (aus rothem Sandsteine) als auch alles Holzwerk ohne Verputz und Verkleidung gelassen, jedoch mit entsprechender Sorgfalt bearbeitet." (3)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man nimmt bei der Fassadengestaltung also auf den reinen Zweckbau Rücksicht, was zugleich zuläßt, die Baukosten niedriger zu halten.&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://2.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxPkcYoDBTI/AAAAAAAACHU/F4-yETiwsbE/s1600/Fruchthalle+Mainz+3.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 209px;" src="http://2.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxPkcYoDBTI/AAAAAAAACHU/F4-yETiwsbE/s400/Fruchthalle+Mainz+3.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5409918753699988786" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Die Dachkonstruktion aus Holz war im Inneren sichtbar gelassen worden und galt als Schmuckstück. Sie wurde in der Biedermeierzeit so erklärt:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Bei der Konstrukzion des Dachverbandes machte man von dem Systeme des Dreieckverbandes Gebrauch, dem einzigen Grundgesetze, welches, von dem einfachsten Prinzip ausgehend, eine unendliche Mannigfaltigkeit der Entwickelung gestattet, und, mit Vermeidung eines für alle Fälle in Anwendung kommenden Schema's, die Lösung stets neu aus der Natur der Aufgabe hervorgehen läßt." (4)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Hinweis auf einen Dreiecksverband soll sagen, daß sich Holzbalken, zu Dreicken gebunden, zu haltbaren Baukonstruktionen zusammensetzen lassen. Geier, der den ausgewerteten Aufsatz zur Mainzer Fruchthalle im Jahre 1839 formulierte, vermied eine genauere Erörterung der Holzkonstruktion, deren Arbeitsweise ihm augenfällig erschien, da sie sehr klar konzipiert ist. Man kann sich die Details in den Zeichnungen ansehen.&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://2.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxPks_A505I/AAAAAAAACHc/OFtraebP5Ik/s1600/Fruchthalle+Mainz+4.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 209px;" src="http://2.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxPks_A505I/AAAAAAAACHc/OFtraebP5Ik/s400/Fruchthalle+Mainz+4.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5409919038882698130" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Die Mainzer Fruchthalle diente seit 1865 dem Mainzer Carneval-Verein für Karnevalssitzungen. Man nutzte offensichtlich diese Halle an der Dominikanerstraße seitdem, oder vielleicht auch schon früher, für Bankette, Ausstellungen und Versteigerungen. Neben dem Mainzer Carneval-Verein, der Liedertafel und dem Gartenbauverein, die ihre Versammlungen in der Fruchthalle abgehalten hatten, waren deshalb alle Bürger der Stadt in große Mitleidenschaft gezogen, als die Halle in der Nacht vom 17. auf den 18. August 1876 abbrannte. Theodor Eichberger schildert das Ereignis so:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Augenzeugenberichten zufolge war das Feuer durch eine Unachtsamkeit von Anwohnern in der Nachbarschaft ausgelöst worden: in dem "Reul" (i.e. ein sehr schmaler Gang) zwischen Fruchthalle und einem Nachbarhaus wurde kurz vor Mitternacht eine Feuersäule beobachtet, die von den dort gelagerten Petroleum- und Schmalz-Fässern ausging. Das Feuer wurde durch den Wind angefacht, und innerhalb weniger Minuten stand der gesamte Dachstuhl der Fruchthalle in Flammen. Die Halle war nicht mehr zu retten /../." (5)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man hatte also im Jahre 1876 ein für das gesellige Leben der Mainzer sehr wichtiges Gebäude verloren, das sicherlich durch seine biedermeierzeitliche Architektur die Stadt geprägt hatte. Es handelte sich um eine sehr zweckorientierte und sachliche Architektur, die mit wenigen Schmuckelementen auskam. Im Inneren waren die Säulen der Seitenschiffe und die sichtbare Dachkonstruktion aus Holzbalken der bedeutsamste Schmuck. An der Hauptfassade entfalteten Backsteine als Sichtmauerwerk ihre ästhetische Wirkung. Rundbögen und Gesimsbänder aus Natursteinen gliederten fast ausschließlich die Hauptfassade. Eine solche Schlichtheit ist typisch für die Biedermeierzeit.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Karl-Ludwig Diehl&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Anmerkungen:&lt;br /&gt;(1)-(4) zitiert aus: Geier: Die Fruchthalle zu Mainz. S.53 und Zeichnungen auf Blatt CCLXXXVI in: Allgemeine Bauzeitung. Wien, 1839. S.53&lt;br /&gt;(5) zitiert aus: Theodor Eichberger: Die Mainzer Fruchthalle. In:&lt;br /&gt;http://theodor.eichberger.info/humorist/carneval/fruchthalle.html&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6835589152084916324-1634256579017481932?l=strukturellebaugeschichte.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://strukturellebaugeschichte.blogspot.com/feeds/1634256579017481932/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6835589152084916324&amp;postID=1634256579017481932' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6835589152084916324/posts/default/1634256579017481932'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6835589152084916324/posts/default/1634256579017481932'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://strukturellebaugeschichte.blogspot.com/2009/11/auswertung-der-aufsatze-zu-den-im_2782.html' title='Auswertung der Aufsätze zu den im 19.Jahrhundert errichteten Bauten: die Fruchthalle in Mainz'/><author><name>Karl-Ludwig Diehl</name><uri>http://www.blogger.com/profile/11909949692992381573</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='31' height='32' src='http://3.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SOuBUB0BTyI/AAAAAAAAAAo/mQx-tvh1B6k/S220/Selbstporträt.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://4.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxPkBmzQxhI/AAAAAAAACHE/C5YQoqE1Vto/s72-c/Fruchthalle+Mainz+1.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6835589152084916324.post-1970348291821719409</id><published>2009-11-30T07:00:00.000-08:00</published><updated>2009-11-30T07:09:43.086-08:00</updated><title type='text'>Am Ende der Biedermeierzeit kam das Wellblech nach Berlin</title><content type='html'>Im Jahre 1852 wurde in Berlin die Fachwelt darüber informiert, daß inzwischen die Eindeckung der Dächer "mit patentirtem wellenförmigen Eisenblech" möglich ist. Man könne diese Dacheindeckung aus England beziehen. Man erhalte Blechtafeln "von 6 Fuß 3 Zoll Länge" und "2 Fuß 6 Zoll Breite". Seit dem Jahre 1846 sei der "Centner Blech" zu einem festen Preis beziehbar. Der Bezugspreis enthalte "Fracht, Spesen und Fuhrlohn". (1)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Seit dem Ende der Biedermeierzeit war also Wellblech aus England zu erhalten. In welchem Umfang es Anklang fand, ist schwierig zu wissen. Der Aufsatz, der über dieses Wellblech informiert, nennt nur eine Dacheindeckung als Beispiel. Man habe über dem "Königl.Mühlen- und Speichergebäude am Mühlendamm in Berlin" ein Dach mit diesem wellenförmigen Eisenblech eingedeckt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es wurden Hinweise gegeben, wie mit Wellblech eingedeckt worden ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Vor der Bearbeitung wurden die Tafeln auf beiden Seiten mit einem Asphaltfirniß überstrichen, um das Rosten zu verhüten; alsdann wurden dieselben 1 Zoll von der Kante entfernt, ringsherum mit den Nietlöchern versehen, wodurch eine gegenseitige Ueberdeckung der Tafeln von 2 Zoll hergestellt wird. Jede Tafel deckt demnach nur eine Fläche von 6 Fuß 1 Zoll Länge und 2 Fuß 4 Zoll Breite." (2)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zur Dachneigung, die gewählt werden kann, wurde gesagt:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Die Neigung des Daches beträgt 1/7; jedoch ist eine geringere Neigung sehr wohl zulässig, da das Wasser in den vielen Rinnen des Blechs sehr schnellen Abfluß findet." (3)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In der Biedermeierzeit hatte man einen Dächerkrieg geführt. Dem Steildach wurde das Flachdach als die bessere Alternative gegenübergestellt. Das Wellblech eignete sich folglich für Dächer mit sehr geringer Neigung. Am Rande der gewellten Bleche versah man also die Bleche mit Löchern und verband sie an der höchsten Stelle der Welle mit Nieten. Man fragt sich, wie ein solcher Blechverband als Eindeckung auf der Dachkonstruktion befestigt wurde.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Das Blech ruht unmittelbar auf den eisernen Trägern des Dachverbandes, welche ohne Sparren und Schalung, grosse Felder bis zu 15 Fuß Länge und 7 Fuß Breite bilden, und ist zu seiner Befestigung an einzelnen Stellen mit den Trägern durch Schrauben verbunden." (3)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man benötigte also keine Sparren, nur Pfetten. Im angeführten Beispiel wird eine Eisenkonstruktion genannt. Die Wellbleche wurden an den "Trägern" aus Eisen befestigt.&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://1.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxPfrb2KE1I/AAAAAAAACG8/5h3bniNbvKQ/s1600/Berlin+Wellblech+1.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 236px;" src="http://1.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxPfrb2KE1I/AAAAAAAACG8/5h3bniNbvKQ/s400/Berlin+Wellblech+1.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5409913514704376658" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Nachdem das Blech aufgebracht war, hatte man es damals "auf beiden Seiten wiederum mit Asphaltfirniß" überstrichen. Es wurde eine Empfehlung angeführt:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Dieser Anstrich muß nach 4 bis 5 Jahren, jedoch nur auf der obern Fläche, wiederholt werden." (4)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neben den gewellten Blechplatten, die anzuliefern waren, wurden "Nieten, Schrauben, Bankeisen, Winkelbänder, Kitt etc." aufgeführt, die vermutlich zum Lieferumfang dazu gehörten. Die Bauteile wurden zur Befestigung und guten Verbindung des Wellbleches gebraucht. Braasch, der darüber berichtete, weist am Schluß darauf hin, daß "selbst der größte Temperaturwechsel beim Zusammenziehen und Ausdehnen des Blechs" keine Schaden an dieser Dacheindeckung anrichte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Über das frühe Wellblech ist relativ wenig bekannt. Mir sind jedoch schon neben diesem Aufsatz aus dem Jahre 1852 in der Zeitschrift für Bauwesen andere Aufsätze begegnet, in denen über den Einsatz einer anderen Art von Wellblech berichtet wird. (5) So wurde zum Beispiel das Gebäude der Gasanstalt in Perrache mit Wellblech eingedeckt. Auch bei Gebäuden für die Eisenbahnen begegnete mir das frühe Wellblech bereits. Neben dem englischen Wellblech gab es auch gewelltes Blech, das in Frankreich erdacht wurde. Man müßte sich die auffindbaren Hinweise zusammenstellen, um das Wissen systematisch aufbereiten zu können.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Karl-Ludwig Diehl&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Anmerkungen:&lt;br /&gt;(1) siehe dazu: Braasch: Ueber die Eindeckung mit patentirtem wellenförmigen Eisenblech. Spalten 82-84 in der Zeitschrift für Bauwesen. Berlin, 1852. Sp.82f.&lt;br /&gt;(2)-(3) zitiert aus: Braasch, wie vor, Sp.83&lt;br /&gt;(4) zitiert aus: Braasch, wie vor, Sp.84&lt;br /&gt;(5) siehe dazu: Karl-Ludwig Diehl: Der gußeiserne Dachstuhl über der Gasanstalt Perrache bei Lyon: Wellblech als Dacheindeckung kommt in Mode. Der Aufsatz wurde&lt;br /&gt;eingestellt in:&lt;br /&gt;http://groups.google.com/group/de.sci.architektur&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6835589152084916324-1970348291821719409?l=strukturellebaugeschichte.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://strukturellebaugeschichte.blogspot.com/feeds/1970348291821719409/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6835589152084916324&amp;postID=1970348291821719409' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6835589152084916324/posts/default/1970348291821719409'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6835589152084916324/posts/default/1970348291821719409'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://strukturellebaugeschichte.blogspot.com/2009/11/am-ende-der-biedermeierzeit-kam-das.html' title='Am Ende der Biedermeierzeit kam das Wellblech nach Berlin'/><author><name>Karl-Ludwig Diehl</name><uri>http://www.blogger.com/profile/11909949692992381573</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='31' height='32' src='http://3.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SOuBUB0BTyI/AAAAAAAAAAo/mQx-tvh1B6k/S220/Selbstporträt.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://1.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxPfrb2KE1I/AAAAAAAACG8/5h3bniNbvKQ/s72-c/Berlin+Wellblech+1.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6835589152084916324.post-950000760147232241</id><published>2009-11-30T06:39:00.000-08:00</published><updated>2009-11-30T06:59:13.840-08:00</updated><title type='text'>Die Docks im London der Biedermeierzeit</title><content type='html'>&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://3.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxPcBqYjAoI/AAAAAAAACGs/wHfK1Xgxnfo/s1600/London+docks+1.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 311px;" src="http://3.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxPcBqYjAoI/AAAAAAAACGs/wHfK1Xgxnfo/s400/London+docks+1.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5409909498517324418" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;In einem Fernsehbeitrag beschrieb der Physiker Harald Lesch kürzlich das 19.Jahrhundert als ein glückliches Zeitalter, denn die Physik habe in der Vorstellung von einer Welt gelebt, die von Newton entwickelt worden war. Der Raum sei gewissermaßen eine Bühne gewesen, auf der sich die Sonnen und Planeten nach einer festgelegten Himmelsmechanik bewegten. Die Zeit lief also sehr einfach und linear ab, und man brauchte sich um diesen Gegenstand keine weitere Gedanken machen. (1) Das machte das Verständnis von der Welt einfach und dem Menschen war viel Ruhe dafür gegeben, sein Verständnis vom Ganzen zu vervollständigen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Rückblick auf die Vergangenheit lohnte ebenso, da nicht nur die Entwicklung der Menschheit, sondern auch die der Natur als Ganzes unbedingt aufzuschließen war, um die hehre Wissenschaft zu höchster Vollendung zu bringen. Unter Künstlern wuchs zu dieser Zeit die Sehnsucht nach Ursprünglichkeit, aber auch nach der Ordnung vergangener Epochen, die durch die Forschungen der Historiker täglich in ein neues Licht gerückt wurde. Manchen wurde diese vergangene Welt zum verlorenen Paradies, dem man nachtrauerte. Es entstanden reichhaltige Träume von einer zukünftigen besseren Welt, gespeist von Ideen einer idealisierten Vergangenheit. Diese Anregungen waren von Wert, da sie dazu antrieben, die Lebensverhältnisse zu verbessern. Das Spektrum der Ideen war weit aufgefächert worden und wurde auch in der Kunst, in der Architektur und im Städtebau zum treibenden Thema.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Dabei spannt sich der Bogen von Rousseaus programmatischem &gt;Zurück zur Natur&lt; über die Antikenträume der Klassizisten, die mittelalterlichen Phantasien der Romantiker - bis hin zu Gauguins Tahiti, dem die Vorliebe für alles &gt;Primitive&lt; (wieder als Suche nach Ursprünglichem) am Anfang unseres Jahrhunderts folgt." (2)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die europäischen seefahrenden Nationen hatten sich Handelstützpunkte in aller Welt geschaffen und organisierten ihre Herrschaft so, daß den Überseebesitzungen viel Reichtum entsprang. Die finanziellen Überschüsse kamen der Kunst und den Wissenschaften zugute. Die Universitäten konnten ausgebaut werden und viele neue wissenschaftliche Disziplinen entstanden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die vielfältigen Anforderungen an den Verkehr, die Lagerung und die Umverteilung produzierter Güter führte zu einem Aufschwung der Ingenieurwissenschaften. Eine reiche Maschinenkultur entwickelte sich, die zur Massenproduktion der Güter führte. Auch das Bauwesen war davon erfaßt worden. Die Eisenindustrie blühte auf, die Massenprodution der Backsteine setzte ein, usw. Stolz präsentierte sich die Industrie bald auf Weltausstellungen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In England war Thomas Telford zu Beginn des 19.Jahrhunderts mit vielen Verkehrsbauten beschäftigt worden. Er schuf ungewöhnliche Bauten, welche nachhaltig auf die Fachwelt aus Ingenieuren und Architekten wirkten. Man eiferte ihm nach. Unter Architekten entstand dadurch eine Denkrichtung, die auf eine zweckbezogene Architektur aus war. In Preußen wirkte sich diese Denkungsart auf die besondere Durcharbeitung von Schinkels Bauakademie aus.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Rund zehn Jahre vor Schinkels Bauakademie entstand das Dock in London, dessen Baumeister der führende Architekt für Verkehrsbauten in dieser Zeit war. Zu seinen bedeutenden Werken gehören Kanalbauten, Aquädukte und besonders Brücken. Gegenüber Schinkels zurückgenommener Feingliedrigkeit des gleichmäßig durchgearbeiteten Baukörpers steht hier eine lapidare Monumentalität, die mit mächtigen Säulen und dem Spiel klar hervortretender und sich gegenseitig voneinander absetzender Volumen /.../ eigenen Charakter entwickelt." (3)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Thomas Telford hatte von 1824 bis 1828 an den St.Katherine's Docks in London gebaut. Durch den Bau dieser Docks gab es in London nun deren drei. Im Jahre 1837 wurde formuliert:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Drei Hauptwaarenlager befinden sich zu London, nämlich: die London docks, die West-India docks und die St.Caterina docks." (4)&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://4.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxPcJSrNP6I/AAAAAAAACG0/_i054fS8znw/s1600/London+docks+2.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 308px;" src="http://4.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxPcJSrNP6I/AAAAAAAACG0/_i054fS8znw/s400/London+docks+2.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5409909629592092578" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Sie waren von unterschiedlicher Bauart. Die von Telfort gebauten St.Katherine's Docks galten als die am weitesten entwickelten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Derlei Docks bestehen im Allgemeinen aus mehreren Bassins, welche mit Magazinen umgeben sind; zwischen diesen Magazinen und den Bassins befindet sich ein bedeckter Quai. - Bei den in neuerer Zeit angelegten Docks macht dieser Quai einen Theil des Erdgeschosses der Magazine aus; und die oberen Stockwerke bilden seine Bedeckung." (5)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Ingenieur Telford hatte also eine Neuerung geschaffen, die Vorteile brachte. Vom Schiff kam die Ware direkt in das überdeckte Erdgeschoß und war so zugleich geschützt. Aber es wurden dadurch auch Verkehrswege gespart:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Diese Anordnung wurde getroffen, um den Transport der Waaren von den Quais in die Magazine zu ersparen, und macht es möglich, die Waaren nach Vornahme der Ver-&lt;br /&gt;mauthungsmanipulazion, d.i. nach Abwiegung, Verifikazion, Verzollung u., welche der Lagerung vorausgehen, unmittelbar durch Maschinen in die oberen Stockwerke bringen, und wieder beim Austritte leicht auf der andern Seite der Magazine mittelst Kranichen auf die Wagen hinablassen zu können. Auf diese Weise ist der Ein- und Austritt der Waaren streng geschieden, und die betreffenden Manipulazionen mit Leichtigkeit zu überwachen." (6)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Später kamen zu diesen drei Docks weitere hinzu. Der Hafen London wuchs stetig. Doch bleiben wir in der Biedermeierzeit und lassen uns erklären, welche Unterschiede damals bei den drei Docks gesehen wurden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Die erstern der drei genannten Lager, welche den Namen Docks erhielten, nämlich die London und West-India docks wurden noch nicht so erbaut, wie es die vollkommene Er- reichung ihres Zweckes erfordert hätte." (7)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das macht neugierig. Worin mögen die Mängel bestanden haben? Zunächst ein Vergleich der London und West-India docks:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Die Hauptrücksicht bei Anlegung solcher Gebäude ist auf vollkommene Trennung der Manipulazionen bei Annahme und Ablieferung der Waaren zu nehmen." (8)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bei den London docks hatte man sich das noch nicht sehr gut überlegt. Dort hatte man die Lagerhallen mit der Rückseite an die äußere Umfassung des Grundstückes gelegt. Es entstand dadurch ein großes Durcheinander, da sich die Wege der eingegangenen Gütertransporte mit denen der abfahrenden kreuzten. Diesen Fehler hatte man bei den West-India docks nicht gemacht. Auf der einen Seite der Magazine kommen sie an, auf der anderen Seite wer- den sie abgefahren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Probleme konnten auch aus der Art der Pflasterung resultieren:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"In den London docks sind die Schupfen zu schmal; der Raum zwischen diesen Schupfen und den Magazinen ist bloß mit Steinpflaster und mit eisernen Geleiseschienen versehen, wodurch die Fortbewegung der Waaren sehr erschwert, und Verwirrungen veranlaßt werden." (9)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bei den West-India docks war die Fortbewegung der Karren leichter möglich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"In den West-India docks /.../ sind die Quais großen Theils mit einem bedeckten Schupfen versehen, der mit Gußeisen- und harten Steinplatten gepflastert ist." (10)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neben der leichteren Bewegung der Güter war auch die erste Unterbringung der aus den Schiffen entladenen Waren unter Schuppen von Vorteil. Die Schuppen der London docks waren zu schmal, die der West-India docks sinnvoller, also ausreichend breit gebaut. Das erlaubte ein besseres Arbeiten bei schlechtem Wetter. Telford hatte sich dieser Mängel angenommen und Überlegungen angestellt, wie sie beseitigt werden können. Er kam zu einer besseren Lösung:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"In den St.Caterina docks /.../ stehen die Magazine senkrecht über den Quais. Diese Anordnung, wodurch die Magazine längs den Bassins die Stelle der Abladequais einnehmen, ist wohl die allerglücklichste Lösung aller bisherigen Schwierigkeiten; sie läßt die leichteste und wohlfeilste Fortbewegungsart der Waaren zu, und macht es möglich, alle betreffenden Geschäfte vor und bei der Magazinirung unter Dach vorzunehmen." (11)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man brachte also die Waren vom Schiff direkt unter das Magazingebäude und konnte diese Güter im Gebäude hochziehen. Der Weg von der Entladung bis zur Lagerung wurde dadurch kürzer und unabhängiger von der Witterung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Leider war der Platz bei den St.Caterina docks sehr beschränkt. Telford mußte deshalb Innenhöfe zwischen den Magazingebäuden schaffen, damit die Absendung der Waren reibungslos vonstatten gehen konnte. Ein anderer Nachteil bestand in der geringen Kailänge der St.Caterina docks. Hier war die Situation an den beiden anderen Docks besser. Wesentlich mehr Schiffe konnten am Kai zur Entladung festmachen. Telford hatte diesen Nachteil dadurch verringert, daß eine Entladung an den St.Caterina docks wesentlich rationeller, also geschützter und schneller möglich war. Die Liegezeiten der Schiffe wurde reduziert, was den Reedern Vorteile brachte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man kann sich die Größenverhältnisse der Docks auf den Zeichnungen ansehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zu den Gebäuden der St.Caterina docks fanden sich Angaben:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Die Magazine in den St.Caterina docks haben von oben bis unten theils sieben, theils acht Stockwerke, welche Anlage sich für alle schweren Waaren als nachtheilig äusserte. Der siebente und achte Stock bewies sich für die Lagerung aller Waaren, mit Ausnahme von Wolle und Baumwolle, als nicht geeignet, indem das Hinaufbringen zu mühsam und kostspielig war." (12)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vermutlich mangelte es zu dieser Zeit an gutem Hebezeug. Andererseits waren sehr viele Geschoße von Vorteil, wenn ihre Raumhöhe gut gewählt war. Denn eine Aufschichtung von Waren wurde damals zu schwierig, sobald sie eine Höhe "2 1/4 bis 2 1/2 Meter überschreitet(7' 1'' - 7' 9'' Wiener Maß)."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Deshalb formuliert Eugen Flachat im Jahre 1837 zur richtig gewählten Lagerraumhöhe:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Daß Stockwerke von dieser Höhe sich überall als gleich vortheilhaft erwiesen, da sie die Aufschichtung der Waaren bis an die Decke erlauben, und so den Luftzug verhindern, wodurch eine gleiche Temperatur beibehalten wird, und selbst Waaren, welche dem Vertrocknen unterliegen, ohne Schaden in den oberen Stockwerken verwahrt werden können." (13)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Vielgeschoßigkeit mit Räumen richtiger Raumhöhe war für die Lagerung von Gütern von Vorteil. Da das Aufziehen der Waren in große Höhen noch ein Problem darstellte, weil kein geeignetes Hebezeug vorhanden war, konnten die oberen Geschoße solcher vielgeschoßigen Lagerräume nur für leichte Güter genutzt werden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Obwohl in den St.Caterina docks auf sehr beschränktem Raum operiert werden mußte, waren die Verhältnisse von Thomas Telford so organisiert worden, daß ein optimales Arbeiten möglich werden sollte. Leider ist die Architekturbetrachtung dieses damals modernsten Lagerhallengebietes an einem Hafen in London nicht möglich, da keine Ansichtszeichnungen und Schnitte durch die Gebäude zur Verfügung stehen. Man wird sie sich zusammensuchen müssen, um sie zu einem späteren Zeitpunkt vorzunehmen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hinweise fanden sich, was aus den St.Cateriana docks unweit der Tower Bridge wurde:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"The St Katharine Docks were badly damaged by German bombing during the Second World War and never fully recovered thereafter." (14)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Inzwischen wurde das Gebiet in eine edle Wohngegend mit Büros und Geschäften und einer Marina verwandelt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Karl-Ludwig Diehl &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Anmerkungen:&lt;br /&gt;(1) siehe dazu das Video im Fernsehsender BR alpha vom 4.10.2008: Harald Lesch: Die Physik Albert Einsteins: der Äther. Link:&lt;br /&gt;http://www.br-online.de/br-alpha/die-physik-albert-einsteins/die-phys...&lt;br /&gt;(2) zitiert aus: Jürgen Schulze: Neunzehntes Jahrhundert. Baden-Baden, 1970. S.10&lt;br /&gt;(3) zitiert aus: J.Schulze, wie vor, S.218&lt;br /&gt;(4)-(5) zitiert aus: Eugen Flachat: Vergleichung der drei wichtigsten Waarenlager (Docks) in London. S.129-133 und Zeichnungen auf den Seiten 130 und 131 in: Allge- meine Bauzeitung. Wien, 1837. S.129&lt;br /&gt;(6) zitiert aus: E.Flachat, wie vor, S.129 und 132.&lt;br /&gt;(7)-(11) zitiert aus: E.Flachat, wie vor, S.132&lt;br /&gt;(12) zitiert aus: E.Flachat, wie vor, S.132f.&lt;br /&gt;(13) zitiert aus: E.Flachat, wie vor, S.133&lt;br /&gt;(14) zitiert aus:&lt;br /&gt;http://en.wikipedia.org/wiki/St_Katharine_Docks&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Siehe auch:&lt;br /&gt;http://de.wikipedia.org/wiki/Docklands&lt;br /&gt;http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/8/8e/Thames_river_1882.jpg&lt;br /&gt;http://www.skdocks.co.uk/skd_history.html&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6835589152084916324-950000760147232241?l=strukturellebaugeschichte.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://strukturellebaugeschichte.blogspot.com/feeds/950000760147232241/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6835589152084916324&amp;postID=950000760147232241' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6835589152084916324/posts/default/950000760147232241'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6835589152084916324/posts/default/950000760147232241'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://strukturellebaugeschichte.blogspot.com/2009/11/die-docks-im-london-der-biedermeierzeit.html' title='Die Docks im London der Biedermeierzeit'/><author><name>Karl-Ludwig Diehl</name><uri>http://www.blogger.com/profile/11909949692992381573</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='31' height='32' src='http://3.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SOuBUB0BTyI/AAAAAAAAAAo/mQx-tvh1B6k/S220/Selbstporträt.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://3.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxPcBqYjAoI/AAAAAAAACGs/wHfK1Xgxnfo/s72-c/London+docks+1.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6835589152084916324.post-27773709197429772</id><published>2009-11-30T06:30:00.000-08:00</published><updated>2009-11-30T06:38:54.282-08:00</updated><title type='text'>Auswertung der Aufsätze zu den im 19.Jahrhundert errichteten Bauten: die durch einen Film weltberühmt gewordene Treppe in Odessa</title><content type='html'>Im Jahre 1838 wurde die Nachricht in einer Fachzeitschrift verbreitet, in Odessa sei eine besonders schöne Treppe im Bau:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Es wird nämlich zur Verbindung der Stadt mit dem Meeresgestade vom Meeresufer nach der obern Stadt eine kolossale Treppe von 200 Marmorstufen in zehn Absätzen und neun Ruheplätzen in der Art angelegt, daß der Bau einer gigantesken Pyramide gleicht, in welcher die Länge der Stufen verhältnißmäßig von unten nach oben abnimmt, so, daß die unterste Stufe 350, die oberste 175 Fuß lang sein wird. Jede Stufe ist 18 Zoll breit und im Grundrisse nach einem Segmente gekrümmt. Das ganze Werk wird von weißem Marmor ausgeführt, und durch dreißig riesenmäßige korinthische Säulen geziert." (1)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es sei zudem ein Bauwerk,&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"das hinsichtlich seiner Großartigkeit die Aufmerksamkeit der Architekten, Ingenieurs und Baufreunde mit besonderem Interesse anregt." (2)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Odessa wird als junge Hafenstadt bezeichnet, die auf einem Hügel erbaut worden sei, der etwa 100 Fuß über dem Meeresspiegel liege. Wie sie wirkt, ist hier zu sehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/8/87/Potemkinstairs.jpg&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zur Treppe wird gesagt:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Die von der Innenstadt zum Hafen führende 142 m lange Treppe ist perspektivisch gebaut: Dadurch dass sie unten mit 21,7 Meter viel breiter ist als oben (13,4 Meter), sieht sie - von oben betrachtet - auf der gesamten Länge gleich breit aus. Von unten betrachtet wirkt sie durch die perspektivische Bauweise hingegen wesentlich länger." (3)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eine solche Vorgehensweise beeindruckt. Denn das sagt uns, der Architekt hatte sich mit optischen Täuschungen beschäftigt. Es dürfte interessant sein, dazu Archivalien zu finden, die das genauer erklären, warum er so vorging.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Die rund 30 Meter Höhenunterschied überwindende Treppenanlage mit zehn Absätzen wurde 1837 bis 1841 vom Architekten Francesco Boffo erbaut." (4)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Uns heutigen Zeitgenossen ist sie hauptsächlich durch den Film "Panzerkreuzer Potemkin" vertraut, den Sergei Eisenstein in den 1920er Jahren drehte. Im Film findet auf der Treppe ein Massaker an der Zivilbevölkerung statt. Diese Filmszenen sollten propagandistisch wirken und Stimmung gegen die ehemalige Zarenherrschaft machen. Die junge Sowjetunion feiert in dem Film ihre Helden in übersteigerter Form.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Karl-Ludwig Diehl&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Anmerkungen:&lt;br /&gt;(1)-(2) zitiert aus: o.A.: Odessa. Als Teil der Nachrichten. S.154 in: Allgemeine Bauzeitung. Wien, 1838.&lt;br /&gt;(3)-(4) zitiert aus:&lt;br /&gt;http://de.wikipedia.org/wiki/Potemkinsche_Treppe&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6835589152084916324-27773709197429772?l=strukturellebaugeschichte.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://strukturellebaugeschichte.blogspot.com/feeds/27773709197429772/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6835589152084916324&amp;postID=27773709197429772' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6835589152084916324/posts/default/27773709197429772'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6835589152084916324/posts/default/27773709197429772'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://strukturellebaugeschichte.blogspot.com/2009/11/auswertung-der-aufsatze-zu-den-im_30.html' title='Auswertung der Aufsätze zu den im 19.Jahrhundert errichteten Bauten: die durch einen Film weltberühmt gewordene Treppe in Odessa'/><author><name>Karl-Ludwig Diehl</name><uri>http://www.blogger.com/profile/11909949692992381573</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='31' height='32' src='http://3.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SOuBUB0BTyI/AAAAAAAAAAo/mQx-tvh1B6k/S220/Selbstporträt.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6835589152084916324.post-7246481123863031285</id><published>2009-11-29T20:35:00.000-08:00</published><updated>2009-11-30T06:28:55.641-08:00</updated><title type='text'>Feuersichere Pferdeställe des 19.Jahrhunderts in London</title><content type='html'>&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://2.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxPTAfm7SDI/AAAAAAAACGM/jzHHUIjhPZk/s1600/Pferdest+1.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 119px;" src="http://2.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxPTAfm7SDI/AAAAAAAACGM/jzHHUIjhPZk/s400/Pferdest+1.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5409899582840326194" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;In den 1830er Jahren wurden in London Pferdeställe für eine Brauerei errichtet. Man betrachtete diese Stallungen damals für sehr gelungen, auch deshalb, weil sie als feuersicher gebaut galten. Der Architekt Davison hatte diese Bauanlage geplant.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Die ganze Anlage umfaßt vier Stallungen, jede 69 Fuß tief und 30 Fuß lang, von denen eine in dem Theile des Grundrisses, welcher, Blatt CCXVIII, mit Fig. 2 bezeichnet wurde, in A dargestellt worden ist." (1)&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://3.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxPTH1-uDWI/AAAAAAAACGU/Ad2AiMS3VR8/s1600/Pferdest+2.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 387px;" src="http://3.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxPTH1-uDWI/AAAAAAAACGU/Ad2AiMS3VR8/s400/Pferdest+2.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5409899709104786786" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Der Grundriß gibt einen der langen Ställe wieder, an den ein "Hilfsstall" und eine Werkstätte für den Hufbeschlag angefügt wurde. Am anderen Ende der Stallreihen wurden ein Gebäude für erkrankte Pferde angefügt. Dieser Bauteil ist in dem auswertbaren Grundriß nicht zu sehen. In der Addition ergab sich, "daß im Ganzen 114 Stück Pferde eingestellt werden können."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man hat in jedem Stall 12 Pferdeboxen an jeder langen Wand gereiht. In der Mitte verblieb ein Gang.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Jeder Stall ist in Stände getheilt, welche von Mitte zu Mitte der Scheidungen 5 Fuß 9 Zoll weit sind, und durch eiserne Wände von einander getrennt werden" (2)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Trennwände der Pferdeboxen sind also aus Eisen. Dazu fanden sich genauere Angaben:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Die Rahmen dieser Lattirwände sind von Gußeisen, mit einem verzierten Kopfstücke; die Füllungstafeln aber sind gewalzt und 1/4 Zoll dick. Sie sind in Falzen /.../ in den gußeisernen Rahmen eingeschoben." (3)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sie sind an der Wand, am Boden des Stalles und an den "Lattirständern" befestigt. Bei den Lattirständern handelt es sich zugleich um Stützenreihen, welche die Decke des Stalles stützen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Die Lattirständer sind von Gußeisen, kannelirt und haben ein höchst elegantes Ansehen. Einer um den andern hat die volle lichte Höhe des Stalles, und bildet eine Säule, welche die Decke stützt; an jedem Ständer aber befinden sich eiserne Haken zum Aufhängen des Geschirres." (4)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;An der Wand liegt auf einer Konsole "eine gußeiserne Krippe" auf. Darüber hat man die Wand mit Schieferplatten verkleidet, was die Sauberhaltung des Stalles erleichtert. Für jedes Pferd ist oben in der Wand eine gußeiserne Namenstafel eingelassen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Fußboden jeder Pferdebox sollte leicht zu reinigen sein, deshalb hat man in der Mitte ein Gitter vor sich, durch das die Abwässer während der Reinigung der Stallbox in ein Abwasserrohr abfließen können. Es durchzieht die gesamte Länge des Stalls auf jeder Seite. Diese Rohre werden täglich ausgespült:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Durch diesen Röhrenzug wird jeden Morgen zehn Minuten lang ein Strom reinen Wassers getrieben, welcher denselben vollständigt reinigt." (5)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wasser befindet sich in der Nähe des Stalltores. Man konnte dort kaltes und heißes Wasser aus Wasserhähnen entnehmen. Vermutlich waren solche Reinigungseinrichtungen in den Ställen nicht überall Standard und diese Stallgebäude könnten Vorbildfunktion gehabt haben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Fußboden des Mittelganges zwischen den Pferdeboxen, und auch der der Pferdeboxen selbst, ist beschrieben:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Der Mittelgang zwischen den Lattirständern nach der Tiefe in jedem Stall, ist mit, 5 Zoll dicken, Aberdeen-Granitplatten der Länge nach in regelmäßigen Streifen von 2 Fuß 2 Zoll Breite ausgelegt, über welche von 6 zu 6 Zoll der Breite nach Furchen eingehauen sind, so daß das Ganze, wenn es gelegt ist, ein System von Rechtecken zu bilden scheint. Die Stände sind mit Kieseln von etwa 4 Zoll Quadrat Kopffläche gepflastert." (6)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ob dies allein aus ästhetischen Gründen, oder auch aus hygienischen Gründen geschah, wird nicht genauer erläutert. An die Ausdünstungen, die in solchen Stallungen ent- stehen, wurde gedacht:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Die Ställe selbst werden, sowohl oben als unten, nicht allein durch Lüftungsziegel, sondern auch jeder einzelne durch acht Dunstzüge ventilirt, welche in den Scheidewänden ausgespart, und mit Schiebern zur Regulirung des Ausströmens der unreinen Luft versehen sind." (7)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man hatte also in die Wände Lüftungsrohre eingemauert. Zusätzlich ließen sich Fenster "durch ein Hebelwerk" öffnen.&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://3.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxPTUNS1wYI/AAAAAAAACGc/ruOR22DWn_A/s1600/Pferdest+3.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 382px; height: 400px;" src="http://3.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxPTUNS1wYI/AAAAAAAACGc/ruOR22DWn_A/s400/Pferdest+3.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5409899921521623426" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Alle Stallungen erhielten Kellergewölbe und über den Ställen hatte man Speicherräume eingerichtet. Man kann dies dem Schnitt entnehmen. Die Keller dienten der Brauerei, zu der diese Pferdeställe gehörten, zur Lagerung von Fässern. Durch einen "höchst sinnreich angelegten eisernen Tunnel" konnte man diese Bierfässer unter der Straße durch zu diesen unterirdischen Kellergewölben bringen. Die Baukonstruktion der Keller ist genauer beschrieben:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Ueber eiserne Säulen, welche unmittelbar unter jenen stehen, welche theils die Lattirständer, theils die Träger der Decke des Stalles bilden, liegen eiserne Längenbalken, von denen starke eiserne Spannbalken nach den Seitenwänden gehen, und /.../ mit Längenträgern, welche zu diesem Zwecke mit Flanschen versehen wurden, zusammengestoßen sind. Diese Längenträger bilden zugleich Widerlager, und zwischen diesen und den Seitenwänden sind aus zwei Kränzen vierzölliger Mauersteine die Gewölbe gesprengt, welche die Kellerdecke bilden. Die Gewölbe selbst sind in Cement gemauert, und obenauf mit einem Estrich von Kalk und geschlagenen Ziegelstücken übergossen. Über diesem ist der Fußboden der Ställe mit trockenem Schutte geebnet, und dann gepflastert." (8)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Interessant sind die Angaben zum Kellerboden, der aus Beton gegossen wurde, der wiederum mit heißem Wasser angemacht worden war:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Der Boden des Kellers besteht aus Konkrete von solcher Zusammensetzung: Trockener Kalk 1 Theil, Themsesand 1 Theil, gebrannter Thon 3 Theile, kleine Kieselsteine 5 Theile, das ganze mit siedendem Wasser angerührt." (9)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Beton war noch neu, und es wurde, was seine Herstellung betraf, noch viel experimentiert. Manche schworen darauf, es sei am besten, das Gemisch mit kochendem Wasser anzurühren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auch die Geschoßdecke zum Speichergeschoß ist interessant. Sehr viel Eisen wurde hier verbaut.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Uber den Stallungen sind Böden. Dieselben sind mit gußeisernen Platten belegt, welche 1/2 Zoll dick und 33 Zoll im Quadrat sind, und deren obere Seite durch, beim Gusse geformte konzentrische Reifen rauh gemacht ist. Diese Platten ruhen auf den Querträgern, welche in die, von den verlängerten Lattirständern getragenen Längenbalken eingeschoben sind /.../. Die Ober- und Unterseite der Bodenplatten gewährt einen sehr zierlichen Anblick, und jeder Stall ist vollständig feuerfest." (10)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man hat also über den raumhohen Lattirständern aus Gußeisen Längs- und Querträger bis zu den Wänden gelegt und darauf gußeiserne Platten dicht an dicht aufgelegt, die zudem mit Schmuck an der Unterseite und einer angerauhten Oberfläche versehen waren, was der sicheren Begehbarkeit diente. Der Speicher diente zur Lagerung von Häcksel:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"An einem Ende des Gebäudes befindet sich eine Dampfmaschine von vier Pferdekräften mit Kondensor, welche dazu dient, den Häcksel zu schneiden, die Fourage auf die Böden zu schaffen, und endlich Wasser aus einem, im Keller befindlichen Brunnen zu heben und für die verschiedenen Zwecke im ganzen Gebäude zu vertheilen." (11)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Unterbringungsort dieser Dampfmaschine ist in den auswertbaren Zeichnungen nicht auffindbar, da nur ein Teil der Stallungen durch die Grundrißzeichnung gezeigt wird.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auch die Dachkonstruktion ist in der Biedermeierzeit sehr bewundert worden. Holzbalken, Guß- und Schmiedeeisen wurden zu einem bemerkenswerten Dachverband gefügt. Man kann sich die Einzelheiten im Schnitt ansehen.&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://2.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxPTpUVHnLI/AAAAAAAACGk/9QdBTbm9Rdg/s1600/Pferdest+4.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 387px; height: 400px;" src="http://2.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxPTpUVHnLI/AAAAAAAACGk/9QdBTbm9Rdg/s400/Pferdest+4.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5409900284187483314" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Auf den langgestreckten Außenwänden liegen Holzbalken auf. Darauf sind Bodenplatten befestigt, in denen die gußeisernen Schuhe eingeschraubt wurden. Von hier aus steigen von links und rechts von den Außenwänden die schrägen "Stuhlsäulen" zu dem gußeisernen "Kopfstück" an, auf dem der Firstbalken aufgelegt ist. Von diesem Kopfstück hängt eine "Tragestange" herab, die bis zu einem dreieckigen Mittelstück herunterreicht, von dem aus sowohl horizontale "Querzugbalken" aus schmiedeeisernen Zugstangen zu den Schuhen an den Außenwänden geführt sind, welche den Seitenschub der Dachkonstruktion aufzunehmen haben, als auch schräge Stangen zur Mitte der Stuhlsäulen ansteigen, welche der Versteifung der Dachkonstruktion dienen. Holzbalken als Pfetten, im Text "Fetten" genannt, liegen über dem Beginn der Stuhlsäulen am Schuh, in der Mitte der Stuhlsäulen und am First als Firstbalken auf. Erst darüber kamen die Dachsparren zu liegen. Hierüber wird man die übliche Dacheindeckung anzunehmen haben. Sie ist weder in den Zeichnungen noch im Text näher erläutert worden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Alle Fenster, auch die "kreisrunden Fenster oder Ochsenaugen der Böden" sind aus Gußeisen gefertigt. Die Bauzeit der Stallungen war sehr kurz. Das ganze, "in sechs Monaten, von der Grundsteinlegung an, vollendete Gebäude" war so konstruiert, "daß die Ställe viel dauerhafter sind", außerdem wurde sehr darauf geachtet, "daß die Pferde weniger Krankheiten ausgesetzt sind". Das Bauvorhaben war in der Planung so durchgearbeitet worden, daß es nur unwesentlich teurer war als herkömmliche Stallgebäude, dafür aber "vollkommen feuersicher" gebaut worden war.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Leider läßt sich nur eine Fassade der Stallungen betrachten. Die Ansicht scheint den äußersten Stall wiederzugeben, der im Grundriß nicht dargestellt ist. Zu sehen ist eine Längsseite. Es ist anzunehmen, daß diese repräsentative Fassade zur Straße hin weist. Die Eingangsseite in den Stall liegt links. Ein breiter Mauerwerkspfeiler weist darauf hin. Die Rückseite des Gebäudes, die rechts liegt, wurde nicht auf diese Weise hervorgehoben. Sie steiß vielleicht an ein anderes Gebäude an. Horizontal wurde eine Dreigliederung geschaffen. Auf einem hohen Sockelstreifen ist zwischen dem breiten Eckpfeiler links außen und dem Gebäudeende rechts eine Bogenreihe aufgemauert worden, die jedoch keine großen Wandöffnungen freiläßt, sondern zurückliegenden Wandflächen enthalten, in die eine untere Fensterreihe des Stalls und die Ochsenaugen des Speichers eingelassen sind. Über der Bogenreihe verläuft das Wandstück, das mit dem Wandabschlußgesims endet. Darüber erhebt sich eine niedrige Mauer als Attika vor dem relativ flachen Satteldach, dessen Umrisse in der Ansicht der Fassade nicht dargestellt wurden. Man kann die Höhe des Daches nur dem Schnitt entnehmen. Über der Mitte der Bogenreihe wurde ein Stück Schaufassade zur Betonung aufgemauert. Zwei seitliche niedrige Pfeiler, haben ein Wandstück zwischen sich, über dem sich ein niedriger Giebel erhebt, auf dessen Spitze ein Greifvogel zu stehen scheint. Diese kleine und auf der Wand daraufstehende Schaufassade ist mit Verschleifungen an das Attikaband angeschlossen worden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Bögen der Bogenreihe stehen auf Wandpfeilern auf. Das Kapitell, von dem aus das dünne Bogenband, das die Wandnischen rahmt, aufsteigt, läßt sich auch als Gesimsband lesen, denn es ist auf dieser Höhe um den massigen Wandpfeiler an der Ecke zur Eingangsseite in die Ställe weitergeführt und gliedert sicherlich auch die Seitenfassade. Auch das Gesimsband, das den Sockel abschließt, läuft um das Gebäude herum. Die Fenster der Stallung, die mittig in den Rundbogennischen eingelassen wurden und über sich einen flachen Segementbogen haben, liegen in einer Achse mit den kreisrunden Ochsenaugen, die mittig in der Rundung des Halbbogens der Rundbogennischen darüber angeordnet wurden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Fassade wirkt klassizistisch. Die Rundbogenreihe verweist deutlich auf die Biedermeierzeit. Der Dekor ist spärlich, aber wirkungsvoll gehalten. Man müßte die Bauten, die in der Biedermeierzeit und danach als Pferdeställe gebaut wurden, miteinander vergleichen, um eine Stilentwicklung aufzeigen zu können. Auch im Inneren herrscht eine klare Gliederung. Der Schmuck der Trennwände und Lattirsäulen, der Fußböden und Decken, widerspiegelt zu einem guten Teil das Schmuckbedürfnis der Zeit, andererseits aber auch das Bedürfnis nach Hygiene und Sicherheit. Die bei der seriellen Herstellung von Gußeisenteilen sich wiederholenden Schmuckformen verweisen zugleich auf die Massenproduktion der Biedermeierzeit und den technologischen Fortschritt im Bauwesen. Dem Architekten wird nachgesagt, er habe mit wenigen Kunstgriffen ein sehr ansprechendes und modernes Gebäude errichtet, dessen fortschrittliche Einrichtungen man sich auch anderswo wünschte. Auch die Innenarchitektur der kannelierten Gußeisensäulen und schön gegliederten Eisenteile der Trennwände der Pferdeboxen wurde klassizistisch gestaltet. Der Eisenguß ließ solche Schmuckformen problemlos zu.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Karl-Ludwig Diehl&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;baugeschichte (at) hotmail.com&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Anmerkungen:&lt;br /&gt;(1)-(4) zitiert aus: o.A.: Die neuen Pferdeställe bei der Brauerei der Herren Truman, Hanbury, Buxton und Kompagnie in London. S.253-255 und Zeichnungen auf Blatt CCXVIII in: Allgemeine Bauzeitung. Wien, 1837. S.253&lt;br /&gt;(5)-(10) zitiert aus: o.A., wie vor, S.254&lt;br /&gt;(11) zitiert aus: o.A., wie vor, S.255&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6835589152084916324-7246481123863031285?l=strukturellebaugeschichte.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://strukturellebaugeschichte.blogspot.com/feeds/7246481123863031285/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6835589152084916324&amp;postID=7246481123863031285' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6835589152084916324/posts/default/7246481123863031285'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6835589152084916324/posts/default/7246481123863031285'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://strukturellebaugeschichte.blogspot.com/2009/11/feuersichere-pferdestalle-des.html' title='Feuersichere Pferdeställe des 19.Jahrhunderts in London'/><author><name>Karl-Ludwig Diehl</name><uri>http://www.blogger.com/profile/11909949692992381573</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='31' height='32' src='http://3.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SOuBUB0BTyI/AAAAAAAAAAo/mQx-tvh1B6k/S220/Selbstporträt.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://2.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxPTAfm7SDI/AAAAAAAACGM/jzHHUIjhPZk/s72-c/Pferdest+1.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6835589152084916324.post-2213282827463692508</id><published>2009-11-29T20:24:00.000-08:00</published><updated>2009-11-29T20:34:33.883-08:00</updated><title type='text'>Auswertung der Aufsätze zu den im 19.Jahrhundert errichteten Bauten: das Gewächshaus in Kremsier</title><content type='html'>&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://4.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxNKeoc89QI/AAAAAAAACFs/R1JmsLEdy44/s1600/Kremsier+1.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 260px;" src="http://4.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxNKeoc89QI/AAAAAAAACFs/R1JmsLEdy44/s400/Kremsier+1.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5409749467517482242" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Der Schloßgarten im mährischen Kremsier unweit von&lt;br /&gt;Brünn hatte in der Biedermeierzeit ein Glashaus erhalten,&lt;br /&gt;das beheizbar war. Es wurde sehr bewundert, nicht nur&lt;br /&gt;wegen seiner gebogene Form, sondern auch weil hier Neu-&lt;br /&gt;erungen eingebaut wurden. Man hatte sich deshalb ent-&lt;br /&gt;schlossen, den Gartenfreunden Aufschluß zu geben und&lt;br /&gt;berichtete darüber in einer Fachzeitschrift. Das Gebäude&lt;br /&gt;war im Jahre 1836 fertiggestellt worden.&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://2.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxNKlXB_fLI/AAAAAAAACF0/cZaOHrNdhNc/s1600/Kremsier+2.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 265px;" src="http://2.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxNKlXB_fLI/AAAAAAAACF0/cZaOHrNdhNc/s400/Kremsier+2.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5409749583100083378" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Der Grundriß wurde aus Bogensegmenten entwickelt. Da-&lt;br /&gt;durch ist die geschlossene Rückseite kürzer als die ver-&lt;br /&gt;glaste Schauseite des Gebäudes. Die Seitenwände wur-&lt;br /&gt;den zum Kreismittelpunkt hin gerichtet, stehen daher nicht&lt;br /&gt;parallel zueinander. Das Gebäude steht etwas angehoben&lt;br /&gt;auf einem Sockel, was bedeutet, das über wenige Stufen&lt;br /&gt;zu den Eingangstüren in der Mitte der Rückseite und der&lt;br /&gt;Vorderseite hinaufgestiegen werden muß. Die gebogene&lt;br /&gt;Glasfront der Schaufassade wurde in 15 Abschnitte aufge-&lt;br /&gt;teilt. Diese senkrechten Fensterstreifen sind wiederum in&lt;br /&gt;drei übereinander liegende und annähernd quadratische&lt;br /&gt;Fensterelemente unterteilt. Alle diese Elemente bestehen&lt;br /&gt;aus Gußeisenrahmen, die wiederum durch Sprossen feiner&lt;br /&gt;unterteilt sind. Die zweiflügelige Tür wurde in dieses Raster&lt;br /&gt;integriert. Dadurch wirkt sie völlig unscheinbar. Man er-&lt;br /&gt;kennt sie nur durch die Stufen und den unverglasten Tür-&lt;br /&gt;rahmenteil, der bis zur geringen Höhe der niedrigen Wand&lt;br /&gt;reicht, auf der die verglasten Gußeisenelemente aufgebaut&lt;br /&gt;wurden. Man hat also eine ausgedehnte und gebogene&lt;br /&gt;verglaste Fassade vor sich, die sehr regelmäßig gegliedert&lt;br /&gt;wurde. Links und rechts endet die Fensterfront an den Sei-&lt;br /&gt;tenwänden, deren schmale Wandstreifen zusammen mit&lt;br /&gt;dem niedrigen Mauerstreifen unter der Glaswand und dem&lt;br /&gt;horizontalen Wandstreifen, vielleicht ein Wandabschlußge-&lt;br /&gt;sims, über den Fensterflächen die Glasfront rahmen. Durch&lt;br /&gt;die Bogenform ist die verglaste Schaufassade länger als&lt;br /&gt;die Rückwand des Gebäudes, die nur wenige Fenster er-&lt;br /&gt;hielt. Die Besonderheit sind an dieser Fassade die Fen-&lt;br /&gt;ster unter der Traufe des Daches, von denen gesagt wird,&lt;br /&gt;sie sollen die Feuchtigkeit aus dem Haus abziehen lassen,&lt;br /&gt;damit keine Feuchtigkeitsschäden im Inneren des Hauses&lt;br /&gt;entstehen.&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://1.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxNKxhZdlzI/AAAAAAAACF8/0Eyamd2lK_U/s1600/Kremsier+3.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 274px;" src="http://1.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxNKxhZdlzI/AAAAAAAACF8/0Eyamd2lK_U/s400/Kremsier+3.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5409749792041310002" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Vor die Rückwand des Glashauses ist ein niedriger und&lt;br /&gt;gangartiger Anbau, ebenfalls in gekrümmter Form, ange-&lt;br /&gt;fügt worden. Sein Pultdach reicht bis unter die Fenster-&lt;br /&gt;bänke der Oberlichter des Glashauses. Die Fensterach-&lt;br /&gt;sen dieses Anbaus wurden mit der Lage der Oberlichter&lt;br /&gt;in einen Zusammenhang gebracht. Die Seitenwände des&lt;br /&gt;Gewächshauses bilden große Rechtecke, deren Wand&lt;br /&gt;etwas über das Dach des Glashauses reicht und auch&lt;br /&gt;nicht dem Profil der Dachlinien folgt. Es handelt sich um&lt;br /&gt;zwei mit aufwendigen Gesimsen, Pfeilern, einer Attika&lt;br /&gt;und einem Sockel gegliederte klassizistische Fassaden,&lt;br /&gt;die als Solitäre für sich stehen und zwischen denen der&lt;br /&gt;ganz anders gehaltene Gewächshausbau eingespannt ist.&lt;br /&gt;Das im Schnitt gut erkennbare und ganz andere Profil die-&lt;br /&gt;ses eingespannten Gebäudeteiles steht also ganz für sich&lt;br /&gt;und kann so völlig ungestört seine Architektur aus Glas-&lt;br /&gt;fassade und Dachflächenverläufen entfalten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Dach über dem verglasten Gebäudetrakt, also über&lt;br /&gt;dem, was nicht Seitenwandmauerwerk ausmacht, steigt&lt;br /&gt;als leichte Schräge eines verschieden hohen Sattelda-&lt;br /&gt;ches an. Der First liegt mehr zur verglasten Gebäudesei-&lt;br /&gt;te hin. Zur Rückwand fällt das Satteldach mit geringer&lt;br /&gt;Neigung ab. Diese Dachfläche ist jedoch länger, die Rück-&lt;br /&gt;wand etwas niedriger als die verglaste Wand der Schau-&lt;br /&gt;fassade. Innen folgt die eingezogene Decke dem Höhen-&lt;br /&gt;unterschied zwischen höherer Vorderseite und niedrigerer&lt;br /&gt;Rückseite. Man sieht als eine schräge Deckenfläche&lt;br /&gt;über sich. Unter dem Pultdach des gangartigen Anbaus&lt;br /&gt;liegt eine horizontale Decke über den niedrigen Räumen.&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://2.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxNLOHAUEfI/AAAAAAAACGE/aeKACsAQg_8/s1600/Kremsier+4.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 266px;" src="http://2.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxNLOHAUEfI/AAAAAAAACGE/aeKACsAQg_8/s400/Kremsier+4.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5409750283172712946" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Von dem Gebäude wird gesagt:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"In diesem Hause können 5 bis 6000 mittlere Blumentöpfe&lt;br /&gt;untergebracht werden." (1)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man hatte bei diesem Gewächshaus enge Kamine gebaut&lt;br /&gt;und wies darauf hin, daß solche engen Kamine überall&lt;br /&gt;die feuergefährlichen weiten Kamine ablösen sollten. Sie&lt;br /&gt;brachten auch zusammen mit den eingesetzten Öfen eine&lt;br /&gt;Einsparung an Heizmaterialien mit sich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Die Fensterrahmen sind durchaus von Gußeisen in 7/8''&lt;br /&gt;aufrecht stehenden eichenen Säulen, welche mittelst&lt;br /&gt;zweier nach der Länge durchlaufenden Riegeln von dem-&lt;br /&gt;selben Holz gehalten werden." (2)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man hat ihnen einen Falz von außen gegeben, in den man&lt;br /&gt;den gußeisernen Rahmen eingelassen hat. Die Verglasung&lt;br /&gt;der sechs Felder eines jeden Gußeisenelementes wurde&lt;br /&gt;mit ganz gewöhnlichem Fensterglas vorgenommen, das&lt;br /&gt;eingekittet wurde. Zum Schutz habe man einen Ölfirnis auf-&lt;br /&gt;gebracht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Fußboden des Gewächshauses wurde gepflastert.&lt;br /&gt;Von den Decken wird gesagt, sie seien "berohrt". Den&lt;br /&gt;Dachboden habe man mit "Häckerling" gefüllt, was wohl&lt;br /&gt;isolieren sollte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Vorder- und Rückseite des Gebäudes bildet einen&lt;br /&gt;deutlichen Kontrast zu den klassizistischen Seitenwän-&lt;br /&gt;den. Ihr modernes Aussehen ergibt sich zum einen&lt;br /&gt;durch die Funktion der Glaswand, die viel Licht und Son-&lt;br /&gt;ne in das Gebäude lassen sollte. An der Rückseite hat&lt;br /&gt;man Entlüftungsfenster direkt unter dem Wandabschluß&lt;br /&gt;der geschlossenen Außenwand des Glashaus anbringen&lt;br /&gt;wollen, dadurch wurde ein niedriger Anbau nötig, an des-&lt;br /&gt;sen Enden vermutlich die etwas tieferliegenden Heizräu-&lt;br /&gt;me angelegt wurden. Von hier aus ziehen sich Warmluft-&lt;br /&gt;kanäle durch den Boden des Glashauses. Man sieht sie&lt;br /&gt;sowohl im Grundriß wie im Schnitt durch das Gebäude.&lt;br /&gt;Mit einfachsten Mitteln wurde also ein für die damalige&lt;br /&gt;Zeit sehr modernes Gebäude errichtet.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Karl-Ludwig Diehl&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Anmerkungen:&lt;br /&gt;(1)-(2) zitiert aus: A.: Glashaus im Schloßgarten zu Krem-&lt;br /&gt;sier. S.215 und Zeichnungen auf dem Blatt S.213 in: All-&lt;br /&gt;gemeine Bauzeitung. Wien, 1837. S.213&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6835589152084916324-2213282827463692508?l=strukturellebaugeschichte.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://strukturellebaugeschichte.blogspot.com/feeds/2213282827463692508/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6835589152084916324&amp;postID=2213282827463692508' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6835589152084916324/posts/default/2213282827463692508'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6835589152084916324/posts/default/2213282827463692508'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://strukturellebaugeschichte.blogspot.com/2009/11/auswertung-der-aufsatze-zu-den-im.html' title='Auswertung der Aufsätze zu den im 19.Jahrhundert errichteten Bauten: das Gewächshaus in Kremsier'/><author><name>Karl-Ludwig Diehl</name><uri>http://www.blogger.com/profile/11909949692992381573</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='31' height='32' src='http://3.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SOuBUB0BTyI/AAAAAAAAAAo/mQx-tvh1B6k/S220/Selbstporträt.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://4.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxNKeoc89QI/AAAAAAAACFs/R1JmsLEdy44/s72-c/Kremsier+1.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6835589152084916324.post-2754518231687525009</id><published>2009-11-29T20:13:00.000-08:00</published><updated>2009-11-29T20:23:16.735-08:00</updated><title type='text'>Beseitigung gefährlicher Abwässer der Industrie in der Biedermeierzeit</title><content type='html'>Die aufgekommene Industrie produzierte Unmengen an schädlichen Flüßigkeiten, die gefährlich waren. Man wußte nicht, wohin mit ihnen. Wohin sollte man sie tun? Es kam in Frankreich die Idee auf, unterirdische Hohlräume anzubohren, um diese flüssigen Gifte unterirdisch zu lagern. Im Jahre 1836 berichtete A.Chevallier darüber. (1)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Die häufigere Anwendung der artesischen Brunnen führte /.../ auf die Idee, daß es nicht bloß möglich sein dürfte, durch Bohren unterirdisches Wasser an die Oberfläche empor zu schaffen, sondern daß man durch noch tieferes Bohren wahrscheinlich Abzugskanäle für mancherlei Flüssigkeiten, von denen man sich zu entledigen wünscht, eröffnen könnte." (2)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Diese Vorstellung, unterirdisch Abwässer zu lagern, rief sofort die Kritiker auf den Plan, die natürlich auf die Gefahr hinwiesen, daß sich trinkbares Wasser und die Gifte leicht vermischen könnten. Man entgegnete, es könne Vorsorge getroffen werden, damit diese Vermischung nicht eintritt. Zum einen müßte man "um Vieles unter die der Erdoberfläche zunächst gelegenen Wasserschichten" mit Bohrungen hindurchgehen und außerdem diese Bohrlöcher "mit gußeisernen Röhren" auskleiden,&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"damit alle Berührung der Flüssigkeiten mit den verschiedenen Schichten, durch welche sie zu gehen hätten, verhütet würde." (3)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es wurden auch Versuche gewagt:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Mehrere Versuche wurden in dieser Hinsicht in Villetaneuse, an dem Schindanger in Bondy, in Saint-Mandé und in Bicêtre angestellt, und zwar mit günstigem Erfolge." (4)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Erfolg ermutigte zu Bohrungen an der Barrière du Combat, wohin die Staatsverwaltung Abwässer aus Montfaucon schaffen ließ und "Versuche mit 24 Fässern Kothjauche" unternahm. Am 14.November 1836 ließ man hier diese Abwässer verschwinden:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Die 24 Fässer Kothjauche waren in weniger als 25 Minuten verschlungen, so daß also auf 24 Stunden 1440 Kubikmeter kommen." (5)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man hatte sich also ausgerechnet, wieviel gefährliche Abwässer in welch kurzer Zeit beseitigt werden können. Daraus konnte ein gutes Geschäft gemacht werden. Chevallier, der in diese Forschungen involviert war, ob man Abwässer unterirdisch lagern sollte, befürchtete bereits von dieser Art von Lagerung, "daß dieselbe auch der Gegenstand von Privatspekulazionen werden dürfte". Er sprach deshalb Warnungen aus. Sie beruhten auf Beobachtungen bereits mißratener Ablagerung von Abwässern in unterirdischen Depots. So hatten z.B. abgelagerte Abwässer "einen Theil der Brunnen der Gemeinde von Gentilly" vergiftet. So etwas machte Angst.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aus den Abwägungen, die Chevallier unternahm, wo solche unterirdischen Depots erlaubt werden könnten, gelangte er zu der Überzeugung, allein unter großen Städten solle eine solche Ablagerung erlaubt werden:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Meine Meinung ist offen die, daß die artesischen Brunnen, wenn keine von den eben erwähnten Nachtheilen zu befürchten sind, in Hauptstädten und überhaupt in größeren Städten, mit großem Vortheile für die Gesundheit, für die Hausbesitzer und für die Landwirthschaft als Abzugskanäle benutzt werden können." (6)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Da in den großen Städten große hygienische Probleme bestanden, mußte hier dringlich eine Lösung gefunden werden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Für die Gesundheit könnte ein großer Vortheil daraus erwachsen; denn man könnte 1)in größeren Anstalten, wie z.B. in Kasernen, Spitälern, Invalidenhäusern u., sogenannte Abtritte à la Gourlier errichten, und den Urin, der sich von den festen Substanzen abscheidet, durch einen gebohrten Brunnen in eine unterirdische Wasserschicht ableiten; 2) könnte man in den einzelnen Stadtquartieren auf ähnliche Weise verfahren, und für je eine bestimmte Häusergruppe gleichfalls einen Abzugsbrunnen für den Urin und andere infizirende Flüssigkeiten herstellen; 3) endlich ließen sich auf diesem Wege die Kloaken beseitigen, welche der Gesundheit oft so nachtheilig werden." (7)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Darüber hinaus riet er zum Abwarten. Nichts solle überstürzt werden:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"denn meine Absicht hiebei ist hauptsächlich nur die, die allgemeine Aufmerksamkeit auf eine Methode zu lenken, welche meiner Ansicht noch von großem Nutzen werden dürfte, die aber doch nicht eher in Ausführung gebracht werden darf, als bis faktisch erwiesen ist, daß keiner der von mir /.../ angeführten Nachtheile daraus entstehen kann." (8)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Falls sich dann herausstelle, man könne gefahrlos diese unterirdischen Depots anlegen, solle man es tun:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Wäre dieß der Fall, so würde dieß den Stärk- und Satzmehlfabriken, den Schlachthäusern, Wäschereien, Färbereien, Branntweinbrennereien und vielen anderen Fabriken, in denen man der unreinen Ablaufwasser schwer loszuwerden weiß, und gegen deren Einrichtung gewöhnlich die ganze Nachbarschaft Klagen erhebt, großen Vorschub leisten. Eben so würden die permanenten Kloaken, welche gegenwärtig ganze Gemeinden verpesten, und denen dermalen doch nicht leicht abgeholfen werden kann, auf diesem Wege leicht zu beseitigen sein." (9)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Chevallier hoffte also darauf, daß sich ein sicherer Weg findet, flüssige Gifte in unterirdischen Depots zu lagern, ohne daß das trinkbare Wasser dadurch Schaden erleidet. Sollte irgendwann ein solches sicheres Verfahren gefunden worden sein, werde es endlich leicht möglich, all die "unreinen Ablaufwasser" loszuwerden, welche die Arbeitswelt entstehen ließ. Es würden damit auch wieder gesunde Verhältnisse in den Dörfern und Städten einziehen können. Die Hoffnung, die er in diese Deponierungsmethode setzte, war also groß. Genauso groß waren seine Ängste, es könne dabei etwas falsch gemacht werden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Daß man in der Biedermeierzeit auf solche Wege aus war, ist interessant zu wissen. Es stellt sich die Frage, ab wann Reinigungssysteme für Abwässer zum Einsatz kommen, die eine Alternative zur unterirdischen Lagerung von giftigen Brühen sein werden. Bis es so weit war, wird sich die Chemie noch sehr entwickelt haben müssen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Karl-Ludwig Diehl&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Anmerkungen:&lt;br /&gt;(1) man lese: A.Chevallier: Ueber die Ableitung übelriechender und für die Gesundheit nachtheiliger Flüssigkeiten in unterirdische Wasserströmungen. S.230-232 in: Allgemeine Bauzeitung. Wien, 1836.&lt;br /&gt;(2) zitiert aus: A.Chevallier, wie vor, S.230&lt;br /&gt;(3) siehe das Zitat im gesamten Kontext bei: A.Chevallier, wie vor, S.230&lt;br /&gt;(4)-(6) zitiert aus: A.Chevallier, wie vor, S.231&lt;br /&gt;(7) zitiert aus: A.Chevallier, wie vor, S.231f.&lt;br /&gt;(8)-(9) zitiert aus: A.Chevalier, wie vor, S.232&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6835589152084916324-2754518231687525009?l=strukturellebaugeschichte.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://strukturellebaugeschichte.blogspot.com/feeds/2754518231687525009/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6835589152084916324&amp;postID=2754518231687525009' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6835589152084916324/posts/default/2754518231687525009'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6835589152084916324/posts/default/2754518231687525009'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://strukturellebaugeschichte.blogspot.com/2009/11/beseitigung-gefahrlicher-abwasser-der.html' title='Beseitigung gefährlicher Abwässer der Industrie in der Biedermeierzeit'/><author><name>Karl-Ludwig Diehl</name><uri>http://www.blogger.com/profile/11909949692992381573</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='31' height='32' src='http://3.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SOuBUB0BTyI/AAAAAAAAAAo/mQx-tvh1B6k/S220/Selbstporträt.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6835589152084916324.post-1029663050691854015</id><published>2009-11-29T19:52:00.000-08:00</published><updated>2009-11-29T20:12:14.744-08:00</updated><title type='text'>Innovationen in der Biedermeierzeit: die Maschine des Terrasson Fougère zur Herstellung  von Backsteinen</title><content type='html'>&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://3.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxNCTjDPA7I/AAAAAAAACFM/wy-osjvvVXA/s1600/Ziegelm+1.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 326px;" src="http://3.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxNCTjDPA7I/AAAAAAAACFM/wy-osjvvVXA/s400/Ziegelm+1.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5409740480995853234" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Die vielen Handarbeiten, die bei der Herstellung der Backsteine anfielen, zu reduzieren und Maschinen zum Einsatz zu bringen, welche die Handarbeiten übernehmen, war der Traum vieler Erfinder im 19.Jahrhundert. Bereits in der Biedermeierzeit waren 20 solcher Maschinen erfunden worden, wurde im Jahre 1837 ausformuliert:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Es sind uns an zwanzig zu diesem Ende seit beinahe 30 Jahren erfundene Maschinen bekannt, aber die von dem Hrn. Terrasson Fougères scheint die einzige zu sein, welche bis jetzt mit Erfolg gearbeitet hat." (1)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das macht neugierig. Alle anderen haben "weder Vortheile noch Ersparnisse" gebracht, "da sie für die kleine Anzahl Arbeiten, welche sie verrichten, zu viel Aufsicht erfordern."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auf was war man damals aus? Welche Arbeiten sollten durch Maschinen ersetzt werden? Die Erfinder nahmen sich ganz unterschiedliche Tätigkeitsfelder der Handarbeit vor, die sie durch Maschinen ersetzen wollten, und entwickelten unterschiedliche Grundprinzipien, nach denen diese Maschinen arbeiten:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Wir versuchen hier, einen Begriff von dem Grundprinzipe zu geben, auf welchem die Konstrukzion der verschiedenen Ziegel-Maschinen beruht, indem wir sie auf folgende Weise eintheilen in:&lt;br /&gt;1) Maschinen, welche das Formen, wie es durch Menschenhände geschieht, nachzuahmen;&lt;br /&gt;2) solche, welche das Formen mittelst einer beständigen rotirenden Bewegung bewerkstelligen;&lt;br /&gt;3) solche, welche das Formen durch ein Model verrichten, das die Erde herausschneidet;&lt;br /&gt;4) Maschinen, welche die Form mittelst einer Ziehplatte hervorbringen, und dann das geformte Stück durch einen Draht oder ein Messer losschneiden." (2)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es ging also in allen Fällen darum, das Formen der Ziegelrohlinge zu mechanisieren. Für das Kneten der Erde gab es bereits spezielle Trommeln, deren Knetwerk im Innern der Trommel durch ein Göpelwerk in Bewegung gehalten wurde. Zugleich mit dieser Bewegung wurde ein Transportband in Bewegung gehalten, welches die Erde über die oben offene Trommel transportierte und hineinfallen ließ. Durch die Knetbewegung entstand eine formbare Masse, aus denen sich die Ziegelrohlinge mit den angeführten Maschinen formen liessen. Sie wurde unten aus der Knettrommel herausgedrückt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Glücklicherweise wurde erklärt, wie die Maschinen arbeiteten, die nach diesen vier Grundprinzipien aus der vorgekneteten Erdmasse Ziegelrohlinge herstellten. Das macht uns die Sache anschaulicher.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Die Maschinen, welche das Formen durch Menschenhände nachahmen, bestehen aus einer gußeisernen Rahme, welcher man durch mehr oder minder sinnreiche mechanische Vorrichtungen eine hin und her gehende Bewegung ertheilt. Im Hingehen füllt sich die Rahme, indem sie unter dem Trichter durchgeht, welcher die Erde enthält, bei dem zweiten Theile ihres Ganges kömmt sie unter einen Hebel, der den nothwendigen Druck ausübt, und gelangt endlich, indem sie die Platte, welche den Boden bildet, ausstößt, unter ein Stoßeisen, welches den geformten Ziegel aus der Form bringt; diese Bewegung wiederholt sich nach Belieben." (3)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kinsley, im Jahre 1813, Delamosinière, im Jahre 1825, und Thierrion im Jahre 1829, von dem man weiß, daß er in Amiens lebte, haben Maschinen entwickelt, die nach diesem Prinzip arbeiteten. Andere dachten sich etwas Anderes aus.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Die Maschinen, bei welchen das Formen durch eine fortwährende rotirende Bewegung geschieht, sind ganz analog mit den eben angeführten, nur wendet man, statt eines Models, mehrere an, welche bald auf einer kreisrunden Scheibe, die sich um eine vertikale Axe bewegt, bald auf der Oberfläche eines sich um eine horizontale Axe drehenden Zylinders angebracht sind." (4)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Maschinen, die nach diesem Prinzip arbeiten, wurden im Jahre 1819 von Doolittle in Washington, im Jahre 1826 von Levavasseur-Précour und im Jahre 1830 von den Erfindern Champion, Fabre und Janur-Dubry, die in Besancon lebten, entwickelt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Bei den Maschinen mit Zylindern haben die Modelle einen mit einem Zahn versehenen Boden, in diesen Zahn greift dann, wenn der Ziegel die tiefste Stelle bei der Drehung erreicht hat, eine mechanische Vorrichtung ein, um den Ziegel aus der Form zu stoßen." (5)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Solche Maschinen liessen sich im Jahre 1826 die Baronin Garedel Geanny, im Jahre 1828 Nandot u. Comp. und im Jahre 1829 Carterean patentieren. Es rotiert also entweder eine Drehscheibe oder es drehen sich Zylinder bei der Herstellung der Erdquader, die dann gebrannt werden konnten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Die Maschinen, welche das Formen mittelst eines schneidenden Models bewerkstelligen, unterscheiden sich dadurch von den vorigen, daß die Erde vorläufig in Schichten von der gehörigen Dicke gebracht seyn muß, auf welche Erdschichten nun das Model mit dem gehörigen Drucke fällt, um wie ein Schneideisen zu wirken." (6)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Solche Maschinen haben Cundy im Jahre 1827 in England, die Gebrüder Bosq, Girault mit den Gebrüdern Taxil im Jahre 1828, und im Jahre 1831 Virebent in Toulouse zum Patent angemeldet.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn man die Erde zermalmt und durch eine "Ziehbrett" herauszieht, entsteht entweder ein einzelner Ziegelrohling, oder ein langes Prisma, von dem sich die Ziegelrohlinge mit einem Messer oder Draht abschneiden lassen. Solche Maschinen bestehen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"entweder aus einem Kolben, welcher die Erde in kleinen Quantitäten zusammendrückt, und dergestalt preßt, daß sie durch den Schlitz des Ziehbretes zu gehen und die verlangte Form anzunehmen gezwungen wird, oder aus einem Kolben, der die Erde zu größern Massen zusammendrückt, und sie in Prismen von verlangter Form aus dem Ziehbrete bringt. In beiden Fällen muß man sich eines Messers oder Drahtes bedienen, um die Ziegel einzeln und in der verlangten Dicke loszuschneiden." (7)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Solche Maschinen sind von Hottenberg im Jahre 1807 in Petersburg und von George aus Lyon im Jahre 1828 patentiert worden. Da an die 20 Erfindungen allein aus der Biedermeierzeit bekannt sind, könnte es nützlich sein, sie in einer besseren Zusammenschau zur Diskussion zu bringen. Da allen diesen Maschinen eine Unvollkommenheit nachgesagt wird, könnte es wichtig sein, genauer zu wissen, worin sie bestand und wodurch sich die Ziegelmaschine von Terrasson Fougères auszeichnete. Von dieser Maschine wird gesagt:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Wir erklären hier beifolgend, daß die des Hern.Terrasson Fougères, welche wir nun beschreiben werden, sich in keine der vorigen Kategorien einreihen läßt." (8)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und zwar:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Sie bewerkstelligt das Formen ohne Model, und schneidet 10, 20, 30 bis 40 Ziegel auf ein Mal ohne Messer oder Schneideisen." (9)&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://4.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxNCcj54MFI/AAAAAAAACFU/ExVr08imFj8/s1600/Ziegelm+2.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 280px;" src="http://4.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxNCcj54MFI/AAAAAAAACFU/ExVr08imFj8/s400/Ziegelm+2.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5409740635843866706" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Terrasson Fougères hatte offensichtlich an einem Erfinderwettbewerb teilgenommen, den die Société d'encouragement im Jahre 1828 ausgeschrieben hatte. Mit seiner Idee schlug er alle seine Konkurrenten und erhielt die goldene Medaille. Im Jahre 1831 wurde die Erfindung der Maschine durch Patent geschützt. Sie mutet sehr modern an.&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://4.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxNCuxnTL6I/AAAAAAAACFc/CEiyO2mnUW8/s1600/Ziegelm+3.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 254px;" src="http://4.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxNCuxnTL6I/AAAAAAAACFc/CEiyO2mnUW8/s400/Ziegelm+3.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5409740948761685922" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Pferde drehen ein Göpelwerk, das ein Endlosband betreibt. Mit ihm wird Erde zu einer oben offenen Trommel transportiert. In diese fällt sie hinein. Das Göpelwerk bewegt eine Achse in dieser Trommel, an der Knetmesser angebracht sind, die einerseits die angefeuchtete Erdmasse durcheinandermengen und sie zugleich nach unten pressen. Dort tritt diese Masse aus einer in der Größe verstellbaren Öffnung heraus und legt sich als langer Strang auf ein Brettstück, das auf einem Endlosband aufgelegt wird. Nahtlos werden diese Bretter aneinandergereiht, nahtlos extrudiert die Knettrommel ihren Erdstrang. An dem Endlosband sind Seitenteile befestigt, die sich zu Seitenwänden aufstellen, sobald diese Abschnitte des Endlosbandes um die äußere Walze herumgeführt sind und wieder nach oben gelangen. Die zum Strang gepreßte Erdmasse erhält durch diese Seitenteile eine erste Formgebung. Der Erdstrang auf dem weiterbewegten Brett gelangt dann unter eine Preßwalze, sodaß der Erdstrang, eingepreßt zwischen der Walze oben, dem Brett unten und den Seitenwänden des Endlosbandes, einen rechteckigen Querschnitt erhält und die Erde dabei zusammengedrückt wird, in dem Maße, wie das für die Ziegelrohlinge getan werden muß, damit sie nach dem Trocknen die richtige Konsistenz haben, um nach dem Brand gute und haltbare Backsteine zu ergeben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Endlosband transportiert das Brett mit dem Erdprisma weiter. Nun verschwindet das Endlosband mit seinen Seitenteilen über eine Walze nach unten, läuft unter der Vorrichtung zurück und gelangt über die andere Walze wieder nach oben. Dabei richten sich die formgebenden Seitenteile wieder auf, während ein Ziegeleiarbeiter ein Brett nach dem anderen auf das Band legt, sodaß sich darauf der Erdstrang auflagern kann.&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://3.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxNC-la3coI/AAAAAAAACFk/_J8pVIFUpBA/s1600/Ziegelm+4.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 326px;" src="http://3.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxNC-la3coI/AAAAAAAACFk/_J8pVIFUpBA/s400/Ziegelm+4.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5409741220366217858" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Die hintereinander aufgelegten Bretter bewegen derweil den Erdstrang weiter, der nach dem Durchgenag durch die Preßwalze zu einem Regulierzylinder gelangt, der sich sehr präzise einstellen läßt. Hier erhält der Erdstrang seine genaue Höhe aufgewalzt. Da der Strang dadurch etwas breiter wird, durchläuft er kurz darauf links und rechts schräg aufgespannte Schneidedrähte, die dem Erdstrang die richtige Breite geben. Doch damit nicht genug. Der Erdstrang wird nun auf dem Brett zur Glättung durch ein Ziehbrett weitergeschoben, um zugleich durch einen horizontalen Draht einen letzten sauberen Höhenschnitt zu bekommen. Nun läuft das Brett in das Schneidegerät ein und löst zugleich durch eine Kerbe unter dem Brett das Klingeln einer Glocke aus, die dem Mechanisten sagt, daß das Endlosband für den Moment des Schneidens anzuhalten ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Von oben wird nun ein Kasten herabgelassen, in dem viele Drähte eingespannt sind. Diese liegen als Schneidedrähte genau in den Abständen der gewünschten Ziegelhöhe. Der Erdstrang wird nun durch diese Drähte in die einzelnen Ziegelrohlinge zerschnitten und der Kasten mit den Schneidedrähten wird wieder nach oben gehoben. Dann setzt der Maschinist der Ziegelei das Endlosband wieder in Bewegung und der nächste Abschnitt des zum rechtwinkligen Prisma geformten Erdstranges rückt nach vorne in den Arbeitsbereich der Schneidemaschine.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Brett mit den geschnittenen Ziegelrohlingen wird angehoben und in die Stellagen geschoben, wo die Ziegelrohlinge so lange trocknen, bis sie gefahrlos gebrannt werden können. Dazu gibt es unterschiedlich große Trocknungsschuppen. Bis die Backsteinrohlinge gebrannt werden können, muß sehr viel Feuchtigkeit aus dem feuchten Rohling durch den Trocknungsprozeß entschwunden sein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Drähte der Schneidevorrichtung verlaufen über Rollen, und an einem Ende dieser Drähte hängen genau dosierte Gewichte. Dies soll zu einem günstigen Verlauf des Schnittes führen, ohne daß die Erdmasse durch den Schnitt Verformungen erleidet.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auf den ersten Blick wirkt eine solche Maschine sehr kompliziert, aber die Arbeitsabläufe sind sehr einfach und sehr intelligent organisiert. Das gesamte Gerät steht auf Rollen und kann zur Reinigung und Wartung bewegt werden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn die Erdzufuhr in die Knettrommel gut funktioniert, die Knettrommel problemlos läuft, keine Probleme mit dem Endlosband und bei der Auflegung der Bretter auftreten und die Schneidedrähte nicht reißen, dann ist es möglich, relativ viele Backsteinrohlinge pro Arbeitsschicht herzustellen. Sehr viel Handarbeit bei der Formung von Erdquadern, die vor dem Brand zur Trockung einzulagern sind, wurde durch diese Maschine ersetzt und die Produktivität der Ziegelei erhöht. Es ist immer wieder erstaunlich zu lesen, wieviel Innovation die Biedermeierzeit mit sich gebracht hat.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Karl-Ludwig Diehl&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Anmerkungen:&lt;br /&gt;(1)-(5) zitiert aus: o.A.: Ueber eine Maschine zur Verfertigung der Ziegel. S.215-218; S.225-226; S.227-230 und Zeichnungen auf den Blättern CXXXIII und CXXXIV in: Allgemeine Bauzeitung. Wien, 1837. S.216&lt;br /&gt;(6)-(9) zitiert aus: o.A., wie vor, S.217&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6835589152084916324-1029663050691854015?l=strukturellebaugeschichte.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://strukturellebaugeschichte.blogspot.com/feeds/1029663050691854015/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6835589152084916324&amp;postID=1029663050691854015' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6835589152084916324/posts/default/1029663050691854015'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6835589152084916324/posts/default/1029663050691854015'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://strukturellebaugeschichte.blogspot.com/2009/11/innovationen-in-der-biedermeierzeit-die.html' title='Innovationen in der Biedermeierzeit: die Maschine des Terrasson Fougère zur Herstellung  von Backsteinen'/><author><name>Karl-Ludwig Diehl</name><uri>http://www.blogger.com/profile/11909949692992381573</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='31' height='32' src='http://3.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SOuBUB0BTyI/AAAAAAAAAAo/mQx-tvh1B6k/S220/Selbstporträt.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://3.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxNCTjDPA7I/AAAAAAAACFM/wy-osjvvVXA/s72-c/Ziegelm+1.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6835589152084916324.post-6270843635096914863</id><published>2009-11-29T19:27:00.000-08:00</published><updated>2009-11-29T19:44:28.098-08:00</updated><title type='text'>Die Mehlhalle aus der Biedermeierzeit in Straßburg</title><content type='html'>&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://2.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxM82qJCX-I/AAAAAAAACE0/WT7Kf45JJww/s1600/Stra%C3%9Fb+1.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 179px;" src="http://2.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxM82qJCX-I/AAAAAAAACE0/WT7Kf45JJww/s400/Stra%C3%9Fb+1.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5409734487124893666" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Bauten zur Lagerung und zum Verkauf von Getreide und Mehl, aber auch große Bäckereien waren im 19.Jahrhundert ein großes Thema in Fachzeitschriften für Architekten und Bauingenieure. Es waren nicht nur große Hallen zu errichten, sondern auch neue Konstruktionen für Geschoßdecken großer Tragfähigkeit und Hallenüberdachungen für sehr große Spannweiten zu erfinden gewesen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In Straßburg war der Architekt Villot damit betraut worden, die Mehlhalle zu planen und zu bauen. Man wollte einen gedeckten Marktplatz zum Verkauf für Getreide und Mehl, nicht nur, weil der Verkauf dann geschützt vor den Unbilden der Witterung ablaufen konnte, sondern auch deshalb, weil der Stadt darüber Einnahmen zuflossen und eine genaue Kontrolle über die verkauften Mengen von Getreide und Mehl möglich war. Solange Stadtmauern Städte umgaben, war diese Kontrolle an den Stadttoren vorgenommen worden. Jetzt dienten also zentrale Markthallen demselben Zweck. Man hatte aber, als der Bau dieser Mehlhalle politisch genehmigt wurde, auch daran gedacht, diese Halle für Festversammlungen nutzen zu können.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Der mittlere große Saal dient nicht nur als Magazin und Aufenthaltsort an Markttagen für Käufer und Verkäufer, sondern theilt auch den rings herum liegenden Magazinen und Böden Luft und Licht mit. Dieser Saal wird öfters auch bei großen Festlichkeiten benutzt, wozu man ihn durch Draperien angemessen dekorirt." (1)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man hatte im Jahre 1827 mit dem Bau der Mehlhalle begonnen. Sie enthielt neben den Magazinräumen und der mittleren Halle auch eine Wohnung "für einen Hauswärter", sowie ein städtisches Büro, "das Verzehrungssteueramt", von dem aus der Handel überwacht wurde. Eine Brückenwaage erlaubte das Wiegen der Warenmengen, die ein- und ausgehen.&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://1.bp.blogspot.com/_kL4VOte57yY/SxM8-fF2rTI/AAAAAAAACE8/p47XV4XQ35Y/s1600/Stra%
